Bisswunden zählen nicht

1992 wurde die 84jährige Georgia Kemp in Columbus, Mississippi, ermordet aufgefunden. Sie wurde erstochen und alles sah nach einer Vergewaltigung aus. Doch DNA Spuren konnten nicht gefunden werden. Keine Fingerabdrücke, keine Zeugen, die Polizei tappte im Dunkeln. Doch da war Eddie Lee Howard, der erst seit vier Monaten in Columbus lebte und der zuvor mehrmals wegen versuchter Vergewaltigung verurteilt worden war. Howard hatte mentale Probleme und, wie es hieß, verstrickte sich in Widersprüche.

Eddie Lee Howard wartet in Mississippi auf seine Hinrichtung. Verurteilt wegen Bissspuren.

Eddie Lee Howard wartet seit 20 Jahren im Staatsgefängnis von Mississippi auf seine Hinrichtung.

Vor Gericht setzte die Staatsanwaltschaft einen Sachverständigen ein, einen Zahnarzt, der den exhuminierten Körper von Georgia Kemp untersuchte und vor Gericht angab, drei vermeintliche Bisswunden am Körper der Ermordeten gefunden zu haben und diese mit einem Gebissabdruck von Howard verglich hat. Eindeutig, so das Urteil des Experten. Fotos der Bissspuren zeigte er nicht. Die Staatsanwaltschaft befragte auch noch eine frühere Freundin von Howard, die erklärte, der Angeklagte habe sie mehrmals beim Sex gebissen. Das Urteil der Geschworenen ließ nicht lange auf sich warten. Schuldig. Todesstrafe.

Auch beim Revisionsverfahren ging der Anwalt des Angeklagten nicht auf die durchaus fragwürdige Untersuchung des „Zahnexperten“ ein, obwohl seitdem Dutzende von Gefangenen durch DNA Analysen entlastet wurden, die einzig aufgrund von Zahnabdrücken verurteilt worden waren. Auch hatte die National Academy of Sciences erklärt, solche Beweise seien mehr als fraglich. Selbst die nationale Zahnarztvereinigung widersprach dem nicht, stellte nur klar, dass Bissspuren durchaus unterstützend im Gerichtssaal sein könnten.

All das führte nicht zur Freilassung von Eddie Lee Howard. Er sitzt noch immer im Todestrakt von Mississippi. Nun hat sich das Innocent Project an der University of Mississippi seines Falles angenommen und hofft auf ein Einlenken des Verfassungsgerichts im Bundesstaat. Bisswunden allein seien kein überzeugendes Beweismaterial, um einen Menschen zum Tode zu verurteilen.

Zahnarzt verklagt

Also zumindest einen guten Zahnarzt habe ich hier drüben in den USA. Das ist beruhigend, wenn ich mir die folgende Klage durchlese:

Gar nicht zum Lachen fanden wohl die Angehörigen eines 90jährigen Mannes die Tatsache, dass dessen Zahnarzt gleich zweimal (!) innerhalb eines Jahres seine Utensilien in den weit geöffneten Mund des Patienten fallen liess. 2006 einen Schraubenzieher für ein Implantat und 2007 eine kleine Zange. Der alte Mann musste daraufhin mehrere medizinische Eingriffe über sich ergehen lassen, erholte sich aber von dem zweiten Zwischenfall nicht mehr und verstarb.

Die Familie klagt nun gegen den Zahnarzt aus Florida…ich frage mich nur, wie man ein zweites mal zu einem Zahnarzt gehen kann, der einem zuvor einen Schraubenzieher in den Rachen gestossen hat?