Trump mag Angela nicht

Freundschaft sieht anders aus. Foto: dpa.

Da saßen sie im Oval Office nebeneinander, doch Nähe kam nicht auf. Trump blickte stur und launisch vor sich hin, Angela Merkel lächelte dazu. Sie ging mit dem gemeinsamen Auftritt deutlich besser um, als der neue amerikanische Präsident. Nach 50 Tagen im Amt kam es endlich zum Treffen der beiden Staatschefs.

Es ist heute viel über diesen Besuch geschrieben worden, darüber wie unterschiedlich beide sind, darüber wie Trump den Anschein vermittelte, schlecht gelaunt zu sein und so gar nichts mit der deutschen Bundeskanzlerin anfangen zu können,.

Der Anschein scheint zu stimmen, denn Trump schlug nach dem Treffen brutalst zurück. Jedenfalls so, wie das ein Donald Trump eben gerne mag. Er schwieg. Normalerweise twittert nämlich ein Trump über jedes Treffen mit einem Kegelverein, einem drittklassigen Besucher, ein anstehendes Interview auf FOXNews. Doch zum Besuch der deutschen Bundeskanzlerin hatte er nichts zu sagen. Nicht einmal, dass es vielleicht ein nettes Gespräch war. Nichts, rein gar nichts. Und das sagt mehr als 140 Trumpsche Zeichen. Der neue Mieter im Weißen Haus mag die Bundeskanzlerin nicht und setzt wohl im Stillen darauf, dass sie im September ihren Job nicht mehr haben wird.

Doch auch wenn Angela Merkel die kommende Bundestagswahl gewinnen sollte, die Beziehung zwischen ihr und Trump wird deshalb nicht freundschaftlich werden. Zu weit liegen beide auseinader, ihre Sicht der Dinge, ihre Politik, ihre Geschichte. Und auch die Unfähigkeit von Donald Trump Fehler einzugestehen, sich zu entschuldigen für das, was er im Wahlkampf und danach über die Kanzlerin gesagt hat. Und ganz ehrlich, sein Frauentyp ist Angela Merkel wohl auch nicht, das haben wir ja im Wahlkampf zu genüge erfahren. Die transatlantischen Beziehungen stehen damit vor einer großen Herausforderung. Es scheint mit diesem Präsidenten unmöglich zu sein, die historische Partnerschaft zwischen Deutschland und den USA auch unter Trump als Freundschaft zu betrachten. Das fehlende Tweet ist der Gradmesser an dem man nun die Nähe zwischen dem Weißen Haus und dem Kanzleramt messen muß.

4 Wochen sind eine halbe Ewigkeit

Vier Wochen ist Donald Trump nun im Amt. Von außen betrachtet, erscheint das, was da im Weißen Haus vor sich geht, etwas chaotisch. Aber es kommt ganz darauf an, mit wem man hier spricht, wem man zu hört. Seine Wähler, etliche Kommentatoren auf FOXNews sind begeistert, denn Trump hat in diesen vier Wochen genau das durchgezogen, was er angekündigt hat. Er regiert per Dekret, umgeht den zerstrittenen Kongress, zeigt, er ist der starke Mann in Washington, der aufräumt.

Sehr erfolgreich ist er damit allerdings nicht, aber er setzt einen ganz neuen Ton in Washington, der so ganz anders als der seines Vorgängers Barack Obama ist. Und das deutlich. Seine Kritiker, die Demokraten und viele Medienvertreter schlagen nur noch die Hände über dem Kopf zusammen, was da Tag für Tag aus dem Weißen Haus kommt. Es erinnert an eine Chaostruppe, die ohne wirklichen Plan angetreten ist, um die Welt zu verändern.

Präsident Donald Trump beim Regieren. Foto: Reuters.

Seit dem Ende des republikanischen Wahlkampfes und seiner Nominierung im vergangenen Juli hieß es, Donald Trump werde nun präsidialer. Nichts passierte. Trump polterte weiter wie eh und je. Dann der Wahlsieg und wieder hieß es, nun werde Trump präsidialer. Fehlanzeige. Donald Trump ist selbstverliebt und er macht genau da als Präsident weiter, wo er als Wahlkämpfer aufgehört hat. Er provoziert weiterhin, am liebsten auf Twitter. Er verdreht die Tatsachen, schimpft auf die Fake News, aber setzt genau diese weiterhin in Umlauf, man denke nur an seine Behauptung, er hätte auch die meisten Wahlstimmen erhalten, wenn man die fünf Millionen illegalen Stimmen für Hillary abziehen würde. Beweise für seine haltlose Behauptung legt er natürlich nicht vor. Von einem Präsident aller Amerikaner ist er weit entfernt. Er setzt die billigen Parolen aus dem Wahlkampf um und streicht darüberhinaus Maßnahmen beim Umweltschutz und in der Bankenkontrolle. Alles für die Amerikaner oder eher für seine superreichen Freunde und Geschäftskollegen?

Trump war im Wahlkampf kritisch gegenüber der eigenen Partei und ihrer bekanntesten Vertreter.  Und auch viele in den Reihen der Republikaner haben ihn kritisiert. Doch dann kam die Wahlnacht, der Wahlsieg und alles schien vergessen zu sein. Anfangs sah es danach aus, als ob die Republikaner die Reihen schließen und sich hinter dem neuen Präsidenten einreihen würden. Man hoffte darauf, dass Trump gemäßigter wird. Aber nun hat sich das gewandelt, die kritischen Stimmen in den eigenen Reihen werden lauter. Gerade das Desaster um den Sicherheitsberater Michael Flynn, die engen Kontakte des Trump-Teams zu Russland, machen viele in der GOP sehr nervös. Dann auch die Art und Weise, wie Trump die Medien, Richter, all jene angreift, die nicht auf seiner Linie sind. Das stößt vielen bei den Republikanern auf. Da braut sich was zusammen, denn Donald Trump wird sich nicht ändern, er ist genau so, wie er sich im Wahlkampf präsentiert hat. So langsam sickert das auch bei den Parteimitgliedern durch, die sich mehr und mehr in ihren Distrikten erklären müssen, auf Distanz gehen zum Präsidenten. Die Hoffnung stirbt zuletzt, die Hoffnung, dass Trump sich ändern wird.

Die große Frage ist also nun, ob Trump diese Art der provokaten Politik im Alleingang vier Jahre durchhalten kann. Es rollt sicherlich eine Klagewelle auf die Adminstration zu, bei fast allem, was Trump bislang per Dekret entschieden hat folgten Klagen….bestes und bekanntestes Beispiel das Einreiseverbot für Menschen aus dem Irak, dem Iran, Syrien, Libyen, dem Sudan, Somalia und Jemen. Abzuwarten bleibt, ob sich Teile der Republikaner offen gegen Trump stellen werden. Denn die Demokraten können alleine nichts erreichen. Doch das wäre der Supergau für das politische Washington.

 

 

Ist Trump der neue Hitler?

Der „Mormon Tabernacle Choir“. Foto: Reuters.

Die Frage kommt nicht von mir, doch ich höre und lese sie in diesen Tagen sehr oft hier drüben in den USA. Jan Chamberlin stellte sie kürzlich, nachdem sie erklärte, nicht mehr im „Mormon Tabernacle Choir“ zu singen. Der weltbekannte Chor hatte zugestimmt, bei der Vereidigung von Donald Trump am 20. Januar in Washington zu singen. Chamberlin schrieb auf ihrer Facebook Seite, „für diesen Mann zu singen“ sei für sie, als wenn der Chor „Tyrannei und Faschismus unterstütze“. Das Ansehen des Chors würde damit „ernsthaft beschädigt“ werden. „Ich weiß, ich könnte niemals ‚Rosen für Hitler werfen‘. Und ich könnte ganz sicher niemals für ihn singen“.

Jan Chamberlin trat aus dem Chor aus. Auf Anfrage der Washington Post bestätigte die Chorleitung, dass viele Mitglieder Schwierigkeiten mit der Entscheidung hätten, für Trump zu singen. Aber es sei jedem freigestellt mit nach Washington zu reisen. Weitaus weniger Mormonen unterstützten im Wahlkampf den republikanischen Kandidaten als in früheren Wahlgängen. George W. Bush und auch Mitt Romney erhielten weit über 20 Prozent mehr Stimmen in Utah als Donald Trump in diesem Jahr. Die Mormonen waren eine der religiösen Gruppen in den USA, die massive Probleme mit dem New Yorker Milliardär hatten.

Was dieser Kampf im Chor auch zeigt ist, wie tief gespalten Amerika ist. Soll man dem gewählten Präsidenten Donald Trump eine Chance geben, jenem Mann, der mit Hassparolen, Beleidigungen und teils menschenverachtenden Aussagen die Wahl gewann? Jenem Mann, der sich bislang für keine seiner verbalen Entgleisungen entschuldigte und vielmehr weiterhin die Spaltung Amerikas betreibt. Trump nutzt weiter sein Sprachrohr Twitter, um das Land in seine Anhänger und seine Feinde zu teilen. Erst heute, am letzten Tag des Jahres, twitterte er eindeutige 140 Zeichen. „Happy New Year an alle, auch an die vielen Feinde und solche die mich bekämpft haben und schlimm verloren, sie wissen nicht, was sie tun sollen. Liebe„. Nachtreten gehört zum Kurs des neuen US Präsidenten. Von einem Präsidenten für alle Amerikaner ist Donald Trump noch weit entfernt. Es sieht so aus, als ob der Wahlkämpfer Trump auch ins Weiße Haus einziehen wird. Der Ton macht die Musik und die erinnert an schlimme Zeiten.

 

Istanbul – New York – Los Angeles

Die Druckwelle der Bomben in Istanbul war bis in die USA zu spüren. Bereits am Montag, einen Tag vor dem Anschlag am Atatürk Airport, hatte das „State Department“ eine neue Reisewarnung für amerikanische Staatsbürger herausgegeben. Vor allem der Südosten des Landes, im Grenzgebiet zu Syrien, solle von US-Bürgern gemieden werden: „The U.S. Department of State warns U.S. citizens of increased threats from terrorist groups throughout Turkey and to avoid travel to southeastern Turkey.“

Ausländische und einheimische Terrorgruppen, so das amerikanische Außenministerium, hätten es in der Vergangenheit immer wieder auf Touristen und Besucher aus dem Ausland abgesehen. Die erneute und verschärfte Warnung vom Montag kam nur wenige Monate nach einem allgemeinen „Travel Alert“ für die Türkei. US-Regierungsmitarbeitern wird es untersagt nach Hatay, Kilis, Gaziantep, Sanliurfa, Sirnak, Diyarbakir, Van, Siirt, Mus, Mardin, Batman, Bingol, Tunceli, Hakkari, Bitlis und Elazig zu reisen. Angehörige von Entsandten an den US-Konsulate in Hadena und Izmir wurden zur Abreise aufgefordert. Den amerikanischen Geheimdiensten und Diplomaten lagen konkrete Hinweise auf Anschläge in der Türkei vor.

Die USA verurteilten deutlich die Anschläge von Istanbul. Sowohl das Weiße Haus, wie auch das "State Department" veröffentlichten Pressemitteilungen. Der US-Botschafter in Ankara, John Bass, erklärte auf der facebook Seite der Botschaft: "Horrified by tonight's attack at Ataturk Airport. We mourn with the families of those lost, and pray for speedy recovery for those wounded."

Das Weiße Haus und das „State Department“verurteilten deutlich die Anschläge von Istanbul. Der US-Botschafter in Ankara, John Bass, erklärte auf der facebook Seite der Botschaft: „Horrified by tonight’s attack at Ataturk Airport. We mourn with the families of those lost, and pray for speedy recovery for those wounded.“

Und dann passierte es in Istanbul, direkt am Flughafen. In den USA schaut man nun genau hin, wie das passieren konnte, denn die Terroristen hatten Schwachstellen im Sicherheitsapparat des Atatürk Airports ausgemacht. Und diese Schwachstellen gibt es auch an amerikanischen Flughäfen. Zuallererst die Anfahrt in einem unscheinbaren Taxi und dann sitzt auch am SFO-Airport nur ein, meist gelangweilt dreinblickender, Customs-Agent am Ausgang des internationalen Terminals. Ohne weiteres könnten Bewaffnete hier in den inneren Bereich des Flughafens, zur Gepäckausgabe gelangen, wie das wohl auch in Istanbul passiert ist.

Amerikanische Sicherheitsbehörden haben bereits die Kontrollen und die Präsenz von uniformierten Beamten an den US-Flughäfen verstärkt. In dieser Woche steht der Nationalfeiertag, der 4. Juli, an, ein traditioneller Großreisetag in den USA. Millionen von Passagieren fliegen quer durchs Land und das zu einer Zeit, in der die „Transportation Security Administration“ (TSA) massive Probleme im schnellen Abfertigen der hohen Passagierzahlen hat und dazu noch der Sicherheitslevel heraufgesetzt wurde. Es könnte ein Alptraum für Reisende werden, vor dem Hintergrund, dass die absolute Sicherheit sowieso nicht garantiert werden kann, wie es der Terrorakt in Istanbul brutalst demonstriert hat.

Viel Lärm um fast nichts

Präsident Barack Obama am Dienstag im Weißen Haus. Foto: Reuters.

Präsident Barack Obama am Dienstag im Weißen Haus. Foto: Reuters.

Barack Obama hatte ins Weiße Haus geladen und alle kamen. Alle, die sich für strengere und sinnvollere Waffengesetze in den USA einsetzen. Was der Präsident da am Dienstagmorgen in seiner teils emotionalen Rede präsentierte, war für einen nichtamerikanischen Zuschauer und Zuhörer nichts besonderes. Von strengeren Kontrollen beim Waffenkauf, von zusätzlichen Mitteln fürs FBI war die Rede. Hintergrundchecks sollen verpflichtend eingeführt, Schlupflöcher gestopft werden. Daneben sollten Knarren besser gesichert werden, so Obama. Denn wenn man für sein iPhone einen Fingerabdruck nutzen kann, Kinder durch einen Kinderschutz nicht die Aspirindose öffnen können, mache es keinen Sinn, dass Waffen nicht auch vor dem Zugriff Fremder gesichert werden könnten.

Barack Obama will es nun im Alleingang versuchen, vorbei am Kongress und der republikanischen Mehrheit. Die und die zahlreichen Präsidentschaftsanwärter der GOP haben bereits erklärt, dass die Vorschläge aus dem Weißen Haus Unsinn seien, man müsse nur die bestehenden Gesetze anwenden. Auch die Waffenlobby der „National Rifle Association“ und anderer Gun-Groups haben schon ihren Widerstand gegen Obamas Pläne angekündigt. Sie werden die präsidialen Anordnungen vor Gericht bringen und höchstwahrscheinlich gewinnen. Denn klar ist, Obama läuft die Zeit davon, die Richter werden sicherlich nicht übereilt entscheiden, heißt, Obama wird das nicht mehr als amtierender Präsident erleben.

Doch damit rechnet Barack Obama, der weiß, dass er mit seinem Alleingang ein wichtiges Wahlkampfthema auf die Tagesordnung gesetzt hat. Ein Thema, dass am Ende Hillary Clinton stärken wird, die sich ebenfalls für eine Verschärfung-light der Gesetze stark macht. Denn der Großteil der Amerikaner ist für strengere Waffengesetze, das ergeben Umfragen immer wieder. Es geht Obama nicht um eine Verfassungsänderung, um ein Verbot aller Schußwaffen, es geht vielmehr um einen geordneten, sicheren und überprüfbaren Zugang zum Waffenmarkt. Es soll kontrolliert werden können, wer da eine Wumme kauft. Nicht mehr und nicht weniger. Die weit über 400 Millionen Knarren im Umlauf, werden von den neuen Regelen überhaupt nicht berührt.

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Donald Trump ist klasse!

Donald Trump kann es selbst nicht glauben, was er alles sagen darf. Foto: Reuters.

Donald Trump kann es selbst nicht glauben, was er alles sagen darf. In den Umfragen steigt er weiter. Foto: Reuters.

Now I get it!!! Donald Trump will eigentlich nur Spassss haben. Trump braucht nicht Präsident werden. Warum auch, er hat genug Geld, um sich bei jedem State Dinner einzukaufen. So kann er mit den Wichtigen und Übergewichtigen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport dinieren, plaudern, sich zum Kaffeeklatsch in irgendeinem seiner Penthäuser verabreden. Trump will gar nicht Präsident werden, aber er zeigt den Amerikanern gerade, wie schwachsinnig ihr Wahlsystem ist. Er führt Amerika vor, hält dieser Gesellschaft den Spiegel vor. Anders läßt sich das alles nicht mehr erklären.

Es muß so sein, Donald Trump trifft sich am Abend mit seiner Familie und seinen „Beratern“ und dann überlegen sie gemeinsam, mit welcher Schockmeldung sie am nächsten Tag rauskommen. Und am Folgeabend sitzen sie wieder zusammen, lachen sich ins Fäustchen über die Reaktionen und sind selbst mehr als alle anderen darüber überrascht, wie der Donald weiter in den Umfragen steigt. Sie versuchen es ja, dass er fällt, aber nichts geschieht. Er beschimpfte die Mexikaner, die Homosexuellen, die Frauen, die europäischen Partner, Obama und seine Demokraten, Opfer von Massenschießereien und nun will er sogar ganz die Grenzen für Moslems schließen. Der armen Trump-Familie gehen die Ideen aus. Wie läßt sich das noch toppen?

Wie man so, und dabei unbeabsichtigt, durch den politischen Porzellanladen stolpern kann, ohne Rücksicht auf Verluste, kann einfach nicht sein. Donald Trump liegt in den Umfragen sage und schreibe 22 (!) Prozent vor seinem nächsten Konkurrenten. Ich kann einfach nicht mehr glauben, dass Trump das nicht alles mit Absicht macht. Er hat Wahlkampfforderungen wie Martin Sonneborn mit seiner „Die Partei“. Trump muß ein hervorragender Satiriker, Clown, ein demokratischer Spion oder ein Agent des russischen Empires sein. Er muß so sein, sonst zweifele ich wirklich noch am amerikanischen Geist.

Spannend wird es jetzt, wenn die neuesten Umfragen herauskommen. Bleibt Trump vorne, steigt er weiter oder verliert er Prozentpunkte. All seine republikanischen Mitbewerber haben sich schnell und teils deutlich von Trumps Fordernung nach Grenzschließlung für Moslems distanziert. Ob ihnen das hilft? Bislang eher weniger. Trump tanzt weiter auf dem amerikanischen Politgrab wie Rumpelstilzchen ums Feuer. Wo soll das noch hinführen.

Der Wahlkampf ist ein seltsames Geschäft

575 republikanische Wähler machen international Schlagzeilen. Nein, nicht mit ihrem Namen oder mit einer großartigen Protestaktion. Sie haben lediglich zu 26 Prozent in einer telefonischen Umfrage der New York Times und CBS News erklärt, sie würden für den Neurochirurgen Ben Carson stimmen. 22 Prozent von ihnen wollen für den Milliardär Donald Trump votieren. Die Fehlerquote bei dieser Umfrage liegt bei +/- sechs Prozent. Die anderen Kandidaten im Rennen lagen weit hinter diesem Duo mit einstelligen Ergebnissen.

Ben Carson hat gut lachen, er führt nun in einer der unzähligen Umfragen. Foto: AFP.

Ben Carson hat gut lachen, er führt nun in einer der unzähligen Umfragen. Foto: AFP.

Diese Umfrage wurde als Knüller behandelt, Trump fällt, Carson steigt, als überzeugter Republikaner kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Denn die eigene Partei gleicht einem Spaßhaufen. Da liegen zwei Kandidaten vorne, die keinerlei Regierungserfahrung haben und schon gar keine Antworten auf drängende politische Fragen haben. Der eine ein arroganter, selbstüberschätzender Egomane, der andere ein stiller, erzkonservativer Chirurg, der mit solchen Sätzen wie „der Holocaust wäre wahrscheinlich nicht passiert, wenn die Juden bewaffnet gewesen wären“. Und weiter, „sie hätten sich selbst retten können, wenn sie Waffen gehabt und militärische Aktionen durchgeführt hätten.“ Die Waffenlobby, die National Rifle Association, jubelt über solche dummdreisten Sprüche.

Diese Kandidaten stehen also an vorderster Stelle in der republikanischen Partei. Eigentlich sollte man sich als Parteimitglied schämen, doch nichts dergleichen passiert. Auf dem konservativen Propagandasender FOXNews wird das breite Feld der Anwärter aufs Weiße Haus gefeiert. Man habe ja so viel Auswahl. Nur Hillary, Bernie und Obama bekommen auch weiterhin ihr Fett ab. Moderator Sean Hannity preist jeden der GOP-Kandidaten als „good American“ und als „Patrioten“. Wo soll das noch hinführen?

Egal, ob in den Umfragen nun 575 Wähler  für Carson und dann erst für Trump stimmten, keiner der beiden wird es am Ende schaffen. Das kann nicht sein, das darf nicht sein. Man stelle sich nur vor, wenn sich wirklich einer der beiden am Ende durchsetzen sollte. In deutschen Kommentaren wird immer wieder geschrieben, dass in Amerika alles möglich sei, sogar ein B-Klasse Schauspieler, wie Ronald Reagan, wurde schließlich zum Präsidenten gewählt. Übersehen wird dabei, dass Reagan Gouverneur des bevölkerungsreichsten Bundesstaates, Kalifornien, war. Und, dass der Iran ihn mit einem politischen Schachzug im Wahlkampf unterstützte, wenn nicht sogar ins Weiße Haus hievte. Denn die Geiselnahme von Teheran wurde erst nach dem Wahltag im November 1980 beendet. Präsident Jimmy Carter wurde Versagen vorgeworfen, Ronald Reagan hatte ein leichtes Spiel gewählt zu werden.

Reagan ist also kein gutes Beispiel für einen möglichen Präsidenten Trump oder Carson. Auch wenn Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, alles ist dann doch nicht machbar. Ich hoffe es zumindest.

Eine politische Woche

Es tat sich einiges in dieser Woche. Zwei Demokraten, Jim Webb und Lincoln Chafee, beendeten ihre aussichtslose Kandidatur ums Rennen für das Weiße Haus. Joe Biden kündigte das Ende seines angedachten Umzugs ins Oval Office an und machte damit endgültig Platz für Hillary, die in dieser Woche im Mittelpunkt in Washington DC stand. Clinton überzeugte bei der Marathonanhörung über ihre Rolle und wann sie was wußte beim Terrorangriff auf das US Konsulat im lybischen Bengasi. Die Republikaner veranstalteten ein Tribunal im Wahlkampf, um, wie es der Fraktionsvorsitzende der GOP, Kevin McCarthy, nannte, Hillary auf ihrem Weg ins Weiße Haus zu stoppen. Ein politisches Fanal sollte es werden, doch daraus wurde nichts. Hillary Clinton war gut auf die Angriffe vorbereitet.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Präsidentschaftsrennen sowieso nicht. Foto:  Brian Snyder/Reuters.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Wahlkampf sowieso nicht. Foto: Brian Snyder/Reuters.

Doch das war noch nicht alles in dieser Woche. Die Umfragen unter republikanischen Wählern ergaben, dass fast 60 Prozent für einen Außenseiter stimmen würden. Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina führen derzeit die Republikaner vor. Der Wahlkampf verläuft so gar nicht nach den Plänen des konservativen Establishments in den USA. Das Darling der Partei, der Gouverneur von Wisconin Scott Walker, ist bereits aus dem Rennen ausgeschieden. Auch der ambitionierte Texaner Rick Perry ist Vergangenheit. Und nun muß sogar Jeb Bush eingestehen, dass ihm das Geld knapp wird. Im Vorfeld sammelte Bush fast 100 Millionen Dollar ein, davon scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Er setzt nun auf einen Schmalspurwahlkampf, um überhaupt noch bis zum Beginn der Vorwahlen in Iowa zu kommen. In den Umfragen liegt er weit abgeschlagen.

Der einzige Republikaner, der politische Erfahrung mitbringt und vielleicht noch eine Chance hat, ist der 44jährige Senator aus Florida, Marco Rubio. Aber selbst er liegt derzeit mehr als zehn Prozentpunkte hinter Ben Carson und weit über 20 Prozentpunkte hinter Donald Trump. Alle Kandidaten, bis auf den Milliardär Trump, hängen am Geldhahn der Spender. Der Donald lacht nur darüber und greift in seine eigene Tasche. Mittlerweile erkennen auch die Medien in den USA, dass Trump keine Lachnummer ist. Er will durchhalten und wird wohl auch bis zu den Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und dem „Super Tuesday“ im Rennen bleiben.

Am kommenden Mittwoch findet die dritte republikanische Fernsehdebatte statt. Danach, das ist schon jetzt klar, wird sich das Kandidatenfeld weiter lichten. Wer hier nicht punktet, sollte aufhören, gerade auch im Hinblick auf den eigentlichen politischen Gegner, die Demokraten. Denn dort entwickelt sich ein Zweikampf zwischen einer Überfrau und einem Senator, der keine Negativkampagne führen will. Hillary Clinton hat noch Schonzeit. Das liegt vor allem jedoch am Unvermögen der Republikaner, die aktuell die besten Wahlkampfhelfer der einstigen First Lady sind.

 

„We are doomed“

Donald Trump kämpft ohne Bandagen. Foto: Reuters.

Donald Trump kämpft ohne Bandagen. Foto: Reuters.

Die jüngsten Zahlen machen einen schon etwas nervös. Donald Trump führt mit 32 Prozent das republikanische Kandidatenfeld an. Hinter ihm, mit 22 Prozent, der Neurochirurg Ben Carson. Weit abgeschlagen sind Marco Rubio mit zehn Prozent und dann Jeb Bush mit nur noch sieben Prozent. Es ist ein Desaster für die Republikaner, denn derzeit wollen mehr als die Hälfte der Wähler einen politischen Außenseiter im Weißen Haus. Die bekannten Politköpfe sind nicht gefragt, haben ausgedient, kommen wenige Monate vor dem Beginn der Vorwahlen in Iowa an ihre Grenzen. Geldgeber wenden sich ab, die Themen, die sie ansprechen sind nicht gefragt, sie müssen mehr reagieren auf das, was Trump und Carson von sich geben, als ihre eigenen Visionen für die USA darzulegen. Auweia, Republikaner!

Auf der demokratischen Seite scheint das Rennen gelaufen zu sein. Hillary Clinton hat eine komfortable Führung in den Umfragen. Auch wenn Bernie Sanders immer mal wieder Achtungserfolge erzielt, er wird die „Grand Lady“ der Partei nicht stürzen können. Mit der Absage von Joe Biden gibt es innerparteilich keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr für Hillary.

Also, könnte es zu einem Zweikampf Clinton gegen Trump kommen? Was ich vor einem halben Jahr noch als unmöglich gehalten habe, ist nun durchaus denkbar. Doch der Donald hat noch harte Monate vor sich. Ja, er liegt in den Umfragen klar vorne, doch bei zwei wichtigen Wählergruppen fällt er durch: Frauen und Hispanics. Sein großes Mundwerk hat ihn da in die Bredouille gebracht. Wenn er tatsächlich als Sieger aus den republikanischen Vorwahlen hevorgehen sollte, dann muß Donald Trump eine Kehrtwende machen, denn ohne die Stimmen der Hispanics im Land hat er am 8. November keine Chance. Bei den Frauen könnte Trump durchaus noch punkten, denn Hillary Clinton ist nicht gerade beliebt bei ihnen, warum auch immer.

Trump vs. Clinton wäre ein offener Schlagabtausch, in dem es vor allem um Tiefschläge gehen würde. Trump macht seit Wochen klar, dass sein Wahlkampf der schmutzigste aller Zeiten werden wird. Nichts und niemand ist vor ihm sicher. Eine Hillary Clinton wäre da keine Ausnahme. Doch Hillary ist erfahren genug, sie kann nicht nur einstecken, sie würde auch mit aller Konsequenz austeilen. Klar, es wäre ein mehr als unterhaltsamer, doch auch ein brutaler und folgenreicher Wahlkampf. Denn am Ende würde jemand ins Weiße Haus einziehen, dem oder der man nicht trauen kann.

 

Joe macht es Hillary leicht

Am Wochenende saß er noch mit seiner Familie zusammen. Auch wenn man nicht dabei war, wissen wir heute, um was sich die Gespräche drehten. Joe Biden diskutierte mit seiner Frau und seinen Kindern und einigen engen Vertrauten, ob er noch eine Chance im Rennen ums Weiße Haus habe. Die Antwort kam heute in einer kurzfristig anberaumten Rede im Rose Garden des „White Houses“. „Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass das Fenster geschlossen ist“. Neben ihm seine Frau Jill und Präsident Barack Obama.

Joe Biden erklärt, er werde nicht kandidieren. Foto: Reuters.

Joe Biden erklärt, er werde nicht kandidieren. Foto: Reuters.

Biden wirkte nicht zerknirscht, ganz im Gegenteil. Der 72jährige schien hoch motiviert und mit sich selbst im Reinen zu sein. Seine Entscheidung nicht ins Rennen einzusteigen, ist wohl die richtige zu diesem Zeitpunkt. Joe Biden hätte allen und allem hinterher rennen müssen. Zwar forderten viele Demokraten den Vize-Präsidenten auf, doch noch zu kandidieren, sie verpflichteten sich auf Großspenden und auf einen breiten Wahlkampf. Am Ende jedoch sah Joe Biden ein, dass das Rennen bereits ohne ihn gestartet war und er keine Chance mehr haben würde, den großen Vorsprung von Hillary Clinton und Bernie Sanders wettzumachen.

Joe Bidens Entscheidung kommt nicht überraschend. Nach dem Tod seines Sohnes Beau Biden im Mai dieses Jahres sah es nicht danach aus, als ob der Vize-Präsident die Energie, die Kraft und die Ausdauer aufbringen würde, um noch einmal einen US weiten Wahlkampf zu führen. Er wartete und wartete und wartete. Drängende Worte von Vertrauten und Beratern, Deadlines für den Wahlkampf in den verschiedenen Bundesstaaten, nichts führte zu einer klaren Entscheidung Bidens. Bis jetzt. Am Wochenende dann war klar, „the window of opportunity“ ist zu. Joe Biden wird als einer der engagierten, offenen und beeindruckenden Vize-Präsidenten der USA in die Geschichte eingehen. Anders als sein Vorgänger, der verhärmte Dick Cheney, der zum Lachen in den Keller ging, wirkte Joe Biden stehts locker und bereit die Parteigrenzen zu überschreiten. Er war der richtige Mann an der Seite von Barack Obama. Die beiden ergänzten sich nicht nur, sie wurden Freunde, immer für einen Spaß zu haben.

Mit Joe Bidens Entscheidung ist auch der demokratische Vorwahlkampf entschieden. Bernie Sanders hatte auf die Kandidatur von Biden gehofft, denn die hätte vor allem Hillary Clinton geschwächt. Die einstige First Lady, Senatorin und Außenministerin kann nun in den Endspurt um die Kandidatur ihrer Partei gehen. Wenn sie nicht selbst noch stolpert, ist ihr der Sieg nicht mehr zu nehmen.