Fußball ist „unamerikanisch“ und was für „Weicheier“

Ann Coulter

Ann Coulter

Ann Coulter ist eine Kolumnistin. Sie ist konservativ und erregt sich eigentlich über alles, was aus dem Weißen Haus, von den Demokraten und aus Europa kommt. Natürlich ist sie Stammgast auf FOXNews, schreibt Bestseller und auch ansonsten weit verbreitet in den USA. Doch Coulter ist nicht nur reaktionär, sie ist auch dämlich und wettert über Sachen, von denen sie überhaupt keine Ahnung hat. Einfach mal so, Hauptsache es provoziert.

Jüngstes Beispiel, Ann Coulter schrieb über Fußball, wahrscheinlich fiel ihr gerade nichts anderes ein. Und darin „rechnet“ sie ab mit der „europäischen“, der „liberalen“, der „unamerikanischen“ Sportart, die niemanden in den USA interessiere, dessen Urgroßvater in „God’s Country“ geboren wurde. Coulter bemängelt, dass Spiele 0:0 ausgehen, wie langweilig ist das denn? Und dann darf man seine Hände nicht benutzen, ja, warum hat uns denn Gott Hände gegeben? Und alles sei im metrischen System geregelt, ja, wo sind wir denn? Und Jungen und Mädchen spielen zusammen, das belegt ja, dass Fussball nur von „Pussys“ gespielt wird. Und individuelle Stärken werden nicht hervorgehoben, alles drehe sich ums Team, ja sozialistischer und unamerikanischer geht es nicht mehr?

Beim Lesen von Ann Coulters Kolumne fragt man sich, ob sie das ernst meint, ob sie noch alle Tassen im Schrank hat oder was da in ihrem Kopf nicht ganz richtig tickt. Ich bin ja sowieso schon seit langem der Überzeugung, dass sie das alles nur spielt. Wenn man sie auf FOXNews bei ihrem Lieblingsmoderator Sean Hannity am Tisch sitzen sieht, dann wird es unterhaltsam. Denn Coulter teilt aus. Ihre Argumente und Begründungen sind so haarsträubend, dass man wirklich daran zweifeln muß, ob sie das aus Überzeugung sagt. Ich glaube ja eher, Ann Coulter spielt eine Rolle, die sich gut verkauft. So wie Steven Colbert auf Comedy Central, der den konservativen Talk Show Moderator gibt. Ann Coulter hat das nur perfektioniert. Die schöne Blonde, die immer im engsten Outfit auftritt, ihre lange Mähne durch die Kamerabilder wirft, viel Bein zeigt und dann mit gepresster Stimme ihren Senf dazu gibt. Sie verdient mit dieser Rolle gut Geld, richtig gut Geld. Ich glaube, das steckt dahinter. Kein Mensch kann so Banane sein, um solche Geistesergüsse von sich zu geben. Bravo also für Ann Coulter, die den Amerikanern auf seltsamen Wegen und hintenrum „erklärt“, was Fußball eigentlich nicht ist. Eben genau das Gegenteil von dem, was sie da von sich gibt. Auch ein Weg eine Kolumne zu schreiben.

 

Soccer Fieber in den USA

Die deutsche Botschaft organisiert ein "Public Viewing".

Die deutsche Botschaft organisiert ein „Public Viewing“.

Amerika entwickelt sich zur „Soccer Nation“. American Football, Basketball und Baseball liegen zwar noch weit vorne, doch so langsam fängt man auch hier an, das „beautiful game“ zu lieben. Überall wird über die WM berichtet, in den Kneipen laufen die Spiele und es gibt sogar „Public Viewing“ auf Großleinwänden. Die übertragenden Networks erreichen Bestzahlen für die Spiele aus Brasilien. Das Interesse ist riesig, die Zeitungen und Online Angebote sind voll mit News von der WM und man merkt, die USA sind kein Fußballentwicklungsland mehr. 1994 zur Weltmeisterschaft in den USA war ich in San Francisco. Damals war gleich klar, wer Fußball schaut ist nicht von hier. Das hat sich grundlegend geändert.

"Public Viewing" in San Francisco

„Public Viewing“ in San Francisco

In Washington DC organisiert die deutsche Botschaft so ein Event am zentralen Dupont Circle. In San Francisco parkt der Deutsche Jens-Peter Jungclaussen seinen umgebauten Schulbus aus den 60er Jahren direkt vor dem Rathaus, um hier ausgewählte Spiele zu zeigen. Wie schon 2010 erwartet er mehrere tausend Fans zu den ausgewählten Spielen. 2006 begann Jungclausen mit dem „Public Viewing“ im Dolores Park von San Francisco und brachte 10.000 Menschen zu einer Fußballparty zusammen.

Fußball ist kein unbekannter Sport mehr in den USA. Gerade, wenn es auf die internationale Bühne geht und Top Soccer gespielt wird, ist die Begeisterung groß. Dann merkt man, dass Amerika ein Einwanderungsland ist, ein „melting pot“, in dem die Kulturen zusammen kommen und gemeinsam feiern. Das Spiel USA gegen Deutschland werde ich mir wohl in der „Speisekammer“ ansehen, einem deutschen Restaurant in Alameda, wenn ich denn reinkomme, denn bei der letzten WM war die Bude rappelvoll. So viele Deutsche in Trikots habe ich selten gesehen. Dazu „German Beer“ vom Fass. Partystimmung ist angesagt.

Deutschland wird Weltmeister

2:0 heißt es am Ende des Finales Deutschland gegen Brasilien. Und das alles nur, weil Homer Simpson nicht käuflich ist. Durch Zufall wird er von der korrupten Fifa ausgewählt, um bei der WM 2014 in Brasilien einige Fußballspiele als Schiedsrichter zu leiten. Immer versuchen ihn etliche Dunkelmänner zu bestechen. Es gibt sogar eine „Bribe Cam“, in Anlehnung an die „Kiss Cam“ in Basketball Hallen, bei der Küssende auf die Großleinwand übertragen werden. Doch Homer ist der Held von Tochter Lisa Simpson und bleibt standhaft. Eine Million Dollar werden ihm für einen anderen Ausgang im Finale geboten, aber auch da bleibt sich Homer treu.

So die Kurzfassung der jüngsten Ausgabe der Simpsons, Amerikas älteste Cartoonfamilie. Seit 25 Jahren treiben die Simpsons ihr Unwesen auf FOX, nun also geht es um den Fußball. Wahrscheinlich gibt es da einen Hintergedanken, denn 2018 und 2022 hat FOX die Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaften erworben. Man bereitet also schon mal die Zuschauer auf dieses neue sportliche Großereignis im Tages- und Abendprogramm vor.

Wunder gibt es immer wieder

Da sitze ich im fernen Kalifornien und flöte mir das Lied von Katja Ebstein. Nach über 16 Jahren in den USA habe ich gestern Abend zum ersten mal Handball im amerikanischen Fernsehen gesehen. Das ist ein Ereignis, denn ich predige schon immer, dass den Amerikanern das schnelle, körperbetonte und intensive Mannschaftsspiel gefallen würde. Doch wenn man denen hier mit „Handball“ kommt, dann denken die an ein Spielchen a la Squash, das ohne Schläger gespielt wird.

16 Jahre habe ich beim ESV West und beim TV Jahn gespielt. Schon komisch, dass es die beiden Vereine so nicht mehr gibt. Die Handballhallen in der Region kenne ich alle und habe mir ziemlich oft die Knie aufgeschlagen. Im Training in der Panzerhalle der Bundeswehr, da versprang der Ball in den Kettenspuren, oder blutige Knie nach einem hart umkämpften Sieg auf dem Schotterplatz des ASN Pfeil….man, man, man….lange ist es her, aber an sowas denkt man Freitagnacht, wenn man auf „beIN Sports“ Handball sieht. Tolles Spiel zwischen Frankreich und Deutschland. Ist schon ein schöner Sport!

Fußballmania in den USA

So langsam kommt man auch in den USA auf den Geschmack. Die Weltmeisterschaft in Südafrika ist die fünfte WM, die ich aus den USA miterlebe und seit 1994 hat sich wahrlich viel verändert. Das größte Sportereignis der Welt wird auch hier registriert, und nicht nur das, alle Spiele werden im Fernsehen übertragen. Die Kommentatoren kennen diesmal auch die Regeln, Zusammenhänge, Spieler und Hintergründe und vergleichen nicht mehr alles mit American Football. In den Läden und Restaurants kann man Leuten zuhören, die über die Spiele des Tages diskutieren. In Cafes, Bars und auch an öffentlichen Plätzen treffen sich „Soccer“ Fans zum gemeinsamen Schauen. In der Stadt sieht man die verschiedensten Trikots. Amerika „gets it finally“.World Cup

Zum Teil werden die Spiele ja morgens live um halb fünf übertragen. Doch auch schon da sind etliche Bars gut besucht. Ein Bierchen zum Frühstück, um das eigene Team in stimmungsvoller Umgebung zu bejubeln. Der „World Cup“ macht Fussball hier noch bekannter, helfen wird es der MLS, der Major League Soccer, wenig, denn die ist ein totaler Krampf. Die Spiele der MLS laufen ja sogar zur Zeit parallel zu den Ereignissen in Südafrika…was ist das denn?

Doch alle Fernseh- und Radiostationen, die Tageszeitungen und Online News Dienste berichten ausführlich von dem, was sich am Kap der Guten Hoffnung so tut.