Gesund hinter Gittern

In den amerikanischen Gefängnissen sitzen rund zweieinhalb Millionen Menschen ein. Fast die Hälfte davon sind Afro-Amerikaner, die in der Gesamtbevölkerung gerade mal einen Anteil von 13 Prozent ausmachen. Allein diese Zahl zeigt, dass etwas schief läuft in der amerikanischen Gesellschaft.

Nun hat auch noch eine Langzeitstudie herausgefunden, dass Schwarze im Gefängnis länger überleben, als wenn sie in Freiheit und auf der Straße wären. Der Anteil der Schwarzen, die im Gefängnis starben, war genauso hoch wie der der Weißen. Draußen ist das ganz anders. Afro-Amerikaner haben in der amerikanischen Gesellschaft in jeder Altersgruppe eine höhere Sterblichkeitsrate als Weiße. Das bedeutet, dass sogar das zweifellos fehlerhafte Gesundheitssystem hinter Mauern besser ist, als die mangelnde Gesundheitsversorgung vieler Afro-Amerikaner in Freiheit. Die Daten zeigen eindeutig, dass erkrankte Häftlinge eine bessere Überlebenschance hinter Gittern haben, als in ihrem normalen Umfeld in Freiheit.

Die Konsequenz sei, so die Wissenschaftler, dass die Situation draussen für Afro-Amerikaner verbessert werden müßte und, dass sie einen besseren und sichereren Zugang zu einer funktionierenden Gesundheitsvorsorge und -versorgung bekommen müßten. Wahrscheinlich jedoch wird diese Studie auch, wie schon viele andere vorher, zu den Akten gelegt werden. Im „Melting Pot“ USA passen solche Nachrichten so gar nicht in das nach aussen verkaufte friedliche Bild des „American Dreams“ mit seinen gleichen Chancen für jedermann.