Winnie Mandela in San Quentin

In San Quentin werden heute einige Strafvollzugsbeamte und Gefangene an den Oktober 1999 denken, denn damals besuchte die einstige First Lady von Südafrika, Winnie Mandela, das älteste kalifornischen Staatsgefängnis. Mandela war eine von vielen Prominenten, die sich für die Lebensgeschichte des Crips-Ganggründers interessierten und bis zuletzt seine Begnadigung verlangten.

Winnie Mandela und Stanley „Tookie“ Williams im Besucherraum von San Quentin.

Winnie Mandela war auf den früheren Gangsterboss aufmerksam geworden, als dessen im Todestrakt von San Quentin geschriebene Kinderbücher in Südafrika veröffentlicht und dort von vielen Schülern in den Schwarzensiedlungen gelesen wurden. „Tookie“ hatte gemeinsam mit seiner Vertrauten Barbara Becnel mehrere Bücher geschrieben, die Kinder und Jugendliche vor dem Gangsterleben warnten. Während einer mehrtägigen Reise im Herbst 1999 traf Winnie Mandela Stanley „Tookie“ Williams für ein paar Stunden im Besucherraum des „East Block“. Damals war es noch möglich in dem Raum umher zu laufen, der an eine Greyhound Bus Station erinnerte. Heute wird man dort als Besucher in einem kleinen Stahlkäfig mit dem Gefangenen eingesperrt. Das Foto von Mandela und Williams wurde vor einem etwas kitschigen Wandbild aufgenommen, das einer der Häftlinge dort als „Art Project“ hinmalen durfte.

Winnie Mandela nannte den Besuch einen der Höhepunkte ihrer Kalifornienreise. Die beiden blieben über die nächsten Jahre in Kontakt. Noch wenige Tage vor der angesetzten Hinrichtung am 13. Dezember 2005 wandte sich Mandela an den damaligen kalifornischen Gouverneur, Arnold Schwarzenegger, und bat um eine Begnadigung von „Tookie“. In der Nacht der Exekution wurde eine Botschaft von Winnie Mandela vor dem Tor von San Quentin verlesen. Der letzte Wunsch von Stanley „Tookie“ Williams war, dass seine Asche nach seinem Tod von seiner langjährigen Vertrauten, Barbara Becnel, nach Soweto, Südafrika, gebracht werden soll. Nach der Hinrichtung von Williams und einer größeren Trauerfeier in Los Angeles wurde die Asche von „Tookie“ in einem Park von Soweto in Anwesenheit von Winnie Mandela verstreut.

Der Papst auf Death Row

Heute war ich mal wieder in San Quentin zu Besuch. Ein paar Stunden am Samstagmorgen eingesperrt in einem Käfigabteil des Besuchsraums mit einem Death Row Insassen. Dazu Coca Cola und Popcorn, Mikrowellenburger und Nussmischung. Draussen strahlte die Sonne, die San Francisco Bay lag spiegelglatt nur einen Steinwurf vom Gitterfenster entfernt.

Reno erzählte, dass der katholische Geistliche in San Quentin einige Häftlinge aufgefordert hatte, Briefe an den Papst zu schreiben. Denn der kommt im kommenden Jahr nach Kalifornien, ein Besuch in San Francisco ist schon fest eingeplant. Der Jesuitenpriester im Staatsgefängnis hofft mit seiner Briefkampagne, den Papst auch zu einem Besuch in den East-Block von San Quentin zu bewegen. Dort ist die kalifornische Death Row untergebracht. Überraschen würde es nicht, wenn ohne viel Brimborium auf einmal der katholische Oberhirte vor dem Gefängnistor steht und um Einlaß bittet.

In der Vergangenheit gab es schon verschiedene hohe Besuche in San Quentin. Das reichte vom Dalai Lama bis zu Winnie Mandela. Papst Franziskus würde es bestimmt ganz anders machen, wenn ihn die Gefängnisleitung läßt. Sein erste Besuch hinter Gittern wäre es auch nicht. Man kann gespannt sein, ob es zu dem Besuch im ältesten kalifornischen Gefängnis kommen wird und wie die lokalen katholischen Ordensträger auf dieses durchaus ungewöhnliche Anliegen ihres Seelsorgers in San Quentin reagieren werden.