Was mach ich hier nur?

Eigentlich wollte ich über meinen jüngsten Flug von Indianapolis nach Oakland schreiben und die Logik, mit der man von manchen Stewardessen oder Flugbegleiterinnen geschlagen wird….aber nun ist alles mal wieder anders.

Sitze hier in der Notaufnahme von UCSF, dem Uni-Krankenhaus in San Francisco. Hans, mein 94jähriger Freund aus Schlesien, musste eingeliefert werden. Und da sitzen wir nun – er liegt, ich sitze – und warten auf…ja, auf was warten wir eigentlich? Nicht auf den Weihnachtsmann oder das Christkind…ein Arzt war auch schon da…Wir warten schlichtweg darauf, dass endlich jemand kommt, der das Bett auf eine Station schiebt. Und das kann dauern. Wenigstens haben sie hier Wireless und ich nutze die Minuten, während Hans schläft, um ein bisschen zu schreiben.

Ich weiss nun nicht, ob jemanden in Nürnberg interessiert, was ich hier in San Francisco mache…wahrscheinlich ist das so egal wie der berühmte Sack Reis, der in China umfällt, aber ich schreibe trotzdem, denn mir ist langweilig. Was soll man auch machen, wenn man hier in der Notaufnahme rumsitzt…Dem schreienden Kind im Nebenzimmer zuhören, das etwas im Ohr stecken hat und keinen Arzt und keine Krankenschwester an sich ran lässt. Eine meinte, „sieht aus wie eine Küchenschabe. Schon die dritte in dieser Woche“. Was das Kind nicht wirklich beruhigte.

Vielleicht sollte ich doch von der ollen Flugbegleiterin sprechen, die mich auf meinem Gang zur Toilette mit den Worten stoppte „Sie können hier nicht nach vorne kommen, gehen Sie nach hinten“. „Aber die Toilette ist doch frei“. „Gehen Sie nach hinten“. „Aber ist doch frei“. „Gehen Sie nach hinten“, das war dann schon ein scharfer Ton, bei dem ich dachte, sie alarmiert gleich die Federal Marshalls, die an Bord sind, um mich zu verhaften. Also ging ich nach hinten und reihte mich in die Schlange der Bedürftigen ein.

Was die Flugtante nicht sagen wollte war eigentlich klar. Der Pilot musste auch mal  und deshalb darf man als normaler Fluggast und potenzieller Sohn Osamas nicht mehr aufs selbe Klo. So ist das nun in den Weiten des Himmels, von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken ist nichts mehr zu spüren. Und vom Sicherheitsbeamten in Indianapolis, der die Zahnpasta schon als wichtigen Part in meinem mobilen Bombenbaukasten sah, ganz zu schweigen. Habe ich ja immer dabei, unterm Arm sozusagen…wenn der wüsste, dass Chemie nie so mein Fach war. Aber macht richtig Spass, endlich auch einmal als „Bad Boy“ gesehen zu werden….Kleiner Scherz, aber mal ehrlich, fliegen nervt nur noch. Da kommt man sich vor wie bei Aldi an der Kasse, wenn die „nette“ Frau im Kittel einen anraunzt die Tasche zu öffnen, man ist ersteinmal ein potenzieller Dieb. Rasterfahndung pur, bei Aldi und über den Wolken….verdächtig ist jeder.

Zurück zum Krankenhaus in San Francisco, hier kommen sie auch nicht richtig in die Pötte, aber Hans wacht gerade auf, von daher hör ich mal auf…