Die Geschichte vom Wolf

Eines der faszinierendsten, spannendsten, und bewegendsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe ist “American Wolf” von Nate Blakeslee. Erzählt wird die Geschichte der Wölfe im Yellowstone Nationalpark seit ihrer Wiederansiedlung 1995. Blakeslee erhielt dafür Zugang zu den Aufzeichnungen etlicher Wolf-Beobachter, die Tag für Tag und das ganze Jahr über Wölfe beobachten, ihr Verhalten und ihr Leben dokumentieren.

“American Wolf” gibt einen Einblick in das Leben dieses Raubtieres, aber auch in die amerikanische Politik und das Denken von Jägern, die Wölfe als Trophäen erschießen. Politiker, die Wölfe abschlachten lassen, um ihre Wiederwahl zu sichern. Jäger, die dieses beeindruckende Tier in einem bescheuerten Egotrip zur Strecke bringen. Es ist nahegehendes Buch um Leben und Tod. Der Wolf wird hier nicht vermenschlicht und doch fühlt man mit den Rudeln, die ihren täglichen Kampf ums Überleben durchmachen. Viele der beschriebenenen Beobachtungen erinnerten mich an meinen Hund, einen Huskie-Schäferhund Mischling, spannend zu lesen und zu lernen, woher manches Verhalten kommt.

Nate Blakeslee schafft es in diesem Buch ohne Gefühlsduselei, Schönfärberei und Verharmlosung eine mitreißende Naturgeschichte zu erzählen, die sich im ältesten Nationalpark der Welt abspielt. Eine Schutzzone, in der sich seit 1995 der Canis Lupus wieder entwickeln darf und dadurch den Park und das Leben darin verändert hat. Es ist ein wichtiges Buch in einer Zeit, in der solche Schutzzonen mehr denn je gebraucht werden und in der Politiker offen dem Natur- und Tierschutz den Kampf angesagt haben. „American Wolf“ macht nachdenklich und ist dennoch auch ein hoffnungsvolles Buch. Denn es ist eine Geschichte die Mut macht, die vom Überleben und von der persönlichen Überzeugung erzählt.

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Das ist auch Amerika

Ich schreibe in diesem Blog viel über die amerikanische Politik, die Gewalt in US Städten, seltsame Dinge, die sich hier zutragen. Es sind viele negative Beiträge über ein Land das gespalten, über eine Gesellschaft, die geteilt ist. Washington gleicht einem Tollhaus, die Diskussionen um Waffengewalt und Waffenbesitz grenzen an Hirnrissigkeit, der amerikanische Patriotismus ist für mich auch nach 19 Jahren nicht nachvollziehbar.

Ein Wolf im Yellowstone Nationalpark.

Ein Wolf im Yellowstone Nationalpark.

Und doch die USA sind auch ein wunderschönes Land, das man entdecken sollte. Allein hier am Golden Gate ist man oftmals überwältigt von der Natur. Einmalige Ausblicke, die einem fast den Atem rauben. Das erste Mal war ich 1987 in den USA, seitdem bin ich mehrmals kreuz und quer durch das Land gefahren. Habe Nationalparks und State Parks besucht, war in den Rocky Mountains und an den großen Seen, habe die Wüste unter den Füßen gespürt und meine Beine im Mississippi baumeln lassen. Amerika ist ein faszinierendes, ein wunderschönes und reiches Land.

Gestern habe ich dieses beeindruckende Video gesehen. Es zeigt den positiven Effekt auf den Yellowstone Nationalpark in Wyoming, Montana und Idaho nachdem Anfang der 90er Jahre sich dort wieder Wölfe ausbreiteten. Eine wunderschöne, einzigartige Landschaft, die man sehen sollte und die ich jedem USA Reisenden nur empfehlen kann. Die amerikanischen Nationalparks sind sowieso etwas ganz besonderes. Schon 1916 erkannte man die Notwendigkeit diese Gebiete unter Naturschutz zu stellen und ein einigermaßen akzeptables Gleichgewicht zwischen Natur und Tourismus zu schaffen.

Doch zurück zum Yellowstone Nationalpark und den Wölfen.

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Letzter Tanz für den Wolf

Farmer und Rancher verlangten es schon lange, nun also haben sie sich scheinbar durchgesetzt.  In einem vorab bekannt gewordenen Papier des amerikanischen Innenministeriums heißt es, dass der Wolf von der Liste der geschützten Tiere genommen werden wird. 6000 Wölfe im Gebiet der nördlichen Rocky Mountains und der großen Seen seien genug, um die Tiergattung zu schützen. Eine Ausweitung, wie ursprünglich noch angedacht, auch an die Westküste oder in die New England Staaten sei nicht mehr vonnöten.

Dem Wolf geht es also an den Pelz. Mit dem Durchsetzen dieser neuen Richtlinie würden in den 48 Bundesstaaten zwischen New York und Kalifornien die Raubtiere erneut zum Abschuß freigegeben werden. Nur eine kleine Gruppe von mexikanischen Wölfen, verwandt mit dem nordamerikanischen Grauwolf, die im Südwesten der USA leben, würden auch weiterhin auf der Schutzliste bleiben.

Viehzüchter begrüßten diesen Entscheid aus Washington, Wissenschaftler und Tierschützer hingegen sind alarmiert. John Vucetich, Wolfexperte und Biologe an der Michigan Tech University, erklärte, es sei noch viel zu früh für so einen Schritt. Die 6000 Wölfe im Land würden gerade mal 15 Prozent ihres ursprünglichen Territoriums besiedeln. Die Entscheidung sei also nun vielmehr eine politische, denn damit würde die weitere Ausbreitung garantiert verhindert werden. Washington beuge sich damit der starken Farmlobby, meinte Vucetich.

Und die hat Blut geleckt und will nun noch mehr. Auch im Südwesten der USA sollten alle Wölfe von der Schutzliste genommen werden, auch der mexikanische Wolf. Die dortige Population ist gerade mal 75 Wölfe stark.

Kritiker der neuen Linie betonten, dass das Rettungsprogramm für die Wölfe zwischen 1991 und 2011 rund 120 Millionen Dollar gekostet habe. Der Farmlobby hat dies nie gepasst. Viehzucht ließe sich nicht mit dem Schutz für Wölfe vereinen. Nun soll also wieder das Jagdgewehr geladen, Fallen gestellt und Gift ausgestreut werden dürfen. Die Rancher bekommen ihren Weg. Und das, obwohl das eigentliche Ziel noch gar nicht erreicht ist, das langfristige Überleben einer fast ausgerotteten Tierart zu garantieren.