Keine Panik. Wir sind die besten im Ebolakampf.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Präsident Obama ist naiv. Auch nach sechs Jahren im Amt, er hat es einfach noch nicht gelernt, wie Amerika tickt. Das zeigte er heute erneut in seiner „Weekly Radio Address“, eine wöchentliche Rede an die Nation, die mittlerweile auch zur Videobotschaft geworden ist. In diesen Reden wenden sich die Präsidenten mit aktuellen Fragen, Problemen, Themen an die Bürgerinnen und Bürger. Angefangen hatte damit Franklin Roosevelt. Ronald Reagan belebte 1982 diese Tradition wieder. Bekannt wurde sein Soundcheck vor einer solchen „Radio Address“, als er vorab den Mikrofonpegel mit den Worten testete: „My fellow Americans, I’m pleased to tell you today that I’ve signed legislation that will outlaw Russia forever. We begin bombing in five minutes.“

Reagans Nachfolger behielten die wöchentliche Rede bei und nutzten so den direkten Draht zur Bevölkerung, um ihre Politik zu erklären. George W. Bush und Barack Obama sind die ersten, die auch mit einer wöchentliche Videobotschaft begannen. Und in dieser aktuellen Rede geht es eben um Ebola und den Kampf gegen das Virus. Obama, ganz der kühle und logische Präsident, versucht die Bevölkerung zu beruhigen. Ebola sei unter Kontrolle, es gebe in den USA keine Epidemie. Man solle auf die Wissenschaftler hören, selbst die Statistik zeige, dass Ebola nicht die große Gefahr sei. Und einmal mehr zeigt Obama, dass er im Washingtoner Politzirkus naiv durch die Gegend läuft.

Die Republikaner verlangen Reiseverbote, Kontrollen an allen Flughäfen, eine Schließung der Grenze, eine Isolierung Westafrikas, ein drastisches Durchgreifen. Das republikanische Sprachrohr FOXNews hat bereits seit Wochen den Panikknopf für die Berichterstattung gedrückt. Dramatische Trailer kündigen reißerisch das Thema EBOLA an. Irgendwie und irgendwo finden sie immer wieder Interviewpartner, die noch blutiger, noch grausamer, noch panischer auf die Meinungsmache der FOX Köpfe antworten. Barack Obama reagiert auf seine Weise mit einer naiven, weil logischen wöchentlichen Radioansprache. Er will die Bevölkerung beruhigen, alles sei unter Kontrolle, man beobachte, berate, helfe, wo es geht. Eben auch in Westafrika. Amerika sei die führende Nation im Kampf gegen das tödliche Virus. Doch eins ist klar, positive Meldungen verkaufen sich nicht gut. Amerika will mit Panikmache, Angst und Schuldzuweisungen unterhalten werden.

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Wer Ebola hat, ist selbst schuld

Wahlkampf 2012. In Florida trafen sich die Kandidaten des Tea Party Flügels in der republikanischen Partei zu einem Diskussionsabend. Moderator war Wolf Blitzer von CNN. Einer der Teilnehmer war der Texaner Ron Paul, im außerpolitischen Leben Arzt. Die Frage stand im Raum, was zu machen sei, wenn ein 30jähriger Mann, der gesund ist und sich gegen den Kauf einer Krankenversicherung entschieden hatte, plötzlich krank wird, in ein Koma fällt und ins Krankenhaus gebracht werden muß. „Genau das ist die Freiheit, eigene Risiken einzugehen“, meinte Paul. „Diese Idee, dass die Gesellschaft sich um jeden kümmern muß…“. Wolf Blitzer hakte da ein und fragte nach, ob die Gesellschaft den Mann einfach sterben lassen solle. Das Publikum reagierte, zahlreiche Besucher schrien laut und hörbar und lachend „Ja“ und „Genau“. Rand Paul reagierte und meinte „Nein“. Er habe selbst als Arzt gearbeitet und damals hätten Kirchen die Kosten für die Behandlung von Unversicherten übernommen. „Wir haben nie jemanden aus dem Krankenhaus verwiesen“, erklärte Paul.

Das Ebola Virus.

Das Ebola Virus.

Dieser Zwischenfall zeigt auf, wie das Denken in weiten Teilen der republikanischen Partei ist. Jeder ist für sich selber zuständig, jeder geht seine eigenen Risiken ein, die Gesellschaft kann deshalb nicht haftbar oder verantwortlich für die Entscheidungen eines einzelnen sein. Was das nun für die Ebola Diskussion in den USA bedeutet ist klar. Wer sich in Gefahr begibt, egal ob Doktor, Krankenschwester, Entwicklungshelfer oder Missionar, der ist selbst schuld, wenn er sich mit dem tödlichen Virus infiziert. Zahlreiche Konservative im Land, wie Donald Trump oder auch die Kolumnistin Ann Coulter, forderten sogar, dass keine Kranken aus Westafrika zurück in die USA gebracht werden. Sie sollten da bleiben, wo sie sind und dort behandelt werden.

Interessanterweise ist die derzeitige Versorgungskrise von Ebola Patienten eine fast selbstgemachte. Die Republikaner, die mit ihrer Mehrheit das Abgeordnetenhaus kontrollieren und jeden Vorschlag von Präsident Obama torpedieren, haben in den letzten Jahren gerade da den Rotstift angesetzt, wo eigentlich Investitionen fließen müßten. Die zuständige Behörde für Krankheiten, Viren und allgemeine Gesundheit, der  „Center for Disease Control“ (CDC),  wurde zusammengespart. Das Budget wurde seit 2006 auf die Hälfte herunter gestrichen. Nicht anders beim „National Institutes of Health“ (NIH), auch hier tanzte auf Initiative der Republikaner der Rotstift. Der Texaner Ted Cruz, heißer Kandidat fürs Präsidentenamt seiner Partei, ruft jetzt lautstark nach einer starken und handlungsfähigen Regierung. Im vergangenen Jahr pokerte er allerdings hoch, ließ die Zwangsbeurlaubung aller Regierungsstellen zu und verhinderte damit den Beginn wichtiger Tests und Untersuchungen des NIH.

Die Republikaner werfen der Obama Administration ein Totalversagen in der Ebola Krise vor und übergehen schlichtweg, dass sie die Rahmenbedingungen für die schlechte Vorbereitung geschaffen oder zumindest daran maßgeblich beteiligt waren. Nun ist Wahlkampf, Anfang November wird gewählt. Und die Ebola Krise ist zum heißen Thema geworden. Die Grenzen sollten dicht gemacht, die Kontrolle von Reisenden verstärkt werden. Die großen Verfechter des individuellen Rechts auf freie Bestimmung werfen den anderen vor, das amerikanische Gesundheitssystem ausgehöhlt zu haben. Zynischer kann ein Wahlkampf kaum noch werden.

 

 

Ein Mann im Schutzanzug

Zurück aus dem Tschad. Am letzten Tag hatte ich noch ein sehr interessantes und umfassendes Gespräch mit dem Leiter der UN Mission im Tschad. Der Schweizer Thomas Gurtner lebt seit über drei Jahren in N’Djamena und fasste für mich die Situation historisch und politisch zusammen. Die Region brennt, der Tschad ist das einzig einigermaßen stabile Land weit und breit. Der Westen sollte hinschauen, was dort passiert, meinte Gurtner, Europa ist nah. Die Konsequenzen eines gescheiteren Tschad wären immens.

Deutschland ist im Tschad aktiv. In den Flüchtlingslagern sieht man Schilder und Plakate, auf denen erwähnt wird, dass dieses oder jenes Projekt mit Geldern des Auswärtigen Amtes und des BMZ unterstützt wurde. Die Hilfsorganisation Care ist vor Ort ein verlässlicher Partner. Die deutschen Steuergelder kommen da an, wo sie helfen sollen. Und das wird geprüft. Für jeden ausgegebenen Euro gibt es einen Beleg. Der Papierberg ist immens, die Pressesprecherin von Care Deutschland schleppte am Ende der Reise einen zusätzlichen fast 30 Kilogramm schweren Koffer mit zurück nach Bonn. Gefüllt nur mit Papier. Abrechnungen, die ans Auswärtige Amt gehen und dort genauestens geprüft werden. Der Umfang der Hilfsangebote und Hilfsprojekte von Care im Tschad ist jedoch gefährdet. Es fehlen Gelder, um den aktuellen Stand auch nur halten zu können. Wie es weiter gehen soll, das ist derzeit noch offen.

Am Abend ging es dann mit Verspätung von N’Djamena zuerst nach Kona in Nigeria. Turkish Airlines mußte aufgrund der Ebola Krise in Westafrika seine Flugroute ändern. Normalerweise fliegt TK zuerst Kona an und dann in einem Spreizflug weiter nach N’Djamena, bevor es zurück nach Istanbul geht. Doch der Tschad gibt derzeit keine Landeerlaubnis für Flüge aus Westafrika, Nigeria eingeschlossen. Also fliegt TK andersrum, Istanbul – N’Djamena – Kona – Istanbul.

Ebola "Screening Form" auf dem Flug von Nigeria nach Istanbul.

Ebola „Screening Form“ auf dem Flug von Nigeria nach Istanbul.

Auf dem Flug von Kona an den Bosporus rannte dann zuerst mal eine Flugbegleiterin mit einer Tüte, auf der „Do not open, burn right away“ stand,  in den vorderen Bereich der Kabine. Mit etwas darin kam sie zurück. Anschließend dann die Durchsage „Is a doctor on board?“. Kein Arzt meldete sich. Das war die letzte Durchsage. Formulare, „Screening Forms“, wurden verteilt, auf denen man Kontaktinformationen und Gesundheitsprobleme vermerken sollte. Interessant die Telefonnummer 080EBOLAHELP für etwaige Rückfragen. Fortan liefen die Flugbegleiter nur noch mit Mundschutz und Latexhandschuhen durch das Flugzeug.

Nach der Landung in Istanbul ging ersteinmal gar nichts. Die Passagiere wurden lediglich aufgefordert sitzen zu bleiben und zu warten. Auf was, keine Ahnung, bis dann eben nach rund 45 Minuten zwei Personen in Schutzanzügen durchs Flugzeug marschierten.

Mundschutz für die Flugbegleiter, Schutzanzug für die Bodencrew.

Mundschutz für die Flugbegleiter von Turkish Airlines, Schutzanzug für die Bodencrew.

Sie schauten sich den „Patienten“ genauer an, nahmen die Temperatur von einigen anderen. Doch eine klare Ansage von Turkish Airlines fehlte. Wir warteten. Und warteten. Und warteten. Bei jedem Husterer eines Mitpassagiers schaute man sich um, wer denn da seine Bazillen und Viren verbreitete. Die Mundschutzfraktion und die Schutzanzugtragenden liefen mal hoch und mal runter. Irgendwie hatte keiner einen Plan. Dann hieß es, wir dürften aussteigen. Als ich am Ausgang die „Screening Form“ der Stewardess geben wollte, meinte sie nur, die wäre für mich. Auf meinen Einwand, dass ich ja wüßte, wie ich heiße und ob mir schlecht sei, lächelte sie nur. Auch schön. Also stiegen wir alle in den bereitstehenden Bus und fuhren Richtung Terminal.

Doch dort durften wir nicht aussteigen. Warten und wieder keine Durchsage von Turkish Airlines. Die Fluggesellschaft lobt sich zwar an allen Ecken und Enden selbst, dass sie Europas beste Airline sei, die Werbeträger Kobe Bryant und Lionel Messi grinsen einem überall entgegen, aber im Kommunikationsbereich spielt sie derzeit noch in der anatolischen C-Klasse. Dann, nach weiteren 15 Minuten, durften wir schließlich den Bus verlassen, nachdem  (!) wir die „Screening Forms“ TK Airline Mitarbeitern ausgehändigt hatten. Mit etwas Gerenne durch den Atatürk Airport erreichte ich auch noch meinen Anschlußflug nach Deutschland.

Bislang hat sich auch noch niemand bei mir gemeldet, von daher hatte der vermeintliche Ebola Patient wohl nur eine lausige Grippe. Zurück im Alltag, ein kleiner Kulturschock, zurück zu den Alltagsthemen. Die Kongresswahlen in den USA stehen an, die Trockenheit in Kalifornien bleibt ein heißes Thema und überhaupt, alles was in Amerika passiert, scheint interessanter, wichtiger, weltbewegender zu sein, als das, was in einem Land wie dem Tschad vor sich geht. Das Geschäft mit den Nachrichten ist schon ein seltsames.

Du hast die Haare schön

Donal Trump mit schöner Haarpracht.

Donal Trump mit schöner Haarpracht.

Donald Trump ist bekannt für viel Geld, für Erfolg, für wichtigtuerisches Gehabe und für seine schrille Haarpracht. Einmal rüber gekämmt und zurück. Doch unter dieser eingenartigen Frisur klickt alles etwas anders. Trump, der einfach zu allem und jedem seinen Kommentar dazu geben muß, ein erklärter Gegner von Barack Obama ist, dem er noch immer vorwirft, nicht in den USA geboren zu sein, hat nun erneut den Vogel abgeschossen.

Trump twittert. In 150 Zeichen verbreitet er gerne seine Ergüsse und Hirngespinste. So auch zuletzt, als er davon Wind bekam, dass die USA zwei mit dem Ebola Virus infizierten amerikanischen Entwicklungshelfern die Einreise erlaubt hatten. Trump tobte, es sei „unverantwortlich“, „verrückt“ und „dumm“ das zuzulassen. Er erklärte, es sei ja gut und schön, dass Amerikaner in Übersee helfen, aber wenn sie sich infizierten, dann sollten sie gefälligst auch dort behandelt werden. Sowieso fordert er ein sofortiges Flugverbot aller Airlines mit Abflughafen Westafrika.

Die Panikmache von Donald Trump kommt nicht von ungefähr. Bereits 1999 erklärte er in einem Interview, dass er das Händeschütteln „barbarisch“ fände. Es gebe so viele wissenschaftliche Untersuchungen, so Trump, die belegten welche Viren und Krankheiten mit dieser Geste übertragen werden. Deshalb schüttele er keine Hand. Kein Wunder also, dass Trump Ebola mit der Pest gleichsetzt und schon mal davon ausgeht, dass das Ende der Zeitenrechnung für die USA angebrochen ist. Aber bestimmt läßt sich auch damit Geld verdienen.