Wann regnet es mal wieder?

In Deutschland wartet man auf den Frühling. Wann wird es wärmer, wann scheint die Sonne, wann öffnen die Straßencafes? Und in Kalifornien wird schon seit langem in den Wetterberichten der allabendlichen Nachrichtensendungen erklärt: „Well, it was a beautiful day, but Spencer, when is the rain coming?“ Und Wettermann Spencer deutet auf das Satellitenbild, irgendwo da draußen über dem Pazifik sieht man ein paar Wolken, und dann meint Spencer: „There is a slight chance, that we will get some rain. Maybe next week.“ Aber in der nächsten Woche wird klar, aus der kleinen Chance wurde wieder mal nichts. Der aubleibende Regen bleibt das bestimmende Thema an der Pazifikküste.

Kalifornische Autofahrer werden an einer Autobahn zum Wassersparen aufgefordert.

Kalifornische Autofahrer werden zum Wassersparen aufgefordert.

Kalifornien hat den trockensten Januar aller Zeiten erlebt. Es gab nur ein kleines Gewitter im Februar, ein Tropfen auf dem heißen Stein. Anfang März machten die meisten Ski-Resorts in Nordkalifornien dicht. Man kann noch nicht mal von einem Mangel an Schnee reden, es gab einfach gar keinen. Die Krise im Sonnenstaat wird immer größer, seit fast drei Jahre herrscht eine Dürre. Die Sonne lacht vom blauen Himmel und der Wasserpegel sinkt immer weiter ab.

Etliche Fachgremien im Bundesstaat fordern bereits massive Ein- und Beschränkungen im Wasserverbrauch der Bürger. Vor einem Jahr forderte Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown, dass die Bürger 20 Prozent ihres Wasserverbrauchs einsparen sollten, Ende 2014 waren es nur 10 Prozent. Seit letzten August gingen 2831 Anzeigen wegen Wasserverschwendung bei den Behörden ein, doch man setzte vor allem auf gutes Zureden. Das wird jedoch nicht mehr reichen. Mittlerweile bewässern zahlreiche Gemeinden entweder gar nicht mehr oder nur noch zweimal in der Woche öffentliche Grünflächen. Viele Farmer im Central Valley lassen weite Teile ihrer Anbauflächen brach liegen. Die Situation wird immer schlimmer. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Und noch ist die ganze Dimension der Wasserknappheit bei den Bürgern nicht angekommen. Das wird sich jedoch bald ändern. Die kalifornischen Feuerwehren bereiten sich auf eine der extremsten Feuersaisons in diesem Jahr vor. Kalifornien ist ausgetrocknet, die Frage ist nicht mehr ob es brennen wird, sondern nur noch wie verheerend die Waldbrände sein werden.

The Return Of El Niño

Wird es ein El Niño oder eine La Niña? Darüber rätseln derzeit noch die Wissenschaftler. Klar ist nur, es braut sich was zusammen in der Mitte des pazifischen Ozeans. In mehreren Hundert Metern Tiefe sind erste Anzeichen eines El Niño zu erkennen. Das hätte für die USA durchaus positive Auswirkungen, gerade für die unter extremen Wetterbedingungen leidenden Landstriche. Ein El Niño würde weitaus mehr Regen für den von Wasserknappheit betoffenen amerikanischen Südwesten bedeuten, weniger Hurricanes im Atlantik und wärmere Winter und damit weniger Schnee und Eis im Nordwesten der USA.

Klingt alles positiv, nicht wahr? Allerdings müsste El Niño schon im richtigen Gewand daher kommen, denn wenn es wieder so einer wie 97/98 wird, könnte das massive Ausfälle für die Ernten bedeuten. Drei Milliarden Dollar kostete damals El Niños Umtrieb allein in den USA. Denn nach dem vielen Regen steht ein extremer Sommer mit Rekordtemperaturen an. Auch weltweit hat das Wetterphänomen Auswirkungen. Hitze und Dürre sind damit verbunden, Ernten in vielen Teilen der Welt werden mit einem massiven Einzug von El Niño verloren gehen.

Auch ist noch nicht klar, ob das, was sich da mitten im Ozean entwickelt, nicht auch eine La Niña sein könnte, ein Kältefront. Und dann ist da auch noch die Möglichkeit, dass gar nichts passiert. Auf jeden Fall wollen die Wissenschaftler das ganze nun genauer beobachten, in Sachen Wetter und Wettervorhersage wird es nicht langweilig in diesen Tagen.