Trump, Du kannst nach Hause fahrn!

Heute Abend findet die dritte und letzte Fernsehdebatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump statt. Eigentlich ist die Sache klar, wenn Hillary Clinton nicht noch einen riesigen Fehler macht, wird sie die nächste Präsidentin der USA werden. Trump ist auf der Verliererstraße und kann daran nichts mehr ändern.

Er könnte nur noch in seiner Niederlage etwas verbessern, doch das wird er nicht. Der Polterer Trump wird nicht stillschweigend und als fairer Verlierer von der Bühne treten. Das macht er immer und immer wieder auf seinen Wahlkampfveranstaltungen deutlich. Trump spricht von einem abgekarteten Spiel, die Wahl sei manipuliert, von den Demokraten und auch den Republikanern, vom politischen Establishment gefälscht. Das sei klar, so Trump: „Wir werden nicht zulassen, dass sie vielleicht die großartigste Bewegung in der Geschichte dieses Landes stoppen“. Das sind die Worte von Donald Trump, mit denen er seine Wutfans in Rage bringt. Die Menge brüllte im Chor zurück „USA, USA, USA“.

Dieser Gedanke ist weit verbreitet im Trump-Lager. Die stille Mehrheit in den USA sei für Donald Trump. Foto: Reuters.

Dieser Gedanke ist weit verbreitet im Trump-Lager. Die stille Mehrheit in den USA sei für Donald Trump. Foto: Reuters.

Keiner der Trump Unterstützer erkennt die derzeitige Situation an. Für sie führt ihr Kandidat in den Umfragen, wenn er nicht gewinnen sollte, sei alles manipuliert. Von Hillary, den Demokraten, der eigenen Partei und einer geheimen Macht, die in Washington die Fäden in der Hand hält. „Die Demokraten besch…“, so die allgemeine Meinung im Trump-Lager. Der Vertraute und Berater von Donald Trump, Roger Stone, erklärte: „Es gibt weitreichenden Wählerbetrug. Und wenn das so ist, dann ist die Wahl nicht legitim. Wir werden eine Verfassungskrise haben, zivilen Ungehorsam und die Regierung wird nicht als Regierung anerkannt werden.“ Das ist die eindeutige Richtung, in die derzeit die politische Debatte geht.

Viele in den USA befürchten nach einer Niederlage Trumps das Schlimmste, heißt, eine weitere Radikalisierung eines Teiles des Trump-Lagers. Der Milliardär spielt mit dem Feuer und das ganz bewußt. Er fordert seine Unterstützer dazu auf, das Ergebnis der Wahl nicht anzuerkennen, sich dagegen aufzulehnen in welcher Form auch immer. Es ist ein riskantes Spiel, das durchaus die Gefahr eines Inlandsterrorismus birgt. Das Bombenattentat von Oklahoma City, Waco, Ruby Ridge und zuletzt der Bundy-Aufstand zeigen, dass es in den USA schon jetzt Freiräume gibt, in denen der bewaffnete Kampf gegen die Regierung geprobt und durchgeführt wird. Was nach der Niederlage von Donald Trump am 8. November passieren wird ist noch offen, doch schon jetzt kann man davon ausgehen, dass radikale und bewaffnete Kräfte im Land Unterstützung bekommen werden. Donald Trump selbst hat damit die Grundlage für so einiges geliefert, was man sich jetzt noch gar nicht vorstellen möchte. Zu stoppen ist diese Entwicklung nicht mehr, seine Wählerinnen und Wähler sind davon überzeugt, dass das System „rigged“, manipuliert ist.

Ich bin der König Amerikas

Donald Trump erklärt seiner Partei den Krieg. Foto: Reuters.

Donald Trump erklärt seiner Partei den Krieg. Foto: Reuters.

Donald Trump ist nicht länger der Kandidat der republikanischen Partei. Donald Trump ist in einem Parallelpolituniversum unterwegs, kämpft nur noch für sich. Am Wochenende kam der Rückzug einiger Parteigrößen, darunter Payl Ryan und John McCain, die erklärten, sie werden nicht länger Trump verteidigen und auch nicht mehr für ihn Wahlkampf führen. Nach den Affronts gegen Mexikaner, Afro-Amerikaner, Frauen, Behinderte, Muslime, Verbündete war nun das frauenfeindliche Video vom Freitag der letzte Tropfen, der das berühmte Fass im Republikanerhaus überlaufen ließ. Warum so spät, das müssen sich jene fragen lassen, die zu lange zugeschaut haben und hofften, Donald Trump würde noch „präsidial“ werden.

Die Antwort des Donald kam heute, wie eh und je heftigst und über twitter. Die Fesseln der Partei seien nun ab, nun könne er (Trump), endlich so für Amerika kämpfen, wie er das wolle. Und auch Drohungen wurden wieder ausgeteilt. Am Sonntag prophezeite er Hillary Clinton eine Gefängnisstrafe, falls er ins Weiße Haus einziehen werde. Heute meinte er, den Parteifunktionären der Republikaner in den kommenden vier Wochen eine Lehrstunde zu erteilen.

Trump kann nicht anders. Ihm geht es nicht um die Partei, nicht um Werte, nicht um die konservative Bewegung und auch nicht um das Land. Trump kämpft für Trump, für sein Ego und sein Konto. Politische Kommentatoren fassen sich in diesen Tagen verwundert an den Kopf. Keiner weiß mehr, wie er das noch kommentieren soll, was der selbstverliebte Milliardär da tagtäglich vom Stapel läßt. Polit-Historiker sind überfragt, so etwas, wie diesen Wahlkampf, hat noch niemand gesehen, davon gehört oder gelesen.

Amerika führt sich gerade selbst vor. Wie kann es sein, dass ein superreicher Egozentriker mit Hasstiraden eine etablierte Partei aus den Angeln hebt und das Land in eine demokratische Krise manövriert. Trump erklärt der Partei für die er angetreten ist nun den Krieg, ein weiteres Schlachtfeld für ihn, dass er blutig hinterlassen wird. Er wird bei den Wahlen am 8. November, genau in vier Wochen, verlieren, doch was er zurück lässt wird ist ein Desaster für die USA sein. Viele werden am Ausgang der Wahl zweifeln, viele sich vom demokratischen Prozess ganz abwenden, viele werden sich weiter radikalisieren. Der Graben in der amerikanischen Gesellschaft wird tiefer.

Trump hat mit seinem populistischen und teils vulgären Wahlkampf ohne Inhalte das Land verändert. Und das nicht zum Guten. Er wird sich nicht einfach geschlagen geben, das steht fest. Der republikanischen Partei steht noch einiges bevor. Sarah Palin, die Tea-Party-Fraktion waren Warnschüsse vor den Bug der Lincoln- und Reagan-Partei, die nicht wahr- oder nicht ernstgenommen wurden. Doch wie war das mit den Geistern, die man rief?

„Niemand hat mehr Respekt vor Frauen“

Martin, Oliver, Kai, Joachim, Marco, Gerhard, Peter, Derek, Elliot, Ramon, Marcus und all die anderen Männer, die ich so kenne, eines sei Euch gesagt: Ihr habt keinen Respekt vor Frauen. Zumindest lange nicht so viel wie Donald Trump ihn hat. Das hat er Euch heute Abend ganz direkt gesagt. Von daher, Ihr könnt einpacken, nach Hause fahren, weinen, was auch immer.

Sie mögen sich nicht, Donald Trump und Hillary Clinton. Foto: Reuters.

Sie mögen sich nicht, Donald Trump und Hillary Clinton. Foto: Reuters.

Donald Trump präsentierte sich in der zweiten Fernsehdebatte als Frauenversteher. Einer muß es ja sein. Ich bin begeistert von diesem, unserem, Präsidentschaftskandidaten. Wie sagt man hier so schön: I’m proud to be American! Trump legte schon früh los, bezeichnete Hillary Clinton als „Teufel“, schwor, wenn er ersteinmal in Amt und Würden sitze, würde er einen Sonderermittler beauftragen, den Sumpf um Hillary trocken zu legen. Denn die Demokratin gehöre ins „Gefängnis“. Der Frauenversteher versteht sich viele Freundinnen zu machen.

Donald Trump marschierte und stolzierte über die Bühne, fiel seiner Kontrahentin regelmäßig ins Wort. Ich fand es ja schade, dass er nicht wie beim ersten Mal ständig „wrong“ ins Mikrofon hüstelte, so bald Hillary was gegen ihn sagte. Aber man muß Donald Trump zugestehen, dass er an diesem Abend auf verlorenem Posten stand. Das Video vom Freitag, seine Reaktion darauf, dann noch diese seltsame „Unterste-Schublade-Kiste“ nur wenige Stunden vor der Debatte, das alles zusammen verhieß ein Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten, in dem es kaum um Inhalte gehen sollte. Es ging um Charakter, um die Nerven zu behalten, um nicht Auszuflippen. Hillary Clinton gelang das, sie blieb ganz „cool“. Donald Trump hingegen war nur schwer zu bremsen, die Krawatte schien manchmal sehr eng um seinen Hals gebunden zu sein.

An diesem Punkt im Wahlkampf, vier Wochen vor dem Urnengang, geht es nicht mehr darum Wähler zu gewinnen. Es geht in beiden Lagern nur noch um die eine Sache, Wähler davon abzuhalten, für den jeweils anderen Kandidaten zu stimmen. Ein Trump-Wähler wird nicht für Hillary stimmen und eine Hillary-Unterstützerin nicht auf einmal ihr Kreuzchen hinter Trumps Namen setzen. Die Wahlbeteiligung könnte vieles entscheiden, wenn es nicht schon längst entschieden wäre. Denn das eine Video vom Freitag wird nicht das letzte sein, was nun veröffentlicht wird. Trump ist in diesem Boxkampf der zwei politischen Schwergewichtler mehr als angezählt. Sein zu erwartendes wildes Umsichschlagen wird am Ende nicht mehr viel bringen. Mehr und mehr Republikaner distanzieren sich, es wäre auch keine Überraschung, wenn sich seine Vize Mike Pence nun aus dem Rennen verabschiedet. Trump ist dann wohl doch nicht das, was er sich erhofft hatte. Hillary braucht nun nur noch locker und lässig die letzten vier Wochen hinter sich bringen, dann ist sie am Ziel ihrer Karriere. Ob das nun für die Amerikaner gut oder schlecht ist, das lasse ich hier mal offen.

Wirklich? Jetzt ist das Maß voll?

Man kann nur noch den Kopf schütteln über diese Partei. Jetzt regt man sich auf über Donald Trump, na ja, nicht alle, die Führungsriege im Abgeordnetenhaus und im Senat steht weiterhin zu ihm. Paul Ryan und Mitch McConnell haben mal ganz entsetzt getan, mit dem Zeigefinger gedroht, ganz laut „Du, Du, wie kannst Du nur?!“ gerufen und und gut war es. Nur eine Handvoll Republikaner wenden sich nun offen vom Donald ab. Warum erst jetzt, fragt man sich, denn Donald Trumps Kandidatur war von Anfang an auf Provokation, Anfeindungen, Lügen und Beschimpfungen aufgebaut. Die „Grand Old Party“ scheint am Boden zu sein, die Rufe nach Trumps Rücktritt und der Kandidatur von Vize Mike Pence sind deutlich zu hören. Allerdings wird das nicht passieren, dafür hat Trump ein zu großes Ego.

Donald Trump hat an diesem Wochenende nichts zu lachen. Foto: Reuters.

Donald Trump hat an diesem Wochenende nichts zu lachen. Foto: Reuters.

Die Republikaner haben ihren Trump bekommen, den sie schon lange verdienten. Man denke nur an Sarah Palin und ihr Getöse, an die Tea-Party Fraktion, all das ebnete den Weg für eine Kandidatur Donald Trumps. Er als Außenseiter erkannte die Zeichen der Zeit, dazu sein Großmaul, sein Bekanntheitsgrad, das war das „Winning Ticket“ in diesem Wahlkampf. So zumindest schien es. Trump selbst sagte, er könne auf der 5th Avenue jemanden erschießen, seine Anhänger würden ihn deshalb nicht aufgeben.

Und nun wurden wieder Videos veröffentlicht, in denen Trump zu sehen ist, wie er nicht gerade frauenfreundlich von seinen Wählerinnen spricht. Trump hat nun ein Problem, einen Tag vor der wichtigen zweiten Fernsehdebatte zwischen ihm und Hillary Clinton, nur vier Wochen vor der Wahl. Der morgige Abend wird „Must See TV“ in den USA, die Einschaltquoten werden noch weitaus höher liegen als beim ersten Aufeinandertreffen der beiden. Wie wird sich Trump verhalten, angeschlagen wie er nun ist? Kann er sich noch „präsidial“ zeigen oder wird er aufbrausend und angriffslustig auf Clinton losgehen? Ich weiß, was ich morgen Abend machen werde, diesen Schaukampf lasse ich mir nicht entgehen.

Und hier noch Donald Trumps Reaktion auf die nun veröffentlichten Videos. Eine Entschuldigung, zumindest eine ernstgemeinte, klingt anders:

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Es war nicht sooo unterhaltsam

Mike Pence gegen Tim Kaine. Republikaner gegen Demokrat. Trump-Vize gegen Hillary-Vize. Es war ein Schlagabtausch, aber alles andere als unterhaltsam. Zwei Männer diskutierten und positionierten sich hier, die kaum jemand in den USA und erst recht nicht im Ausland kennt. Der Gouverneur von Indiana gegen den Senator aus Virginia.

Tim Kaine griff früh an, Mike Pence verteidigte vor allem Donald Trump, in dem er auf die schwache Kandidatin Hillary Clinton verwies. So richtig erklären konnte Pence die Peinlichkeiten und Pannen seines Präsidentschaftskandidaten nicht. Vielmehr warf er dem demokratischen Lager vor, einen provokaten Wahlkampf unter der Gürtellinie zu führen. Man wunderte sich als Zuschauer über diese Erklärung.

Tim Kaine (links) gegen Mike Pence (rechts). Es blieb friedlich. Foto: Reuters.

Der Demokrat Tim Kaine (links) gegen den Republikaner Mike Pence (rechts). Es blieb friedlich. Foto: Reuters.

Mike Pence ist ein christlicher Fundamentalist, der durchaus Chancen hat, 2020 selbst als Kandidat ins Rennen zu gehen. Er ist ruhig, läßt sich nicht provozieren, hat Erfahrungen als Kongressabgeordneter und als Gouverneur. So richtig passt er nicht zum Polterer Donald Trump, man fragte sich während dieser Debatte, warum Pence das Angebot Trumps angenommen hat, sich als Vize-Kandidat hinter dem Milliardär einzureihen. Irgendwie, das wurde am Dienstagabend in der Fernsehdebatte überdeutlich, passen die beiden Männer so gar nicht zusammen. Pence versuchte Trump für die Fernsehnation schönzureden, aber irgendwie wollte oder konnte man sich den „Beach Body“ des Donald nicht vorstellen.

Auch Tim Kaine war für mich nicht gerade überzeugend. Er schien zuvor zu viel Kaffee getrunken zu haben, war „hyper“ und fiel Pence ständig ins Wort. Seine Aufgabe schien klar gewesen zu sein. Er sollte Pence in die Defensive bringen und immer und immer wieder an die nicht veröffentlichten Steuererklärungen des Donald Trump erinnern. Das machte er und nervte damit, denn jedes politische Problem, innen- und außenpolitisch, wurde auf diese nicht bekannte Papierflut reduziert.

Alles in allem war es ein langweiliger Debattenabend. Man verpasste nichts, wenn man schon nach einer Stunde abschaltete, denn weder Mike Pence noch Tim Kaine schafften es, auch nur einen zweifelnden Wähler von sich und ihrem/ihrer Kandidaten/Kandidatin zu überzeugen. Von daher warten wir nun auf das nächste Großereignis am Sonntag, wenn es wieder heißt: Donald Trump gegen Hillary Clinton.

Die Wahlnacht geht früh zu Ende

Ich lehne mich nun mal weit aus dem Fenster und behaupte, die weltweit beachtete Wahlnacht vom 8. auf den 9. November wird eine kurze sein. Donald Trump wird verlieren und das deutlich. Die „Swingstates“ Florida, Virginia, Ohio, Pennsylvania und New Hampshire sind im Osten des Landes und werden von Hillary Clinton gewonnen werden. Damit wird schon früh in der Wahlnacht feststehen, dass die One-Man-Show des Donald Trump ein Ende gefunden hat. Zumindest am Wahlabend.

Donald Trump wird die Niederlage nicht einfach akzeptieren. Foto: Reuters.

Donald Trump wird die Niederlage nicht einfach akzeptieren. Foto: Reuters.

Trump wird nicht aufgeben und vor allem nicht schnell die Niederlage eingestehen, „concede“ heißt das, öffentlich erklären, dass er verloren hat. Denn damit wäre die Wahl entschieden, Hillary Clinton Präsidentin. Aber wer diesen unsäglichen Wahlkampf verfolgt, wer sieht, welches Schauspiel Trump da in den letzten 16 Monaten auf die Politibühne gebracht hat, der wird wissen, der Donald zieht sich nicht einfach zurück, wird nicht ohne weiteres erklären, er habe gegen die verhasste „Crooked Hillary“ verloren.

Aber dennoch, Trump hat bei der Wahl am 8. November keine Chance. Er müsste deutlich bei Afro-Amerikanern, bei Frauen punkten und vor allem Latino Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen, die in Bundesstaaten wie Arizona, New Mexico und Nevada eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Trump hat das bislang nicht geschafft. Ganz im Gegenteil, sein Ruf nach dem Mauerbau hat viele verprellt.

Trump hat Amerika verändert. Das steht fest. Nach ihm wird kein Wahlkampf mehr wie früher sein. Die große Schnauze, das skrupellose Vorgehen, das teils vulgäre Auftreten und so einen Vorwahlkampf gewinnen, so etwas hat Amerika noch nicht gesehen. Man kann nur hoffen, dass die Republikaner in der Niederlage eine Chance sehen, um sich neu auszurichten und einen zweiten Donald Trump unmöglich machen. Doch auch das bezweifele  ich. Der Graben in den USA, der die Gesellschaft seit Jahren immer weiter auseinander driften läßt, wird tiefer und tiefer.

Die Frage ist auch, wie Donald Trump und seine vielen Unterstützer sich in der Niederlage verhalten werden. Ein stilles Akzeptieren, ein Annehmen der Pleite, ein selbstkritisches Betrachten der eigenen Fehler, das scheint zu diesem Zeitpunkt außer Frage zu stehen. Trump wird nicht einfach verschwinden, er wird poltern, toben, angreifen, das politische System und den Wahlausgang anzweifeln. Viele seiner (bewaffneten) Unterstützer werden dadurch in ihrem Hass gegen den Staat nur bestärkt werden. Die Folgen könnten fatal für dieses Land sein. Mit der Auszählung der Stimmen wird das Kapitel Donald Trump noch lange nicht zu Ende sein. Das ist die bittere Konsequenz in Trumps Niederlage.

Wahlkampf in San Quentin

Sonntagmorgen 8:30. Ich stehe in der Warteschlange vor dem Gefängnis von San Quentin. Um mich herum etwa drei Dutzend Frauen, zumeist Latinas und Afro-Amerikanerinnen, auch ein paar Weiße. Einige Kinder sind auch dabei, warten auf die Kontrolle hinter der ersten Sicherheitsschleuse. Ich besuche mal wieder Reno, den ich seit über 20 Jahren kenne und seitdem ich hier in der Gegend lebe regelmäßig im kalifornischen Todestrakt besuche.

Das Warten und der Gang entlang der San Francisco Bay zum Besucherraum des East-Block ist nichts mehr besonderes, diesen Weg bin ich in den letzten 20 Jahren oft genug gegangen. Heute muß ich zum „Overflow“ Bereich, das ist ein Backsteingebäude gleich neben der Hinrichtungskammer. Auch dort wurden Besuchsmöglichkeiten für Todeskandidaten geschaffen, heißt, Stahlkäfige im Boden verankert, in denen man mit dem Häftling eingesperrt wird.

Dort angekommen muß man zuerst durch eine weitere Schleuse, seinen Leuchtstempel auf dem Unterarm vorzeigen, seinen Ausweis abgeben, dann darf man sich ein paar überteuerte Getränke und Speisen aus den Automaten holen. Die Atmosphäre ist entspannt an diesem Morgen. Dieser Besuchsraum wird im hinteren Bereich auch für die „regular population“, also die „normalen“ Häftlinge mit langjährigen Haftstrafen genutzt. Ein paar Gefangene sprechen mich an, sind freundlich, zeigen mir, wo ich Papiertücher und Pappteller für die Mikrowelle finde. Man ist hier locker entspannt, auch wenn einige der in Jeans gekleideten Zeitgenossen in einer anderen Umgebung angsteinflössend wirken würden.

Wahlkampf in der Warteschlange von San Quentin.

Wahlkampf in der Warteschlange von San Quentin.

Zwei Stunden Besuch mit einem Todeskandidaten gehen schnell vorbei. Wir lachen, machen Witze, er isst seine Burger, trinkt seine Coca Cola, wir teilen uns Popcorn. Wir reden über die Politik, über die zwei Todesstrafen-Abstimmungen, die am Wahltag in Kalifornien auch entschieden werden. Ich erzähle von meinen Reisen, über meinen Hund Käthe, die gerne mal Rehen hinterherhastet und mich danach heiser werden lässt. Reno lacht nur darüber. Über seinen Fall sprechen wir kaum. Eine Umarmung am Schluß. Er wird nach einer Ganzkörperkontrolle wieder in seine kleine Zelle, sein „House“, gebracht, ich spaziere, nachdem es „Clear“ heißt, entlang der Bay zum Parkplatz zurück.

Draußen warten wieder Dutzende von Frauen auf Einlass. Dort liegt auch Karten der sozialistischen „Peace and Freedom Party“ aus. Ein etwas ungewöhnlicher Ort, um Wahlkampf zu führen. Präsidentschaftskandidatin Gloria La Riva und ihr Vize-Kandidat Dennis Banks gehen in der Besucherschlange von San Quentin mit ihrem Ruf nach einer sozialistischen Revolution in den USA auf Wählerfang. Anscheinend glaubt einer ihrer Unterstützer, dass Besucher von Todeskandidaten, Lebenslänglichen oder Langzeithäftlingen besonders offen für die antikapitalistische Losung sind. Viel beachtet wurden die Karten allerdings nicht. Hier hat man anderes im Sinn, als sich über eine (unrealistische) politische Alternative zu Donald Trump und Hillary Clinton Gedanken zu machen.

Die Nacht der Nächte im Wahlkampf

Foto: AFP.

Hillary Clinton gegen Donald Trump. Es war der Kampf, der seit Wochen beworben wurde. Die Latte lag aber für beide unterschiedlich hoch. Hillary Clinton sollte und durfte nicht distanziert und alleswissend rüberkommen. Donald Trump hingegen mußte nur „präsidial“ wirken und nicht aufbrausend sein. Die Debatte war dann auch das, was sie sein sollte, ein guter Schlagabtausch. Anschließend war ich dran. Ein Interview nach dem Fernsehdebattenabend, diesmal wurden mir die Fragen gestellt, kurz und knapp sollte es sein.

– Zum ersten Mal debattieren Hillary und Trump direkt gegeneinander. Aus dem Fernduell wird also ein direkter Schlagabtausch?

Ja, es war der erste direkte Kontakt von beiden im Wahlkampf. Von daher wurde das vorher auch als Megafernsehereignis und als die wichtigste Kandidatendebatte aller Zeiten angekündigt. Es war ein Schlagabtausch, der es durchaus in sich hatte. Ein guter Fernsehabend.

– Das Ganze ist ein gigantisches Fernsehereignis mit Millionen von Zuschauern. Ich nehme an auch in den letzten Tagen war es DAS Thema in den USA? 

Klar, alle Medien arbeiteten darauf hin. Auf den bekannten Nachrichtensendern wurde sogar ein Countdown dauerhaft eingeblendet. Alle möglichen wichtigen und weniger wichtigen Leute gaben im Vorfeld ihren Senf ab, gaben Tipps, wie die beiden Kandidaten sich verhalten, auf was sie achten sollten. Also, das war am Ende schon sehr nervig.

– Sprechen wir kurz über das Outfit der beiden… Trump ohne rote Kravatte dafür Hillary im angriffigen, knall-roten Kleid!

Diese Bedeutung würde ich so nicht sehen. Beide trugen eigentlich etwas, was sie immer tragen. Die blaue Krawatte von Trump ist nichts neues, und auch die Farbe rot hat Hillary Clinton schon öfters getragen. Ich glaube, es ging mehr darum, ein angenehmes Fernsehbild zu präsentieren, als um eine politische Aussage.

– Spätestens seit Hillary die 9/11 Feier abgebrochen hat ist ihr Gesundheitszustand DAS Thema. Heute wirkt sie aber SEHR vital und frisch! 

Ja, sie war vital, sie war frisch, lächelte viel. War immer gegenwärtig, reagierte auf Trumps Aussagen gekonnt und auf den Punkt gebracht. Also heute Abend konnte man Hillary Clinton “at her best” sehen, also wirklich ein sehr gute Präsentation von ihr.

– Wer macht auf dich den besseren Eindruck? Wer wirkt kompetenter?

Also, ich glaube, die Frage ist überflüssig. Hillary Clinton ist einwandfrei die kompetentere Kandidatin. Das hat man gesehen als sie über internationale Verträge, über diplomatische Beziehungen, über Außenpolitik gesprochen hat. Donald Trump stand da rum und schaute so, als ob er das, was Clinton da sagt, nicht verstehen würde oder noch nie gehört hätte. Clinton wäre vom ersten Tag einer Präsidentschaft einsatzfähig. Bei Trump trifft das wohl auf keinen Fall zu.

– Sind von den Beiden auch NEUE Dinge zu hören? Oder ist es der alte Wein in neuen Schläuchen?

Solche Debatten sind ja mehr ein Aufeinandertreffen, wie die beiden reagieren, sich provozieren lassen und auch eben auf direkte Fragen antworten und gegenantworten können. Neues gab es nichts, das ist auch viel zu spät im Wahlkampf, jetzt geht es darum die eigene Position klar zu machen, Standpunkte zu verdeutlichen und nicht mehr darum mit einem Wahlgeschenk zu trumpfen.

– Die beiden müssen sich zu dutzenden, teils äusserst komplexen Problemen und Themen äussern… wer schaffte es besser diese einfach zu erklären und einleuchtende Lösungen zu präsentieren? 

Einwandfrei Hillary Clinton. Also, sie macht auf mich den Eindruck, dass sie weiß wovon sie spricht. Donald Trump ist mehr der Kandidat der Einzeiler.

– Solche Debatten werden jeweils von einem der beiden Kandidaten „gewonnen“. Wer hat das Rennen gemacht und warum?

Ich denke, Hillary Clinton hat gewonnen, denn sie machte deutlich, dass sie ihr Handwerk versteht. Trump wurde von ihr wirklich an die Wand gespielt. Natürlich hat Clinton nicht die Hardcore Trump Wähler gewinnen können. Aber ich denke mal, viele Republikaner werden einfach Trump nicht wählen…wahrscheinlich gar nicht zur Wahl gehen. Und das ist dann schon ein Gewinn für Hillary Clinton.

– Wer hat mehr angegriffen? Hillary sagte unter anderem, Trump habe Frauen Schweine genannt.

Für Trump war es wichtig nicht aufzubrausen, sich präsidial zu präsentieren. Ich denke Hillary Clinton hat Donald Trump gut in der Hand gehabt, auf seine fehlenden Pläne, seine nicht realisierbaren Konzepte hingewiesen. Und sich dann auch nicht provozieren lassen. Also ich muss sagen, heute Abend hat mir Hillary Clinton am besten gefallen. Sie überzeugte deutlich.

– Wie geht es nun weiter die nächsten Tagen und Wochen? Der Tag X rückt ja rasend schnell näher!

Es wird noch zwei Debatten zwischen den beiden geben, und die nächsten Wochen geht es noch heiß her. Wahlkampf bis zum Schluß. Also, es ist noch nicht vorbei.

Wie kann man nur?

Donald Trump macht einen Schmalspurwahlkampf. Er erklärt, poltert, tobt, greift an, beweihräuchert sich selbst. Und das alles in 140 Zeichen auf twitter. Dazu kommt die Null-Aussage „I will make America great again“. Trump will Amerika wieder großartig machen, was auch immer das heißen mag. Er will den Islamischen Staat zerstören, die Grenzen sichern, eine olle Mauer an der südlichen Grenze von Mexiko errichten lassen, produzierende Jobs aus China, Vietnam, Bangladesch und vor allem Mexiko wieder in die USA verlagern, das amerikanische Militär mit Unsummen an Dollar ausrüsten. Ja, Amerika soll wieder „great“ werden.

Mit Schlechtreden Amerika "great" machen. Foto: Reuters.

Mit Schlechtreden Amerika „great“ machen. Foto: Reuters.

Doch wie, das verschweigt Donald Trump. Er hat keinen Plan, er hat nur Einzeiler. Und Beschimpfungen und Seitenhiebe für seine Kontrahentin. Um das noch zu toppen, sollte und muß man anführen, dass Donald Trump in diesen 140 Zeichen und diesen Jubeleinzeilern nicht immer die Wahrheit spricht. Er sagt, er sei gegen den Irakkrieg gewesen, doch es gibt Radiointerviews, in denen er das Gegenteil behauptete. Trump bauscht sich als Retter der Jobs auf, hat jedoch selbst im billigen Ausland produzieren lassen. Er sei ein „Dealmaker“, gleichzeitig verschweigt er, dass er schon zahlreiche seiner Firmen in den Bankrott getrieben hat. Die Folgen hatten einfach Mitarbeiter und Investoren zu tragen. Er fordert ein Einreiseverbot für Muslime, verschärfte Kontrollen der Polizei, und das, obwohl beides mit der amerikanischen Verfassung nicht vereinbar ist. Da ist der Geschäftsmann, der skrupellos über Leichen geht, mehrmals geschieden ist und gleichzeitig die Unterstützung der christlichen Fundamentalisten erhält. Amerika steht Kopf.

Die Stärke Trumps ist die Schwäche von Hillary. Eigentlich dürfte ein Kandidat wie Donald Trump überhaupt nicht so weit kommen. Der Hühnerhaufen, der sich Republikaner nennt, präsentierte sich für den selbstverliebten Kandidaten Trump nicht gewachsen. Der wußte genau, wie er die Medien handhaben und seine Kontrahenten klein halten mußte. Trump ist ein Entertainer, der Politik zum Showbusiness macht. Der Amerika schlecht redet und sich zum Messias macht, nur er und er allein könne das Land vor dem Untergang retten.

Am Montag nun steht die erste Fernsehdebatte gegen Hillary Clinton an. Und Trump hat die leichtere Aufgabe vor der Fernsehnation. Er muß eigentlich nur zeigen, dass er nicht gleich aufbrausend und beleidigend rüberkommt. Denn klar ist, Hillary Clinton hat mehr politische Erfahrungen, mehr Fachwissen, kennt den Politapparat im In- und Ausland bestens. Doch gerade das wird ihr vorgeworfen. Viele Amerikaner wollen die Zukunft lieber in die Hände eines Egozentrikers geben, eines Blenders, eines selbstverliebten Superreichen, der wahrlich keine Ahnung vom realen „American way of life“ hat.

Der Cowboy ohne Rückgrat

Ted Cruz präsentierte sich im Wahlkampf als Erzkonservativer. Anfangs kam er noch gut mit Donald Trump aus. Die beiden waren höflich zueinander, lobten sich gegenseitig, ergänzten sich auf der Vorwahlkampfbühne. Doch damit war Schluß, als Donald Trump direkt Ted Cruz angriff. So, wie er es zuvor bei anderen Kandidaten gemacht hatte, darunter Jeb Bush und Marco Rubio. Trump verbreitete Hohn, Spott und Lügen über Ted Cruz. Er fragte, ob dieser überhaupt Amerikaner sei, denn Cruz wurde in Calgary, Kanada, geboren. Dessen Vater, kubanischer Einwanderer, sei in das Attentat von John F. Kennendy verwickelt gewesen. Typisch Trump sagte er, „die Leute reden, ich weiß das nicht, aber die Leute reden“. Das saß, damit waren die Bandagen abgelegt, es kam zu einem offenen Schlagabtausch zwischen dem texanischen Senator und dem New Yorker Milliardär. Letzterer hielt sich nicht zurück und griff auch die Ehefrau von Cruz an. Trump kannte und kennt kein Erbarmen im Wahlkampf.

Ted Cruz schwört Donald Trump die Treue. Foto: Reuters.

Ted Cruz schwört Donald Trump die Treue. Foto: Reuters.

Ted Cruz brandmarkte Trump als „pathologischen Lügner“, als „Scheinkonservativen“, als „charakterlos“. Doch all die Lügen, die verbalen Tiefschläge, die Kraftausdrücke und Beleidigungen des Donald schienen die republikanischen Wähler nicht zu stören. Trump wurde auf dem Parteitag der „Grand Old Party“ als ihr Kandidat gewählt. Doch Ted Cruz verweigerte sich auf diesem Jubelfest einer direkten Unterstützung des selbstverliebten Trump. Der blaffte zurück, das sei ihm egal, er wolle und brauche die Unterstützung des Texaners gar nicht. Ted Cruz hingegen spaltete mit seiner Entscheidung die Partei. Einige meinten, der Vorwahlkampf sei vorbei, nun müsse man Gräben zuschütten und gemeinsam nach vorne blicken. Andere hingegen, darunter namhafte Politiker und Talk-Show Moderatoren, priesen den Senator für seine Standhaftigkeit. Immerhin habe sich Donald Trump nie für seine Verbalattacken gegen Cruz und dessen Familie entschuldigt.

Und nun ist Ted Cruz eingeknickt. Er unterstütze jetzt doch Donald Trumps Kandidatur fürs Weiße Haus und hoffe, der New Yorker werde im Januar ins Weiße Haus einziehen können. Dieser Entschluß scheint nicht aus Überzeugung zu kommen, eher aus politischem Kalkül, denn Cruz muß sich in zwei Jahren einer Wiederwahl als Senator stellen und in den letzten Wochen pfiff ihm der Gegenwind um die Ohren. Von Wählern aus Texas, von politischen Wegbegleitern, doch vor allem von wichtigen Geldgebern, die er für eine erfolgreiche Kandidatur und Wiederwahl braucht. Cruz knickt ein, zeigt damit, dass er überhaupt kein Rückgrat hat und sich von Donald Trump vorführen, beleidigen und erniedrigen lässt. Und das ohne Konsequenzen. „Goodbye Ted“, Du hast es nicht besser verdient.