Mörderischer Wahnsinn ohne Ende

Deutschland ist geschockt. Der Amoklauf des 17jährigen Tim K. wirft immer wieder die Frage auf, wie kann so etwas passieren. Eine Antwort darauf wird es wohl nie geben. Doch die Debatten über Gründe der Gewalttat sind wichtig, denn sie zeigen, dass Gewalt nicht akzeptiert wird. Was kann getan werden, um so etwas in Zukunft zu verhindern? Helfen strengere Waffengesetze? Kann man betroffene Schüler schon vorher erreichen, bevor sie Unvorstellbares in die Tat umsetzen?

In Oakland starb in der letzten Nacht ein Mädchen. Niedergeschossen an der Ecke 64. Strasse/MacArthur Boulevard. Im Highland Hospital konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden. Die Teenagerin ist bereits das elfte Mordopfer in diesem Jahr. 2008 wurden 124 Menschen im Stadtbereich von Oakland ermordet. Auf dem Online Portal von SF Gate kommentierte ein Leser die kurze Nachricht mit den Worten: „Wo ist der Aufschrei? Regen sich die Menschen in Oakland nur auf, wenn die Polizei jemanden erschiesst?“

Seitdem ich 1999 nach Oakland zog, ist die Mordrate pro Jahr fast gleich geblieben. Das heisst, in den zehn Jahren, seitdem ich hier in dieser Stadt wohne, wurden rund 1200 Menschen ermordet. Bürgermeister kamen und gingen, darunter so bekannte Namen wie der frühere kalifornische Gouverneur und jetzige kalifornische Staatsanwalt Jerry Brown und der einflussreiche ehemalige Kongressabgeordnete Ron Dellums, der auf Du und Du mit den Clintons und Obamas ist. Sie alle machten die hohe Mordrate zum Wahlkampfthema, versprachen ein Ende der Gewalt auf den Strassen. Nichts hat sich allerdings geändert…das Töten geht weiter.

Eine breite Diskussion, wie sie derzeit in Deutschland geführt wird, gibt es in den USA nicht. Denn sie würde an einem vermeintlichen Grundrecht wackeln, auf das sich viele Amerikaner stützen. Das Recht eine Waffe zu tragen, und das, obwohl es solch ein universales Recht in der amerikanischen Verfassung gar nicht gibt.