Ein Lied gegen das Unrecht

Woody Guthrie ist der wohl bekannteste und wichtigste Protestmusiker und -sänger des 20. Jahrhunderts. Foto: Public Domain.

Amerika durchlebt im Trumpschen Zeitalter ganz dunkle Tage. Der Kandidat und nun Präsident Donald Trump beschwört immer wieder die „guten alten Zeiten“, als Amerika noch als weißes Land, als führende Nation der Welt wahrgenommen wurde. Die Probleme von heute gab es nicht auf der „Main Street“, denn da waren Minderheiten, Andersdenkende und Andersfarbige nicht erlaubt. „God’s Country“ war christlich, patriotisch, einheitlich – so zumindest erscheint es im Rückblick des Donald. Wenn man ihm so zuhört, dann scheint Trump von den 1950er und frühen 1960er Jahren zu schwärmen, die heile Welt, in die er sich zurück sehnt, ohne dabei die Probleme jener Zeit wahrzunehmen. weiter lesen

Die einstige „Boom-Town“ im Norden

Die Hauptstraße in Calumet, Michigan, läßt die Hochzeit der Stadt noch erahnen.

Die Hauptstraße in Calumet, Michigan, läßt die Hochzeit der Stadt noch erahnen.

Hoch oben, ganz im Norden der „Upper Peninsula“ von Michigan liegt Calumet, eine Kleinstadt mit gerade noch etwas über 700 Einwohnern. Das war mal anders. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten hier noch fast 30.000 Menschen. Das war zu einer Zeit, als in der Region der Kupferbergbau der Motor der Wirtschaft war. Doch das ist lange her. Heute erinnern noch zahlreiche alte Gebäude an diese glorreiche Zeit. Calumet war einmal „Boom-Town“, wie es ein lokaler Historiker umschrieb. Damals sollte die Kleinstadt sogar zur Hauptstadt Michigans ernannt werde. Täglich kamen mehrere Züge aus Chicago, Detroit und Minneapolis an, die Fähren pendelten regelmäßig über den „Lake Superior“, das kulturelle und soziale Leben in der Kleinstadt brummte.

Doch das ist lange her, heute findet man in „Downtown“ Calumet viele zugenagelte Ladenfronten, Häuser verfallen, die Stadt ist nur noch ein armes Zeugnis von dem, was es einmal war. Und dann ist da in einer Parallelstraße zur 6th Street ein kleiner Park. Ein Torbogen, ein paar Gedenktafeln, ein historischer Ort der amerikanischen Arbeiterbewegung und der italienischen Einwanderer in den USA. Am Heiligabend 1913 starben hier 73 Menschen, davon 59 Kinder. Während einer Weihnachtsfeier streikender italienischer Minenarbeiter schrie jemand „Feuer“ in den überfüllten Raum im ersten Stock. Die Menge stürzte panisch die einzige Holztreppe hinunter, doch die Tür nach draußen ließ sich nicht öffnen. Bis heute ist unklar wer „Feuer“ brüllte und warum der Ausgang verschlossen war.

Eine Tafel der Gewerkschaft am Torbogen erinnert an den Kampf der streikenden Arbeiter.

Eine Tafel der Gewerkschaft AFL-CIO am Torbogen erinnert an den Kampf der streikenden Arbeiter.

Es gibt viele Theorien zum „1913 Massaker“. Eine, wohl die wahrscheinlichste davon vertonte der amerikanische Folksänger Woody Guthrie. Er singt von den streikenden Arbeitern und den Firmenbossen, die Leute anheuerten, um den Arbeitskampf zu beenden.

„The copper boss‘ thugs stuck their heads in the door,
One of them yelled and he screamed, „there’s a fire,“
A lady she hollered, „there’s no such a thing.
Keep on with your party, there’s no such thing.

A few people rushed and it was only a few,
„It’s just the thugs and the scabs fooling you,“
A man grabbed his daughter and carried her down,
But the thugs held the door and he could not get out.

And then others followed, a hundred or more,
But most everybody remained on the floor,
The gun thugs they laughed at their murderous joke,
While the children were smothered on the stairs by the door.“

Calumet war nach diesem Massaker nicht mehr die gleiche Stadt. Fast jede italienische Familie in der Region war betroffen. Kurze Zeit danach schlossen auch noch die ersten Minen in der „Keweenaw Peninsula“, wie dieser Teil Michigans genannt wird. Der Kupferabbau wurde zu teuer, obwohl in dieser Region der reinste Kupfer der Welt zu finden ist. Der Anfang des Abstiegs begann, die einst boomende Kleinstadt versank in der Bedeutungslosigkeit. Der kleine Park an der Ecke 7th and Elm Street erinnert heute an die „große“ Zeit Calumets und an die größte Katastrophe im Ort.

YouTube Preview Image

Ein Lied gegen Hitler

Als in Deutschland das Horst-Wessel-Lied gesungen wurde, erlebten die USA eine Hochzeit der Folk- und Protestsongs. Die 20er und 30er Jahre waren in den Vereinigten Staaten ein tumulthafte Zeit. Massenarbeitslosigkeit, Migration, Armut und Elend führten auch zu einer Musikergeneration, die zum Sprachrohr der Benachteiligten wurde. Die 30er und 40er Jahre brachten eine engagierte und kritische, eine anti-faschistische und auch patriotische Gruppe an Musikern hervor. Woody Guthrie, Pete Seeger, Joe Hill, Lead Belly und viele andere sangen Songs, in denen sie sich mit den Themen der Zeit auseinandersetzten.

Auf “That’s why we’re marching”, veröffentlicht auf Smithsonian Folkways, werden Lieder präsentiert, die einen Eindruck der amerikanischen Folkmusik-Bewegung während des Zweiten Weltkriegs geben. Titel wie “Move into Germany”, “When the Yanks go marching in”, “Mr. Hitler”, “The Fuhrer” oder auch “Round and round Hitler’s grave” zeigen, was neben den klassichen Themen der US-Troubadours zum Thema wurde. Die Musiker sangen gegen den Krieg, gegen den Faschismus, gegen die Gewaltherrschaft der Nazis, und alles mit einem patriotischen Unterton.

In der Krise rückte die amerikanische Nation zusammen. Kritik an der Lage daheim bedeutete damals (noch) nicht, dass man gegen den Einsatz für Frieden, Freiheit und Demokratie in Übersee war. Der Spanische Bürgerkrieg ein paar Jahre zuvor hatte schon früh die amerikanische Linke organisiert, und damit auch viele Folk-Musiker beeinflusst. Der Kampf gegen den Faschismus wurde ein zentrales Thema für Guthrie, Seeger und die vielen anderen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor richteten die Musiker erneut ihren Blick auf Europa. Hitler und seine Schergen wurden in den Liedern lächerlich gemacht, der Nazi-Diktatur frühzeitig ein Ende gesetzt.

Smithsonian Folkways greift mit diesem Album tief in den Archivschatz, der da in den klimatisierten Räumen in Washington DC schlummert. “That’s why we’re marching” belegt, welche Kraft Musik haben kann, welche Bedeutung sie hat und vor allem, wie zeitlos sie ist. Eine beeindruckende Song-Sammlung, die von einem umfangreichen Booklet begleitet wird.

Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit

Vor kurzem hat bereits Bear Family Records eine umfassende Box mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg veröffentlicht. Ein Monumentalwerk, für das man Zeit, Ruhe und Raum braucht. Aufnahmen, die knistern, die knastern, die voller Geschichte sind. Für 173 Euro nicht gerade billig, aber der Preis für diese 7CD, 1 DVD und ein umfassendes Begleitbuch sind durchaus berechtigt. Ein Liebhaberstück, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

"Songs of the Spanish Civil War" erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

„Songs of the Spanish Civil War“, neu erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

Nun hat Smithsonian Folkways eine alte Platte neu aufgelegt. „Songs of the Spanish Civil War“, im Original bereits in den 1960er Jahren erschienen. Die CD umfasst 24 Lieder, darunter Songs der amerikanischen Lincoln Brigade, Lieder von Ernst Busch und Woody Guthrie. Kampflieder voller Wehmut, Hoffnung, Siegeswillen. Folkways hat hier wieder tief im reichen Archiv gegraben und eine Perle herausgebracht, die durchaus auch aus deutscher Sicht beachtet werden sollte. Ernst Busch singt hier auf Deutsch, er gehörte zweifellos zu den bekanntesten Musikern, die in den Spanischen Bürgerkrieg zogen. Er unterhielt die anti-faschistischen Kämpfer aus aller Welt mit seinen kraftvoll vorgetragenen Liedern. „Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit“, sang Busch. Daneben auch das Lied der  Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“ (unten zu hören), das bereits 1933 im Konzentrationslager Börgermoor geschrieben worden war. Ernst Busch sang dieses Lied in Spanien, die internationalen Brigaden nahmen es mit in ihre Heimatländer. Die Moorsoldaten wurde eines der wichtigsten und weit verbreitetsten Anti-Faschismus Lieder des 20. Jahrhunderts.

„Songs of the Spanish Civil War“ ist eine beeindruckende Liedersammlung, angereichert durch ein umfangreiches Booklet. Man kann die CD oder den Download direkt beim Label bestellen.

Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“:

Das amerikanische Jahrhundert zum Hören

Troubadours - Folk And The Roots Of American Music

Troubadours – Folk And The Roots Of American Music

Die amerikanische Folk Music wird seit rund einhundert Jahren aufgezeichnet. Gitarre, Banjo, Mundharmonika, Gesang. Ganz schlicht, ganz einfach, doch umso ausdrucksstärker. Da wird nicht geschnörkelt, da wird nicht viel Zeit mit Solos verloren, da wird gesungen, um eine Botschaft zu vermitteln. Folk Music war die Grundlage für vieles, was wir heute hören. Einige Namen stechen heraus, wie Woody Guthrie, Pete Seeger, Bob Dylan oder Joan Baez. Doch es gibt viel mehr Stimmen zu entdecken.

Bear Family Records liefert mit der vierteiligen CD Serie „Troubadours – Folk and the Roots of American Music“ eine umfassende Sammlung. Viermal drei CDs. Folk Music zum Eintauchen. Geschichten aus dem amerikanischen Jahrhundert. Vom Gewerkschaftskampf, der Wirtschaftskrise, den Kriegen und der Bürgerrechtsbewegung. Folk Music hat sich eingemischt, war zum hochpolitisch, hat Standpunkte bezogen, hat einen Soundtrack für das Leben am Rande des „American Dream“ geliefert.

Diese CD Reihe ist eine fantastische Liedersammlung aus teils bekannten und noch mehr unbekannten Songs und Künstlern. Es ist eine Dokumentation, die zum Einmischen, zum Hinsehen, zum Nachlesen auffordert. „Which side are you on“ zum Beispiel, ein Lied aus dem Jahr 1941, gesungen von den Almanac Singers. Dahinter steckten  Millard Lampell, Lee Hays, Pete Seeger und Woody Guthrie. Nur zwei Jahre lang existierte diese Formation, doch sie war Teil einer durchaus bedeutenden Anti-Rassismus, Anti-Kriegs und Pro-Gewerkschafts Bewegung in den USA. Im Rückblick auf die 40er Jahre wird das leider allzuoft übersehen. Amerika war (und ist) nicht nur Kriegsmaschinerie.

Die vierteilige Serie „Troubadours – Folk and the Roots of American Music“ auf insgesamt 12 CDs, begleitet von umfangreichen Booklets fordert den Hörer richtiggehend dazu auf, sich mit diesem Teil der amerikanischen Geschichte zu befassen. Und es lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Es ist eine etwas andere Lehrstunde, es sind diese Geschichten, die mich persönlich anziehen, begeistern. Manches rauscht, manches knistert, das macht gar nichts aus, ganz im Gegenteil, es bringt einem der Musik nur näher. Hier hört man die Wurzeln, hier kann man verfolgen, welche Einflüsse die frühen Pioniere, wie die Carter Family, auf die nächste und die übernächste Generation hatten.

Amerika, Deine Musik. „Troubadours – Folk and the Roots of American Music“ ist ein wunderbares Geschichtsalbum zum Hören.

This land is your land

Er hat die USA bereist, durchreist, besungen. Pete Seeger hat den Soundtrack für ein Land geschrieben, das nicht einfach in Worte zu fassen ist. Pete Seeger war neben Woody Guthrie der wohl wichtigste Folk Sänger Amerikas. Gestern verstarb er im Alter von 94 Jahren.

Vor einigen Jahren fing ich mit meiner Country, Folk und Americana Sendung für die Lufthansa an. Von Pete Seeger hatte ich gehört, auf irgendeiner Compilation war auch ein Lied von ihm. Doch mit dem Beginn der Show setzte ich mich mehr und mehr mit der amerikanischen Folkmusik auseinander. Und an Pete Seeger kommt man einfach nicht vorbei. Seine weiche und angenehme Stimme, seine tiefe Überzeugung bei dem, was er singt, sein begleitendes, leichtes Banjo Spiel. Pete Seeger beschrieb in seinen Liedern ein Amerika, ganz anders als das, was man aus den Medien kannte. Ein Liedermacher, ein Beobachter, ein Hoffnungsträger. Wie er „We shall overcome“ sang oder auch „Die Moorsoldaten“ interpretierte war einzigartig.

Gerade läuft hier in meinem Büro eine von seinen vielen Alben, die auf Smithsonian Folkways Recordings erschienen sind. „Songs of Struggle & Protest: 1930 -1950“. Eine CD, die Pete Seeger in all seiner Größe darstellt. Er singt von den harten Zeiten, von der Arbeiterbewegung, von Unterdrückung, Leid und Elend. Doch da ist auch Hoffnung, da ist der Mut, der Blick nach vorne. Seeger schaffte es einfach, den richtigen Ton zu finden. Seine Lieder lassen einen Lächeln, tief Durchatmen. Mit seiner Musik hat er Generationen von Musikern beeinflusst und einem Land, das heute mehr gespalten als geeint ist, einen Soundtrack hinterlassen, der immer wieder aufs neue gehört werden muss.

Nur einen Tag nach der pompösen, künstlichen und selbst beweihräuchernden Glitzerveranstaltung, der Grammy Verleihung, starb einer der Musikgiganten des 20. Jahrhunderts. Vielleicht hat er das noch abgewartet, was da in Los Angeles vor sich ging, um ja nicht erwähnt zu werden. An Pete Seeger sollte man sich erinnern, aber eben anders als in einer Schweigeminute zwischen den Auftritten von Katy Perry und dem Kaugummi kauenden Pharrell Williams. Seine Lieder, seine Musik und sein Sinn für Gerechtigkeit werden unvergessen bleiben.

YouTube Preview Image

This land is your land, this land is my land

Am 14. Juli 1912 wurde Woody Guthrie geboren. Nur 55 Jahre wurde er alt und prägte dennoch wie kein anderer die amerikanische Musiklandschaft. Von Bob Dylan bis Bruce Springsteen, von Ramblin‘ Jack Elliott bis Pete Seeger und Billy Bragg sie alle erklären, dass dieser Mann aus Okemah in Oklahoma ihr größter Einfluß war. Woody Guthrie war ein Geschichtenerzähler und nicht nur das, er hatte die Begabung zuzuhören. Den Farm- und den Minenarbeitern, den Seemännern und den Hobos, den sozial Gestrandeten und den Gescheiterten, jenen, für die der American Dream nur Tagträumerei war. Guthrie nahm die Geschichten und die Lieder auf seinen Reisen durch die Vereinigten Staaten Amerikas auf und vertonte sie auf seine einzigartige Art und Weise. Er brauchte nicht viel, eine Gitarre, hin und wieder eine Mundharmonika und schon hörte man ihm zu. Seine leicht nasale Stimme, sein Genuschel, oftmals traf er die Töne nicht voll und dennoch, Woody Guthrie ist einer der bedeutendsten Musiker, die Amerika jemals hervorgebracht hat.

Woody Guthrie wird 100. Und auch fast 45 Jahre nach seinem Tod sind seine Lieder zeitlose Dokumente eines Landes im Umbruch, im Aufbruch, in Bewegung. Guthrie hielt der Nation lange Jahre den Spiegel vor. Er wurde vom FBI beobachtet, viele sahen in ihm den Wanderkommunisten, der mit seiner Gitarre bewaffnet das Proletariat politisch agitierte. Doch Woody Guthrie war vielmehr der Wanderbarde, ein Storyteller, der im Land die Stimmungen aufnahm und genau darüber woanders sang.

Nun zum 100. Geburtstag hat Smithsonian Folkways eine beeindruckende CD Box in Buchform veröffentlicht. “Woody at 100” beinhaltet drei CDs mit Klassikern und zum Teil unveröffentlichten Live-Aufnahmen und sogar sechs bislang unbekannte Originalversionen wurden für diese Box ausgegraben. Der erste Song ist eine stark verrauschte Version von „This land is your land“. Und doch, gerade so, in dieser nicht klangreinen Fassung ist sie am tiefsten und schönsten. Begleitet wird diese CD-Veröffentlichung von einem 150 Seiten dicken Buch, in dem Woody Guthries Geschichte anhand vieler Photos und Dokumente erzählt wird. Auch gibt es Hintergrundinformationen zu den einzelnen Songs. Smithsonian Folkways hat erneut eine wunderbare Box veröffentlicht, mit viel Liebe zum Detail zusammen gestellt, die einen Sänger und Songschreiber präsentiert, der “one of a kind” war.

Woody Guthrie glaubte an die Kraft des Liedes. Auf seiner Gitarre hatte er einen Aufkleber „This machine kills fascists“. Er war vom friedlichen Wandel überzeugt, von der Macht des Wortes, von der Stärke der Unterdrückten und Benachteiligten. Sein politischer Aktivismus, sein soziales Engagement, sein nicht wegsehen vor dem, was um ihn herum passierte machte Woody Guthrie zu einem Ausnahmemusiker, der noch heute geliebt und geschätzt wird. Kein anderer Musiker konnte jemals einen so treffenden und allseits geschätzten Song ohne pathetischen und patriotischen Unterton über die USA schreiben, wie Woody Guthrie mit “This land is your land, this land is my land…from California, to the New York Islands”. Happy Birthday Woody Guthrie!

YouTube Preview Image

 

Geschichte Hören!

BOOKCARLINGerade bin ich mal wieder im KUSF Studio. Heute für eine Zweistundensondersendung, ein „Spotlight“ über „Smithsonian Folkways“. Gegründet 1948 von Moses Asch hat sich Folkways zu einem der bedeutendsten Plattenlabels der Welt entwickelt. Der Ansatz war von jeher „die Welt des Sounds zu dokumentieren“. Hier findet man alles, von amerikanischer Roots Musik über angolanische Freiheits- und deutsche Bierzeltlieder. Daneben technische Anleitungen und historische Aufnahmen, wie Anti-Vietnam Demonstrationen in Berkeley, Kalifornien oder die Anhörungen von Bertolt Brecht 1947 vor dem „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ oder Mitschnitte von Radio Moskau für die US Bevölkerung.

Über die Jahre sind rund 2500 Veröffentlichungen zusammen gekommen, manche verkauften sich gerade ein Dutzend mal. Doch Folkways war nie ein Label mit Blick auf Charts und Verkaufszahlen. Moses Asch und seine Mitstreiter wollten dokumentieren, festhalten, bewahren. Und das ist ihnen mit diesem Plattenlabel gelungen. Alle Veröffentlichungen von 1948 bis heute sind noch immer zu erwerben. Bei einem Blick auf die Webseite von Smithsonian Folkways wird es nicht bleiben, es ist eine klangliche Oase, die Geschichte durch unzählige Soundbeispiele lebendig werden lässt.

Hier die beiden Teile dieses Spotlights über „Smithsonian Folkways“.

      Smithsonian Folkways Part 1
      Smithsonian Folkways Part 2

Music with a Mission

(An English language report for our English reading NZ readers)

The sounds of the world in the heart of Washington DC

Not far from the Capitol in Washington DC is 600 Maryland Avenue. It is a building that looks as if it could be an insurance company or a brokerage house. Instead, the second floor is home to one of the most prestigious, diverse and important record companies in the United States, if not the world, Smithsonian Folkways.

Bertold BrechtThe label was founded in 1948 by Moses Asch; he wanted to document „people’s music,“ spoken word, instruction, and sounds from around the world. Since Asch initiated this bold idea, Folkways has released more than 2,500 titles. Of these, two-thirds have sold fewer than 100 copies a year and many have sold fewer than 500 copies in total. This label and its thinkers, shapers and supporters, though, have never been in business for big bucks or number one hit singles on the Billboard charts. Folkways is about documenting a rich diversity of music, sounds and historical events in America and around the world.

Once asked how he defines Folkways, Moses Asch answered: “Anything that is sound, from Indonesian folk music to James Joyce reading his own poetry.” Woody Guthrie and Pete Seeger, Angolan freedom songs and Mongolian throat singing, Berkeley teach-ins during the Vietnam era and Bertolt Brecht before the Committee on Un-American Activities, this label’s catalogue is all over the place. Exploring their collection is akin to swimming in a pool of sounds of the 20th century.

Atesh Sonneborn has been with Folkways for 12 years. This is his dream job. An ethnomusicologist, he is still amazed by the richness of Folkways’ archive. A temperature-controlled room is the heart of the label and its vast archive. This room houses the soul of more than 60 years of Folkways Recordings. Much of it is music that is largely unknown today, such as field recordings from the South of the country, and artists such as Lead Belly and Woody Guthrie. Folkways has it all. Atesh Sonneborn just pulls out records and tells little stories about each of the recordings. He himself is sometimes amazed at what can be found. Rows and rows of shelves display reel to reels, cassettes, vinyl, master tapes, and acid tape recordings.

Many of these are extremely fragile. Each time the three times the archive has moved, Sonneborn explains, some of the acetate recordings have broken. Fortunately, today Folkways is a label that offers music of the past with current technology that can maintain or repair it. According to Sonneborn, “The Library of Congress now has a machine that can take the pieces of a broken record and piece it together on a computer, so you can play it again.”

Sonneborn stands in the center of Folkways’ archive to search for German-related recordings. This was never a specific focus, Sonneborn explains; founder Moses Asch focused predominantly on American roots music. The bulk of the Folkways catalog reflects the founder’s interest in American folk songs.

Nevertheless, his musical vision was eclectic and Asch viewed folk music as an expression of the people. Many musical researchers came to him with ideas for albums and, consequently, many different immigrant groups were featured in releases, especially those with strong communities, such as the Irish, Polish and Italian communities.

On the other hand, while Germans have deep roots in America, their shared sense of identity and culture here has been hindered by two world wars and Germany’s role in them. While cultural events and backgrounds are celebrated, they are not always cherished and preserved. Therefore, there is still no specific release of the music of German immigrants to the United States on Folkways.

That notwithstanding, many German-related recordings have made it into Folkways’ archives. Of course there are drinking songs such as, “From the Hofbräuhaus to the Reeperbahn.” There are also German Folk songs, sung by internationally acclaimed artist Martha Schlamme, in a release from 1954, and many albums featuring German songs by Ernst Wolff, who was born in Baden-Baden and had to leave his home country in 1933. Moses Asch, born of Jewish parents in Warsaw , Poland also came to the US after the brutal Nazi reign began. He acknowledged the rich German musical traditions and invited German immigrant performers to present their musical roots on his label.

Atesh Sonneborn pulls another vinyl boxset off of the shelves. Folkways released the works of ethnomusicologists Curt Sachs and Erich von Hornbostel, who developed a system of musical instrument classification. Both musical experts had to flee Nazi-Germany, and now their work is preserved on Smithsonian Folkways. Of great historical value is the release, “The Demonstration Collection of E.M. von Hornbostel and the Berlin Phonogramme-Archive,” a collaboration of several archives from 1962 that brought together music from 120 cylinder copies of wax cylinder recordings.

Together these constitute the collection of Erich Moritz von Hornbostel, which he compiled for the “Phonogramm-Archiv” of the Psychological Institute of the University of Berlin . Up until the Second World War, this was the world’s most famous and comprehensive collection of recordings of folk music, tribal music and Oriental art music. This release is surely not a bestseller and the sound quality is poor compared to today’s standards, but it does have a truly historical value, in terms of the recording technology and its cultural importance.

Dozens and dozens of recordings with a German spin can be found in the archives of Folkways. For example, Eric Bentley recorded the songs of Hanns Eisler and Bertolt Brecht and, therefore, these important songs were re-introduced to an American audience in the turbulent decade of the 60s. German can also be heard on albums such as “Folk Music from Nova Scotia” and “Folksongs of Saskatchewan”.

Over time, Asch’s basic idea for this record label has transformed. He wanted to document the music and sounds around him. Today Smithsonian Folkways has become a label that, without a specific goal or approach, preserves the music and sounds of the past for future generations. All recordings are available to the public and are not hidden away in their archives.

Folksongs of SaskatchewanWhen Moses Asch was looking for a partner or institution to take over the vast collection in the early 1980s, all labels just put him off. They were interested in the jewels of the archive, such as Woody Guthrie, Pete Seeger and Lead Belly; they weren’t, however, interested in releases such as “Early German Ballads, Vol. 1: 1280-1619,” “Bentley on Biermann: Songs and Poems of Wolf Biermann,” and “Pennsylvania Dutch Folk Songs”.

But Asch wanted to make sure that all of Folkways’ archive would remain accessible to the public. One year after Moses Asch’s death in 1986, the Smithsonian Institution Center for Folklife and Cultural Heritage in Washington D.C. acquired Folkways Recordings. An important part of the deal was that all recordings had to be available to the public. Through a grant, the entire collection has been digitalized which makes the idea of accessibility possible.

Whenever a customer orders a release on the website, even if it is the first time, five copies of the album will be printed: one for the customer, one to stay with the label, and three for future customers of the same release. This is not really a money making concept, but a beautiful way to keep the diversity of music and its roots alive.