„Battleground Korea“ – so klingt Krieg

„Thank you dear god for victory in Korea“ singt Jimmie Osborne. Ein Lied aus dem Jahr 1950, das heute wohl kaum noch jemand kennt. Es ist eines von über 100 Country-, Blues-, Pop- und Gospel-Titel, die Bear Family Records für die Box „Battleground Korea – Songs and Sounds of America’s forgotten war“ zusammen getragen hat. Darunter sind viele obskure Songs, patriotische Lieder, Aufrufe, sich zum Kampf im fernen Korea zu melden. Musiker wie The Louvin Brothers, Fats Domino, Jean Shephard, B.B. King, Gene Autry und Dutzende anderer Künstler werden präsentiert. Umrahmt wird dieser Koreakrieg-Soundtrack von historischen Audioaufnahmen, wie Reden, Radioreportagen, Interviews und „Public Service Announcements“.

Bear Family Records ist mit dieser Box erneut ein Glanzlicht auf dem Plattenmarkt geglückt. Die vier CDs kommen mit einem umfangreichen Buch, in dem nicht nur der dreijährige Kriegsverlauf erklärt wird, sondern auch auf die Musiker, die Songs, das damalige Leben in den USA, der Heimatfront, eingegangen wird. Wie immer hat man sich im Hause Bear Family viel Zeit für diese Veröffentlichung genommen, Berichte, Fakten und viele, viele Bilder zusammen zu getragen.

Auf „Battleground Korea – Songs and Sounds of America’s forgotten war“ wird Geschichte erneut hörbar gemacht. Vor ein paar Jahren veröffentlichte das Label seine große und vielumjubelte Vietnam Krieg Box „Next Stop is Vietnam“. Nun folgt der Fokus auf die militärische Auseinandersetzung, die in den USA ins Vergessen geraten ist, die von vielen kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges offen abgelehnt wurde. Hier in den USA sieht man nur noch wenige Kriegsveteranen mit einer Mütze, einer Jacke oder einem Aufkleber auf dem Auto „Korean War Veteran“. Die Zeitzeugen sterben aus. Und doch, wie die jüngsten politischen Entwicklungen zeigen, der Koreakrieg ist auch nach 65 Jahren Waffenstillstand aktueller denn je. Die Bear Family Box kommt also zur rechten Zeit.

Die Frage ist lediglich, wer damit erreicht werden kann, erreicht werden soll? In einem Zeitalter, in dem minderwertige mp3 Files, soziale Medien, Schlagzeilen und Kurznachrichten den Alltag bestimmen, kann man sich nur wundern, wer sich die Zeit nehmen wird, in diese historische Klangreise einzutauchen, das umfassende Buch zu lesen, die Lieder auf sich wirken zu lassen. Das geht nicht im Schnelldurchlauf, nicht über ein Smartphone, nicht im Vorbeigehen, nicht in einem Tweet. Geschichtsverständnis braucht Zeit, das belegt diese Sammlung.

Es ist der Verdienst dieses kleinen Indie-Labels aus Holste-Oldendorf, immer wieder mit solch umfangreichen, beeindruckenden, wichtigen und historischen Boxen zu überzeugen. Einige davon verkaufen sich sicherlich nicht gut, wie mir Bear Familien Oberhaupt Richard Weize nach der Veröffentlichung von „Beyond Recall“ erklärte,  und dennoch lässt sich das Label nicht von seinem Kurs abbringen. Warum auch, Bear Family Records ist eines der wichtigsten Labels im Veröffentlichen von historischen Boxsets und musikalischem Dokumentieren, gerade im Country und Folk Bereich.

Ich sitze hier an einem sonnigen Samstagmorgen in Oakland in meinem Sessel und höre zu. Reportagen und Lieder, blättere dabei in dem Buch, sehe die vielen Fotos. Es ist bewegend, macht nachdenklich, die Koreakrieg Box ist lebendige Geschichte, ein Hörgenuss sondergleichen und mehr als empfehlenswert. Es ist ein wichtiges Zeitdokument in unserer schnelllebigen und viel zu leicht vergessenden Welt.

YouTube Preview Image

Das ewige Vietnam

Amerika im Krieg. Im Abendprogramm des öffentlichen Sender PBS läuft derzeit „The Vietnam War“. Eine 18stündige Dokumentation, an der der Filmemacher Ken Burns zehn Jahre lang arbeitete. Eine unglaubliche, umfangreiche Sammlung an Stimmen, Archivmaterial, Videos, Fotos, Geschichten. Es wird der Zusammenhang und das Gesamtbild eines Krieges erklärt und erzählt, wie es besser nicht sein könnte. Schockierende Bilder neben aufwühlenden Interviews. Auch 50 Jahre nach den Ereignissen in Südostasien bewegen die Bilder. weiter lesen

Kraftwerk fürs Museum

Kraftwerk wurden für die Hall of Fame nominiert.

Kraftwerk wurden erneut für die Hall of Fame nominiert.

Es gibt nicht viele Bands aus Deutschland, vor denen sich Musikfans weltweit voller Hochachtung verneigen. Klar, international werden Gruppen wie Can, Faust, Einstürzende Neubauten für ihre musikalischen Arbeiten und ihre Experimentierfreude geliebt und geschätzt. Einig sind sich jedoch alle, dass Kraftwerk schon lange in die Rock’n Roll Hall of Fame gehören. Keine andere deutsche Band hat solch einen Einfluß auf das Musikgeschehen rund um den Globus gehabt. Und das nicht nur für die elektronische Musikszene, sondern auch für Genres wie Rock, Hip Hop und Pop, ganz zu schweigen von all den Subgenres, die es da so gibt.

Nun wurde die Düsseldorfer Formation erneut für die Ahnengalerie in Cleveland nominiert. Zum zigten Mal wohlgemerkt, bislang wurden Kraftwerk immer wieder übergangen. Ob es diesmal klappt muß man abwarten. Wahrscheinlich ist es nicht, denn die Liste der Vorschläge ist lang und die Amerikaner huldigen lieber ihresgleichen und auch noch ein paar Briten. Für 2014 wurden nominiert: Green Day, Nine Inch Nails, Joan Jett & The Blackhearts, Sting, Stevie Ray Vaughan, Lou Reed, NWA, War, Bill Withers, Chic, The Marvelettes, The Smiths, The Spinners, The Paul Butterfield Blues Band. Wo und wie da Kraftwerk mit ihrem geradlinigen und minimalistischen Elektrosound reinpassen ist fraglich.

Es scheint bei der Rock’n Roll Hall of Fame auch nicht um den Einfluß einer Band oder eines Musikers zu gehen, sondern vielmehr um den Geschmack der Jury. Kraftwerk sind einzigartig. Ihre Pionierarbeit veränderte die Musikwelt, ließ weltweit Musiker aufhorchen. Und selbst heute, 40 Jahre nach ihren bahnbrechenden Platten, klingt von all dem nichts verstaubt, veraltet, „out of touch“. Ganz im Gegenteil, im Frühjahr sah ich Kraftwerk live in Oakland. Es war ein lebendiges Konzert, verankert in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Und gerade das macht Kraftwerk aus, Musik ohne Grenzen und ohne Stillstand. Sie haben es verdient endlich ins Clevelander Museum aufgenommen zu werden.

Ready for War

West PointWest PointDie Kadetten, die am Dienstag in West Point auf die Rede Präsident Obamas warteten, waren in guter Stimmung. Die Zeit, bis der „Commander in Chief“ eintraf, nutzten sie mit interessanter Lektüre. Einer lass „Kill Bin Laden“, ein anderer schmökerte in „On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society“. Und nun gehen diese Bilder um die Welt. Macht bestimmt einen guten Eindruck zwischen Afghanistan und Pakistan.