Der Minderheitenpräsident

Donald Trump kann es nicht lassen. Er ist weit davon entfernt, der Präsident aller Amerikaner zu sein oder auch nur sein zu wollen. Eine Woche habe ich nun nichts mehr gebloggt, einfach nur mitgelesen, was da in Washington passiert. Eine kleine Pause eingelgt, durchgeatmet. Doch Trump kommt einfach nicht im Weißen Haus an. Er macht weiter Wahlkampf und zerlegt dabei die amerikanische Demokratie. Er lässt sich auf Massenveranstaltungen, wie gestern in Iowa, feiern, attackiert weiter Medien und Demokraten, eben all jene, die nicht auf dem Trumpschen MAGA-Zug aufgesprungen sind. Und natürlich tweetet er weiter in die Weltgeschichte. Das ist nicht präsidial, das ist einfach nur billig und peinlich.

Donald Trump arbeitet für seine Basis, dem Viertel der Amerikaner, die für ihn gestimmt haben und noch immer an ihn glauben. Er erzählt denen die Mär von MAGA. Vom gelobten Land, vom auserwählten Volk, von der Führungsrolle Amerikas. Und irgendwie hat man das alles schon mal gesehen. Der offene Hass gegen alles und alle, die gegen ihn sind, die Verunglimpfung von Andersdenkenden, die Verbreitung von Un- und Halbwahrheiten, wer ihn lobt, wie FOXNews, wird von ihm gehätschelt. Wer ihn kritisiert, wird von ihm verdammt und verhöhnt…Trump schafft die amerikanische Demokratie und ihre Einrichtungen ab und das im Schnellverfahren. Eigentlich müsste einem dabei angst und bange werden. Die Zukunft verheißt nichts Gutes.

Trump feiert sich selbst

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Und Präsident Donald Trump sammelt bereits Gelder für den nächsten Wahlkampf ein. Nicht nur das, er hat nun auch schon einen Werbespot über seine bislang erreichten „Erfolge“ produzieren lassen. Eine Lobhudelei, die ihn ins rechte Licht setzen soll. Zumindest bei seinen Wählern. Einige Sender, darunter CNN haben sich jedoch geweigert, diesen Clip zu spielen. Der Grund liegt darin, dass einige Moderatoren und Journalisten des Nachrichtenkanals am Ende des Spots als „Fake News“ bezeichnet werden. CNN forderte, dass dies unterlassen, der Clip neu geschnitten werden sollte. Das Trump-Lager weigerte sich allerdings, somit ging das Trump Video zumindest bei CNN nicht auf Sendung.

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Twitter sollte pleitegehen, dann hat dieser Wahnsinn ein Ende

140 Zeichen. So regiert Donald Trump. Er machte so Wahlkampf und nun geht es damit weiter. Jüngstes Beispiel, die Androhung, die Staatsbürgerschaft jenen zu entziehen, die die amerikanische Flagge verbrennen. Das ist von heute Morgen.

Trump hält keine Pressekonferenzen, erklärt sich nicht, vielmehr kommuniziert er mit den Medien und seinen Anhängern über twitter. Und das ist alles andere als präsidial, wie dieser Tweet zeigt, ein erneuter Angriff auf die Medien. Trump kritisiert jeden, der nicht in sein Populismushorn bläst.

Wer glaubte, der gewählte Donald Trump würde endlich mal ein paar Gänge runterfahren und nicht mehr so sehr auf der „Ich-Welle“ reiten, der liegt schief. Trump beweihräuchert sich weiter als Retter der Nation, als Sieger, Gewinner, Alleskönner. Auch das zeigt er in seinen Tweets, wie diesem hier, in dem er erklärt, er habe nicht nur mehr Wahlmänner erhalten sondern auch die meisten Stimmen, wenn man jene illegalen Wahlstimmen von  Hillary Clinton abziehe. Donald Trump behauptet damit ernsthaft, ohne Beweise vorzulegen, dass in dieser Präsidentenwahl mehr als zwei Millionen Stimmen von Personen abgegeben wurden, die eigentlich nicht wählen dürften. Das ist der gewählte Präsident der USA, ein beeindruckender Verfechter der amerikanischen Demokratie.

Donald Trumps Regierungsstil wird sich nicht von dem unterscheiden, was er als Wahlkämpfer gemacht hat. Er meint, nur „my way or the highway“. Hatten bislang gewählte Präsidenten still und leise ihr Kabinett zusammen gestellt, macht Trump auch das anders. Er spricht über Treffen, verheimlicht nicht, wen er für welchen Posten in Erwägung zieht und lässt es sogar zu, dass seine engsten Berater Kandidaten beleidigen, wie jüngst Kellyanne Conway Mitt Romney. Trump hat die Zügel in der Hand und lässt die Dinge geschehen. Seine Auswahl seines Kabinetts erinnert mehr an eine Folge von „The Apprentice“ als eine ernstzunehmende Kandidatensuche. Es fehlt nur noch, dass jene Männer und Frauen, die auf der Trumpschen Liste stehen, Aufgaben erledigen müssen, um ihre Qualitäten und ihre Loyalität unter Beweis zu stellen.

In den Kommentaren der „Talking Heads“ auf den 24 Stunden Nachrichtenkanälen hört man immer, Donald Trump mache es einfach anders. Das sei eben seine Art. Eine Entschuldigung, eine Erklärung, dass unter Trump nun alles anders wird. Ein Präsident, der über twitter hetzt, tobt, lügt. Ist das das Amerika in dem ich nun lebe? Ich kann nur hoffen, dass twitter wirklich pleite geht, vielleicht ist dann endlich Schicht im Schacht mit diesem 140 Zeichen Blödsinn von Donald Trump.

Das drohende Trump-Gewitter kommt

Donald Trump und Mike Pence sind noch nicht ins Weiße Haus eingezogen, doch schon jetzt wird klar, was auf die Amerikaner, vor allem auf die Amerikanerinnen zukommen wird. Trump erklärte im Wahlkampf, er werde nur „Pro-Life“ Richter für das Verfassungsgericht vorschlagen. Schon jetzt ist ein Platz vakant, zwei weitere Richter sind über 80 Jahre alt, einer steht kurz vor dem 80. Geburtstag. Damit kann Donald Trump das Geschehen in den USA auf Generationen hinaus bestimmen, denn die Richter werden auf Lebzeiten ernannt.

Trump will die Mehrheit auf der Richterbank zugunsten einer „Pro Life“ Überzeugung beeinflussen und das weitreichende Urteil „Roe vs. Wade“ von 1973 überholen lassen. Damit würde das Recht auf Abtreibung wieder an die einzelnen Bundesstaaten zurück delegiert werden. Die müssten dann selbst entscheiden, ob sie Abtreibungen zulassen oder nicht. Genau das will Donald Trump, der am Sonntag in einem Interview mit CBS erklärte: „Na, sie (schwangere Frauen) müssten dann wohl fahren, sie müssten dann wohl in einen anderen Staat fahren“. Wenn „Roe vs. Wade“ fällt, wird in den USA ein Flickerlteppich an Abtreibungsgesetzen entstehen. Die Folgen wären dramatisch.

Es steht ein neuer Kulturkampf bevor. Foto: Reuters.

Es steht ein neuer Kulturkampf bevor. Foto: Reuters.

Schon jetzt wittern Abtreibungsgegner und christliche Fundamentalisten ihre Chance. Sie fordern lautstark ein Ende der staatlichen Finanzierung von „Planned Parenthood“, jenen Gesundheitskliniken, die auch Abtreibungen durchführen. Konservative Staaten im Süden, aber auch der Heimatstaat des gewählten Vize-Präsidenten Mike Pence, Indiana, haben die Möglichkeiten für Frauen schon jetzt drastisch eingeschränkt. Das wird noch zunehmen, wenn Trump/Pence an ihren Schreibtischen im Weißen Haus Platz nehmen.

Amerika wird durch diese Wahl eine konservative Kulturrevolution erleben, die Uhren werden zurück gedreht, und das, obwohl die Mehrheit im Land nicht dafür ist. Doch das Weiße Haus und der Kongress liegen nun in der Hand der Republikaner, die zumindest zwei Jahre lang all das durchsetzen können, was sie möchten. Ich hoffe nicht, dass ich es Narrenfreiheit nennen muß, aber die Androhungen sind deutlich und gehen über einen gewollten Schwangerschaftsabbruch hinaus. Eine Überarbeitung des Abtreibungsrechts, der freie Zugang zu Waffen, ein Verbot von Gay Marriage, eine Einschränkung der Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender, eine Verschärfung der Einwanderungsgesetze….das politische, soziale und kulturelle Klima in den USA wird sich verändern. Die Liste ist lang und wird immer länger in diesen Tagen. Donald Trump und sein Rechtsaußen-Vize Mike Pence bereiten einen Schlachtplan vor, der Amerika in seinen Grundfesten treffen wird. Wer bislang meinte, alles würde nicht so schlimm werden, wird eines Besseren belehrt werden. Trump wird liefern, was er im Wahlkampf versprochen hat und seine Fans werden laut jubeln. Es wird kalt in den USA.

Donald Trump, von Gott gesandt

Sie sind für “Guns, Country and Culture”, für Waffen, Nation und Kultur. Die christlichen Fundamentalisten in den USA greifen erneut in den Wahlkampf ein. Doch diesmal haben sie mit Donald Trump einen Kandidaten vorgesetzt bekommen, der eigentlich so gar nicht in ihr Weltbild passt. Mehrfach geschieden, ein Egomane, ein politischer Wendehals. Und doch hat er etwas, was die Christliche Rechte in Amerika anspricht.

“I think it’s important for us to realize, going back in our history. We were founded as a Judeo-Christian nation. This nation was built on the truth claims of the Judeo-Christian tradition, built on the laws of nature and nature’s god. And therefore I think as Americans, the only way we can properly view this thing is through the lense of scripture, use the same platform, the same truth-foundation that the founders used when they established the political experiment we call the United States.” (Bryan Fischer)

Die Sendung heißt “Focal Point”, Moderator ist Bryan Fischer, täglich ausgestrahlt auf dem christlich-konservativen Radionetzwerk “American Family Radio”. Die Programme von AFR werden in den USA über nahezu 200 Stationen im ganzen Land verbreitet. Fischer ist bekannt für seine radikale Sicht der Dinge. Und die ist gegen Abtreibung, Homosexualität, ein staatliches Gesundheitssystem und vor allem gegen Muslime. Seine Verbalattacken haben so weit geführt, dass “American Family Radio” auf der Liste der Hassgruppen des “Southern Poverty Law Centers” aufgeführt wurde. AFR musste sich von Fischer distanzieren, aber senden darf er weiter. So umschrieb Fischer Muslime als “Parasiten”, die einen “Dämon” anbeteten. Zitat Bryan Fischer: “Jedesmal wenn wir es erlauben, eine Moschee in unseren Nachbarschaften bauen zu lassen, pflanzen wir einen improvisierten Sprengkörper in die Herzen unserer Städte und wir haben keine Ahnung, wann eine dieser Bomben gezündet wird”.

“That was Paul Ryan. I did not, did you hear any specifics at all about what principals we are gonna unify around. I didn’t hear anything. While I heard Paul Ryan saying, we all agree on, there is only two things we all agree on, we gotta stop Hillary Clinton and the country is in bad shape. Those are the two things we agree on. But then Paul Ryan talks about common principles. A compelling and clear agenda going forward, and he just raises the question, can we unify around our common principals? Well, I did not hear him articulation any common principals around which we could rally.” (Tim Wildmon)

“American Family Radio” und die dahinter stehende “American Family Association” sieht sich nicht als politisches, eher als moralisches Sprachrohr, wie der frühere General-Manager des Senders, Marvin Sanders, erklärt: „Wir sind nicht politisch aktiv, ich würde dem widersprechen und lieber sagen, wir sind kulturell aktiv. Wir haben keine politischen Ziele, aber wir haben kulturelle Ziele. Dieses Land ist quasi ein Zweiparteienstaat, Republikaner und Demokraten. Wir als Missionare waren immer wieder sehr kritisch gegenüber beiden Parteien aus verschiedenen Gründen. Wir sind in den jüdisch-christlichen Werten verankert, dem Leben verbunden, gegen Abtreibung, glauben an die Familie und die Ehe. Wir setzen uns dafür mit kulturellen Mitteln ein, die Leute finden das politisch, ist es aber nicht. Wir können keinen Kandidaten unterstützen, aber wir arbeiten mit vielen Demokraten und Republikanern im ganzen Land zusammen. Es sieht also politisch aus, denn die Republikanische Partei hat eine Basis, die sich um diese Werte sorgt, jene kulturellen Werte, die ich meine. Die Demokratische Partei hingegen ist in eine andere Richtung marschiert und unterstützt Abtreibung, die homosexuelle Agenda, Anti-Familien Maßnahmen, Lebensstile, vorehelichen Sex, diese Dinge. Das ist die Basis des dominanten Flügels der Demokratischen Partei. Wenn man aber von Staat zu Staat, von Gemeinde zu Gemeinde geht, dann findet man eine Menge Demokraten, die auf unserer Seite stehen. Es ist also nicht politisch, es geht vielmehr um Kultur.“

Tim Wildmon ist der Präsident der AFA, der “American Family Association”, und auch selbst Radiomoderator auf AFR. Für ihn ist das Anliegen ganz klar. „American Family Association und American Family Network existiert, um traditionelle moralische Werte zu fördern, biblische Werte, in der amerikanischen Kultur und Gesellschaft. Und wir wollen die Botschaft Jesus Christus verbreiten. Das sind unsere zwei wichtigsten Ziele. Wir sind durch die Bibel motiviert, Matthäus Kapitel 5, wo Jesus sagt, wohin wir in der Welt in Salz und Licht gehen sollen.“

“I have heard Donald Trump say repeadedly he likes the late Anthony Scalia and Clarence Thomas and he continuously lists those justices as the kind of Supreme Court Justices he would appoint, with those justices, Scalia and Thomas, five stars in our view. So if he appoints those kinds of justices, I think that will help him build his credibility with conservatives, because a president has very few responsibilities that are more important than appointing Supreme Court justices…” (Tim Wildmon)

Tim Wildmon von der “American Family Association” stimmt mit Donald Trump überein, dass die konservativsten Verfassungsrichter Anthony Scalia und Clarence Thomas der Maßstab für das oberste Gericht der USA sein sollten. Genau darum geht es den christlichen Fundamentalisten wie Wildmon und anderen der Christlichen Rechten vor allem im aktuellen Wahlkampf 2016. Mit der Wahl der Verfassungsrichter werden politische Entscheidungen für Generationen in Stein gemeißelt.

Nur so kann man auch das vorsichtige Herantasten der christlichen Fundamentalisten an den New Yorker Milliardär Donald Trump verstehen. Er ist sicherlich nicht der Wunschkandidat der Christlich-Konservativen und des Partei-Establishments, aber er ist immer noch besser in ihren Augen als die verhasste Hillary Clinton.

James Bennett

James Bennett

Der christliche Fundamentalismus ist keine neue Erscheinung in den USA. Die Bewegung formte sich Anfang des 20. Jahrhunderts, wie James Bennett, Professor für religiöse Studien an der Santa Clara University in Kalifornien, erklärt: „Fundamentalismus geht zurück bis auf den Anfang des 20. Jahrhunderts, auf die ersten ein, zwei Jahrzehnte. Fundamentalismus ist ein Teil einer größeren christlich-konservativen oder christlich-evangelikalen Bewegung. Der fundamentalistische Zweig nimmt seinen Namen von einer Buchserie, die “The Fundamentals” hieß, veröffentlicht zwischen 1910 und 1915. Das war wirklich die Geburtsstunde der fundamentalistischen Bewegung, gegen Modernisierung, gegen Liberalismus, gegen Evolution, gegen kritische Bibelstudien, wie sie Ende des 19. Jahrhuderts auch aus Deutschland kamen. Der Fundamentalismus kam also Anfang des 20. Jahrhunderts gegen diese modernen Bewegungen auf.“

LeAnn Flesher ist die akademische Dekanen und Professorin für das Alte Testament am “American Baptist Seminary of the West” in Berkeley, Kalifornien. Auch sie markiert den Beginn des Fundamentalismus in den USA mit einer Buch-Veröffentlichung. Sie sieht John Darbys Doktrin zum Dispensationalismus als Ausgangspunkt. John Darby war ein englischer Geistlicher, der im 19. Jahrhundert eine eigene heilsgeschichtliche Lesart der Bibel predigte; für ihn setzte schon nach dem Tod der Apostel der Verfall der christlichen Kirche ein, und er kämpfte um eine christliche Erneuerung aus einer gesunden Lehre heraus. Der sogenannte Dispensationalismus sah in der Bibel irrtumsfreie Texte, die wörtlich genommen werden müssen und keiner Auslegung bedürfen.

LeAnn Flesher

LeAnn Flesher

John Darby wirkte in England, aber seine fundamentalistische Sicht auf die Bibel und das Christentum verbreitete sich, so LeAnn Flesher, schnell in den USA. Vor allem durch die sogenannte “Scofield Bible”. Der Theologe Cyrus Scofield kommentierte darin die biblischen Texte, verwies erklärend an manchen Stellen auf andere Bezüge in der Heiligen Schrift, erzählt LeAnn Flesher: „Diese Erklärungen unterstützten den “pre-millennial”–Dispensationalismus. Die Leute lasen sie wie einen Teil der Bibel, denn sie waren alle und zum ersten Mal auf derselben Seite und in einer Ausgabe zu finden. Es wurde kein Unterschied mehr gemacht, was eigentlich der biblische Kanon und was die Ergänzungen von Mister Scofield waren. Das breitete sich so aus, dass viele Leute meinten – und das habe ich in einigen Schriften bestätigt gefunden – die “Scofield Bible” sei alles, was man brauche, um zu verstehen, was Theologie, Religion, wer Gott, was die Wiederaufstehung ist und auch wie die Welt in Zukunft sein wird.“

Der Dispensationalismus von Darby, den Scofield so für eine breite Leserschaft zugänglich machte, beschreibt die Endzeit, so Flesher: „Was John Darby verstand, war, dass da zwei Gruppen waren, die Juden und die Christen, und dass die Juden für Gott Plan A waren, die es aber verkorkst hatten. Und deshalb mußte Gott einen Plan B haben, und der war die Kirche. Darby erkannte, dass es in der Bibel Texte speziell für die Juden und Texte speziell für die Christen gibt. Niemand der einen Gruppe musste dabei die Texte der anderen Gruppe beachten. Die Zeilen, die die jüdischen Gesetze umfassen, waren nur für die jüdische Bevölkerung wichtig. Jene Zeilen, die von der Gnade und der Wiederaufstehung handelten, waren für die Christen gedacht. Aber nur ein Teil der Christen, die Apostoliker, werden am jüngsten Tag auffahren. Und diese Gruppe wurde die “True Church”, die wahre Kirche, genannt. Niemand sonst war in der “wahren Kirche”, selbst wenn sie mit Glauben, Kirche und Religion zu tun hatten. All das verfestigte eine Hierarchie, eine männliche Vorherrschaft, eine christliche Vorherrschaft. Was wir hier haben, ist eine bestimmte elitäre Gruppe, die am Ende mit dem Messias sein wird, mit dem Messias kommen wird, um über den Rest der Welt zu herrschen.“

„Es war aber niemals eine breite Bewegung“, meint James Bennett, der Professor für religiöse Studien an der Santa Clara University in Kalifornien, hin. „Die Fundamentalisten verfolgten damals zwei Wege. Sie versuchten die Führung in den Glaubensgemeinschaften, wie den Baptisten, den Presbyterianern, den Methodisten zu übernehmen. Alle hatten in ihren Reihen fundamentalistische Schlachten um die Führungsrolle. Und die Fundamentalisten verloren alle davon. Sie versuchten auch, dass in öffentlichen Schulen nicht mehr die Evolutionstheorie gelehrt wird, auch diese Schlacht verloren sie. Nur ein paar Prozesse an untergeordneten Gerichten konnten sie gewinnen, aber den Kulturkrieg verloren sie. Sie waren nie bedeutend genug, um innerhalb der Kirchen oder der Gesellschaft wichtig zu sein.“

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, so Bennett, schrumpfte der christliche Fundamentalismus jedoch zu einer Randerscheinung in der US-amerikanischen Gesellschaft: „Nachdem sie diesen Kampf um die Kirchenführungen und die Evolutionstheorie in den 20er und 30er Jahren verloren hatten, verschwanden sie aus dem öffentlichen Leben und versuchten auch nicht weiter, politisch in den bestehenden Institutionen zu agieren. Sie gründeten vielmehr ihre eigenen Institutionen, Colleges und Bibelschulen, Sommercamps, Netzwerke, die den meisten Amerikanern gar nicht bekannt sind. Dazu Fernseh- und Radiostationen. Und in diesem Netzwerk operierten sie bis Mitte der 70er Jahre.“

Eine der bekanntesten Bildungseinrichtungen der Christlichen Rechten in den USA war und ist die Bob Jones University. Eine Eliteschmiede der Fundamentalisten. Deren Präsident Bob Jones III. musste sich seit Anfang der 70er Jahre regelmäßig in Interviews, wie hier mit Larry King auf CNN, für die teils rassistische Grundeinstellung seiner Universität erklären. Im Interview begründet Jones, warum die Universität nach einem Urteil des US Verfassungsgerichts lieber eine Million Dollar an Steuerschulden zahlt, als ihre Politik der Rassentrennung aufzugeben.

James Bennett sieht diesen Kampf als Neuanfang der christlich-fundamentalistischen Bewegung in den USA: „Ab diesem Zeitpunkt ging es um die Frage der Rassentrennung, denn Behörden begannen damit, Steuererbefreiungen solchen Colleges und Universitäten zu entziehen, die aufgrund der Hautfarbe diskriminierten. Das brachte die politische Rechte hervor, wie wir sie heute kennen. Es war der Fall der “Bob Jones-Universität” in Greenville, South Carolina, die bis in die 70er Jahre hinein keine farbigen Studierenden zuließ. Und danach wurden keine unverheirateten schwarzen Studenten zugelassen, denn es herrschte ein Verbot von Mischbeziehungen zwischen Schwarzen und Weißen. Die Steuerbehörde IRS entzog der “Bob Jones University” daraufhin die Steuerbefreiung. Und dieser Eingriff des Staates auf eine religiöse Einrichtung ließ das politische Gewissen der religiösen Rechten und vor allem der Fundamentalisten erwachen. Das brachte sie zusammen: der Kampf gegen die Einflussnahme des Staates auf eine religiöse Institution. Den Kampf haben sie verloren, aber sie realisierten, es gibt ein Potenzial für eine politische Organisation in der Gesellschaft. “Bob Jones” hatte ihnen das gezeigt und im Laufe der 70er Jahre erarbeiteten sie eine gemeinsame Strategie.“

Am 13. Dezember 1971 begann vor dem Verfassungsgericht die Anhörung Roe vs. Wade. In dem Prozess ging es um das Recht einer Frau auf Abtreibung. Mit dem Richterspruch am 22. Januar 1973 wurde Amerika tief gespalten. Seitdem ist Abtreibung eines der immer wiederkehrenden Themen im amerikanischen Wahlkampf, hier das Recht auf Leben, dort das Recht auf freie Entscheidung. Damit wurde die Nation gespalten, erklärt James Bennett: „Das war zu einer Zeit, als die Abtreibung und später die Homosexualität die galvanisierenden Punkte für sie wurden. Sie präsentierten sich als ein Block, der konservativen Kandidaten zur Wahl verhelfen könnte, wenn diese mit ihren Überzeugungen übereinstimmten. Bekannt ist da vor allem ihre Mithilfe bei der Wahl von Ronald Reagan 1980. Es gab also diese Ruhezeit zwischen den 20er, 30er Jahren und dann den massiven Ereignissen in den 70ern, was zur Wiederauferstehung der konservativen Protestanten in der politischen Landschaft führte.“

Und LeAnn Flesher ergänzt: „Bis dahin hielten sich die konservativ-religiösen Gruppen und die Fundamentalisten aus der Politik raus. Ihre Aufgabe sahen sie in der Verbreitung des Evangeliums, neue Gläubige zu finden und eine Art Gegenkultur zu leben. Aber in den 80ern traten Politiker an Jerry Falwell heran, damit er die “Moral Majority” gründen sollte, sie gaben das Geld dazu, und die Gruppen konzentrierten sich fortan auf die “Family Values”, die Familienwerte. Die Politiker der Republikaner wollten damit die konservative Wählerschaft gewinnen. Sie bauten die Plattform auf, danach wurde immer und immer wieder von den “Familienwerten” gesprochen.“

In den 70er Jahren unterstützten die Fundamentalisten den Demokraten Jimmy Carter. Foto: Reuters.

In den 70er Jahren unterstützten die Fundamentalisten den Demokraten Jimmy Carter. Foto: Reuters.

Die Republikaner waren jedoch nicht von Anfang an die Partei, auf die die christlichen Fundamentalisten in den USA setzten. James Bennett von der Santa Clara University verweist auf einen Demokraten, der eigentlich für die Evangelikalen im Land der bessere Kandidat war: Jimmy Carter, der 1976 für die Demokraten die Präsidentschaftswahl gewann. Er sei der erste evangelikale US-Präsident gewesen, sagt Bennett: „Er ist auch derjenige, der sich als erster als “wiedergeborener Christ” beschrieb. Er hat diese Bezeichnung in die öffentliche Diskussion gebracht. Die Medien wussten so gar nicht, was ein Evangelikaler ist, was es bedeutet, wiedergeboren zu sein. Jene Evangelikale in den 70er Jahren, die politisch aktiv werden wollten, sich von der Bob Jones-Rassendebatte fernhielten und sich nocht nicht auf das Abtreibungsthema festgelegt hatten, unterstützten Jimmy Carter, denn er war Evangelikaler, “er ist einer von uns”. Aber als er gewählt wurde, war er mehr an den traditionell liberaleren Sozialthemen interessiert, die Evangelikale , Konservative, Fundamentalisten so gar nicht berührte. Und das ist einer der Gründe, warum sie 1980 von Carter zu Reagan wechselten. Die Wirtschaft, soziale Gleichheit, Obdachlosigkeit, Arbeitnehmerfragen, das alles war nichts für die religiöse Rechte. Sie waren mehr an den persönlichen Moralfragen interessiert, wie Ehe, Familie, Geschlechtsrolle, Abtreibung, Homosexualität. Auch für die Außenpolitik der Republikaner standen sie. Ihre religiöse Identität und ihre amerikanische Identität gingen Hand in Hand. Amerika zu verteidigen als besondere Nation, als christliche Nation, gegen den gottlosen Kommunismus kämpfend, das passte zusammen für die christliche Rechte.“

Für die war der Wahlsieg Reagans 1980 ein politischer Triumph, obwohl politische Erwartungen der Evangelikalen eigentlich enttäuscht wurden, so Bennett: „Ich glaube, es war viel eher eine synergetische Bewegung als nur eine einseitige Sache. Man könnte sogar fast das Gegenteil behaupten, die republikanische Partei hat die religiös Konservativen vereinnahmt. Wenn man genauer hinschaut, Abtreibung war Ende der 70er Jahre das Thema, aber die Präsidenten Reagan, Bush 1 und Bush 2 haben nie etwas dahingehend geliefert. Sie machten Wahlkampfversprechen, um die Unterstützung dieser Wählergruppe zu bekommen, aber mehr wurde nicht daraus.“

So schrieb zum Beispiel die christlich-konservative Kommentatorin, Deborah Caldwell, nach der Wiederwahl George W. Bushs 2004 auf der einschlägigen christlich-konservativen Internetseite beliefnet.com:
“Präsident Bush erklärte am Tag nach seiner Wiederwahl, dass dafür vor allem sein politischer Berater Karl Rove verantwortlich sei, den er “den Architekten” seines Wahlkampfes nannte. In Kirchen, auf christlichen Radiosendern und in Wahlbezirken mit vor allem konservativen Christen ging der Dank hingegen an einen, der viel mächtiger ist: Gott. Der Allmächtige mischte sich in die US Wahl ein, damit Bush Präsident bleibt, das glauben die Evangelikalen. Sie sagen, Gott habe Amerika mit Bush “gesegnet”. Und wenn Senator John Kerry gewählt worden wäre, hätte Gott die USA “verflucht”. Indem er die Wiederwahl von Bush zugelassen hat, gab Gott Amerika “mehr Zeit”, das Abrutschen ins Teuflische zu stoppen.”

Und dann kam Bill Clinton. Für James Bennett ist der 42. Präsident ein äußerst interessantes Kapitel in dieser Geschichte. „Bill Clinton ist ein Evangelikaler aus dem Süden, so wie Jimmy Carter. Er spricht hervorragend die Sprache der Evangelikalen, der Christen, er fühlt sich viel wohler in einer Kirche zu beten und zu singen als Ronald Reagan oder George Bush. Er hat Sand ins Getriebe dieser damaligen Allianz geschmissen und gleichzeitig wurde er in seiner Präsidentschaft und mit der Monica Lewinsky-Affäre zur Hassfigur. Er lieferte Stoff für die “Christian Coalition”, dem politischen Arm, der von Ralph Reed geführten konservativ-politischen Gruppierung. Bill Clinton gab ihnen gute Gründe, für George W. Bush zu spenden und ihn im Jahr 2000 zu unterstützen. Aber 1992 mit dem ersten George Bush und dann 1996 mit Bob Dole als republikanische Kandidaten, das waren keine guten evangelikal-konservativen, protestantischen Kandidaten. Sie sprachen nicht die Sprache, sie kamen nicht aus dieser Tradition und Bill Clinton schaffte es, daraus Gewinn zu schlagen. Er war ein Präsident, der Kompromisse schließen und damit auch etwas die Schärfe aus dem politischen Zwist nehmen konnte. Zum Beispiel seine Sozialhilfereform stieß durchaus auf Unterstützung bei politischen und religiösen Konservativen.“

Die Clintons wurden zum roten Tuch für die christlichen Fundamentalisten in den USA. Als Hillary Clinton 2008 für das Präsidentenamt kandidierte, wurde sie massiv von den religiösen Rechten angegangen und bekämpft. Barack Obama war für sie das kleinere Übel. Acht Jahre später stehen die christlichen Konservativen vor einem noch größeren Problem als 2008. Denn ihr Kandidat war eigentlich Ted Cruz. Aber der hatte das Nachsehen gegen Donald Trump. Für LeAnn Flesher vom „American Baptist Seminary of the West“ ist der Triumph des vermeintlichen Außenseiters Donald Trump in den Vorwahlen der Republikaner gar nicht so verwunderlich: „Wir haben heute eine sehr große Gruppe in unserem Land, die noch immer in diesem elitären, auserwählten Denken steckt. Und diese Gruppe ist in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden, bei den sehr, sehr reichen Leuten, aber auch unter den Ärmeren denken manche so. Und ein großer Teil der Mittelschicht. Das ist schon interessant, wenn man an die Rolle der Religion in der Gesellschaft denkt, dass das klassenübergreifend ist. Ganz klar, die Kandidatur von Donald Trump und die Unterstützung, die er von diesem Teil der Gläubigen bekommt, ist etwas Besonderes. Wir alle sind davon überrascht worden. In diesem Wahlkampf wurde etwas sichtbar, was wir nicht für möglich hielten in diesem Land. Es gibt eine sehr starke elitäre Überzeugung, auserkoren zu sein. Die Fundamentalisten glauben fest daran und sehen das, was sie hier in den Vereinigten Staaten machen als von Gott gewollt. Sie sehen sich als jene, die für das jüngste Gericht vorbereitet werden. Dahingehend, dass sie biblische Texte so lesen, dass der Tempel in Jerusalem ein drittes Mal erbaut werden muss und die Juden wieder zurück nach Jerusalem kommen müssen, um das Land in ihren Besitz zu nehmen. Sie senden also Gelder an konservative Gruppen in Jerusalem und Israel, die diese Ideen und Bestrebungen unterstützen.“

Donald Trump ist der Kandidat der christlichen Fundamentalisten. Foto: Reuters.

Donald Trump ist der Kandidat der christlichen Fundamentalisten. Foto: Reuters.

Aus europäischer Perspektive treten bei der Präsidentschaftswahl 2016 zwei Lager gegeneinander an: das liberale gegen das konservative Lager. Clinton gegen Trump. Die Frage ist, welchen Einfluss die Fundamentalisten auf die zukünftige inhaltliche Ausrichtung der Republikaner nehmen werden. Für James Bennett, den Professor für religiöse Studien in Kalifornien, verfallen die Fundamentalisten beim Zweikampf Clinton gegen Trump in das altbekannte Schwarz-Weiß-Denken, für das Präsident George W. Bush stand. „In Abwesenheit eines klaren Kontrastes ist es also mehr das kleinere Übel. Ich glaube, da sind ein paar sehr interessante Dinge, die mit der Kandidatur von Donald Trump hochkommen. Wenn man vom Startpunkt “ich hasse Hillary Clinton” ausgeht, dann nimmt man eben die Alternative. Nach dem Motto, wenn sie nicht für uns sind, sind sie gegen uns. Oder wenn sie nicht gegen uns sind, dann sind sie für uns. Man kann für beide Positionen auch mit der heiligen Schrift argumentieren, denn Jesus sagt beides aus verschiedenen Blickwinkeln. Was die Trump-Kandidatur aber auch zeigt, ist, wie gespalten die religiöse Rechte ist. Klar sehen wir Leute wie Jerry Falwell Jr., der Trump unterstützt, aber wir sehen auch viele evangelikale Führer, die sagen: “ich kann Trump nicht unterstützen”. Sie reihen sich auch nicht so schnell hinter dem republikanischen Kandidaten ein, wie das viele republikanische Politiker in den letzten Wochen getan haben. Ich glaube, die religiöse Rechte, auch die Fundamentalisten, waren nie so eine geeinte Bewegung, wie wir das immer dachten. In diesem Wahlkampf wird die Spaltung in viele Teile ganz deutlich. Die Frage ist, wie sehr wollen sie an der politischen Macht festhalten, die sie durch die Unterstützung republikanischer Kandidaten in den 70er und 80er Jahren erhalten haben. Was sie gerade lernen, ist, dass Religion und Politik nicht immer gut zusammen passen. Und, dass die Kompromisse, um an der Macht zu bleiben, manchmal zu groß sind. So scheint es zumindest für einige Konservative zu sein.“

Für LeAnn Flesher, Professorin für das Alte Testament, bedient Trump vor allem das amerikanische Urgefühl, „god´s own country“ zu sein: „Ich glaube, ein großer Teil von allem liegt an der Prosperitätslehre. Gott will, dass es uns gut geht. Gott will nicht, dass wir arm sind. Und so hören sie Donal Trumps Reden, dass, wenn Trump ins Amt kommt, er “diese Nation wieder großartig macht”, “jeder bekommt, was er braucht”. Das hören sie in seinen Reden, er bringt uns wieder dahin, wo wir die stärkste und wohlhabendste und bedeutendste Nation der Welt werden, die das auch verteidigt. Und das glauben sie zu hundert Prozent. Das hängt mit ihrer eigenen Theologie zusammen, die besagt, Gott will nicht, dass wir arm sind. Er will, dass wir erfolgreich sind, wohlhabend und, davon sind sie fest überzeugt, dass wir die Welt anführen müssen. Denn die USA sind für sie das Land der Auserwählten, ich glaube, deshalb unterstützen sie Trump.“

Nur so kann man überhaupt verstehen, wie die christlichen Fundamentalisten in diesem Wahlkampf auf Donald Trump setzen, meint Flesher: „Trump setzt sich dafür ein, andere draußen zu lassen. Ich hasse es sogar, das zu wiederholen, weil es so abstoßend und schrecklich ist – Trump sagt, wir lassen nicht alle Immigranten rein und bauen eine Mauer an der mexikanischen Grenze, denn sie sind Vergewaltiger. Wir lassen die Muslime nicht rein, sie sind Terroristen. Für mich sind diese verallgemeinernden Aussagen fürchterlich. Doch ein Teil der Bevölkerung kauft ihm das so ab, damit glauben sie, die Kontrolle behalten zu können. Und der Fundamentalismus geht genau darum: die Kontrolle zu behalten. Wir wollen keine großen Veränderungen, wir wollen es nicht viel anders, wir wollen die Hierarchie nicht zerstören.“

Die Sehnsucht, keine großen Veränderungen verkraften zu müssen, war seit der Modernisierung der Welt im 19. Jahrhundert der Nährboden des Fundamentalismus in den USA. Herkömmliche Hierarchien verteidigen. In diesem Sinne ist Trump ihr Kandidat, obwohl sie ihn nicht, wie sie es gerne hätten, sonntags in der Kirche antreffen werden. Das machte auch der ehemalige Gouverneur von Arkansas, Pastor und quasi Sprecher der Christlichen Rechte, Mike Huckabee, in einem Interview deutlich: “I don’t think for many of them, they’re voting for Donald Trump, they say, oh, he will be sitting with me in church next Sunday. They are pretty sure he won’t. But they’re willing to say, he will defend their religious liberty, so they won’t be harassed, because they did go to church and that’s more important to them than who they elect to be president.”

LeAnn Flesher blickt gespannt auf den kommenden Wahlabend, es könnte eine große Richtungsentscheidung sein: „Es ist schon etwas beunruhigend, dass sie glauben, Donald Trump sei der beste Kandidat. Aber er steht eben für diese Prinzipien, die sie wollen und die da sind: wir sind ein besonderes Land, wir wollen die anderen nicht hier haben, wir wollen die Hierachie nicht verändern, was einer weißen, männlichen Vorherrschaft gleichkommt. Sie versuchen nun, das Beste daraus zu machen, aber ein großer Teil der Bevölkerung stimmt damit nicht überein. Eine große Gruppe widerspricht dem. Es wird also spannend sein, was bei der Wahl passieren wird.“

Der Andreasgraben der Republikaner

Es gibt noch immer Republikaner, die glauben, Donald Trump ist der richtige Mann für die Partei. Der richtige Kandidat, um Hillary Clinton zu schlagen. Der richtige Präsident, um Amerika wieder „great“ zu machen. Doch es gibt mehr und mehr Stimmen in der Partei, die das anzweifeln. Sie sagen, Donald Trump beschädigt mit seiner Kandidatur die Partei. Unter der Oberfläche brodelt es. Der innerparteiliche Graben wird tiefer und unüberwindbar breiter.

Donald Trump fährt derzeit die republikanische Partei vor die Mauer. Foto: Reuters.

Donald Trump führt derzeit die republikanische Partei vor und fährt die „Grand Old Party“ vor die Mauer. Foto: Reuters.

Die „Stop Trump“-Initiative gibt es mittlerweile auch innerhalb der Grand Old Party. Teil dieser Kampagne sind Hunderte von Delegierte zum Wahlkonvent in Cleveland, Ohio. Es wird ganz offen überlegt, wie man Trump noch stoppen kann. Auf geradem Weg wird das wohl nicht mehr möglich sein, doch mit einigen Verfahrenstricks könnte die Kandidatur noch augehebelt werden, so die Hoffnung der innerparteilicehn Trump-Gegner. Sie werfen ihm vor, erst für Abtreibung, Homo-Ehe und strengere Waffengesetze gewesen zu sein und nun das Gegenteil zu behaupten. Außenpolitisch habe er keine Ahnung und gefährde dadurch nur die nationale Sicherheit der USA. Und auch seine Verbalangriffe gegen Latinos, Muslime, Frauen und andere beschädigten nur die Partei. Deshalb verlangen zahlreiche Republikaner, dass die Delegierten nicht an einen Kandidaten gebunden sein sollten, sondern vielmehr frei entscheiden dürfen. Mehr als 400 von ihnen unterstützen diese Idee. Das Donald Trump Lager wirft ihnen vor, dass dahinter die einstigen Konkurrenten Jeb Bush und Ted Cruz stecken, die als schlechte Verlierer so doch noch ihre Chance wittern würden. Die beiden haben die Vorwürfe bereits deutlich zurück gewiesen, doch Trump hält an seiner Verschwörungstheorie fest.

Die Parteiführung lehnt solche Parteitagspläne (noch) ab, die jedoch vor allem zeigen, dass die Republikaner im wichtigen Wahljahr tief gespalten sind. Von einer einheitlichen Linie war und ist nichts zu sehen. Donald Trump besticht weiterhin durch vage Äußerungen und verbale Tiefschläge. Zwar kündigte er am Montag nach dem Rausschmiss seines Wahlkampfmanagers Corey Lewandowski an, nun fokussiert auf die Novemberwahl zuzumarschieren, aber so richtig will ihm das niemand glauben. Donald Trump ist und bleibt eben Donald Trump.

Unterdessen wurde bekannt, dass dem New Yorker Milliardär das Geld ausgeht. Nur noch 1,3 Millionen Dollar sollen auf dem Trump Wahlkonto liegen. Zu wenig Bargeld für eine nationale Kampagne. Auch das beunruhigt immer mehr Republikaner, denn bislang hat Trump es nicht geschafft, seine ungebrochene Popularität zu harten Dollars zu machen. Auch Großsponsoren für Trumps Kandidatur blieben bislang aus. Er braucht dringend Geld, denn der Wahlkampf kostet jeden Kandidaten mehr als eine Milliarde Dollar.

Die Revolution entlässt ihre Kinder

Das war dann doch ein deutlicheres Ergebnis als erwartet. 55,9 zu 43,1 Prozent sah der Sieg oder die Niederlage aus, wie man es eben sehen will. Kalifornien „didn’t feel the Bern“. Der Traum für Bernie Sanders Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden ist damit ausgeträumt. Sanders verlor sogar in den äußerst progressiven und liberalen Bezirken wie San Francisco, Alameda (Oakland), Contra Costa (Berkeley). Ein Problem, dass für den Senator in Kalifornien alles entscheidend war, die Wählerbeteiligung war niedrig, was bedeutet, die vielen jungen und Neuwähler in seinen Reihen nutzten ihr Wahlrecht nicht. Vielleicht sollte man da in Zukunft ansetzen und ihnen erklären, gewählt wird nicht lautstark und mit Pappschild auf der Straße, sondern in Wahllokalen.

Bernie Sanders wird mit erhobener Faust aus dem Rennen scheiden. Foto: Reuters.

Bernie Sanders wird mit erhobener Faust aus dem Rennen scheiden. Doch damit ist er nicht am Ende. Foto: Reuters.

Hillary Clinton schrieb am Dienstagabend Geschichte. Sie ist mit den Siegen in New Jersey, New Mexico, South Dakota und Kalifornien die erste Frau, die zur Präsidentschaftskandidatin einer der beiden großen US-Parteien wird. Daran führt kein Weg mehr vorbei. Bernie Sanders weiß das, auch wenn er am Wahlabend erklärte, er werde bis zum Parteitag in Philadelphia Ende Juli weitermachen. Sanders wird, ja muß einen Rückzug antreten. Das Gespräch mit Barack Obama am Donnerstag in Washington wird schon als ein erstes Zeichen eines geordneten Ausstiegs aus dem Wahlkampf gesehen. Der Präsident und auch Hillary Clinton hatte nur gute Worte für die mitreißende Kampagne des Senators. Bernie Sanders machte am Dienstagabend auch deutlich, dass eines der Hauptziele in dieser Wahl sei, Donald Trump zu stoppen. Dessen aggressiver, xenophober, schmieriger und verletzender Wahlkampf ohne Rücksicht auf Verluste dürfe nicht zu einem Sieg im November führen. Damit machte der Senator klar, dass er sich auf alle Fälle hinter Hillary Clinton stellen wird.

Und auch seine Unterstützer sollten das tun. Zwar umwirbt Donald Trump frustrierte Bernie Sanders Wähler mit den Worten, das Wahlsystem sei ein abgekartetes Spiel und er als Außenseiter sei für sie die richtige Alternative zum Senator. Doch darüber kann man nur lachen. Inhaltlich sind beide soweit voneinander entfernt wie Sonne und Mond. Bernie Sanders wird nun in den kommenden Tagen und Wochen an seiner Handschrift im Wahlprogramm der Demokraten arbeiten. Hillary Clinton wird das schlucken müssen, sie weiß, ohne den Senator aus Vermont wird sie nicht ins Weiße Haus einziehen können.

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Trump tingelt durchs Land. Er will die republikanischen Reihen hinter sich schließen, auch wenn er schon mehrmals betont hat, es interessiere ihn nicht, ob das Establishment der Partei für ihn oder gegen ihn sei. Als Rubio, Cruz und dann auch noch Kasich aufgaben, der Weg zur Nominierung für Donald Trump frei war, herrschte das Grauen in der Lincoln und Reagan Partei. Begreifen konnte fast niemand den Durchmarsch des Donald, auch wenn so einige auf FOXNews versuchten, das Unvorstellbare erklären zu können. Trump spaltet die Republikaner und zeigt auf, dass die „Grand Old Party“ mehr ein durcheinander gackernder Hühnerhaufen geworden ist.

Egal ob New York, Chicago oder San Diego, die Frisur sitzt bei Donald Trump. Foto: Reuters.

Egal ob New York, Chicago oder San Diego, die Frisur sitzt immer auf Wahlkampfauftritten Donald Trumps. Foto: Reuters.

Als Trump den Sieg im Vorwahlkampf für sich erklärte war das Entsetzen groß. Viele, wie Mitt Romney und die Bushs erklärten, sie werden den Donald nicht unterstützen, sie werden auch nicht zum Wahlparteitag nach Cleveland reisen. Etliche Großfinanziers der Republikaner meinten öffentlich, sie werden keinen Cent für den New Yorker Showman geben.

Doch die Worte sind schnell verhallt. So hat der Milliardär Stanley Hubbard, der zuvor die „Stop Trump“ Kamapgne finanzierte, erklärt, er sei nun bereit Gelder für die „Stop Hillary“ Initiative zu spenden. Auch andere Superreiche wollen Schecks für Trump unterschreiben, auch wenn sie vorher andere Kandidaten im Rennen unterstützten. Und auch in der Partei selbst hat sich die Stimmung geändert. Der Grund ist nicht, dass Donald Trump nun seinen Ton verändert hat, ganz im Gegenteil, Trump greift weiter ehemalige Konkurrenten, Minderheiten, Frauen, Bündnispartner an, lügt weiterhin bis sich die Balken biegen, haut verbal drauf, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Grund für die wachsende Trumpfront bei den Republikanern ist vielmehr der Gegner. Hillary Clinton war, ist und bleibt das rote Tuch für die Konservativen im Land. Geliebt wird Donald Trump in den eigenen Reihen nicht. Weite Teile der Republikaner verachten ihn, sehen ihn als Störenfried, als Gefahr für die Partei und das Land.

Doch Hillary ist für sie noch schlimmer, viel schlimmer. Der Hass auf Clinton führt zu einem Zweckbündnis bei den Republikanern. Die Aussage ist klar, nur Trump kann Hillary noch stoppen. Über die Konsequenzen macht sich kaum jemand Gedanken. Das ist eine seltsame Logik, denn nach Trump wird bei den Republikanern nichts mehr so sein wie vorher. Wenn er verliert, muß sich die Partei auf alle Fälle erneuern, neu ausrichten. Wenn er gewinnt, wird die Partei zu einem Donald Trump Zirkus. Man kann sich vorstellen, dass er niemanden neben sich dulden wird. Die One-Man-Show des Millardärs würde damit auch das Ende der Republikaner bedeuten. Man kann die Situation auch ganz einfach beschreiben. Mit Donald Trump hat die Partei die Selbstauflösung gewählt.

Der Lügenbaron hat die Buxe voll

Nun also doch nicht. Da bekam Donald Trump kalte Füße. Gestern kündigte er noch groß eine live übertragene Fernsehdebatte aus einem Stadion mit Bernie Sanders an. Am Freitag kam dann der Rückzieher, es sei für ihn, den Kandidaten der Republikaner,  „unangebracht“ mit dem Zweitplatzierten im demokratischen Rennen und höchstwahrscheinlichen Verlierer gemeinsam aufzutreten. So kann man auch erklären, dass man Muffensausen hat, denn noch am Tag zuvor meinte der New Yorker Egomane: „Ich würde gerne mit Bernie eine Debatte führen. Aber ich will damit viel Geld für gemeinnützige Organisationen sammeln. Was wir machen sollten ist, wir sollten Geld, vielleicht 10-15 Millionen Dollar für Gesundheitsprojekte von Frauen zusammenkriegen, das wäre eine gute Sache. Ich kenne das Fernsehgeschäft sehr gut, ich glaube, es würde sehr hohe Einschaltquoten bringen. Es sollte in einer großen Arena sein. Und wir können jede Menge Spaß damit haben.“

Senator Bernie Sanders reagierte gelassen, so, als ob er das Kneifen des Donald schon erwartet hätte: „Ich hoffe, er ändert wieder seine Meinung. Mr Trump ist ja bekannt dafür seine Meinung mehrmals am Tag zu ändern. Trump ist ein Raufbold, ein großer, harter Kerl. Ich frage Sie, Mr. Trump, vor was haben Sie Angst?“

Lalalala...Donald Trump verschließt die Ohren vor dem Naturschutz. Foto: Reuters.

Lalalala…Donald Trump verschließt die Ohren vor dem Naturschutz. Foto: Reuters.

Am Freitagnachmittag hatte Trump dann eine Wahlveranstaltung in Fresno, Kalifornien, im „Heartland“ des landwirtschaftlichen Anbaus. Von hier wird Amerika mit Gemüse versorgt. Die Bauern im Central Valley leiden besonders unter der Wasserknappheit im Bundesstaat. Vorgeschriebene Einsparungen und ein gesunkener Grundwasserspiegel hat viele Farmer an den Rand der Existenz gebracht. Kein Wunder also, dass Trump erklärte, die Dürre gebe es gar nicht. Der Staat und die Regierung in Washington verschwendeten Wasser für den Erhalt eines neun Zentimeter langen Fisches. Der „Delta Smelt“ ist eine bedrohte Fischart, die noch im Sacramento River zu finden ist. Schutzmaßnahmen verhindern, dass für die Landwirtschaft mehr Wasser aus dem Fluß gepumpt wird. Wasser, so die Farmer, das dringend im Central Valley gebraucht wird.

Trump erklärte nach einem 30minütigen (!) Treffen mit Vertretern der Bauernorganisation, in dem die Farmer ihm von der Wasserknappheit in Kalifornien berichteten: „Wir werden Eure Wasserprobleme lösen. Ihr habt ein Wasserproblem, das verrückt ist. Es ist so bekloppt, dass sie das Wasser einfach ins Meer fließen lassen. Wenn ich gewinne, liefern wir wieder mehr Wasser, damit die Farmer hier überleben können.“

Nach 30 Minuten war und ist Donald Trump zu einem kalifornischer Wasserexperten geworden. Naturschutz interssiert ihn nicht. Man kann nur hoffen, dass er im Falle eines Wahlsieges nicht alle seine weitreichenden Entscheidungen in nur 30 Minuten fällen wird.

Popcorn, Chips und ein nette Flasche Wein

Jetzt wird richtig am Wahlkampfrad gedreht. Eigentlich sollten Hillary Clinton und Bernie Sanders noch eine Fernsehdebatte vor der abschließenden Vorwahl in Kalifornien führen. Doch Hillary zickt rum. Sie hält sich nicht an die eigentlich abgemachten Termine. Bernie regte sich vor ein paar Tagen darüber so richtig auf, beschuldigte die demokratische Parteiführung, ein abgekartetes Spiel zu führen. Am Montag meinte der Senator aus Vermont auf einer Wahlkampfveranstaltung: „Vor ein paar Monaten, hatten wir uns auf ein einige Debatten geeinigt, darunter eine hier in Kalifornien. Ich muß sagen, ich empfinde es als eine Beleidigung für Kalifornien – unseren größten Bundesstaat – dass sie nicht darauf vorbereitet ist, mit mir eine Diskussion darüber zu führen, wie wir die großen Krisen angehen, die uns bevorstehen.“

Bernie Sanders Wahlkampfmanager, Jeff Weaver, brachte daraufhin eine mögliche Debatte zwischen Sanders und Trump ins Gespräch. Am Donnerstag war #BernieTrumpDebate eines der meist benutzten Hashtags auf twitter. Der Donald ließ sich da nicht lumpen und antwortete am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz: „Ich würde gerne mit Bernie eine Debatte führen. Aber ich will damit viel Geld für gemeinnützige Organisationen sammeln. Was wir machen sollten ist, wir sollten Geld, vielleicht 10-15 Millionen Dollar für Gesundheitsprojekte von Frauen zusammenkriegen, das wäre eine gute Sache. Ich kenne das Fernsehgeschäft sehr gut, ich glaube, es würde sehr hohe Einschaltquoten bringen. Es sollte in einer großen Arena sein. Und wir können jede Menge Spaß damit haben.“

Und dann antwortete Bernie Sanders in einem Tweet: „Ich freue mich, dass @realDonaldTrump der Debatte zugestimmt hat. Laßt es uns im größtmöglichen Stadium machen.“ Am Nachmittag fügte er dann noch auf einer Wahlkampfveranstaltung in Ventura hinzu: „Es scheint, Donald Trump will eine Debatte. Ich kann es kaum erwarten“.

Der Showkampf kann beginnen, es wird ein vielbeachteter und vielgesehener Fernsehabend. Der Verlierer steht auch schon fest: Hillary Clinton!