Trump und der Kinderchor

Ganz der „Commander in Chief“. Foto: White House.

Finde eigentlich nur ich das seltsam? Donald Trump sitzt auf unzähligen offiziellen Fotos und in Videos hinter seinem Schreibtisch im Oval Office und um ihn herum stehen Besucher oder seine Adminstration. Das wirkt immer so, als ob die Stehenden gleich ein Liedchen für den „Commander in Chief“ anstimmen werden.

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Chaos Club „White House“

So eine Geschichte kann man sich gar nicht ausdenken. „House of Cards“ schien lange Zeit etwas „over the top“ zu sein, aber mittlerweile wünscht man sich hier in den USA Frank Underwood zum Präsidenten. Immerhin hat der die Fäden in der Hand. Donald Trump hat hingegen nur noch Spaß am Chaos.

Tony, sag zum Abschied leise Servus. Foto: Reuters.

Noch am Morgen kam von Donald Trump per Twitter: “Kein Chaos im Weißen Haus”. Doch kurz danach wurden selbst die Korrespondenten mit guten Kontakten auf den Fluren des “White House” kalt erwischt. Der neue Kommunikationsdirektor, Anthony Scaramucci, wurde nach nur zehn Tagen aus seinem Job entlassen. Offiziell hieß es, Scaramucci wolle dem neuen Stabschef, General John Kelly, alle Möglichkeiten bieten, deshalb ziehe er sich umgehend zurück.

Tatsache ist wohl eher, dass sogar Donald Trump (!) die rüde, beleidigende und rüpelhafte Art von Scaramucci zu viel war. Der nahm sich noch nicht einmal in Interviews zurück und griff Mitarbeiter des Weißen Hauses offen an. John Kelly habe deshalb Donald Trump noch am Wochenende gebeten, so heißt es, den Kommunikationschef umgehend zu entlassen. Damit will Kelly erreichen, dass er die absolute und alleinige Kontrolle über den Ablauf im West Wing erhält. Nur so scheint es überhaupt möglich zu sein, endlich Ruhe ins Weiße Haus einkehren zu lassen. Ob das allerdings funktioniert, das bezweifeln so einige im politischen Washington. Scaramucci war schon der dritte Kommunikationschef im Trumpschen Weißen Haus. So einen Verschleiß hatte bislang noch kein Präsident.

Donald Trump selbst tweetete überraschenderweise nichts über den geschassten Scaramucci. Kein Wort des Dankes, kein Wort des Abschieds. Aus und raus. Nur am frühen Abend setzte er ein Tweet ab, in dem es schlichtweg hieß: ein großartiger Tag im Weißen Haus. Trump scheint wirklich Spaß am Chaos um ihn herum zu haben, denn somit kann er davon ablenken politisch bislang nichts erreicht zu haben.

Hoffen auf die Republikaner

Donald Trump kommt aus einem vermögenden Elternhaus. Sein Vater hat ihm mal so 200 Millionen Dollar in die Hand gedrückt, damit der Junge sich ein Business aufbauen kann. Trump ließ den Dollar über die Jahre rollen und wurde dabei mehrfacher Milliardär. Wie viel Geld und Vermögen er hat, damit protzt er zwar gerne, doch so genau weiß das niemand, denn Trump veröffentlicht seine Steuererklärungen nicht. Wohl aus gutem Grund, denn so könnte man schwarz auf weiß lesen, mit wem Donald Trump da geschäftliche Verbindungen hat, wie viel Geld er eigentlich spendete und auch, ob Trump wirklich so reich ist, wie er immer tut.

Trump Tower wird rund um die Uhr schwer bewacht. Foto: AFP.

Aber egal, Trump ist Milliardär. Von daher ist es nur zu verständlich, dass der Donald, der seit Jahrzehnten in einer sehr exklusiven Blase der Gesellschaft lebt, keine Ahung von dem hat, was es bedeutet „Essen auf Rädern“ zu erhalten. Trump ist bekannt dafür, auf ein sündhaft teures Steak Ketchup zu schmieren und alles mit einer Diet Coke runterzuspülen. Soll er machen, nicht das hier ein Neiddebatte entsteht. Doch anscheinend glaubt Trump, dass Menschen, die auf „Essen mit Rädern“ angewiesen sind, diese Entscheidung selbst getroffen haben. 2,4 Millionen Amerikaner, darunter etwa 500.000 Veteranen, erhalten täglich so eine Essenslieferung. Bei vielen ist es die einzige Mahlzeit am Tag, für andere eine wichtige Unterstützung in einem schwierigen Alltag, in einer schwierigen Lebenslage. Auch wenn im Budgetplan des Weißen Hauses nicht ausdrücklich „Meals on Wheels“ genannt wurde, Programme, die mit Bundesmitteln finanziert werden und direkt „Meals on Wheels“ zugute kommen, wären von den Trumpschen Plänen betroffen.

Und es sind zahlreiche weitere soziale Programme, denen ein Kahlschlag durch den neuen Präsidenten droht. Das reicht von der Drogenhilfe bis hin zum sozialen Wohnungsbau, von der Rechtsberatung bis zu städtischen Bibliotheken, von der Gesundheitsvorsorge bis zu Förderprogrammen. Die Liste ist lang, Trump hat schon die Lunte gelegt für einen Flächenbrand. Was offensichtlich dabei ist, der Präsident setzt überall da an, wo er keinen Bezug zu hat. Er spricht viel vom amerikanischen Arbeiter, aber verkennt die Realität. Ein Großteil der Amerikaner mit einem Job müssen mit einem Jahresgehalt von 15.000 bis 20.000 Dollar auskommen. Es langt für viele hinten und vorne nicht. Der Staat ist da gefordert und genau das will Trump nicht mehr sehen. Jeder für sich, Hauptsache „Safety and Security“ sind (schein)garantiert. Nun also legt die Mehrheit der Amerikaner alle Hoffnung in den republikanischen Kongress, damit die den Präsideten zur Vernunft bringt. Die Welt steht Kopf, wenn man hier auf die GOP setzt, soziale Programme zu retten.

Was in dieser Diskussion über die neuen Ausgabenschwerpunkte der Trump Administration besonders aufstößt ist, dass Trumps Frau Melania nach wie vor mit dem Sohn Barron im Trump Tower in Manhattan lebt. Allein die täglichen Sicherheitsvorkehrungen um, am und im Trump Tower, die Kosten für angemietete Etagen für das Pentagon und Mitarbeiter der Administration, das hin und her von Trump nach New York und runter nach Florida in sein selbsternanntes „Winter White House“ Mar-a Lago summieren sich pro Jahr auf weit über 100 Millionen Dollar. Er als Präsident darf das. Keine Frage. Doch es ist ein fatales Zeichen, wenn hier Gelder gestrichen werden, die Millionen von Menschen helfen, und dort weitaus mehr Gelder für etwas ausgegeben werden, was so nicht sein müsste. Vielen in den USA kommt es nun so vor, dass dem Sohn die Privatschule in New York auf Kosten der Allgemeinheit ermöglicht wird. Bislang schien mir, dass das Wohnen im Weißen Haus nicht so schlecht ist und auch Washington DC hat erstklassige Privatschulen. Eine „Familienzusammenführung“ wäre ein Zeichen an Amerika, Mister Trump!

 

Abenteuerland Sprache

„Fake News“ und „Alternative Fakten“ sind schon bekannt, nun kommt auch noch hinzu, dass das, was gesagt wird, eigentlich gar nicht das ist, was es per Definition ist. Man erinnere sich an Präsident (!) Donald Trumps Tweets, in denen er seinem Vorgänger Barack Obama vorwarf, ihn im Trump Tower in New York illegal abgehört zu haben. „Wire tapping“ schrieb Trump gleich in mehreren wütenden Kurznachrichten und endete mit „bad (sick) guy“. Damit war Obama gemeint.

Im Weißen Haus werden gerne die Tatsachen verdreht. Foto: Reuters.

Selbst die eigene Partei war von diesen Anschuldigungen überrascht. Trump hatte an jenem Morgen seinen Lieblingssender FOXNews gesehen und eine Nachricht aus dem Berich Verschwörungstheorien für bare Münze genommen und dann seine Wut-Tweets in alle Welt geschickt. Trump forderte darin auch den Kongress auf, einen Untersuchungsausschuss einzurichten, der der Frage nach den Abhörmaßnahmen im Trump Tower nachgehen sollte. Senator John McCain machte schließlich den Präsidenten darauf aufmerksam, dass er eigentlich nur zum Telefon greifen müsse, um die Information zu bekommen, die er haben möchte. Trump hat nämlich als Präsident oberste „clearance“, den Zugang zu allen Informationen und Daten, die die Geheimdienste im In- und Ausland sammeln.

Doch es herrschte nur Schweigen im Walde. Trump schmiss lieber weiter Rauchbomben. Höhepunkt war dann der Auftritt von Pressesprecher Sean Spicer, der ernsthaft sagte „wire tapping“ sei nicht gleich „wire tapping“. Also, der Präsident habe damit gemeint, dass er belauscht und beobachtet werde, aber nicht unbedingt, dass seine Telefone abgehört werden. Auf die Frage der Reporter, warum der Präsident dann aber „wire tapping“ schreibe, für das es eine klare Definition gebe, antwortete Spicer, der Präsident habe „wire tapping“ ja in Anführungszeichen gesetzt, damit wollte er ausdrücken, dass es um Einfluß von außen ging, nicht unbedingt um das Abhören von Telefonen.

Aber genau das hatte Trump geschrieben, auch ohne Anführungszeichen. Nun wird also die Sprache seziert, mit dem Ziel feststehende Begriffe zu unterhöhlen und ganz neu zu definieren. In der Welt von Donald Trump werden alternative Fakten erfunden, Falschnachrichten in Umlauf gebracht, die Bedeutung von Worten und Begriffen umgeschrieben. Und alles nur dafür, dass Donald Trump nach seinen unbedachten verbalen Entgleisungen und Hirngespinsten nicht als, Entschuldigung, „Vollpfosten“ dastehen könnte. (Und ich betone hier, dass ich „Vollpfosten“ in Anführungszeichen gesetzt habe, nach der Trump’schen Lehre kann also nun über die Bedeutung des Begriffes als solchen diskutiert werden.)  Trump hat nicht die Größe um Fehler einzugestehen. Einen Schritt zurück macht er nicht. Seine Verteidigung ist der Angriff ohne Rücksicht auf Verluste. Den Schaden hat die amerikanische Gesellschaft und das für sehr lange. Trump hat schon jetzt die USA in ihren Grundfesten erschüttert.

Samstagnachmittagspaziergang

Vom Hotel zum Weißen Haus ist es nicht weit. Alle möglichen Polizisten sichern den Sitz des Präsidenten ab. Kameras nehmen jede Bewegung der zahlreichen Touristen aus aller Welt auf. Absperrgitter wurden nach den jüngsten Vorfällen noch vor dem eigentlichen Zaun aufgebaut. Ein paar vereinzelte Protestierende sitzen hinter ihren Schildern und warten auf Gespräche. Für was sie demonstrieren interessiert keinen. Die Passanten laufen vorbei, auf der Suche nach einem guten Blick aufs Weiße Haus.

Donald Trump kommt 2016 nach Washington DC.

Donald Trump kommt 2016 nach Washington DC.

Es ist heiß an diesem Samstagnachmittag. Ich gehe weiter Richtung „National Gallery of Art“ und da ein riesiges Plakat vor einem gewaltigen Gebäude. Ganz klar ist nun, Donald Trump wird kandidieren, steht ja da: „TRUMP – Coming 2016“. Und der Donald baut sich gleich dazu eine Unterkunft nur einen Steinwurf vom Weißen Haus entfernt. Das „White House“ scheint ihm wohl nicht gut genug zu sein.

Die Nationalgalerie ist beeindruckend. Und zum ersten Mal in den USA freue ich mich darüber, wie meine Steuern ausgegeben werden. Das Museum hat, wie alle staatlichen Museen in der Hauptstadt, freien Eintritt.

Der Denker regt zum Nachdenken an.

Der Denker regt zum Nachdenken an.

Man sieht ganz verschiedene Menschen vor den Bildern, den Möbeln und auch dem Denker von Rodin stehen. In der Fotoausstellung fallen mir vor allem die vielen deutschen Namen der Fotografen auf. Durch einen futuristischen unterirdischen Gang geht es in das beeindruckende Ostgebäude, wo mehr die moderneren Skulpturen zu finden sind.

Von dort spazierte ich weiter Richtung Mall und dann auf das Kapitolsgebäude zu. Dahinter liegen die Jefferson und Madison Buildings, wo die größte Bücherei der Welt, die „Library of Congress“, untergebracht ist. Auf der Suche nach alten deutschsprachigen Radiosendungen aus den 20er und 30er Jahren kam ich nicht weiter. Einen Versuch war es wert, aber die ethnischen und fremdsprachigen Radioprogramme in den USA wurden über all die Jahrzehnte kaum archiviert.

Der "Sonntags-Gast" wurde 1871 in San Francisco veröffentlicht.

Der „Sonntags-Gast“ wurde 1871 in San Francisco veröffentlicht.

Aber dann schlenderte ich zum Zeitungsarchiv am anderen Ende des Madison Gebäudes auf der Suche nach deutschsprachigen Zeitungen, die in der San Francisco Bay Area veröffentlicht wurden. Viel war nicht in diesem Gewaltarchiv zu finden, doch dann wurde der Archivar in seinem Karteikasten fündig. Ein Jahrgang des „Sonntags-Gast“, erschienen 1871, war auf Mikrofilm verfügbar. Die Zeitung war ein belletristisches Wochenblatt. Interessant darin vor allem die vielen Anzeigen von Handwerkern, Bierhallen, deutschen Geschäften. San Francisco war voller Einwanderer aus den deutschsprachigen Ländern.

Washington ist eine beeindruckende Stadt, die man zu Fuß durchschlendern sollte. So viele Eindrücke, so wenig Zeit.

Angezählt, aber noch lange nicht k.o.

Die Republikaner jubeln. Barack Obama habe bei den Wahlen Anfang November eine totale Klatsche bekommen. Er und seine Demokraten seien für die Politik des Präsidenten abgestraft worden. Nun ginge nichts mehr ohne sie. Sie haben die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses. Eigentlich ein klares Bild. Schnell verbreitete sich das Bild vom „lame duck“, von der lahmen Ente. Obama würde nur noch zwei Jahre seinen Job absitzen. Bequem eben, im wohlig warmen White House.

Präsident Barack Obama noch nicht am Ende.

Präsident Barack Obama noch nicht am Ende.

Doch die Rechnung wurde wohl ohne Obama gemacht. Anfangs dachte ich auch, dass in Washington nun zwei Jahre lang ein politischer Stillstand herrschen würde. Nun denke ich anders. Barack Obama hat nichts mehr zu verlieren, ganz im Gegenteil, er will sicherlich nicht als einer der schwächsten Präsidenten in die Geschichtsbücher aufgenommen werden. Die ersten Stellungnahmen und Andeutungen weisen auf einen kämpferischen Obama hin. Auf einmal ist er bereit mit seinem Veto und seinen politischen Möglichkeiten eine Linie im Sand zu ziehen.

Bislang, so scheint es, hat er Rücksicht auf die Demokraten im Senat und im Kongress genommen. Die Mehrheit im Senat ist dahin, im Abgeordnetenhaus haben die Republikaner noch zugelegt. Eine genauere Betrachtung des Wahlausgangs zeigt nicht unbedingt, dass die Amerikaner die Politik des Präsidenten abgelehnt haben. Der Wahlausgang verdeutlicht vielmehr, dass Obama seine Wähler verprellt hat. Sie hatten von ihm erhofft, dass er mehr macht in Sachen Bürgerrechte, Klimaschutz, Sozial- und Umweltpolitik, dass er das Gefangenenlager in Guantanamo schließt, eine umfassende Gesundheitsreform durchsetzt, eine Reform des Immigrationsgesetzes verabschiedet. Die Wähler wendeten sich nicht gegen ihn, sie gingen einfach im November nicht zur Wahl. Das ist das eigentlich Ergebnis der „Midterm Election“.

Und Barack Obama scheint nach sechs Jahren endlich erkannt zu haben, dass es in Washington nicht harmonisch zugehen kann. Er begibt sich nun auf anstrengende 24 Monate, einiges ist noch abzuarbeiten. Angefangen mit einer Immigrationsreform. Die Republikaner, allen voran ihr Tea-Party Flügel, wettern zwar gegen den Versuch, doch Obama bleibt gelassen, verweist darauf, dass selbst Ronald Reagan und Bush Senior sich schützend vor Illegale im Land gestellt hatten. Damals war kein Piep dagegen von der GOP zu hören.

Auch die Keystone Pipeline, die kanadisches Öl quer durch die USA an den Golf von Mexiko bringen soll, lehnt Obama ab. Die Republikaner sehen diese als äußerst wichtig. Arbeitsplätze würden dadurch geschaffen, es müsse kein Öl mehr aus den arabischen Staaten importiert werden. Blödsinn meint der Präsident und reagierte gelassen, eigentlich, so Obama, verdiene mit dieser Pipeline vor allem das kanadische Unternehmen. Viele Arbeitsplätze würden nach dem Bau nicht mehr bleiben.

Der Präsident geht nun entspannt, aber zielsicher weiter. Mit dem politischen Gegner kann man nicht zusammen arbeiten. Die Republikaner drohen bereits im Falle von Alleingängen Obamas, Gelder zurück zu halten. Offen erklären sie so, dass sie erneut bereit seien, die Regierungsgeschäfte wieder zum Stillstand zu bringen. Obama kratzt das wenig. Er weiß, er braucht an dieser Stelle seiner zweiten Amtszeit keine Rücksicht mehr zu nehmen. Weder auf seine eigene Partei, noch auf die Opposition. Er arbeitet für sich und damit allerdings auch für die demokratische Basis. Denn wenn Obama wirklich noch einige wichtige Projekte und Ziele durchsetzen kann, mit denen er 2008 in den Wahlkampf gezogen ist, dann motiviert er erneut die Parteibasis. 2016 wäre die Gefahr dann groß, mit einem republikanischen Präsidenten all das wieder zu verlieren, was Obama vielleicht in seinen letzten zwei Amtsjahren erreicht hat. Es ist ein Pokerspiel auf höchster Ebene. Barack Obama traue ich durchaus zu, dass er am Ende mit dem größeren Bluff seine Präsidentschaft doch noch zu einem Erfolg werden läßt. Ich bin gespannt.

Die Republikaner kochen vor Wut

0531-bergdahl-parents-obama.jpg_full_600Kurz nachdem Präsident Barack Obama am Samstag im Rose Garden des Weißen Hauses mit den Eltern von Sergeant Bowe Bergdahl vor die Presse getreten war, um die Befreiung des seit fünf Jahren vermissten Soldaten zu verkünden, da wurde auch schon Kritik am Geheimdeal laut. Denn Obama hatte den Bergdahl im Austausch für fünf hochrangige Taliban im Gefangenenlager von Guantanamo Bay „frei gekauft“. Das war wohl die letzte Möglichkeit, die Obama, Verteidigungsminister Chuck Hagel und die betroffenen Militärs sahen. Man kann davon ausgehen, dass zuvor sowohl etliche militärische Befreiungsszenarien und wie auch diplomatische Verhandlungen durchgespielt wurden. Denn Amerika hatte bislang immer gesagt: „Wir verhandeln nicht mit Terroristen“. Dagegen stand der Grundsatz, wir lassen niemanden zurück. In den USA sieht man im ganzen Land Fahnen „MiA-PoW“, was für „Missing in Action – Prisoner of War“ steht. Und Bowe Bergdahl war genau das, missing in action, prisoner of war.

BoweObama handelte und das ohne den Kongress zu benachrichtigen. Howard McKeon, der republikanische Vorsitzende des Kongressausschusses für die Streitkräfte und der Senator James Inhofe, der führende Republikaner im gleichen Ausschuss des Senats, warfen Obama vor, illegal gehandelt zu haben. Denn eigentlich müßte der Kongress 30 Tage vor dem Transport eines inhaftierten Terroristen benachrichtigt werden. Das hatte das Weiße Haus vermieden, um den Deal mit den Taliban und Katar nicht zu gefährden. Auch meinten beide führenden Republikaner, der Präsident müsse sich nun erklären. Denn wie kann es sein, dass bislang als hochgefährlich eingestufte Taliban jetzt einfach so außer Landes gebracht werden. Sei die Gefahr nicht mehr existent, fragten McKeon und Inhofe?

Der grantige und immer etwas angesäuert wirkende republikanische Senator John McCain kritisierte am Sonntagmorgen in der CBS Sendung „Face the Nation“, dass die Obama Administration mit Terroristen verhandelt habe, was bislang ein absolutes Tabu für Amerika war. McCain, der selbst ein PoW war, meinte weiter, es dürfe nicht angehen, dass die Taliban selbst bestimme, welche Gefangenen freigelassen werden. Der republikanische Senator Ted Cruz, einer der aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei erklärte, es sein ein „gefährlicher Preis“ für die Freilassung Bergdahls gezahlt worden.

Die Republikaner im Kongress machten am Wochenende deutlich, dass sie Barack Obama diesen „Publicity Sieg“ nicht gönnen. Sie setzen nun alles daran, diesen Gefangenenaustausch als „illegal“ und „unverantwortlich für Amerika“ darzustellen.

Kampf der Noch-Nicht-Kandidaten

Erst im November 2016 wird erneut ein amerikanischer Präsident gewählt. Schon jetzt vermutet und munkelt man, wer denn für die Demokraten und die Republikaner in den Ring steigen werden. Namen werden gehandelt, es wird genau beobachtet, welcher Politiker wo auftritt, was er sagt und mit wem er sich umgibt. Zwei Kandidaten, die einfach nicht von den Listen gestrichen werden, sind Hillary Clinton für die Demokraten und Jeb Bush für die Republikaner. Jeder von ihnen führt das Feld der potenziellen Kandidaten an, obwohl es überhaupt noch keine offiziellen Kandidaten gibt. Sowohl Clinton wie auch Bush haben sich bislang nicht festgelegt. „Ich denke darüber nach“, erklärte diese Tage Hillary Clinton im kalifornischen San Jose und auch Jeb Bush meinte vor ein paar Tagen in einem Interview mit FOXNews, er entscheide sich noch in diesem Jahr, ob er kandidieren werde.

Hinhalten und verzögern und aus dem direkten Schußfeuer bleiben. Die amerikanische Politik ist eine Schlangengrube. Wer ans Ziel will, muß da durch. Der Vorwahlkampf in der eigenen Partei ist ein brutaler und kräftezehrender Mehrkampf. Alles ist erlaubt, Tiefschläge einbezogen. Wer sich zu früh in Position bringt, wird zermahlen, zerlegt, gedemütigt. Hillary und auch Jeb kennen das Geschäft nur zu gut. Sie haben es am eigenen Leib und aus unmittelbarer Nähe erlebt. Ein Kampf zwischen den beiden ist unwahrscheinlich und doch, er wäre ein Zweikampf mit Inhalten. Denn beide stehen für neue Ideen und Ziele, und sind dabei in wichtigen politischen Fragen gar nicht mal so weit voneinander entfernt. Amerika ist und bleibt im Dauerwahlkampf.

Merry Christmas, sagt der Präsident

Heimelig wird’s im Weißen Haus. Da sitzen Barack und Michelle Obama vor dem Weihnachtsbaum, die Lichter brennen, alles schön ordentlich und aufgeräumt, die First Lady im blauem Kleid und mit Perlenkette, der Präsident mit roter Krawatte (Sozialist?) und obligatorischem Fahnenstecker im Revers. Beide wenden sich lächelnd an die Nation. Ein ganz kleines bißchen politisch ist es, Obama der Friedenspräsident zur Weihnachtszeit, aber vor allem geht es ums Teilen mit Nachbarn, Freunden, Familie und Fremden. Und den Soldaten im Einsatz wird gedankt. Sind ja schon viel weniger in Übersee als noch vor ein paar Jahren, meint #44. Irak und Afghanistan werden genannt, aber die anderen Brennpunkte mit amerikanischer Beteiligung auf dem Globus läßt der „Commander in Chief“ lieber mal außen vor. Man sollte sich an Weihnachten ja keinen unnötigen Kopf machen.

Kein Wort fällt zu den politischen Krisen dieses Jahres, das kommt dann wohl in der nächsten Ausgabe der „Weekly Radio Address“ am kommenden Samstag. Da wird der Präsident sicherlich auf die zahllosen Skandale und Skandälchen in und um das Weiße Haus herum eingehen. Ganz sicher. In diesem Sinne….Ho, Ho, Ho von der Pennsylvania Avenue.

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Run Hillary, Run!

Hillary Clinton ist derzeit auf Wohlfühltour. Ganz persönlich und wohl auch beruflich. 200.000 Dollar kassiert sie für einen Auftritt. Davon hat sie in den letzten paar Tagen gleich mehrere hingelegt. Das tut dem eigenen Konto und ihrer „Kriegskasse“ gut. Denn egal wohin Hillary Clinton in diesen Tagen auch kommt, eine Frage taucht immer wieder auf, auch wenn sie die Medienvertreter regelmäßig aussperrt: Madame Secretary, are you running for office in 2016?

Ob sie nun für den Job im Weißen Haus kandidieren wird oder nicht, da hüllt sich die ehemalige First Lady und Ex-Außenministerin in Schweigen. Sie habe noch keine Entscheidung getroffen, meint sie. Doch Clintons Einfluß auf die Partei ist ungebrochen. Viele in der demokratischen Partei hoffen auf eine Kandidatur von Hillary Clinton, denn durch ihre Zeit als US Senatorin und als Außenministerin hat sich Clinton einen guten Namen gemacht. Zwar ist Hillary für die „Tea Party“ Vertreter der republikanischen  Partei nach wie vor ein rotes Tuch, aber daran stört sie sich selbst so gar nicht. Sie lotet derzeit in den vielen Auftritten ihre Chancen aus und fühlt bei der Basis der Partei vor. Was ihr wichtig zu sein scheint ist, dass sie nicht wieder so einen teuren, persönlichen und kräftezehrenden Vorwahlkampf wie gegen Barack Obama führen muß. Sie will die Partei geschlossen hinter sich wissen, wenn sie denn in den Ring steigt.

Hillary Clinton hat die Energie, die Durchsetzungkraft, die Vision, das Auftreten, die „Starpower“, um die Demokraten hinter sich zu vereinen. Und sie kann viel Geld für einen sündhaft teuren Präsidentschaftswahlkampf sammeln. Das hat sie bewiesen, das gehört für sie zum politischen Tagesgeschäft dazu. Sogar Teile der Republikaner wollen Hillary Clinton als Kandidatin sehen, denn mit ihr weiß man, was man im Weißen Haus bekommt.

2016 werden die Karten ganz neu gemischt, bislang haben sich nur Republikaner in den Vordergrund gedrängt, die eher, wie Senator Ted Cruz, den radikalen Flügel der Partei repräsentieren. Der gerade phänomenal wiedergewählte, schwergewichtige Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, ist zwar in der Mitte des politischen Spektrums beliebt, doch wohl nicht bei den Erzkonservativen in seiner eigenen Partei durchsetzbar. Christie wird noch immer vorgeworfen, sein Schulterschluß mit Barack Obama nach Hurricane Sandy und nur wenige Tage vor dem Wahltag 2012, habe Mitt Romney die Wahl gekostet. Auch ist Christie in vielen sozialpolitischen Bereichen zu liberal für die „Tea Party“. Die Republikaner werden sich also ein Gemetzel im Vorfeld der Wahl 2016 liefern. Davon könnte Hillary Clinton profitieren. Doch alles wäre hinfällig, wenn Vize-Präsident Joe Biden doch noch seine Kandidatur erklärt. Allerdings ist das mehr als fraglich.