„Hell Yeah“ – KMFDM sind zurück

Es wurde auch langsam Zeit! Im November wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt und nun endlich ist es so weit. Gespannt wie ein Flitzebogen habe ich auf die neue KMFDM Platte gewartet. Darauf, wie Sascha Konietzko auf die politische Lage in seiner zeitweiligen Wahlheimat reagieren wird. Der Hamburger legt mit „Hell Yeah“ nun das 20. Studioalbum der Band vor.

Es ist erneut ein brachiales Industrial-Metal Werk, ohne Raum für Kompromisse zu lassen. Die zum Teil hochpolitischen Texte machen deutlich, dass hier ein Angriff auf all das kommt, für was Amerika in diesen Tagen steht: Fake News, Gelaber, Geschichtsverfälschung, eine Verletzung der Grundwerte und Grundrechte. Unterlegt ist das lautstark, mit harten Gitarrenriffs, viel Elektronik und einem typisch-mitreißenden KMFDM Beat. Hier spielt eine Band, die nicht Schönwetter macht, vielmehr den Alltag in seiner ganzen Brutalität widerspiegelt.

KMFDM sind bekannt dafür, das auszusprechen, oder besser hinauszuschreien, was andere nur denken. Als Präsident George W. Bush ins Kriegshorn gegen Afghanistan und Irak blies und viele Künstler aus Angst vor Repressalien still blieben, antwortete Konietzko unmissverständlich mit „WWIII“, ein hochpolitisches, ein mehr als wichtiges Album in der Bandgeschichte. Damals lebte er noch in Seattle, eine Stadt, die ihn und die Band prägte. KMFDM heute sind vor allem das Duo Sascha Konietzko und Lucia Cifarelli, nicht nur musikalisch sind sie ein Paar. Und diese künstlerische Nähe spürt man. Es ist eine Ergänzung durch und durch.

KMFDM wurden 1984 am Rande einer Kunstausstellung gegründet. Seitdem brettert Sascha Konietzko unaufhaltsam voran: „KMFDM never stops“ heisst es in einem Lied. Die Band ist international eine der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Acts. Auch wenn man im eigenen Land den Einfluss von KMFDM nicht erkennt und zu schätzen weiß, viele Bands in den härteren Genres sehen die Gruppe als wichtigen Meilenstein im Musikzirkus. In den USA haben sie Kultstatus, das wird man bald wieder auf der kommenden Tour durch die (Nicht)Vereinigten Trumpschen Staaten erleben können. „Hell Yeah, se Tschörmans are coming!“

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Das fliegende Schwein im Konzert

Pink Floyd gehören zweifellos zu den besten, einflussreichsten und erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte. Ihre Alben sind Rockklassiker, die zeitlos sind. Der Kopf der Band, Roger Waters, fand immer die richtigen Worte, auf  „Dark side of the moon“, „Wish you were here“, „The Wall“ und „The Final Cut“. Aber auch auf Solopfaden begeisterte Waters mit seiner direkten Ausdrucksweise. Für mich eine der besten Platten ist „Amused to Death“, ein genialer Seitenhieb auf die moderne Mediengesellschaft.

Und nun meldet er sich mit „Is this the life we really want?“ zurück. Erneut eine brillante Platte, für die er sich sehr viel Zeit nahm. Doch die Lieder an sich erregen die Konservativen im Land nicht. Da scheinen sie nicht genau hinzuhören. Es ist vielmehr die dazugehörige Tour von Roger Waters, die die Trump-Fans auf die Palme bringen und sie nach einem Pink Floyd Boykott schreien lassen. Klar, verbrennt Eure Pink Floyd Platten! Rogers Waters bezieht in den Konzerten eine klare Stellung gegen Präsident Donald Trump, da fliegt das bekannte „Schwein“ aus der „Animals“ Ära mit Trumps Bild durch den Saal. Die ersten Rufe nach einem Einreiseverbot des Musikers wurden schon auf FOXNews laut. Roger Waters grinst sich einen, denn ein Boykott gegen seine Platten sind ein lächerlicher Versuch Kritik eines Ausnahmekünstlers zu unterdrücken.

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Auch eine deutsche Band ist unter den deutlichen Kritikern des derzeitigen US Präsidenten. KMFDM, die Industrial-Elektronik-Metal Formation des Hamburges Sascha Konietzko, veröffentlicht im August ein neues Album, eine US Tour ist für den Herbst geplant. KMFDM nahmen auf ihren Platten und in ihren Konzerten nie ein Blatt vor den Mund, sie sprechen das an, was da „oben“ schief läuft. Eine ihrer politischsten Alben kam zur Zeit von George W. Bush auf den Markt und hieß „WWIII“, ein brillantes Werk, das an Deutlichkeit kaum zu überbieten war. Darauf auch „Stars and Stripes“, alles andere als ein patriotisches Lied in der Bush-Ära. KMFDM haben begeisterte und engagierte Fans weltweit, einer davon hat nun genau diesen Song mit neuen Bildern unterlegt, die treffender, passender und vernichtender nicht sein könnten. Donald Trump wird diese bildliche Version von KMFDMs „Stars and Stripes“ wohl kaum mögen, es lohnt sich, den Text mitzulesen:

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Tohuvabohu über San Francisco

Seit über 30 Jahren machen KMFDM ihr Ding. Eigentlich ist das vor allem der Hamburger Sascha Konietzko, der lange Jahre in den USA lebte und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten als das Kernland für den Erfolg von KMFDM betrachtet. Vor ein paar Jahren zog es ihn zurück in die Hansestadt, wo er heute mit Frau, Sängerin Lucia, und Tochter lebt.

Das Altenteil war die Luftveränderung allerings nicht. Nach wie vor wird getourt. Lautstark, brachial und immer mit einer Prise gesunder Aggression unterlegt. Am Mittwoch war mal wieder San Francisco dran, als Teil der aktuellen USA/Kanada Tournee. Keine andere „deutsche“ Band hat es bislang geschafft, so erfolgreich und so oft quer durchs Land zu touren. KMFDM stehen für eine Breitseite, die nach wie vor alte und auch viele neue Fans anzieht und begeistert. Es ist eine Mischung aus Heavy Guitar Riffs und Industrial Klängen. Dazu englische und deutsche Lyrics. Gerade solche, bei denen Amerikaner mitsingen können. Der Saal tobte beim Song „Hauruck“.

Was KMFDM auch ausmachen, ist ihre Art Stellung zu beziehen. Als George W. Bush die Truppen und das Land für den zweiten Kriegseinsatz im Irak mobilisierte, lebte Sascha Konietzko noch in Seattle. 2003 erschien dann WWIII, ein hartes, kompromissloses Album. Darauf auch „Stars & Stripes, eine Abrechnung mit dem blinden Patriotismus, der zu der Zeit alles in den USA beherrschte. Es war ein einsamer Ruf in einer fast gleichgeschalteten und kleinlauten Musikszene.

KMFDM haben auch nach über 30 Jahren im Geschäft noch diese ungebändigte Energie und Kraft. Ihre Konzerte ziehen nach wie vor. Der Großteil der anstehenden Tour liegt noch vor der Band. Man sollte sie sehen, wenn man gerade in der Stadt ist…irgendwo in „God’s Country“. KMFDM sind noch immer eine erfrischende Abwechslung im musikalischen, amerikanischen Einheitsbrei.

„Stars & Stripes“

A tyrant is a man who allows his people no freedom
Who is puffed-up by pride
Driven by the lust of power
Impelled by greed
Provoked by thirst for fame

Divided and conquered
Gripped by fear
Wishful thinking that it can’t happen hear
It’s well underways but nobody knows
A repeat of history
That’s how it goes

Tell the people that they’re under attack
By man-eating foes from mars or iraq
Mobilize outrage
Muzzle dissent
Send in the troops
Strike the pre-empt

Stars & stripes
Learn how to fight
We come together by the dawn of the light
Oh so proudly we hail as the rockets red glare
Stars & stripes

Control the airwaves
Fuel the reaction
Use every weapon of mass-distraction
Turn active people into passive consumers
Feed ‚em bogus polls and harebrained rumours

Cut back civil rights
Make no mistake
Tell ‚em homeland security is now at stake
Whip up a frenzy keep ‚em suspended
Don’t let ‚em know that their liberty’s ended

Everything goes in the desperate states
The veneer of democracy rapidly fades
Wreak total havoc on all opposition
In any event fulfill your mission

Totalitarian media sensation
You will give ‚em domination
Never mind they call you a liar and thief
By now you’re undisputed commander-in-chief