Es rollt sich gut auf der Schotterpiste

Eineinhalb Stunden dauert der Flug von Hargeisa in Somaliland nach Garoowe in Puntland. Mit einer Fokker F50 der Fluggesellschaft Daalo ging es gegen Osten. Nur ein paar Passagiere waren an Bord. Meine Bordkarte sagte zwar 5D, aber den Sitz gab es gar nicht. „Free Seating“, meinte der Flugbegleiter zu mir. Als ich dann nach hinten gehen wollte, um mir einen passenden Fensterplatz auszuwählen, sagte er, „No, just sit in the front, because of the weight“. Das schafft Vertrauen!

Puntland von oben.

Draußen debattierte noch eine Frau mit mehreren Männern des Bodenpersonals, schließlich durfte auch sie an Bord und die Reise nach Puntland konnte beginnen. Um Hargeisa herum war noch etwas grün zu ehen, einzelne Bäume, Sträucher. Tiefe Spuren von früheren Bächen und Flüssen durchzogen die Landschaft. Immer seltener wurden Dörfer und Anwesen im Nirgendwo. Umso näher wir Garoowe kamen, um so trockener wurde das Land unter der Fokker. Eine Wüstenlandschaft so weit das Auge reicht. Die Landung war daher auch das Highlight des Fluges, das Video dazu sieht man unten.

Der Flughafen von Garoowe besteht aus einer Schotterpiste und ein paar Bretterbuden. Zahlreiche Soldaten, mit Maschinengewehren und Patronengürteln bewaffnet, sichern diesen Schotterstreifen ab. Von einer Stadt ist weit und breit nichts zu sehen. Ein Stempel in den Pass und die knappe Anordnung „Go“. Der Koffer wurde mit einem Kleinlaster die 30 Meter von der Maschine bis zur Butze gefahren. Ich schnappte ihn mir und ging durch eine weitere Bretterbude hindurch, das war wohl der puntländische Zoll. Auch dort ein paar Bewaffnete. Was die hier sichern, war mir wirklich nicht ganz klar.

Draußen traf mich die Hitze, sonst wartete niemand auf mich. Eigentlich sollte da jemand sein, war aber keiner. Etwas bedröppelt stand ich da und fragte mich, was nun? Eine Telefonnummer hatte ich nicht, auch kein funktionierendes Telefon. Mein fragender Blick schien aufzufallen, denn sofort kamen ein paar Uniformierte auf mich zu und fragten „Problem?“. „Yeap, I have a problem“, aber wie mache ich das nun verständlich? Mein Somali ist auch auf der dritten Reise nicht besser geworden. Nach mehreren Versuchen verstand einer von ihnen, dass ich auf einen Fahrer von CARE wartete. „No problem. I call“. Woher er nun die Nummer vom CARE Büro in Garoowe hatte, wußte ich nicht, aber er versuchte es. „Not good“ kam als nächstes. Er packte sich meinen Koffer und meinte „Come“. Was sollte ich auch anderes machen, also lief ich hinter ihm her in einen Schuppen aus Wellblech. Darin saßen ein paar Soldaten, ihre AK47 locker auf dem Schoß liegend, zwei Frauen, ein paar Jugendliche waren auch in dem angenehm kühlen Unterschlupf. Mein Uniformierter bot mir einen Plastikstuhl an, alle schauten auf mich und ich sagte: „Hello, how are you?“ Ein Jugendlicher antwortete mir sogar und fragte, ob ich Wasser möchte. „Where from?“ „Germany“. „Ah, German. Good“, und er lachte. Fehlte nur noch, dass er „Schweinsteiger“ sagt, wie mir das schon öfters in Afrika passiert ist.

Nach wenigen Minuten kam der Uniformierte mit dem Telefon zurück, griff sich wieder meinen Koffer und lachte. „Driver sleep“, sagte er und wir gingen auf einen Geländewagen zu, der Fahrer stieg aus, grinste breit übers Gesicht und schmiß meinen Koffer auf die Ladefläche. Ich stieg hinten ein, doch er wartete noch mit der Abfahrt. Aus dem Radio dröhnte ein Sprecher, ich schätzte, eine Religionssendung, denn „Allah“ verstand ich gleich mehrmals. Nach etwa fünf Minuten kam ein Soldat zum Auto, der gleich zwei Maschinengewehre bei sich trug. Stereoschutz ist immer gut. Es ging weiter mit der Reise.

War die Landebahn schon eine Holperpiste, ist die Zufahrtstrasse zum Flughafen nicht viel besser. Nach mehreren Kilometern kamen wir auf eine geteerte Landstrasse. Links und rechts ist nichts, nur Sand und Steine, eine unwirtliche Landschaft. An einer Stelle kam uns auf der Straße ein Jeep entgegen. Sowohl der Fahrer, wie auch der Soldat drehten sich zu mir um, „no problem, all ok“. Nett, sie wollten mich beruhigen, obwohl ich mir gar keine Gedanken machte. Der Soldat stieg aus und in den Jeep ein, in dem zwei weitere Soldaten saßen. Das Begleitfahrzeug durch die Stadt, das den Weg für uns hupend freimachte. Und Garoowe ist eine pulsierende, lebendige Metropole inmitten der kargen Gegend. „Welcome to Garoowe“, sagte der Fahrer und freute sich, als ich meinte, es sei schon das zweite Mal. Aber heimisch fühle ich mich hier nicht.

Das Leid der Kinder

Jedes Jahr versuchen rund 140.000 Menschen illegal die Grenze zwischen Mexiko und den USA zu überwinden. Viele von ihnen schaffen es nicht, werden von amerikanischen Grenzbeamten verhaftet. Andere sterben in der Wüste, verdursten, brechen entkräftet zusammen. Wieder andere werden auf der mexikanischen Seite von Banden überfallen, ausgeraubt, vergewaltigt, ermordet. Das menschliche Drama an der südlichen Grenze der USA ist ein täglicher Alptraum.

Nun haben die Behörden in Mexiko Alarm geschlagen. Innerhalb einer Woche im März haben sie 370 Kinder aufgelesen, die beim Versuch über die Grenze zu kommen einfach zurück gelassen wurden. Dehydriert, orientierungslos, verletzt. Zuvor hatten sie mehrere tausend Dollar an Schmuggler gezahlt, doch das alleine war keine Garantie. Die Kinder stammen, so die mexikanischen Behörden, aus mehreren mittelamerikanischen Ländern. Immer öfter werden Kinder alleine auf die lange und beschwerliche Reise Richtung Norden geschickt, um dort einen Job zu finden. Die Amerikaner verschließen vor diesem Problem ihre Augen, es sei ein mexikanisches Problem, heißt es in Washington. Eine von Präsident Obama angedachte Reform des Einwanderungsgesetzes – längst überfällig – wurde erneut vertagt, verschoben, verpasst. In dieser Legislaturperiode wird nichts mehr passieren. Warum? Weil man sich in Washington nicht einig wird. In der Wüste werden deshalb weiter Menschen sterben, die eigentlich nur dem „American Dream“ folgen.

Der Klang von Burning Man

      Audiobeitrag zum Burning Man Festival 2013

Über die USA wird in diesen Tagen viel berichtet. Und das sind nicht immer die besten Nachrichten. Abhörskandal und drohende militärische Einsätze, riesige Waldbrände und Wirtschaftskrisen….bei all den News bleibt kaum Platz mal über etwas anderes aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu berichten. Doch in dem obigen Audiobeitrag geht es um ein ganz außergewöhnliches, ja, einmaliges Ereignis, das jährliche „Burning Man“ Festival, das in der vergangenen Woche erneut in der Wüste von Nevada stattgefunden hat. Ich war dort, hier sind meine Eindrücke.