Pogo in Togo, Samba in Ruanda

…ja, ich weiß, die United Balls sangen von Uganda, aber Ruanda paßt ja auch. Sogar noch etwas besser, da ich gerade in Ruanda bin. Das Land kommt voran, es wird gebaut, gehämmert und gezimmert. Hier und da und da drüben auch noch. Ruanda will mit aller Gewalt zum Vorzeigeland Afrikas werden. Ganz rigide wird der Plan verfolgt. Eine sichtbare Opposition zum omnipräsenten Präsidenten Paul Kagame gibt es nicht. Und wenn mal was gegen ihn und seine Politik gesagt wird, dann wird das von innen kommend als Verrat, von außen kommend als Einmischung in innere Angelegenheiten abgetan. Die Ruander treten mit breiter Brust auf, man läßt sich nicht länger reinreden, zureden, abspeisen. Ruanda unter Präsident Kagame ist der Überzeugung, dass man schon sehr bald ganz vorne auf dem internationalen Parkett mitspielen und mittanzen wird.

Das äußerst selbstbewußte Auftreten merkt man gleich im heutigen Kigali. Nach dem Motto, was wolle man eigentlich hier? Von Entwicklungshilfe wird schon lange nicht mehr gesprochen. Die ruandische und die deutsche Regierung setzen sich an einen Tisch und reden über “Budgethilfe”, heißt, die Bundesregierung schickt einen Scheck nach Kigali, mit dem die Kagame Administration machen kann, was sie will. Einzig, die Deutschen bekommen Einblick in den ruandischen Haushalt und erfahren so, ob die Gelder auch voll eingesetzt werden und nicht irgendwo in dunklen Kanälen oder hinter einem der tausend Hügel verschwinden. Ruanda, das muß man durchaus betonen, ist das afrikanische Land mit der geringsten Korruption. Ein absolutes Vorzeigeland in dieser Hinsicht.

Doch das Vorankommen des Landes hängt auch davon ab, wie sich die Region weiter entwickeln wird. Und da gibt es Anzeichen für größere Probleme. In Uganda wurde im Februar in einem seltsam unoriginellen Wahlbeschiss der Amtsinhaber Yoweri Museveni wiedergewählt. Der Mann fällt vor allem durch seine Hutwahl und sein hartes Durchgreifen auf. Zur Wahlparty von Paul Kagame im letzten Jahr kam er nicht. Nun hat der ruandische Präsident auch durch Nichterscheinen bei der Amtseinführung Musevenis geglänzt. Pikant ist dabei auch, dass Kagame im Wahlkampf massiv auf den stärksten ugandischen Oppositionspolitiker Kizza Besigye setzte. Schon seit längerem sind die Beziehungen zwischen Uganda und Ruanda gespannt. Offiziell wird zwar nach wie vor erklärt, alles sei bestens, doch hinter den Kulissen brodelt es.

Und auch im Westen des Landes tut sich eine neue Front auf. Ehemalige Vertraute von Präsident Kagame, Faustin Kayumba Nyamwasa und Patrick Karegeya, haben im Ost-Kongo eine Allianz von Rebellen- und Widerstandsgruppen gebildet. Darunter die “Forces Patriotiques pour la Libération du Congo“ (FPLC), Mai-Mai Sheka, „Democratic Liberation Forces de Rwanda“ (FDLR), Mai-Mai Yakutumba und die FLDR-Soki. Beide Militärs aus Ruandas Armee flohen über Uganda (!) in den Ost-Kongo und organisierten sich dort neu.

Die Situation im Osten der DRC ist nach wie vor akut. Von Frieden und Sicherheit kann keine Rede sein. Der langanhaltende Krieg im Osten des Landes, direkt an der Grenze zu Ruanda, Burundi und Uganda hat bislang nahezu sechs Millionen Menschenleben gekostet. Und noch immer operieren die Milizeneinheiten fast ungehindert in der Kivu-Region und Orientale. Da überrascht die offene Kampfansage von Paul Kagame an seine ehemaligen Weggefährten nicht. Im Parlament sagte er kürzlich: “Wenn man in einem mit Stroh bedeckten Haus lebt, sollte man es vermeiden mit Feuer zu spielen, denn das eigene Haus könnte Feuer fangen”. Die ruandische Armee ist gut ausgebildet und mehr als bereit, falls die Vereinten Nationen die Situation nicht unter Kontrolle bekommen sollten, die Rebelleneinheiten auch auf dem Boden der DRC zu bekämpfen. Und das hätte weitreichende Folgen für die gesamte Region.

Wahlkampf in Uganda

Uganda steht vor der Präsidentenwahl.  Am 18. Februar ist es soweit, die Bürger werden zu den Urnen gebeten. Wie es aussieht, ist der Wahlausgang schon klar. Amtsinhaber Präsident Yoweri Museveni steht vor der Wiederwahl, und das klar und deutlich. Unterdessen rüstet sich die Polizei für etwaige Ausschreitungen vor, während und nach der Wahl. Vor allem der Ablauf der Wahl ist fragwürdig. Beide vorhergehenden Präsidentschaftswahlen wurden angefochten und letztendlich vom Verfassungsgericht zugunsten von Museveni entschieden. Nun beten die Ugander für einen fairen und vor allem friedlichen Ausgang der Wahlen. Genauestens wird beobachtet was sich in Tunesien und in Ägypten ereignet.

Das Bild zeigt ugandische Wahlplakate, die einfach über Straßenschilder geklebt sind. Man sollte also in diesen Wochen genau wissen, wohin der Weg geht, ansonsten geht man in diesem wunderschönen Land verloren.