„Erdogan ist ein Diktator“

Die Amerikaner sind geschockt. Das türkische Regime unter Recep Tayyip Erdogan zeigte sein wahres Gesicht am Rande des Erdogan Besuches in Washington DC. Kritik verträgt der Sultan vom Bosporus so gar nicht, auch nicht, wenn sich nur ein paar Dutzend Protestierende vor der türkischen Botschaft versammeln. Es waren Oppositionelle und Kurden, die riefen „Erdogan is a dictator!” “Ergodan is ISIS!” und “Mr. Trump, please stop him!” Das war genug, um Erdogans Schergen zum Angriff zu bringen. Mitten auf der „Embassy Row“, 2525 Massachusetts Ave, griffen die wutschnaubenden Türken an, schlugen und traten auf Männer und Frauen ein, die auf der anderen Straßenseite standen. Die Polizei von DC, wie man in dem Video sehen kann, war etwas überfordert mit der Situation. Verhaftungen gab es keine, denn der erdogansche Schlägertrupp reiste mit diplomatischen Pässen ein und hatte damit Immunität inne.

Politiker von Demokraten und Republikanern waren sich mal eins und verurteilten die Übergriffe aufs Schärfste. In den USA, so Senator John McCain, „gibt es für solch ein brutales Verhalten keine Entschuldigung“. Das State Department mischte sich ein, forderte von den Türken eine Erklärung. Und die kam in Form einer typisch-türkischen Opferantwort. Die Demonstration sei nicht angemeldet gewesen und ihre Teilnehmer seien alles Unterstützer der verbotenen terroristischen PKK gewesen. Allerdings musste der Protest gar nicht angemeldet werden, dafür war die Teilnehmerzahl zu gering. Das ist Gesetz in den USA, Mister Erdogan. Weiter hieß es in dem Schreiben der türkischen Botschaft: „Die Demonstranten begannen aggressiv türkisch-amerikanische Bürger zu provozieren“, die sich vor der Botschaft versammelt hatten, um Staatspräsident Erdogan zu begrüßen. „Die Türkisch-Amerikaner handelten in Notwehr“, hieß es in dem Schreiben der türkischen Botschaft.

So sieht das allerdings in dem Video nicht aus und so wurde das auch nicht im Polizeibericht dargestellt und so erschien es auch nicht in der Anfrage des Außenministeriums und so lassen sich auch nicht die zahlreichen Kommentare der geschockten Politiker lesen. Erdogan reist vielmehr mit einem Schlägertrupp durch die Welt und prügelt auf alle ein, die seine Unrechtspolitik daheim kritisieren. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind im osmanischen Reich der Verschwörungstheorien nicht mehr gewollt. Wer das dennoch verlangt, handelt sich Faustschläge, Tritte und Hiebe ein. Und das in den USA.

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Ruandische Kaffee-„Gulldur“ in DC

Es schmeckt nach Afrika.

Es schmeckt nach Afrika.

Für eine Veranstaltung bin ich für ein paar Tage in Washington DC. Die ist erst morgen Abend, von daher laufe ich heute durch die Gegend. Erster Anlaufpunkt, das Bourbon Café auf der Pennsylvania Avenue. Ein kleines Nachbarschaftscafé, man läuft fast daran vorbei. An den Wänden ruandische Körbe, ein paar Sessel in vertrauten afrikanischen Mustern, viel Holz, aber alles sehr schlicht gehalten. Ich wollte hier meinen Morgenkaffee trinken, denn diese Café-Kette kommt aus Ruanda. Bei meinen zahlreichen Aufenthalten in Kigali war ich oft im „Bourbon“.

Ruanda ist bekannt für seinen Kaffee, obwohl man in vielen Hotels nur grottiges, lösliches Pulver angeboten bekommt. Bourbon Café hat das geändert. Man hat erkannt, dass die hügelige Landschaft Ruandas ideal für den Kaffeeanbau ist. Seit über 100 Jahren wachsen dort schon wild die Bohnen. Nun setzt man in der „Schweiz Afrikas“ auf diesen Exportschlager, mit seinen „deep, buttery chocolate flavors, as well as their sweetness and very light fruit overtones“…genau, ich könnte es nicht besser beschreiben.

In den USA gibt es bislang nur in Washington DC und in Cambridge vier dieser Cafés. Mit den großen Ketten kann man da nicht konkurrieren, aber will man das überhaupt. Ich genieße jetzt noch eine zweite Tasse Latte, bevor ich dann weiterlaufe in Richtung „German-Heritage Museum„. Ein Tag voller „Gulldur“, wie der Franke sagt (Pardon my Frankonian). Von der Kaffeekultur Afrikas zu dem, was die deutschen Einwanderer mit ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten mitgebracht haben.

Soccer Fieber in den USA

Die deutsche Botschaft organisiert ein "Public Viewing".

Die deutsche Botschaft organisiert ein „Public Viewing“.

Amerika entwickelt sich zur „Soccer Nation“. American Football, Basketball und Baseball liegen zwar noch weit vorne, doch so langsam fängt man auch hier an, das „beautiful game“ zu lieben. Überall wird über die WM berichtet, in den Kneipen laufen die Spiele und es gibt sogar „Public Viewing“ auf Großleinwänden. Die übertragenden Networks erreichen Bestzahlen für die Spiele aus Brasilien. Das Interesse ist riesig, die Zeitungen und Online Angebote sind voll mit News von der WM und man merkt, die USA sind kein Fußballentwicklungsland mehr. 1994 zur Weltmeisterschaft in den USA war ich in San Francisco. Damals war gleich klar, wer Fußball schaut ist nicht von hier. Das hat sich grundlegend geändert.

"Public Viewing" in San Francisco

„Public Viewing“ in San Francisco

In Washington DC organisiert die deutsche Botschaft so ein Event am zentralen Dupont Circle. In San Francisco parkt der Deutsche Jens-Peter Jungclaussen seinen umgebauten Schulbus aus den 60er Jahren direkt vor dem Rathaus, um hier ausgewählte Spiele zu zeigen. Wie schon 2010 erwartet er mehrere tausend Fans zu den ausgewählten Spielen. 2006 begann Jungclausen mit dem „Public Viewing“ im Dolores Park von San Francisco und brachte 10.000 Menschen zu einer Fußballparty zusammen.

Fußball ist kein unbekannter Sport mehr in den USA. Gerade, wenn es auf die internationale Bühne geht und Top Soccer gespielt wird, ist die Begeisterung groß. Dann merkt man, dass Amerika ein Einwanderungsland ist, ein „melting pot“, in dem die Kulturen zusammen kommen und gemeinsam feiern. Das Spiel USA gegen Deutschland werde ich mir wohl in der „Speisekammer“ ansehen, einem deutschen Restaurant in Alameda, wenn ich denn reinkomme, denn bei der letzten WM war die Bude rappelvoll. So viele Deutsche in Trikots habe ich selten gesehen. Dazu „German Beer“ vom Fass. Partystimmung ist angesagt.

Die Bürgerrechtsbewegung unserer Zeit

Es geht um Gleichberechtigung     

In Washington DC, vor dem Gebäude des Verfassungsgerichtes, protestierten in dieser Woche Tausende von Menschen. Befürworter und Gegner der Ehe für Schwule und Lesben waren angereist, um lautstark ihren Standpunkt zu erklären. Überall im Land gab es Proteste und Mahnwachen, bunte und schrille Parties. Eines wurde in den letzten Wochen ganz deutlich, Amerika hat in den vergangenen Jahren einen Wandel vollzogen.

Der „Krieg der Kulturen“, vor dem konservative, christliche Radiomacher vor ein paar Jahren im NZ Interview noch warnten, scheint entschieden zu sein. Die USA sind liberaler geworden, zumindest im Bereich der Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Ehen. Etliche Umfrageergebnisse belegen dies und machen aber auch deutlich, dass die amerikanische Nation tief gespalten ist.

 

Amerika ist ein kaputtes System

Wenn man hier drüben lebt und arbeitet, Steuern zahlt und Teil ist dieser Gesellschaft, dann fragt man sich – zumindest als ein „Zugereister“ – wie man hier noch immer vom „American Dream“ reden kann. Denn bei diesem Traum geht es ja nicht nur um den persönlichen Aufstieg im amerikanischen Arbeitsalltag. Der „American Dream“ steht auch für die Vormachtstellung der USA, für ein Land, das die hehren Ziele der Demokratie, der Sicherheit, der Gleichberechtigung, der Chancengleichheit vertritt.

Doch davon sind Amerika und die Amerikaner weit abgerückt. Das amerikanische System ist gescheitert und ich frage mich, ob man es überhaupt noch reparieren kann. Auf der anderen Seite des Landes fetzt man sich in Washington DC. Man sagt, das ist streitbare Demokratie. Doch was es wirklich ist, es ist eine Auflösung genau dieser Demokratie. Zwei Parteien reiben sich auf, es geht um parteipolitische Strategien, Ziele, Vorstellungen, um das Ausbremsen des unliebsamen politischen Gegners. Dabei vergessen wird das Wohl des Landes. Es bräuchte Reformen, die dringend kommen müßten, doch nicht durchgesetzt werden. Und das seit Jahren. Amerika blockiert sich selbst durch ein System, das von Grund auf korrigiert werden müßte. Das Vertrauen der Bürger in die Politik ist verloren gegangen.

Gerade lese ich über die Oakmore Nachbarschaft in Oakland. Dort lebt eigentlich auch die Bürgermeisterin der Stadt, Jean Quan. Doch ihre Nachbarn sind alles andere als zufrieden mit der Politikerin, die schon lange die klare Sicht auf die Dinge verloren hat. Quan ist gescheitert. Wenn sie ehrlich zu sich wäre, dann müßte sie zurücktreten, denn die Stadt ist seit ihrer Wahl 2010 in die totale Schieflage geraten. Quan lächelt, sie ist sicherlich eine intelligente Frau, doch unfähig ein Stadt wie Oakland zu führen. Die Mord- und Kriminalitätsrate steigt unaufhörlich, Unternehmen wandern ab, die Polizeireihen haben rund 250 Lücken. Die Stadt wirkt immer mehr, wie unregierbar. Und daran ist auch die Bürgermeisterin mit schuld.

Nun haben sich ihre Nachbarn zusammen getan und privat einen Sicherheitsservice für einige Straßen angeheuert. Zuvor hatten sie ein Nachbarschaftstreffen mit der Polizeiführung. Dabei wurden ihnen klar gemacht, dass sie eigentlich auf sich alleine gestellt sind. Die Polizei werde bei Einbrüchen oder kriminellen Handlungen in der Gegend nicht mehr erscheinen. Falls etwas passiere, sollte man online über eine Webseite den Vorfall melden. Das wars.

Oakland ist weit weg von Nürnberg, was hier lokal passiert, ist wahrscheinlich von geringem Interesse für einen Leser oder eine Leserin in Franken. Und doch, der Fall drückt aus, was sich zur Zeit hier in den USA abspielt. Das Vertrauen in den Staat und die Autoritäten ist gesunken. Amerika schafft sich in diesen Tagen immer mehr ab.

Und er isses wieder

Am heutigen Sonntag, kurz vor 12 Uhr Ortszeit kam Präsident Barack Obama mit seiner Familie in den „Blue Room“ des Weißen Hauses. Dort warteten schon ein paar weitere Familienmitglieder und der Präsident des Verfassungsgerichtes, Chief Justice John Roberts. Die Hand auf die Familienbibel von Michelle Obama gelegt, schwor der Präsident erneut den Amtseid. Genau zu dem Zeitpunkt, der in der amerikanischen Verfassung festgelegt wurde. 20. Januar, High Noon. Und auch Vize Präsident Joe Biden gab erneut seinen Schwur auf die Bibel, die Verfassung der USA zu verteidigen.

Erst morgen wird Obama dann vor 800.000 Menschen an der National Mall in Washington DC seinen öffentlichen Schwur abgeben. Die Zeremonie war verlegt worden, weil heute eben Sonntag ist. Morgen steht dann noch mit dem Feiertag für den ermordeten Bürgerrechtler Martin Luther King ein besonderer Brückenschlag für die zweite Amtszeit von Barack Obama an.

Washington ist derzeit im Ausnahmezustand. Weite Teile um die National Mall sind abgesperrt. Alle Bereiche der US Streitkräfte sind mit der Sicherheit der Veranstaltung vertraut. Bereits seit einem halben Jahr wird der reibungslose Ablauf der öffentlichen Amtseinführung geprobt. Es ist ein Sicherheitsalptraum für den Secret Service, den Präsidenten und die vielen gewählten Amts- und Würdenträger, die Ehrengäste und die Hunderttausende von Besuchern zu schützen. Die Welt blickt morgen auf DC, damit ist die amerikanische Hauptstadt ein Terrorziel ohnegleichen.

Ein No-Kandidat der Mitte

Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten positionieren sich alle am äußersten rechten Rand und buhlen dabei um die Stimmen der „Tea Party“-Bewegung und der christlichen Fundamentalisten in der Partei. Sie alle haben die eidesstattliche Erklärung von Grover Norquist unterschrieben und damit versprochen nie Steuern zu erhöhen. Sie sind gegen Abtreibung, für die Streichung der verschiedensten Sozialprogramme, für eine Beschneidung der Rechte von Arbeitern und Gewerkschaften, für die Aufrüstung des US Militärs, für ein härteres Durchgreifen gegen illegale Einwanderer, China, Iran und Nordkorea, für Foltermaßnahmen bei Terrorverdächtigen, gegen die Evolutionstheorie und die wissenschaftlichen Erkenntnisse der globalen Erwärmung…und, und, und…

Alle reden so ziemlich das gleiche, außer Jon Huntsman, ehemaliger Gouverneur von Utah und Botschafter in Peking unter Barack Obama. Ein Mann mit Charisma, photogen, mit Wissen, mit Erfahrungen auf der internationalen Bühne, Huntsman spricht fließend Chinesisch und weigert sich, dem Druck von Norquist und seiner Organisation „Americans for Tax Reform“ nachzugeben. Und dennoch ist seine Kandidatur so gut wie beendet. In den Umfragen kommt er einfach nicht voran. Er kann tun und lassen was er will, aber die republikanischen Wähler wollen niemanden, der anscheinend durch Sachkenntnis und Erfahrungen einem Präsidenten Obama im Wahlkampf das Wasser reichen könnte. Huntsman vertritt die gemäßigte Mitte der Partei, doch die hat in diesen Tagen nichts zu sagen. Der Wahlkampf wird mit Floskeln und Unwissen und einem erklärten Hass gegen Barack Obama ausgetragen. Perry, Bachmann, Cain, Gingrich, sie alle überschlagen sich mit Anschuldigungen gegen den „Sozialisten“ Obama und unterschlagen dabei, dass viele der heutigen Probleme auf den Vorgänger, den Republikaner George W. Bush, zurückreichen.

Huntsman wird von der konservativen Basis der Partei als Westentaschendemokrat gesehen und sogar mit Al Gore verglichen. Man mag es nicht, wenn ein Kandidat wie Huntsman per Twitter erklärt: „Ich glaube an die Evolution und vertraue den Wissenschaftlern bezüglich der Erderwärmung. Nennt mich verrückt“. Und dann: „In dem Moment, in dem die republikanische Partei die Anti-Wissenschaftspartei wird, haben wir ein riesiges Problem. Wir verlieren eine Menge Leute, die uns sonst in der kommenden Wahl unterstützten“. Das kam gar nicht gut bei der Basis der GOP an. Jon Huntsman wird seitdem wie ein Aussätziger behandelt und wurde zum Teil überhaupt nicht mehr zu den Fernsehdebatten eingeladen.

Der Kandidat selbst schätzt seine Situation ganz realistisch ein. Er wird wohl demnächst, leider muß man sagen, aus dem Rennen ausscheiden. In einem Interview mit CNN wurde er nach der Parodie seiner beiden erwachsenen Töchter gefragt, die ein Video des rauchenden Wahlkampfmanagers von Herman Cain auf youtube stellten. „Das ist einfach die Realität in meinem Leben. Ich gebe eine wichtige Rede über die Außenpolitik und die Rolle Amerikas im 21. Jahrhundert und habe danach vielleicht fünf Klicks auf youtube. Meine Töchter machen dieses Spaßvideo über das Video eines anderen Kandidaten und haben in den ersten 24 Stunden gleich eine halbe Million Klicks“.

 

Gedenken an das Unvorstellbare

Amerika und die Welt blicken an diesem Wochenende nach New York. Vor zehn Jahren griff das Terrornetzwerk von Osama bin Laden die USA an und erklärte der stärksten Militärmacht der Welt unverhohlen den Krieg. Ein Krieg, der andauert, der nicht nur im Irak und Afghanistan, sondern auch hier in den USA schwerste Folgen mit sich brachte. Die Folgen sind noch nirgendwo absehbar. Der Krieg gegen den Terror hat Amerika geschröpft, an den Rand des Ruins gebracht. Und sicherer, das zeigen die jüngsten Terrorwarnungen aus New York und Washington DC, kann sich auch jetzt niemand fühlen.

Ein aktueller Audiobericht zu 9/11:

New York am Jahrestag     

Wir bauen uns aus der Krise

Barack Obama wird zu Bob der Baumeister. 450 Milliarden Dollar plant er ein, um sich aus der Krise zu bauen. Das ist eine ganze Menge Steine, Ziegel, Beton und Farbanstrich. Straßen und Bürgersteige, Fahrradwege und öffentliche Einrichtungen. Wir pflastern die Krise einfach zu. Das ist der Plan von Baumeister Obama, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren und die Wirtschaft anzukurbeln.

In seiner Rede vor dem Kongress zeigte er sich optimistisch, dass das den USA wieder so richtig Feuer unterm Popo machen würde. Immerhin sei man „the best place on earth“ und die amerikanischen Arbeiter sowieso die tollsten, stärksten und produktivsten. Also, Ärmel hochgekrempelt, ran an die Schüppe und Hacke und los geht’s. Wir buddeln hier und buddeln dort und dann ist alles wieder gut. Die amerikanische Wirtschaft schnurrt, Obama wird wiedergewählt und der Präsident geht als Baumeister der Nation in die Annalen der Geschichte ein.

Kleines Problem bei der ganzen Sache ist, dass mal wieder der republikanisch dominierte Kongress diesem teuren Spaß zustimmen muß. Die Demokraten jubeln über den Aufbauplan, die Republikaner winken ab und meinen, die Bundesstaaten sollten selbst entscheiden können, wo und wie sie das Geld einsetzen, die Wirtschaft zeigt sich kritisch. Einig ist man sich nur darin, dass die Infrastruktur in den USA eher der eines Dritte Welt Landes ähnelt als der einer führenden Weltnation. Die Highways und Freeways, einst der Stolz der Amerikaner, bröckeln vor sich hin. Kein Wunder, dass hier so viele Jeeps unterwegs sind, denn mit normalen Wagen kommt man durch die vielen Schlaglöcher auf den Straßen nicht weit. In öffentliche Einrichtungen wie Büchereien, Schulen und Ämter regnet es rein. Löchrig sind nicht nur die Kassen, sondern auch die Gebäude, in denen sie verwaltet werden.

Obamas Plan ist sein letzter Versuch vor der Wahl noch einmal das Ruder rumzureißen. Denn im Wahlkampf als Präsident zu kandidieren, der Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und sozialen Abbau zu verantworten hat, kommt nicht gut, selbst nicht bei hartgesottenen Demokraten. Da kann man noch so sehr ein, zwei Augen zudrücken, die Tatsachen sprechen für sich. Auch wenn man weiß, dass die Republikaner alles blockieren, was aus dem Weißen Haus kommt und überhaupt nicht an einer Zusammenarbeit und der Lösung der Probleme interessiert sind, Obama ist nicht der Präsident, den sich die Demokraten im Wahlkampf 2008 erhofft haben. Als vor kurzem die Erde in Washington bebte und 5,8 auf der Richterskala anzeigte, wurde schon gescherzt, Obama hatte 3,5 verlangt, doch sich dann mit den Republikanern auf 5,8 geeinigt. Das spricht Bände und beschreibt die derzeitige Situation und das politische Machtverhältnis in Washington DC.

Washington rappelt

Ungewöhnlich und ein Schocker für die Ostküste. Um 13:51 Uhr Ortszeit bebte die Erde unweit der Hauptstadt Washington DC. Der Erdstoß wurde sogar in New York City gefühlt. Die Flughäfen der Region wurden geschlossen, das Pentagon und viele öffentliche Einrichtungen wurden geräumt.

Die amerikanische Ostküste erlebt immer wieder kleinere Erdstöße, aber keinen in dieser Größe von 5.9 auf der Richterskala. Im Vergleich zu Kalifornien oder Alaska ist auch niemand im Osten des Landes auf Erdbeben vorbereitet. Zur Zeit des Bebens war gerade eine Pressekonferenz im Pentagon im Gange. Einige ältere Reporter erinnerten sich bei dem Stoß an den 11.9.2001. Es war nicht das erste Beben in dieser Woche in den USA, bereits gestern rappelte die Erde in Colorado und New Mexico.

Auch die Medien berichteten sofort über das „Earthquake“ und stellten gleich die Verbindung mit 9/11 her. Ich hoffe nur, dass nun keiner auf die Idee kommt, Obama auch dafür verantwortlich zu machen. Er ist im Urlaub und überläßt die Amerikaner hilflos der kontinentalen Plattentektonik.