Ein Nazi Gedenkstein im Wald von Washington

Auf einem Regal im Archiv des National Park Service in Maryland liegt ein Gedenkstein, der so ganz anders ist, als das, was man in so einem Archiv erwartet. Gefunden wurde der 200 Pfund schwere Granitstein nach Jahrzehnten in einem Waldstück im Südwesten von Washington DC. Darauf steht: Im Gedenken an Agenten der deutschen Abwehr, hingerichtet am 8. August 1942. Dann die Namensliste von sechs zum Tode verurteilten Saboteuren. Darunter, gestiftet von der N.S.W.P.P., was für die längere Schreibweise der „American Nazi Party“ steht – „National Socialist White People’s Party“.

Entdeckt wurde der ungewöhnliche Gedenkstein von Mitarbeitern einer Stromversorgungsfirma vor ein paar Jahren, als sie zufällig an dem „Memorial“ vorbei kamen. Danach zog es seine Kreise, bis man sich schließlich dazu entschloss, den Stein nicht einfach zu vernichten und in den nahegelegenen Fluss zu werfen, sondern abzutransportieren und zu lagern.

Die sieben Militärichter am dritten Tag des Prozesss gegen die deutschen Saboteure: Foto: Library of Congress.

Hinter der Geschichte steht eines der Kapitel aus dem Zweiten Weltkrieg, das Amerika seinerzeit tief bewegt hat. Sechs deutsche Saboteure wurden mit U-Booten nach Jacksonville, Florida und Long Island, New York gebracht. Dort sollten sie auf zwei Deutsch-Amerikaner treffen, die schon länger in den USA lebten, George John Dasch und Ernst Peter Bunger. Doch Dasch hatte nicht vor, die Sabotageaktionen zu unterstützen, er lieferte die Deutschen vielmehr ans FBI aus. Das versprochene Geld für seine Hilfe, 82.000 Dollar, behielt er, konnte sich aber nicht lange darüber freuen, denn der FBI Direktor, J. Edgar Hoover, präsentierte der Öffentlichkeit acht Spione. Von der Mithilfe Daschs war da nicht mehr die Rede. Sechs wurden schließlich hingerichtet, Dasch und Burger erhielten langjährige Haftstrafen, wurden allerdings 1948 nach Deutschland, in die amerikanische Besatzungszone abgeschoben. Die Folgen waren fatal für Deutsche, die in den USA lebten. Nicht nur, dass nahezu 12.000 Deutsche interniert und die Bewegungsfreiheit deutscher Staatsbürger eingeschränkt wurden, die Anti-Deutsch Stimmung ging in den USA so weit, dass es Deutschen nicht mehr erlaubt war in Restaurants als Kellner und Tellerwäscher zu arbeiten, da Dasch und Bunger in diesen Jobs tätig waren.

Interessanterweise wurden die Beschuldigten 1942 von sieben Generälen in einem militärischen Geheimgericht abgeurteilt. Das geschah auf Drängen von Präsident Franklin Roosevelt. Die Generäle sprachen alle Angeklagten schuldig, überließen dem Präsidenten jedoch das Strafmaß. 59 Jahre später nahm Präsident George W. Bush genau diese Geheimgerichte als Vorbild für die Aburteilung von Terrorverdächtigen im Militärlager von Guantanamo Bay.

Wer genau den Gedenkstein im Wald von Washington aufgestellt hat, seit wann er dort zu finden war, das ist alles nicht bekannt. Klar ist nur, dass es regelmäßige Besucher gab, die Kerzen aufstellten, den Stein säuberten und dort auch Gedenkveranstaltungen durchführten.

„Not my president“

Am kommenden Samstag steht der „Million Women’s March“ an. Einen Tag nach der Vereidigung von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA wird es im ganzen Land zu Massenprotesten kommen. Die zentrale Veranstaltung ist in Washington DC angesetzt, von überallher fliegen Frauen ein, um am Lincoln Memorial, unweit des Weißen Hauses und des US Kongresses, gegen den Rechtsruck unter Trump in der Gesellschaft zu protestieren. Es heißt, „Frauen und Feministinnen protestieren öffentlich gegen die Vereidigung von Donald Trump zum Oberbefehlshaber“.

Doch auch in vielen Städten der USA werden am Samstag die Menschen auf die Straße gehen, zumindest all jene, die nicht für Donald Trump gestimmt haben. Hier in Oakland, in San Francisco, in San Jose und in Hunderten von Städten im ganzen Land, wollen Hunderttausende gegen Trump protestieren. Ob der das wahrnimmt sei dahingestellt, ob er danach twittert ist garantiert.

Donald Trump redet zwar davon das Land in einer tiefen Krise wieder zusammen zu führen, doch davon merkt man nichts. Im Wahlkampf buddelte er die tiefsten Gräben, nach seinem Wahlsieg schüttete er sie nicht zu, ganz im Gegenteil, Trump sichert seine Schützengräben noch ab. Auch wenn er am Freitag schwören wird, er werde der Präsident aller Amerikaner sein, das, was er von sich gibt, was er über Twitter verbreitet, vor allem das, was er in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit angehen will, läßt nur einen Schluß zu: Trump arbeitet für sich und sein Image und für niemanden sonst.

52 Demokraten aus dem Kongress haben bislang erklärt, sie werden nicht an der „Inauguration“ von Donald Trump teilnehmen. Die Situation eskalierte am Wochenende, als der Abgeordnete und Bürgerrechtler John Lewis in einem Interview erklärte, Trump sei für ihn kein „legitimer“ Präsident. Das Verhalten Russlands zeige, dass Trump nicht fair die Wahl gewonnen habe. Deshalb werde er, Lewis, am kommenden Freitag nicht dabei sein.

Donald Trump reagierte wie eh und je. John Lewis sei nur „all talk, talk, talk”. Er solle sich mehr um die brennenden und von Kriminalität verseuchten Innenstädte kümmern, als seinen Wahlsieg anzuzweifeln. Gerade das „all talk, talk, talk“ stieß vielen Demokraten auf, denn Lewis marschierte mit Martin Luther King in den 60er Jahren, führte den Protestzug von Selma an, wurde brutal von den „State Troopers“ niedergeknüppelt. Lewis ist eine Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, wer ihn mit solchen Worten kritisiert, zeigt, dass er nur wenig von der amerikanischen Geschichte weiß. Trumps Twittererguss erinnert da schon sehr an das Bildchen des Kreisverbandes Nürnberg-Süd/Schwabach, in dem es heißt „Sophie Scholl würde AfD wählen“. Rechtspopulisten aller Länder vereinigt euch!

Ist Trump der neue Hitler?

Der „Mormon Tabernacle Choir“. Foto: Reuters.

Die Frage kommt nicht von mir, doch ich höre und lese sie in diesen Tagen sehr oft hier drüben in den USA. Jan Chamberlin stellte sie kürzlich, nachdem sie erklärte, nicht mehr im „Mormon Tabernacle Choir“ zu singen. Der weltbekannte Chor hatte zugestimmt, bei der Vereidigung von Donald Trump am 20. Januar in Washington zu singen. Chamberlin schrieb auf ihrer Facebook Seite, „für diesen Mann zu singen“ sei für sie, als wenn der Chor „Tyrannei und Faschismus unterstütze“. Das Ansehen des Chors würde damit „ernsthaft beschädigt“ werden. „Ich weiß, ich könnte niemals ‚Rosen für Hitler werfen‘. Und ich könnte ganz sicher niemals für ihn singen“.

Jan Chamberlin trat aus dem Chor aus. Auf Anfrage der Washington Post bestätigte die Chorleitung, dass viele Mitglieder Schwierigkeiten mit der Entscheidung hätten, für Trump zu singen. Aber es sei jedem freigestellt mit nach Washington zu reisen. Weitaus weniger Mormonen unterstützten im Wahlkampf den republikanischen Kandidaten als in früheren Wahlgängen. George W. Bush und auch Mitt Romney erhielten weit über 20 Prozent mehr Stimmen in Utah als Donald Trump in diesem Jahr. Die Mormonen waren eine der religiösen Gruppen in den USA, die massive Probleme mit dem New Yorker Milliardär hatten.

Was dieser Kampf im Chor auch zeigt ist, wie tief gespalten Amerika ist. Soll man dem gewählten Präsidenten Donald Trump eine Chance geben, jenem Mann, der mit Hassparolen, Beleidigungen und teils menschenverachtenden Aussagen die Wahl gewann? Jenem Mann, der sich bislang für keine seiner verbalen Entgleisungen entschuldigte und vielmehr weiterhin die Spaltung Amerikas betreibt. Trump nutzt weiter sein Sprachrohr Twitter, um das Land in seine Anhänger und seine Feinde zu teilen. Erst heute, am letzten Tag des Jahres, twitterte er eindeutige 140 Zeichen. „Happy New Year an alle, auch an die vielen Feinde und solche die mich bekämpft haben und schlimm verloren, sie wissen nicht, was sie tun sollen. Liebe„. Nachtreten gehört zum Kurs des neuen US Präsidenten. Von einem Präsidenten für alle Amerikaner ist Donald Trump noch weit entfernt. Es sieht so aus, als ob der Wahlkämpfer Trump auch ins Weiße Haus einziehen wird. Der Ton macht die Musik und die erinnert an schlimme Zeiten.

 

Hillary mit Problemen

Alles sah anfangs nach einem „Homerun“ aus, einem sicher geglaubten Sieg. Hillary Clinton hatte alles, was eine Kandidatin braucht. Den bekannten Namen, die Ausstrahlung eines Superstars, die langjährigen politischen Erfahrungen, zuerst im Weißen Haus, dann als Senatorin und schließlich als Außenministerin. Nicht zu vergessen Hillary Clinton als erprobte Wahllkämpferin und Spendensammerlin. Keiner konnte ihr auch nur irgendwie das Wasser reichen.

Foto: AFP

Foto: AFP

Doch Hillary Clinton hat ein Problem. Viele, viel zu viele Demokraten, mögen die einstige First Lady nicht. Ihre Skandale und Skandälchen, die ihres Mannes, ihre politschen Fehltritte, ihre Abgehobenheit und ihre teils nervige Überheblichkeit schrecken viele ab. „It’s about character“ sagen hier viele. Was sie damit meinen ist, Hillary Clinton wird als unehrliche und berechnende Person eingeschätzt. Sie gilt als harte Wahlkämpferin, die auch über Leichen im eigenen Lager geht.

Anfangs kam sie mit vollem Schwung und gut vorbereitet ins Rennen. Heute sieht alles anders aus. Der Funken will nicht richtig überspringen, in den Umfragen fällt sie weiter. Viele Demokraten wenden sich Bernie Sanders, dem erklärten Sozialisten im Rennen zu oder Joe Biden, der noch gar nicht offiziell seinen Wahlkampfeintritt formuliert hat. Klar, Hillary hat die besten Voraussetzungen am Ende Kandidatin ihrer Partei zu werden, aber von einem mitreissenden Barack Obama 2008 ist sie Welten entfernt. Von „Hope“ und „Change“ kann bei Hillary Clinton keine Rede sein. Sie wird „nur“ die demokratischen Reihen damit schließen können, dass sie einen Wahlsieg der Republikaner verhindern kann. Egal wer der Kandidat auf der anderen Seite auch sein wird.

Hillary Clinton ist keine Hoffnungsträgerin, mit ihr werden die USA kein Neuland betreten. Mit ihr im Weißen Haus wird die Politik von Barack Obama weitgehend fortgeführt werden, und das natürlich auch weiterhin mit den konstanten Angriffen, Störmanövern und Querschüssen der Republikaner, die die verhasste Person Hillary von Tag eins ihrer Amtszeit bekämpfen werden. Die Kandidatin Hillary Clinton steht im Falle eines Wahlsieges ungewollt für den politischen Stillstand und für weitere Grabenkriege in Washington. Leider, aber so ist die politische Realität in den USA.

Die Heiligsprechung des Junípero Serra

Wer durch Kalifornien reist, kommt an diesem Namen nicht vorbei. Es gibt Junípero Serra Boulevards, Junípero Serra High Schools und Junípero Serra Squares. Und dann sind da noch die Missionen von San Diego bis nördlich von San Francisco, die von dem spanischen Jesuiten im 18. Jahrhundert gegründet wurden. An acht der Missionen war Serra beteiligt. Er brachte den Katholizismus nach „Neu Spanien“, vom heutigen Baja California bis hoch nach Nordkalifornien.

Junípero Serra war umstritten, seine harte und brutale Art, auch gegen sich selbst, war bekannt. Serra missionierte die „Wilden“ im amerikanischen Westen, war darüberhinaus der Inquisator für Spanien in der Region. Nun will Papst Franziskus ihn in Washington heilig sprechen. Das ist umstritten, denn viele „Native Americans“ sehen in Junípero Serra den Vertreter einer Gewaltherrschaft, die ihre Nationen zugrunde richtete. Sie haben kein Verständnis dafür, dass dieser Mann, der mit aller Härte sein Ziel der Missionierung verfolgte, nun als Heiliger verehrt werden soll. Doch Proteste und Briefe an den Vatikan halfen nichts. Junípero Serra wird am morgigen Mittwoch vom Papst diese besondere Ehre der Katholiken erhalten.

#LoveWins oder ein Naturgesetz gebrochen

„Gay Pride Weekend“ in San Francisco, dem Zentrum der Schwulen und Lesben. Und noch nie kamen so viele Menschen, um zu feiern. Und es waren eben nicht nur homosexuelle Aktivisten, es schien, als ob ganz Nordkalifornien auf den Beinen war. Der amerikanische Verfassungsgerichtshof hatte mit seinem Urteil zum gleichen Recht für alle auf Eheschließung ein deutliches Zeichen gesetzt. Fortan wird es keine Ausnahme mehr geben, ob jemand in diesem Bundesstaat oder in jenem lebt, und es davon abhängt, ob man heiraten darf oder nicht. Der Richterspruch war quasi eine Einladung zur großen Party quer über den Kontinent nach San Francisco geschickt. Und die kam auch an, einen besseren Zeitpunkt hätten sich die Richter im fernen Washington gar nicht aussuchen können.

Der Republikaner Mike Huckabee sieht Naturgesetze außer Kraft gesetzt.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee sieht die Naturgesetze außer Kraft gesetzt.

Barack Obama twitterte unter seinem Namen POTUS (President of the United States): „Heute ist ein großer Schritt auf dem Marsch für Gleichberechtigung gemacht worden. Schwule und lesbische Paare haben nun das Recht, genau wie jeder andere zu heiraten. #LoveWins“. Doch nicht jeder im Land war begeistert. Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten reagierten alle mit eindeutigen Stellungnahmen. Sie sprachen von „Aktivisten Richtern“, von politischen Entscheidungen, die von ungewählten Richtern zum Gesetz gemacht wurden. Einige, wie Lyndsay Graham, erklärten, sie akzeptierten die Entscheidung, werden aber dafür kämpfen, dass das Recht auf Religionsfreiheit und Religionsausübung bestehen bleibe. Andere, wie Mike Huckabee, erklärten, dieser Urteilspruch der Verfassungsrichter komme einer Aushebelung natürlicher Gesetze gleich. Die Dimension dieser Entscheidung sei gleichzusetzen, wie wenn die Juristen richterlich entschieden hätten, dass die Erdanziehungskraft aufgehoben sei. Das ist dann wohl auch eine Meinung.

Klar wird bei all diesen Reaktionen, dass die Republikaner sich in den kommenden Wochen und Monaten in einen Moralwahlkampf verlieren werden, in dem sie von den „Family Values“ und den „christlichen“ Moralvorstellungen sprechen. Dabei jedoch vergessen, dass Amerika ein anderes Land geworden ist, in dem man so nicht mehr, wie noch 2004 George W. Bush, eine Wahl gewinnen kann. Der Überdemokratin Hillary Clinton kommt das ganz recht, denn sie stellt sich schon seit Jahren als Verfechterin der Homoehe dar. Vergessen ist die Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Ehen, als die Clintons noch im Weißen Haus waren. „Don’t ask, don’t tell“, das Gesetz, das Homosexuellen ein offenes Leben im Militär verbot, wurde seinerzeit von Bill Clinton unterschrieben.

Newt Gingrich wollte nicht tanzen

Man kennt sich und plauscht am Opernball.

Man kennt sich und plauscht am Opernball.

Es ist zweifelsfrei die beeindruckendste diplomatische Vertretung Deutschlands im Ausland. Die Residenz des deutschen Botschafters in Washington DC, 1994 von Architekt O.M. Ungers verwirklicht. Ein modernes, offen gehaltenes und auch warmes Gebäude auf einem Hügel in einer parkgleichen Umgebung, am Rande von Georgetown.

Und hier fand am Samstagabend der Opernball des Kennedy Centers statt. Ein „Black Tie Event“ für die wichtigen Unterstützer der „National Opera“. Perfekt war das ganze inszeniert und ausgeleuchtet. Die Damen und Herren in feinster Abendrobe genossen Drinks, üppige Desserts, Live-Musik und gute Unterhaltung. Man wollte dabei sein, das war klar. Ein paar bekannte Gesichter konnte ich auch ausmachen, wie die Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsberg, die sehr fragil wirkte, doch von zwei muskelbepackten Sicherheitsleuten begleitet wurde. Dann auch der ehemalige „Speaker of the House“ und Ex-Präsidentschaftskandidat Newt Gingrich, der aus dem Plaudern gar nicht mehr raus kam. Ein paar Namensschilder an reservierten Tischen deuteten noch auf andere „wichtige“ Gäste aus Politik und Wirtschaft hin.

Wir sind alle Berliner in der "Berlin Bar".

Wir sind alle Berliner in der „Berlin Bar“.

Etwas verspätet durfte ich dann in der „Berlin Bar“ mit meiner Musikmischung beginnen. Und es lief erstaunlich gut, denn vorher wußte ich so gar nicht, was bei einem Opernball und einer durchaus altersmäßig undurchschaubaren Zielgruppe ankommen könnte. Die Stimmung war mehr als gut, das Bier floss in Strömen, darunter auch Schlenkerla Rauchbier aus Bamberg. Und die Damen und Herren im feinsten Zwirn tanzten zu Klängen zwischen Abba und Peter Fox. Nur Newt Gingrich kam nicht in den wohlig warmen Keller um das Tanzbein zu schwingen. Schade eigentlich, denn das wäre doch was gewesen, wenn ich am Ende auch noch Newt Gingrich zum Tanzen gebracht hätte.

Samstagnachmittagspaziergang

Vom Hotel zum Weißen Haus ist es nicht weit. Alle möglichen Polizisten sichern den Sitz des Präsidenten ab. Kameras nehmen jede Bewegung der zahlreichen Touristen aus aller Welt auf. Absperrgitter wurden nach den jüngsten Vorfällen noch vor dem eigentlichen Zaun aufgebaut. Ein paar vereinzelte Protestierende sitzen hinter ihren Schildern und warten auf Gespräche. Für was sie demonstrieren interessiert keinen. Die Passanten laufen vorbei, auf der Suche nach einem guten Blick aufs Weiße Haus.

Donald Trump kommt 2016 nach Washington DC.

Donald Trump kommt 2016 nach Washington DC.

Es ist heiß an diesem Samstagnachmittag. Ich gehe weiter Richtung „National Gallery of Art“ und da ein riesiges Plakat vor einem gewaltigen Gebäude. Ganz klar ist nun, Donald Trump wird kandidieren, steht ja da: „TRUMP – Coming 2016“. Und der Donald baut sich gleich dazu eine Unterkunft nur einen Steinwurf vom Weißen Haus entfernt. Das „White House“ scheint ihm wohl nicht gut genug zu sein.

Die Nationalgalerie ist beeindruckend. Und zum ersten Mal in den USA freue ich mich darüber, wie meine Steuern ausgegeben werden. Das Museum hat, wie alle staatlichen Museen in der Hauptstadt, freien Eintritt.

Der Denker regt zum Nachdenken an.

Der Denker regt zum Nachdenken an.

Man sieht ganz verschiedene Menschen vor den Bildern, den Möbeln und auch dem Denker von Rodin stehen. In der Fotoausstellung fallen mir vor allem die vielen deutschen Namen der Fotografen auf. Durch einen futuristischen unterirdischen Gang geht es in das beeindruckende Ostgebäude, wo mehr die moderneren Skulpturen zu finden sind.

Von dort spazierte ich weiter Richtung Mall und dann auf das Kapitolsgebäude zu. Dahinter liegen die Jefferson und Madison Buildings, wo die größte Bücherei der Welt, die „Library of Congress“, untergebracht ist. Auf der Suche nach alten deutschsprachigen Radiosendungen aus den 20er und 30er Jahren kam ich nicht weiter. Einen Versuch war es wert, aber die ethnischen und fremdsprachigen Radioprogramme in den USA wurden über all die Jahrzehnte kaum archiviert.

Der "Sonntags-Gast" wurde 1871 in San Francisco veröffentlicht.

Der „Sonntags-Gast“ wurde 1871 in San Francisco veröffentlicht.

Aber dann schlenderte ich zum Zeitungsarchiv am anderen Ende des Madison Gebäudes auf der Suche nach deutschsprachigen Zeitungen, die in der San Francisco Bay Area veröffentlicht wurden. Viel war nicht in diesem Gewaltarchiv zu finden, doch dann wurde der Archivar in seinem Karteikasten fündig. Ein Jahrgang des „Sonntags-Gast“, erschienen 1871, war auf Mikrofilm verfügbar. Die Zeitung war ein belletristisches Wochenblatt. Interessant darin vor allem die vielen Anzeigen von Handwerkern, Bierhallen, deutschen Geschäften. San Francisco war voller Einwanderer aus den deutschsprachigen Ländern.

Washington ist eine beeindruckende Stadt, die man zu Fuß durchschlendern sollte. So viele Eindrücke, so wenig Zeit.

DJ am Opernball

Ich bin heute in Washington DC angekommen. Noch frage ich mich, was ich hier eigentlich mache, aber das wird sich morgen Abend zeigen. Der Opernball für die „Washington National Opera“ steht an. An diesem Samstagabend werden zahlreiche Botschafter zu privaten Dinners einladen, bevor es dann in die Residenz des deutschen Botschafters Peter Wittig geht, der Schirmherr der diesjährigen Veranstaltung ist.

Huberta von Voss-Wittig und Botschafter Peter Wittig laden zum Opernball in ihre Residenz.

Huberta von Voss-Wittig und Botschafter Peter Wittig laden zum Opernball in ihre Residenz.

Und dort wartet dann ein umfangreiches Programm auf die Gäste dieses „elegant black-tie events“, die mit ihren großzügigen Spenden die Oper in der Stadt unterstützen.

Und mit dabei eben auch ich, der hier, nein, keine Arien einspielt und schon gar keine trällert, sondern eine kunterbunte Mischung aus 60er, 70er und 80er Jahre Musik mixt, mit ein paar deutschen Klängen untermalt. Heute erreichte mich eine Mail des organisierenden Kennedy Centers, dass mein Teil des Abends von 3 Stunden auf zwei Stunden und 15 Minuten gekürzt wurde. Um 00:30 wartet also schon die Limousine am Eingangstor der Botschaftsresidenz, um mich zurück ins Hotel zu bringen. Fragen habe ich keine.

Also, es ging quer durch die USA, um dabei zu sein, Freitag hin, Sonntag zurück. Ich sage es mal so, und das ist sicherlich nicht übertrieben, ich bin gespannt auf das, was ich da morgen Abend erleben werde.

„Hello, Twitter! It’s Barack“

„Really! Six years in, they’re finally giving me my own account“, schreibt Präsident Barack Obama. Nun also ist er auch ganz direkt auf Twitter zu finden. Und auch er bekommt nur 150 Zeichen, um über dies und das und jenes zu switchern. Sei es über die Familie, das Essen oder hochpolitische Dinge, die da so über den Schreibtisch im Oval Office gehen. Und, Barack Obama wies schon mal sicherheitshalber und im Scherz darauf hin, dass diese Tweets wohl archiviert werden. Die Frage ist, braucht man das wirklich? Muß ein amerikanischer Präsident oder eine Bundeskanzlerin auf Twitter sein, um sich so jung, dynamisch, am Puls der Zeit zu geben?

Barack Obama ist also nun dabei, auch Bill Clinton ist auf Twitter und die beiden schickten heute schon Nachrichten hin und her. Locker, flockig kamen sie daher. Was will man also mehr? Wenn es nur dabei bleiben würde, aber ich sehe schon die ersten Tweets von POTUS zu ISIS kommen.

Bill Clinton fragt, ob die Twitter Adresse POTUS (President of the United States) im Oval Office bleibt?

Bill Clinton fragt, ob die Twitter Adresse POTUS (President of the United States) im Oval Office bleibt?

Barack Obama antwortet, ob er jemanden kenne, der an FLOTUS (First Lady of the United States) interessiert sei?

Barack Obama antwortet, ob er jemanden kenne, der an FLOTUS (First Lady of the United States) interessiert sei?