Comeback Hillary

Und da ist sie wieder. Noch lässt sich Hillary nicht auszählen. Mit einer lang vorbereiteten Rechten kommt sie zurück in den Zweikampf, hat ihrem Gegenüber mal kräftig einen auf die Rübe, bekommt sogar ein bisschen Oberhand, doch die Frage bleibt, steht sie nach Runde X als Sieger, pardon Siegerin fest? Mit ihrem deutlichen Sieg bei den Vorwahlen in Pennsylvania hat sie viele, mich einbezogen, ziemlich überrascht. Ich muss ehrlich zugeben, damit hätte ich nicht gerechnet. Dass sie gewinnt ja, aber nicht mit fast zehn Prozent Vorsprung.

Hillary Clinton erklärte umgehend, dass sie die Kandidatin sei, die auch in hart umkämpften Bundesstaaten gewinnen könne. Doch das sei mal dahin gestellt, immerhin geht es hier um eine innerparteiliche Wahl. Demokratische Wähler werden sich deshalb nicht plötzlich einem republikanischen Kandidaten zuwenden, wenn ihr Demokrat nicht durchkommt. Wichtig ist für den oder die Sieger(in), dass er in Windeseile die Partei wieder zusammenschweisst, Wunden schleunigst schliesst und an das eigentliche Ziel, den Gewinn des Weissen Hauses denkt.

Nun geht das bunte Draufloskloppen zwischen den beiden demokratischen Senatoren munter weiter. Jeder spricht dem anderen Qualitäten ab, jeder sieht sich als den besseren Kandidaten der eigenen Partei. Als nächstes kommt nun Indiana an die Reihe, ein Staat, der bislang überhaupt keine Rolle bei Vorwahlen spielte…oder zumindest nicht in den letzten 40 Jahren.

Hillary hofft auf den starken Rückenwind aus der Pennsylvania Wahl und alles sieht danach aus, dass sie den auch wirklich hat. Innerhalb von einem Tag konnte sie 20 Millionen Dollar an Wahlspenden einsammeln. Ihre Unterstützer glauben auf einmal wieder, dass die First Lady ihren Wiedereinzug ins White House schaffen kann. Doch dabei wird ein bisschen übersehen, dass Indiana zum Teil ein Heimspiel für Barack Obama ist. Indiana grenzt im Süden an Illionois. Rund 15-20 Prozent der potenziellen demokratischen Wähler in Indiana sehen Fernsehen aus Chicago, dem Heimatdistrikt von Barack Obama. Ihnen ist der Kandidat und für was er steht bestens vertraut. Sicherlich, Hillary Clinton ist bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund, doch nicht unbedingt für was sie politisch genau steht. Denn so ein grosser Unterschied liegt eigentlich nicht zwischen den Kandidaten.

Aber nun piesacken sich die beiden Lager erstmal weiter. John McCain, der Republikaner auf der anderen Seite, lässt es locker angehen, versucht die Basis seiner Partei zu einen, Unterstützer und viel Geld zu sammeln. In einigen Umfragen liegt er sogar vor den beiden Demokraten. Doch die beiden geben sich gelassen. Beide spüren, wie sangen die Scorpions so schön, den „Wind of Change“. Amerika dürstet nach Wandel, nach Neuanfang, nach jemanden, der die USA wieder zu dem machen kann, für was sie standen. John McCain steht nicht für einen drastischen Wechsel. Er wäre, falls er wirklich am Ende gewählt werden sollte, ein Kandidat des Übergangs, der ohne breite Unterstützung in den eigenen Reihen auch nicht das verwirklichen kann, was er im Wahlkampf verspricht.

McCain am Ziel seiner Träume

Bush unterstützt McCain

Am Mittwochmorgen trafen die einstigen Rivalen im Weissen Haus aufeinander. Im Vorwahlkampf 2000 bekämpften sie sich noch bitterböse, doch nun hoffen die beiden Republikaner gemeinsam eine Rückkehr der Demokraten ins „White House“ zu verhindern.

Am Vorabend machte John McCain seine Nominierung dingfest. Er ist der Kandidat seiner Partei, auch wenn die ihn nicht richtig will. McCain gilt als zu liberal, als nicht konservativ genug, als jemand, auf den man sich nicht unbedingt verlassen kann, wenn es um die Ziele der Partei geht. Und McCain ist Pragmatiker, er holt sich schon mal Unterstützung beim politischen Gegner, auch und gerade gegen den Willen der eigenen Parteifreunde. Und gerade das kreiden ihm viele Republikaner an.

Doch nun stellt sich George W. Bush hinter McCain und die Frage ist, ob das nicht eher ein Problem für den Kandidaten sein wird, denn Bush ist in seinem letzten Amtsjahr alles andere als ein starker, respektierter und beliebter Präsident. Immer mehr Republikaner wenden sich von ihrem Mann im Weissen Haus ab, um ungehemmt Wahlkampf führen zu können. Bush steht heute für einen ungeliebten Krieg, die internationale Isolation, für den Verlust vieler Bürgerrechte, für eine kränkelnde Wirtschaft und einen Berg an Umweltproblemen.

Abzuwarten bleibt also, ob John McCain auf die Unterstützung des Präsidenten bauen wird…Politisch wohl eher nein, aber als Zugpferd beim Fundraising mit Sicherheit.