This land is your land, this land is my land

Dieses Land braucht wieder Musiker wie Woody Guthrie. Musiker, die durch dieses Land tingeln, die Menschen dort sehen, wo sie leben, darüber Lieder schreiben, vom Leben da draußen berichten und irgendwie der Nation und der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Das wird mir ganz klar, wenn ich mir die neueste Box von Bear Family Records anhöre: Woody Guthrie – The Tribute Concerts.

Nach langer, schwerer Krankheit verstarb Woody Guthrie am 3. Oktober 1967. Nach seinem Tod wurden zwei Konzerte organisiert, die an das Leben dieses Ausnahmemusikers des 20. Jahrhunderts erinnerten. Eins fand am 20. Januar 1968 in der New Yorker Carnegie Hall statt, ein zweites am 12. September 1970 in der Hollywood Bowl in Los Angeles. Und hier kamen sie alle zusammen, die von seiner Musik, seinen Songs, seinen Geschichten beeinflusst, bewegt, motiviert worden waren: Judy Collins, Bob Dylan, Jack Elliott, Arlo Guthrie, Richie Havens, Odetta, Tom Paxton, Pete Seeger, Country Joe McDonald, Richie Havens, Earl Robinson und Mitglieder von The Band. Gespielt wurden Woody Guthries Songs, die zeitlos waren und noch immer sind.

Diese ungekürzten Konzertaufnahmen wurden nun bei Bear Family Records neu veröffentlicht, dazu gibt es zwei umfangreiche Begleitbücher, in denen die Geschichte dieser Konzerte erzählt wird. Es ist mehr als eine Hommage der verschiedensten Folk Musiker am Ende der stürmischen und hochpolitischen 1960er Jahre. Vielmehr ist diese Box ein beeindruckendes, klangliches Zeitdokument, das auch nach fast 50 Jahren noch mitreißend, lebendig, aufbauend, bewegend ist. Musik die einfach erscheint, doch so viel über die USA aussagt. Über die Hoffnung, den „American Dream“, das Leben fernab der Glanz und Glitter Metropolen. Über Immigranten, Land- und Fabrikarbeiter. Über den täglichen Kampf der vielen, vielen Amerikaner, die nicht auf der Sonnenseite stehen.

Woody Guthrie war ein politischer Sänger, einer, der nicht beschönigte, der vielmehr an das Gemeinwesen, an die Kraft des Organisierens, an Gewerkschaften glaubte. Nur mit seiner Gitarre „bewaffnet“ schuf er wahre Hymnen, mobilisierte mit seinen Liedern die Menschen im ganzen Land. „This Machine kills fascists“ stand auf seiner Klampfe. Es war mehr als nur eine provokante Zeile. Es war seine Grundhaltung, die immer wieder in seinen Songs durchkam. Und er schuf mit „This land is your land“ eine wahrhaftige alternative Nationalhyme, die eigentlich so viel besser zu den USA passt als „The Star-Spangled Banner“, gerade weil sie so inklusiv ist. Hier, bei diesen „Tribute Concerts“ wird das noch einmal ganz deutlich gemacht, Amerika, ein Land der offenen Grenzen. Eine wunderbare, aktuelle und wichtige Veröffentlichung aus dem Haus Bear Family Records.

YouTube Preview Image

 

Folkways rappt die Geschichte

Es ist ein gewaltiges Unterfangen, aber was anderes erwartet man auch nicht von Smithsonian Folkways. Auf 9 CDs und in einem 300 Seiten umfassenden Buch soll die Geschichte des Hip-Hop und Rap nacherzählt werden. Nach den umfangreichen Folk und Jazz Boxen, geht Folkways nun ganz neue Wege. Neben Woody Guthrie, Pete Seeger, Duke Ellington, Louis Armstrong, Weltmusik, Folklore, Bigband, Brass und Dixieland, nun also auch Grandmaster Flash, Queen Latifah, Hip Hop und Rap.

Für dieses Projekt hat eines der bedeutendsten Plattenlabels überhaupt eine Kickstarter Kampagne gestartet. Der Grund, die Kosten und damit der Endpreis sollen so niedrig wie möglich gehalten werden. 250.000 Dollar sind das Startkapital, um diese „Anthology“ zu verwirklichen. Man kann sich nur wundern und fragen, ob diese Vorauskasse der Musikfans nicht auch etwas mit den Kürzungsplänen der Trump Administration zu tun hat, denn der Milliarden Dollar schwere Präsident hatte ja angekündigt im Kulturhaushalt der USA den Rotstift tanzen zu lassen, und das wohl nicht während ein fetter Beat durchs Oval Office wummert. Folkways ist Teil des staatlichen Smithsonian Netzwerkes.

Die Philosophie dieses Plattenlabels drückt es ganz deutlich aus, etwas, was in diesen Tagen im Weißen Haus wohl nicht gerne gelesen wird, aber umso wichtiger für Musikliebhaber wie mich ist: „We are dedicated to supporting cultural diversity and increased understanding among peoples through the documentation, preservation, and dissemination of sound. We believe that musical and cultural diversity contributes to the vitality and quality of life throughout the world. Through the dissemination of audio recordings and educational materials we seek to strengthen people’s engagement with their own cultural heritage and to enhance their awareness and appreciation of the cultural heritage of others.“

Die nun angekündigte „Smithsonian Anthology of Hip-Hop and Rap“ ist ein mehr als unterstützenswertes Projekt. Am Ende werde ich etwas dazu lernen. Musik ist voller Geschichten und die höre ich mir gerne an, auch wenn Hip-Hop eigentlich so gar nicht mein Ding ist. Aber dieses Genre ist Teil der heutigen Kultur, ein wichtiger Soundtrack in den Städten Amerikas. Und Folkways Recordings ist das Label, dass Hip-Hop in den richtigen Rahmen fassen wird.

Ein Lied gegen das Unrecht

Woody Guthrie ist der wohl bekannteste und wichtigste Protestmusiker und -sänger des 20. Jahrhunderts. Foto: Public Domain.

Amerika durchlebt im Trumpschen Zeitalter ganz dunkle Tage. Der Kandidat und nun Präsident Donald Trump beschwört immer wieder die „guten alten Zeiten“, als Amerika noch als weißes Land, als führende Nation der Welt wahrgenommen wurde. Die Probleme von heute gab es nicht auf der „Main Street“, denn da waren Minderheiten, Andersdenkende und Andersfarbige nicht erlaubt. „God’s Country“ war christlich, patriotisch, einheitlich – so zumindest erscheint es im Rückblick des Donald. Wenn man ihm so zuhört, dann scheint Trump von den 1950er und frühen 1960er Jahren zu schwärmen, die heile Welt, in die er sich zurück sehnt, ohne dabei die Probleme jener Zeit wahrzunehmen. weiter lesen

Die einstige „Boom-Town“ im Norden

Die Hauptstraße in Calumet, Michigan, läßt die Hochzeit der Stadt noch erahnen.

Die Hauptstraße in Calumet, Michigan, läßt die Hochzeit der Stadt noch erahnen.

Hoch oben, ganz im Norden der „Upper Peninsula“ von Michigan liegt Calumet, eine Kleinstadt mit gerade noch etwas über 700 Einwohnern. Das war mal anders. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten hier noch fast 30.000 Menschen. Das war zu einer Zeit, als in der Region der Kupferbergbau der Motor der Wirtschaft war. Doch das ist lange her. Heute erinnern noch zahlreiche alte Gebäude an diese glorreiche Zeit. Calumet war einmal „Boom-Town“, wie es ein lokaler Historiker umschrieb. Damals sollte die Kleinstadt sogar zur Hauptstadt Michigans ernannt werde. Täglich kamen mehrere Züge aus Chicago, Detroit und Minneapolis an, die Fähren pendelten regelmäßig über den „Lake Superior“, das kulturelle und soziale Leben in der Kleinstadt brummte.

Doch das ist lange her, heute findet man in „Downtown“ Calumet viele zugenagelte Ladenfronten, Häuser verfallen, die Stadt ist nur noch ein armes Zeugnis von dem, was es einmal war. Und dann ist da in einer Parallelstraße zur 6th Street ein kleiner Park. Ein Torbogen, ein paar Gedenktafeln, ein historischer Ort der amerikanischen Arbeiterbewegung und der italienischen Einwanderer in den USA. Am Heiligabend 1913 starben hier 73 Menschen, davon 59 Kinder. Während einer Weihnachtsfeier streikender italienischer Minenarbeiter schrie jemand „Feuer“ in den überfüllten Raum im ersten Stock. Die Menge stürzte panisch die einzige Holztreppe hinunter, doch die Tür nach draußen ließ sich nicht öffnen. Bis heute ist unklar wer „Feuer“ brüllte und warum der Ausgang verschlossen war.

Eine Tafel der Gewerkschaft am Torbogen erinnert an den Kampf der streikenden Arbeiter.

Eine Tafel der Gewerkschaft AFL-CIO am Torbogen erinnert an den Kampf der streikenden Arbeiter.

Es gibt viele Theorien zum „1913 Massaker“. Eine, wohl die wahrscheinlichste davon vertonte der amerikanische Folksänger Woody Guthrie. Er singt von den streikenden Arbeitern und den Firmenbossen, die Leute anheuerten, um den Arbeitskampf zu beenden.

„The copper boss‘ thugs stuck their heads in the door,
One of them yelled and he screamed, „there’s a fire,“
A lady she hollered, „there’s no such a thing.
Keep on with your party, there’s no such thing.

A few people rushed and it was only a few,
„It’s just the thugs and the scabs fooling you,“
A man grabbed his daughter and carried her down,
But the thugs held the door and he could not get out.

And then others followed, a hundred or more,
But most everybody remained on the floor,
The gun thugs they laughed at their murderous joke,
While the children were smothered on the stairs by the door.“

Calumet war nach diesem Massaker nicht mehr die gleiche Stadt. Fast jede italienische Familie in der Region war betroffen. Kurze Zeit danach schlossen auch noch die ersten Minen in der „Keweenaw Peninsula“, wie dieser Teil Michigans genannt wird. Der Kupferabbau wurde zu teuer, obwohl in dieser Region der reinste Kupfer der Welt zu finden ist. Der Anfang des Abstiegs begann, die einst boomende Kleinstadt versank in der Bedeutungslosigkeit. Der kleine Park an der Ecke 7th and Elm Street erinnert heute an die „große“ Zeit Calumets und an die größte Katastrophe im Ort.

YouTube Preview Image

Ein Lied gegen Hitler

Als in Deutschland das Horst-Wessel-Lied gesungen wurde, erlebten die USA eine Hochzeit der Folk- und Protestsongs. Die 20er und 30er Jahre waren in den Vereinigten Staaten ein tumulthafte Zeit. Massenarbeitslosigkeit, Migration, Armut und Elend führten auch zu einer Musikergeneration, die zum Sprachrohr der Benachteiligten wurde. Die 30er und 40er Jahre brachten eine engagierte und kritische, eine anti-faschistische und auch patriotische Gruppe an Musikern hervor. Woody Guthrie, Pete Seeger, Joe Hill, Lead Belly und viele andere sangen Songs, in denen sie sich mit den Themen der Zeit auseinandersetzten.

Auf “That’s why we’re marching”, veröffentlicht auf Smithsonian Folkways, werden Lieder präsentiert, die einen Eindruck der amerikanischen Folkmusik-Bewegung während des Zweiten Weltkriegs geben. Titel wie “Move into Germany”, “When the Yanks go marching in”, “Mr. Hitler”, “The Fuhrer” oder auch “Round and round Hitler’s grave” zeigen, was neben den klassichen Themen der US-Troubadours zum Thema wurde. Die Musiker sangen gegen den Krieg, gegen den Faschismus, gegen die Gewaltherrschaft der Nazis, und alles mit einem patriotischen Unterton.

In der Krise rückte die amerikanische Nation zusammen. Kritik an der Lage daheim bedeutete damals (noch) nicht, dass man gegen den Einsatz für Frieden, Freiheit und Demokratie in Übersee war. Der Spanische Bürgerkrieg ein paar Jahre zuvor hatte schon früh die amerikanische Linke organisiert, und damit auch viele Folk-Musiker beeinflusst. Der Kampf gegen den Faschismus wurde ein zentrales Thema für Guthrie, Seeger und die vielen anderen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor richteten die Musiker erneut ihren Blick auf Europa. Hitler und seine Schergen wurden in den Liedern lächerlich gemacht, der Nazi-Diktatur frühzeitig ein Ende gesetzt.

Smithsonian Folkways greift mit diesem Album tief in den Archivschatz, der da in den klimatisierten Räumen in Washington DC schlummert. “That’s why we’re marching” belegt, welche Kraft Musik haben kann, welche Bedeutung sie hat und vor allem, wie zeitlos sie ist. Eine beeindruckende Song-Sammlung, die von einem umfangreichen Booklet begleitet wird.

Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit

Vor kurzem hat bereits Bear Family Records eine umfassende Box mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg veröffentlicht. Ein Monumentalwerk, für das man Zeit, Ruhe und Raum braucht. Aufnahmen, die knistern, die knastern, die voller Geschichte sind. Für 173 Euro nicht gerade billig, aber der Preis für diese 7CD, 1 DVD und ein umfassendes Begleitbuch sind durchaus berechtigt. Ein Liebhaberstück, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

"Songs of the Spanish Civil War" erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

„Songs of the Spanish Civil War“, neu erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

Nun hat Smithsonian Folkways eine alte Platte neu aufgelegt. „Songs of the Spanish Civil War“, im Original bereits in den 1960er Jahren erschienen. Die CD umfasst 24 Lieder, darunter Songs der amerikanischen Lincoln Brigade, Lieder von Ernst Busch und Woody Guthrie. Kampflieder voller Wehmut, Hoffnung, Siegeswillen. Folkways hat hier wieder tief im reichen Archiv gegraben und eine Perle herausgebracht, die durchaus auch aus deutscher Sicht beachtet werden sollte. Ernst Busch singt hier auf Deutsch, er gehörte zweifellos zu den bekanntesten Musikern, die in den Spanischen Bürgerkrieg zogen. Er unterhielt die anti-faschistischen Kämpfer aus aller Welt mit seinen kraftvoll vorgetragenen Liedern. „Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit“, sang Busch. Daneben auch das Lied der  Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“ (unten zu hören), das bereits 1933 im Konzentrationslager Börgermoor geschrieben worden war. Ernst Busch sang dieses Lied in Spanien, die internationalen Brigaden nahmen es mit in ihre Heimatländer. Die Moorsoldaten wurde eines der wichtigsten und weit verbreitetsten Anti-Faschismus Lieder des 20. Jahrhunderts.

„Songs of the Spanish Civil War“ ist eine beeindruckende Liedersammlung, angereichert durch ein umfangreiches Booklet. Man kann die CD oder den Download direkt beim Label bestellen.

Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“:

Das amerikanische Jahrhundert zum Hören

Troubadours - Folk And The Roots Of American Music

Troubadours – Folk And The Roots Of American Music

Die amerikanische Folk Music wird seit rund einhundert Jahren aufgezeichnet. Gitarre, Banjo, Mundharmonika, Gesang. Ganz schlicht, ganz einfach, doch umso ausdrucksstärker. Da wird nicht geschnörkelt, da wird nicht viel Zeit mit Solos verloren, da wird gesungen, um eine Botschaft zu vermitteln. Folk Music war die Grundlage für vieles, was wir heute hören. Einige Namen stechen heraus, wie Woody Guthrie, Pete Seeger, Bob Dylan oder Joan Baez. Doch es gibt viel mehr Stimmen zu entdecken.

Bear Family Records liefert mit der vierteiligen CD Serie „Troubadours – Folk and the Roots of American Music“ eine umfassende Sammlung. Viermal drei CDs. Folk Music zum Eintauchen. Geschichten aus dem amerikanischen Jahrhundert. Vom Gewerkschaftskampf, der Wirtschaftskrise, den Kriegen und der Bürgerrechtsbewegung. Folk Music hat sich eingemischt, war zum hochpolitisch, hat Standpunkte bezogen, hat einen Soundtrack für das Leben am Rande des „American Dream“ geliefert.

Diese CD Reihe ist eine fantastische Liedersammlung aus teils bekannten und noch mehr unbekannten Songs und Künstlern. Es ist eine Dokumentation, die zum Einmischen, zum Hinsehen, zum Nachlesen auffordert. „Which side are you on“ zum Beispiel, ein Lied aus dem Jahr 1941, gesungen von den Almanac Singers. Dahinter steckten  Millard Lampell, Lee Hays, Pete Seeger und Woody Guthrie. Nur zwei Jahre lang existierte diese Formation, doch sie war Teil einer durchaus bedeutenden Anti-Rassismus, Anti-Kriegs und Pro-Gewerkschafts Bewegung in den USA. Im Rückblick auf die 40er Jahre wird das leider allzuoft übersehen. Amerika war (und ist) nicht nur Kriegsmaschinerie.

Die vierteilige Serie „Troubadours – Folk and the Roots of American Music“ auf insgesamt 12 CDs, begleitet von umfangreichen Booklets fordert den Hörer richtiggehend dazu auf, sich mit diesem Teil der amerikanischen Geschichte zu befassen. Und es lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Es ist eine etwas andere Lehrstunde, es sind diese Geschichten, die mich persönlich anziehen, begeistern. Manches rauscht, manches knistert, das macht gar nichts aus, ganz im Gegenteil, es bringt einem der Musik nur näher. Hier hört man die Wurzeln, hier kann man verfolgen, welche Einflüsse die frühen Pioniere, wie die Carter Family, auf die nächste und die übernächste Generation hatten.

Amerika, Deine Musik. „Troubadours – Folk and the Roots of American Music“ ist ein wunderbares Geschichtsalbum zum Hören.

This land is your land

Er hat die USA bereist, durchreist, besungen. Pete Seeger hat den Soundtrack für ein Land geschrieben, das nicht einfach in Worte zu fassen ist. Pete Seeger war neben Woody Guthrie der wohl wichtigste Folk Sänger Amerikas. Gestern verstarb er im Alter von 94 Jahren.

Vor einigen Jahren fing ich mit meiner Country, Folk und Americana Sendung für die Lufthansa an. Von Pete Seeger hatte ich gehört, auf irgendeiner Compilation war auch ein Lied von ihm. Doch mit dem Beginn der Show setzte ich mich mehr und mehr mit der amerikanischen Folkmusik auseinander. Und an Pete Seeger kommt man einfach nicht vorbei. Seine weiche und angenehme Stimme, seine tiefe Überzeugung bei dem, was er singt, sein begleitendes, leichtes Banjo Spiel. Pete Seeger beschrieb in seinen Liedern ein Amerika, ganz anders als das, was man aus den Medien kannte. Ein Liedermacher, ein Beobachter, ein Hoffnungsträger. Wie er „We shall overcome“ sang oder auch „Die Moorsoldaten“ interpretierte war einzigartig.

Gerade läuft hier in meinem Büro eine von seinen vielen Alben, die auf Smithsonian Folkways Recordings erschienen sind. „Songs of Struggle & Protest: 1930 -1950“. Eine CD, die Pete Seeger in all seiner Größe darstellt. Er singt von den harten Zeiten, von der Arbeiterbewegung, von Unterdrückung, Leid und Elend. Doch da ist auch Hoffnung, da ist der Mut, der Blick nach vorne. Seeger schaffte es einfach, den richtigen Ton zu finden. Seine Lieder lassen einen Lächeln, tief Durchatmen. Mit seiner Musik hat er Generationen von Musikern beeinflusst und einem Land, das heute mehr gespalten als geeint ist, einen Soundtrack hinterlassen, der immer wieder aufs neue gehört werden muss.

Nur einen Tag nach der pompösen, künstlichen und selbst beweihräuchernden Glitzerveranstaltung, der Grammy Verleihung, starb einer der Musikgiganten des 20. Jahrhunderts. Vielleicht hat er das noch abgewartet, was da in Los Angeles vor sich ging, um ja nicht erwähnt zu werden. An Pete Seeger sollte man sich erinnern, aber eben anders als in einer Schweigeminute zwischen den Auftritten von Katy Perry und dem Kaugummi kauenden Pharrell Williams. Seine Lieder, seine Musik und sein Sinn für Gerechtigkeit werden unvergessen bleiben.

YouTube Preview Image

This land is your land, this land is my land

Am 14. Juli 1912 wurde Woody Guthrie geboren. Nur 55 Jahre wurde er alt und prägte dennoch wie kein anderer die amerikanische Musiklandschaft. Von Bob Dylan bis Bruce Springsteen, von Ramblin‘ Jack Elliott bis Pete Seeger und Billy Bragg sie alle erklären, dass dieser Mann aus Okemah in Oklahoma ihr größter Einfluß war. Woody Guthrie war ein Geschichtenerzähler und nicht nur das, er hatte die Begabung zuzuhören. Den Farm- und den Minenarbeitern, den Seemännern und den Hobos, den sozial Gestrandeten und den Gescheiterten, jenen, für die der American Dream nur Tagträumerei war. Guthrie nahm die Geschichten und die Lieder auf seinen Reisen durch die Vereinigten Staaten Amerikas auf und vertonte sie auf seine einzigartige Art und Weise. Er brauchte nicht viel, eine Gitarre, hin und wieder eine Mundharmonika und schon hörte man ihm zu. Seine leicht nasale Stimme, sein Genuschel, oftmals traf er die Töne nicht voll und dennoch, Woody Guthrie ist einer der bedeutendsten Musiker, die Amerika jemals hervorgebracht hat.

Woody Guthrie wird 100. Und auch fast 45 Jahre nach seinem Tod sind seine Lieder zeitlose Dokumente eines Landes im Umbruch, im Aufbruch, in Bewegung. Guthrie hielt der Nation lange Jahre den Spiegel vor. Er wurde vom FBI beobachtet, viele sahen in ihm den Wanderkommunisten, der mit seiner Gitarre bewaffnet das Proletariat politisch agitierte. Doch Woody Guthrie war vielmehr der Wanderbarde, ein Storyteller, der im Land die Stimmungen aufnahm und genau darüber woanders sang.

Nun zum 100. Geburtstag hat Smithsonian Folkways eine beeindruckende CD Box in Buchform veröffentlicht. “Woody at 100” beinhaltet drei CDs mit Klassikern und zum Teil unveröffentlichten Live-Aufnahmen und sogar sechs bislang unbekannte Originalversionen wurden für diese Box ausgegraben. Der erste Song ist eine stark verrauschte Version von „This land is your land“. Und doch, gerade so, in dieser nicht klangreinen Fassung ist sie am tiefsten und schönsten. Begleitet wird diese CD-Veröffentlichung von einem 150 Seiten dicken Buch, in dem Woody Guthries Geschichte anhand vieler Photos und Dokumente erzählt wird. Auch gibt es Hintergrundinformationen zu den einzelnen Songs. Smithsonian Folkways hat erneut eine wunderbare Box veröffentlicht, mit viel Liebe zum Detail zusammen gestellt, die einen Sänger und Songschreiber präsentiert, der “one of a kind” war.

Woody Guthrie glaubte an die Kraft des Liedes. Auf seiner Gitarre hatte er einen Aufkleber „This machine kills fascists“. Er war vom friedlichen Wandel überzeugt, von der Macht des Wortes, von der Stärke der Unterdrückten und Benachteiligten. Sein politischer Aktivismus, sein soziales Engagement, sein nicht wegsehen vor dem, was um ihn herum passierte machte Woody Guthrie zu einem Ausnahmemusiker, der noch heute geliebt und geschätzt wird. Kein anderer Musiker konnte jemals einen so treffenden und allseits geschätzten Song ohne pathetischen und patriotischen Unterton über die USA schreiben, wie Woody Guthrie mit “This land is your land, this land is my land…from California, to the New York Islands”. Happy Birthday Woody Guthrie!

YouTube Preview Image

 

Geschichte Hören!

BOOKCARLINGerade bin ich mal wieder im KUSF Studio. Heute für eine Zweistundensondersendung, ein „Spotlight“ über „Smithsonian Folkways“. Gegründet 1948 von Moses Asch hat sich Folkways zu einem der bedeutendsten Plattenlabels der Welt entwickelt. Der Ansatz war von jeher „die Welt des Sounds zu dokumentieren“. Hier findet man alles, von amerikanischer Roots Musik über angolanische Freiheits- und deutsche Bierzeltlieder. Daneben technische Anleitungen und historische Aufnahmen, wie Anti-Vietnam Demonstrationen in Berkeley, Kalifornien oder die Anhörungen von Bertolt Brecht 1947 vor dem „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ oder Mitschnitte von Radio Moskau für die US Bevölkerung.

Über die Jahre sind rund 2500 Veröffentlichungen zusammen gekommen, manche verkauften sich gerade ein Dutzend mal. Doch Folkways war nie ein Label mit Blick auf Charts und Verkaufszahlen. Moses Asch und seine Mitstreiter wollten dokumentieren, festhalten, bewahren. Und das ist ihnen mit diesem Plattenlabel gelungen. Alle Veröffentlichungen von 1948 bis heute sind noch immer zu erwerben. Bei einem Blick auf die Webseite von Smithsonian Folkways wird es nicht bleiben, es ist eine klangliche Oase, die Geschichte durch unzählige Soundbeispiele lebendig werden lässt.

Hier die beiden Teile dieses Spotlights über „Smithsonian Folkways“.

      Smithsonian Folkways Part 1
      Smithsonian Folkways Part 2