Denn er weiß nicht, was er tut

Donald Trump will seine Mauer. Eine große, schöne, weit sichtbare, hohe und vor allem nicht leicht zu überkletternde Mauer soll es an der Grenze zu Mexiko sein. Das hat Trump im Wahlkampf gefordert, das verlangt er noch immer in Amt und Würden als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn es nach ihm ginge – und er betont ja immer, es geht nach ihm – dann würde eine Betonmauer an der 3145 Kilometer langen Grenze vom kalifornischen San Diego bis ins texanische Brownsville errichtet werden. Vorbild ist für ihn die chinesische Mauer oder die „Berlin Wall“.

Damit, so Trump, würden sich alle Probleme lösen lassen. Keine Einwanderer mehr, die illegal in die USA kämen und Drogen, Waffen, Krankheiten, soziale Probleme mit sich brächten. Mörder, Vergewaltiger, Kriminelle müssten draussen bleiben, während man genau hinschauen und kontrollieren könnte, wer in Zukunft nur noch ins Land kommen darf. So soll es sein. Amen.

Prototypen der Trumpschen Mauer an der Grenze zu Mexiko. Foto: Reuters.

Aber so einfach ist der Plan von Trump dann nun doch nicht. Dass die Grenze zu Mexiko besser gesichert werden sollte, das ist allen in Washington klar. Die Debatte ist auch keine neue, seit Jahrzehnten, zumindest verfolge ich diese Diskussion schon seit den frühen 1990er Jahren, geht es darum, die Grenze zum südlichen Nachbarn besser zu kontrollieren. Trump trat an mit dem Ruf nach einer Mauer und der sehr gewagten Aussage, Mexiko werde für die Errichtung dieses Bauwerkes bezahlen. Kam alles etwas anders, die Mexikaner weigern sich und nach wie vor ist eine deutliche Mehrheit der Amerikaner gegen den Bau einer Mauer, auch wenn Trump regelmäßig erklärt, „Americans want the wall“.

Nun also hockt Trump über Weihnachten im Weißen Haus und schmollt, denn im Kongress gibt es keine Mehrheit für sein Bauvorhaben. Die Demokraten wollen einfach keine fünf Milliarden Dollar für „The Wall“ ausgeben. Und ich hoffe, sie bleiben bei ihrer Haltung. Vielleicht liegt es daran, dass ich aus einem Land komme, in dem der Abriss einer teilenden und brutalen Mauer gefeiert wurde, vielleicht liegt es auch daran, dass eine Mauer nicht das Problem eines unsinningen Immigrationssystems löst, ganz sicher liegt es aber daran, dass Trumps Mauer-Geschwafel schlichtweg rassistisch ist. Er von den Kriminellen, Gang Mitgliedern, den Vergewaltigern und Mördern spricht, von den Drogendealern und den verseuchten Migranten und kein Wort darüber verliert, dass Amerika zu einem großen Teil mitverantwortlich für die Migrationsbewegungen aus dem Süden Richtung Norden ist. Denn der Großteil der Menschen, die in die USA wollen, sind Menschen, die in den USA auf eine neue Chance, auf ein friedliches Leben hoffen.

Die Waffen für den Drogenkartellkrieg in Mexiko und den Gangkrieg in Mittelamerika stammen größtenteils aus den USA. Die Gangs, die El Salvador, Honduras und Guatemala tyrannisieren wurden meist in den Gefängnissen der USA gegründet und in ihre Heimatländer exportiert. Der seit Jahrzehnten andauernde fatale „War on Drugs“ hat die Situation weder in den USA noch in den Anbau- und Transitländern verbessert, vielmehr die Lage an allen Orten drastisch verschlimmert. Amerika hat keine reine Weste, wenn es darum geht, die Gründe für die Migration aus dem Süden Richtung USA zu erklären. Doch Donald Trump und seine Trumpisten wollen oder können das nicht erkennen und akzeptieren, denn „this is god’s country“, „best place on earth“, „home of the brave“. Amerika – unfehlbar und eben immer im Recht.

Ich kann nur hoffen, dass die Demokraten im Kongress nicht einknicken werden und Trumps Mauer doch noch finanzieren. Für mich wäre damit eine rote Linie überschritten. Denn mit Mauern lassen sich die gewaltigen Probleme diesseits und jenseits der Grenze nicht lösen.

„Breaking Bad“ in California

Wenn man durchs Central Valley von Kalifornien fährt, dann ist man froh im Süden die Tehachapi Berge oder im Norden den Altamont Pass zu erreichen. Interstate 5 ist die Hauptverkehrsader in Kalifornien, schnurgerade durch Farmland gebaut. Im Sommer ist es extrem heiß, im Winter wabern hier undurchsichtige Nebelbänke herum. Und ansonsten herrscht Langeweile, wenn man da auf offener Strecke eine Meile nach der anderen abfährt.

Das Central Valley wurde bekannt für Farmproteste und seine Bakersfield Country Music Szene. Ansonsten gibt es nicht viel im Gemüsegarten Amerikas. Doch hier hat sich seit Jahren auch eine weitverzweigte Gangkultur breit gemacht. Banden, zwischen Los Angeles und der San Francisco Bay Area mit engen Kontakten zu den Drogensyndikaten in Nordmexiko nutzen die verschlafene Ruhe für sich aus. Der Interstate 5 ist auch zu einer Ader zu den Drogenbaronen südlich der Grenze geworden. Und das hat sich immer mehr zu einem Problem in Kalifornien entwickelt. Die Drogenfahnder griffen durch und konnten so unzählige an Meth Laboren ausfindig machen, in denen die Crystals, ganz in „Breaking Bad“ Manier gekocht wurden.

Beschlagnahmte "Tequila" Flaschen mit Meth-Flüssigkeit.

Beschlagnahmte „Tequila“ Flaschen mit Meth-Flüssigkeit.

Die Kartelle haben darauf allerdings reagiert und das lukrative Business in den Süden verlegt, auf die andere, die sichere Seite der Grenze. Dort wird gekocht und alles verflüssigt. Das Meth wird dann in Tequila- und Saftflaschen gefüllt und harmlos verpackt über die Grenze nach Norden gebracht. Im Central Valley wird dann in Kleinstlabors, meist mitten in Wohngebieten, die Flüssigkeit in die verkaufsfertige Droge umgewandelt.

Immer öfters finden daher Polizisten und Ermittler in Kofferräumen von Autos Richtung Norden ganze „Tequila“ Kisten. Auch die Grenzbeamten ziehen an den Übergängen mehr und mehr Schmuggler in den Warteschlangen raus, die mit verdächtigen Flaschen auffallen. Im vergangenen Jahr stoppte die Border Patrol einen 16jährigen am Grenzübergang in San Diego, der erklärte, die Gallone bei sich sei wirklich Apfelsaft. Um das zu prüfen nahm er einen kräftigen Schluck und schrie sofort auf vor Schmerzen. Nach einigen qualvollen Stunden verstarb der Jugendliche.

Die mexikanischen Drogenkartelle kontrollieren das lukrative Geschäft im Norden. Über das Central Valley wird der gesamte amerikanische Westen abgedeckt. Man kann heute ohne Zweifel sagen, dass der in dern 80er Jahren ausgerufene „War on Drugs“ eine Totalniederlage für Amerika ist. Eine Verschwendung von Geldern, Energie und Ressourcen und obendrein noch eine Kriminalisierung weiter Teile der US Bevölkerung. Gebracht hat er so gut wie gar nichts. Bloß, das will niemand so offen eingestehen.

Republikaner tief gespalten

Wie schnell die Zeit vergeht. Vor einem Jahr erst wurde Präsident Barack Obama zum zweiten mal im Amt vereidigt. Doch das ist lange her, nunmehr blickt man nach vorne. Wer wird 2016 kandidieren, auf der demokratischen und auf der republikanischen Seite. Namen fliegen durch die Gegend, doch bislang hat noch keiner der möglichen Kandidaten reagiert und seine ernstzunehmende Absicht kund getan.

Einer dessen Namen ganz heiß gehandelt wird, ist Rand Paul. Sein Vater Ron Paul kandidierte regelmäßig, doch immer aussichtslos. Sein Sohn hingegen, ein junger, dynamischer, intelligenter und durchaus zielorientierter Politiker, hat das Zeug für mehr. Bis ins Weiße Haus wird es nicht reichen, dafür kritisiert Paul zu sehr die eigenen Reihen, gerade das Establishment der Republikaner. Rand Paul fordert eine grundlegende Reform innerhalb der Partei. Man müsse endlich davon weg kommen, nur über Steuern zu sprechen, fordert er. Vielmehr solle sich die republikanische Partei damit profilieren, dass sie für die Grund- und Zivilrechte eintritt. Rand Paul machte das, was er damit meint, in dieser Woche. Er verklagte Barack Obama wegen der NSA Affäre und der massiven Verletzung der Bürgerrechte.

Auch will der Senator aus Kentucky offener auf Afro-Amerikaner und  Hispanics zugehen und erklären, dass „Big Government“ immer zu Lasten der Minderheiten geht. Der „War on Drugs“, der Krieg gegen die Drogen haben vor allem diese beiden Bevöllkerungsgruppen kriminalisiert. Das sei unvereinbar mit der republikanischen Partei und deren Politik. Zumindest in den Augen von Rand Paul. Doch der Jungsenator ist ein Außenseiter in den eigenen Reihen. Seine Vorschläge gelten als zu radikal, zu kompromisslos. Und doch, Rand Paul zieht immer mehr junge Wähler an, die endlich eine andere Politik verlangen. „Ich glaube, Republikaner werden in meinem Leben keine Präsidentschaft mehr gewinnen, es sei denn, es wird eine neue GOP, eine neue Republikanische Partei geben“, meinte Paul kürzlich in einem Interview. „Und es muß eine Umwandlung sein, nicht nur ein bisschen Gezupfe an den Rändern“. Solche Aussagen kommen an. Man kann gespannt sein, wie er sich im Wahlkampf 2016 positionieren wird. Ernstzunehmen ist er, auch wenn er am Ende wohl keine Chance haben wird, auf die Zielgerade zum Weißen Haus einzuschlagen.

 

 

 

 

Buenas Tardes, Amigo

José am Telefon: „Mama, ich kann nicht mehr“.

Mama am Küchentisch: „José, hör auf damit“.

Mama hört José am anderen Ende der Leitung weinen.

José am Telefon „Mama, sie bringen mich um“.

Mama am Küchentisch: „José, geh einfach weg“.

José am Telefon: „Mama, ich kann nicht“.

Mama am Küchentisch: „José, doch….Du kannst und schaffst das. Die Amerikaner helfen Dir“.

Ok, das ist mein Vorschlag für den „War on Drugs“, den Kampf gegen die kolumbianischen Rebellengruppe FARC und die Drogenkartelle. Ja, ich weiß, kann man noch etwas ausarbeiten, aber es ist ein Start. Das US Militär ist derzeit auf der Suche nach Drehbuchautoren für 20 Folgen einer Radio Soap Opera, die sich gezielt an Mitglieder der bewaffneten Grppen und der Drogenkartelle Kolumbiens wenden sollen.

Soap Operas sind riesig in Mittel- und Südamerika. Und dabei wird auch immer wieder das Leben der reichen und schwerkriminellen Drogenmafiosos glorifiziert. Genauso wie in den sogenannten „Narcocorridos“, den Liedern über die Drogendealer.

Nun will MISO (Military Information Support Operations), quasi ein amerikanisches Propagandabüro des US Militärs vor Ort in Kolumbien, dem etwas entgegensetzen und mit einer eigenen, kitschigen Geschichte die harten Jungs erreichen und erweichen. Die terroristische FARC gibt es noch immer, der „War on Drugs“ läuft ja nun auch schon seit einigen Jahren und hat nicht den erhofften Erfolg gebracht. Weder Schießereien, gezielte Attentate, noch Ausbildung der lokalen Polizeieinheiten haben die bösen Jungs arbeitslos gemacht. Ganz im Gegenteil, weiterhin fließt der Stoff aus dem die bösen Träume sind ungehindert in die USA.

20 spannende Folgen werden nun in Auftrag gegeben und sollen der zuhörenden Bevölkerung zeigen, dass sich Kriminalität nicht rechnet. Ist klar! Einige Vorgaben gibt es allerdings für die Drehbuchautoren. Die Mitglieder der Kartelle werden in vier besonderen Folgen direkt angesprochen und zum Ausstieg aus dem Verbrechersumpf aufgefordert. Auch sollen die „Family Values“, die traditionellen kolumibianischen Familienwerte in den Vordergrund gerückt werden. Daneben geht es um den Umgang mit Frauen, Demokratie und Umweltbewußtsein. „José, schmeiß Deine Coladose nicht einfach weg, recycle sie. Das hilft Kolumbien“.

Die neue Strategie des US Militärs scheint so erfolgsversprechend zu sein, wie der von Präsident Ronald Reagan ausgerufene „War on Drugs“ in den frühen 80er Jahren, bei dem zum ersten mal die CIA und das US Militär gezielt gegen die Drogenkartelle eingesetzt wurden.

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