Das Bild vor Augen

Syrien, Irak, Libyen, Nigeria, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Afghanistan und da ist auch noch die Ukraine. Ein paar der Kriegsschauplätze, die mir auf Anhieb einfallen. Der Blick in Deutschland und auch in den USA geht vor allen nach Osten in die Ukraine, denn dieser Konflikt könnte eskalieren und noch dramatische Folgen für Europa haben.

"Nukemap" wurde von Alex Wellerstein entwickelt.

„Nukemap“ wurde von Alex Wellerstein entwickelt. Hier kann man sehen, welche Auswirkungen ein Einschlag über der Nürnberger Altstadt hätte.

Daran mußte ich denken, als ich die Webseite „Nukemap“ fand. Eine Webseite, die von Alex Wellerstein eingerichtet wurde. Wellerstein ist Wissenschaftshistoriker mit dem Schwerpunkt Nuklearwaffen und -geheimhaltung. Er ist Assistenz-Professor am „Stevens Institute of Technology“ in Hoboken, New Jersey. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Knowledge and the Bomb: Nuclear Secrecy in the United States, 1939-2008.” Sein Blog ist ein umfassendes Archiv zum Bereich der Nuklearwaffen. Informationen über Technik, Hintergründe und die Geheimhaltung der militärischen Nuklearnutzung.

So ganz nebenbei hat er „Nukemap“ entwickelt, eine Seite, auf der man eine beliebige Adresse angeben und dazu eine passende Bombe aussuchen kann. Verschiedene Herkunftsländer sind angegeben, von den USA über Russland, Nordkorea, Pakistan, China. Dazu noch die Kilotonnenstärke.

Zuerst dachte ich an ein zynisches Spielchen, doch das ist es nicht. Die Karte zeigt nur den explosiven Radius. Man kann, man muß sich selbst vorstellen, was passieren würde wenn… Wellenstein will nicht schocken, sondern eher mit seinen Einschlagkarten aufklären. Der kalte Krieg ist zwar vorbei, aber die Gefahr einer kriegerischen Eskalation nicht gebannt.

Am Schlagbaum geht nichts

In UNHCR Zelten sind zehn Familien untergebracht.

In UNHCR Zelten sind zehn Familien untergebracht.

Ein Zelt für zehn Familien. Planen als Zwischenwände, so verbringen viele der Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik ihre ersten Monate im Lager Dosseye. Gleich daneben bauen sie Erdnüsse, Gemüse und etwas Getreide an. Der Brunnen ist auch nicht weit. Fatimé lebt hier mit ihrer Tochter und drei Enkelinnen. Sie verdient sich etwas mit Näharbeiten dazu. In der Zentralafrikanischen Republik hatte sie einen Laden, abends fuhr sie ein Taxi durch Bangui.

Wir sitzen auf dem Boden ihres Zeltbereichs. Da eine der Familien ausgezogen ist, haben sie die Zwischenwand entfernt, nun haben sie ungefähr sechs mal sechs Meter zum Leben. Den Schlafbereich haben sie etwas mit Erde erhöht, um sich so vor Schlangen und Skorpionen zu schützen. Neben dem Kopfende stehen zwei Koffer, daneben zwei Taschen. Ein paar Töpfe, ein paar Schuhe. Kleidungsstücke hängen über die Trennplane zum Nebenbereich.

Ein paar Fotos konnte sie auf ihrer Flucht mitnehmen.

Ein paar Fotos konnte sie auf ihrer Flucht mitnehmen.

Fatimé zeigt uns ein paar Bilder von früher, von ihrem Laden, ihrer Familie, von Freunden. Die hatte sie bei sich in ihrer Handtasche, sonst hat sie kaum etwas auf der Flucht mitnehmen können. Alles ging so schnell, Hauptsache das Leben blieb. Zwei ihrer Töchter flohen nach Kamerun und sind dort in Flüchtlingslagern untergebracht. Als sie hierher kam, wurden ihr ein paar Decken und Kochgeschirr ausgehändigt. Zurück gehen würde sie nur, wenn alles wieder friedlich ist. Erstmal ist sie hier, will nun im Lager versuchen klar zu kommen. Sie erzählt, blickt ganz ernst dabei. Manchmal lacht sie. Ein schönes Lachen das ansteckt.

Im vorderen Teil des Lagers sind Zelte für die Neuankömmlinge errichtet worden. Keine Trennwände, keine Fenster, es ist dunkel. Weil es derzeit öfters draußen regnet wird im Zelt an offenen Feuerstellen gekocht. Dicker Qualm, der in den Augen brennt. Auf einer Matte sitzt eine Frau, neben ihr die alte Mutter, vor ihr drei ihrer fünf Kinder. Schon seit Wochen ist sie hier in diesem Zelt, weil noch kein Platz in den anderen Unterkünften ist. Ein Zustand der schockiert. Doch sie meint, sie wurden herzlich aufgenommen, haben zu essen bekommen und eine sichere Schlafmöglichkeit. Sicherheit, das sagen alle, haben sie hier wieder gefunden.

Am Nachmittag fahren wir zur Grenze. Ein kleines, ärmliches Dorf liegt gleich daneben. Der Grenzverkehr existierte nicht mehr. Aus dem Süden kommen hier kaum noch Flüchtlinge vorbei. Soldaten bewachen die leere Straße zur Zentralafrikanischen Republik. Ein Schlagbaum, davor sitzt ein Tee trinkender Soldat mit Maschinengewehr. 20 Meter weiter ein Strohdach, darunter sitzen und liegen fünf weitere Uniformierte des Tschad. Junge Burschen, die vielleicht gerade mal 18, 19 Jahre alt sind. Mehrere Maschinengewehre liegen herum. Was wir hier wollen, fragen sie? Die Grenze sehen, ein paar Bilder und Audio-Aufnahmen machen. Dafür brauchen wir eine schriftliche Erlaubnis, sagt einer. Der Präfekt hat es uns erlaubt, sagt unser Übersetzer. Der eine greift zum Telefon und ruft seinen Vorgesetzten an, reicht das Telefon weiter. Schnell ist klar, ohne eine Erlaubnis des Militärs geht hier nichts. Kein Foto darf von der leeren Straße mit Schlagbaum gemacht werden. Thank you and Goodbye. Wir laufen zurück zum Auto, zwei Soldaten folgen uns, passen auf, dass wir nicht doch noch ein Bild schießen. Die Grenze ist gesichert, nur für Flüchtlinge ist sie noch von einer Seite aus offen. Wie das alles hier weitergehen soll, das weiß derzeit niemand zu beantworten.

Es kann immer noch schlimmer kommen

Ein weiterer Tag in Camps. Schon frühmorgens war es heiß, wieder 30 Kilometer über die Piste. Am Anfang eine kleine Diskussionsrunde über sexuelle Gewalt im Lager. Vor allem ging es um die Definition, was ist eigentlich sexuelle Gewalt. Danach ein Gespräch in der Hütte, dem Haus einer 48jährigen Frau. Ein dunkler Raum aus Lehmziegeln, Strohmatten, Planen von Hilfsorganisationen. Ein paar Decken und Matten auf dem Boden, in einer Ecke Töpfe, in einer anderen ein paar kleine Habseligkeiten. Sie war aus der Zentralafrikanischen Republik geflohen. Ihre drei Kinder waren bei einem Pastor untergebracht, der ebenfalls floh, von ihren Kindern fehlt jede Spur. Im Lager Dosseye eröffnete sie einen kleinen Laden, gleich im vorderen Bereich ihrer Hütte. Eines Nachts kamen drei Männer in ihre Hütte, stopften ihr einen Knebel in den Mund und bedrohten sie. Sie solle das Geld rausgeben, als Händlerin habe sie doch etwas. Einer der Männer vergewaltigte sie, während ein zweiter draußen aufpasste. Schließlich gab die Frau ihnen auch noch die paar Francs, die sie verdient hatte. Stundenlang lag sie wach, erst am Morgen vertraute sie sich einer Mitarbeiterin im Camp an, die von Care bezahlt wird. Die Behörden wurden eingeschaltet, doch da keine „Beweise“ vorlagen, wurde auch nicht groß ermittelt. Sexuelle Gewalt in den Flüchtlingscamps passiert tagtäglich.

Straße im Flüchtlingslager Dosseye.

Straße im Flüchtlingslager Dosseye.

Anschließend fuhren wir in ein Lager für „Rückkehrer“, also ehemalige Bürger des Tschad, ihre Kinder und Kindeskinder. Viele von ihnen hatten eine gesicherte Existenz in CAR. Nun wohnen sie im Lager. Noch schlimmer geht es den Menschen in den Gemeinden drumherum. Das Camp wurde einfach auf ihre Felder gesetzt, ohne einen Ausgleich dafür von der Regierung zu erhalten. Sie seien ihre Verwandten, hieß es, man müsse ihnen helfen. Die Hilfsorganisationen sind im Lager aktiv, bauen Brunnen, helfen, soweit es geht. Die Dorfbewohner außenrum gehen zumeist leer aus. Nicht nur das, ihre Ernten sind kleiner geworden, viele hungern. Care versucht auch hier zu helfen. Mit dem, was möglich ist.

Ich habe Post bekommen, ich solle den Tschad nicht so wichtig nehmen, es gebe schließlich noch andere Krisen auf der Welt. Das stimmt, doch gerade deshalb bin ich hier. Der Tschad ist ein vergessenes Land mit vergessenen Krisen. Als ich hierher fahren wollte, fragten mich viele, wo ist der Tschad überhaupt. Nur weil eine Krise nicht akut ist, bleibt sie dennoch eine Krise. Lebensgeschichten, wie die von der 48jährigen Frau oder die von dem 17jährigen Mädchen, von dem ich gestern berichtete, müssen erzählt werden. Viele Journalisten kommen hier nicht vorbei. Und ich wäre wohl auch nicht hierher gekommen, wenn ich nicht ganz direkt von einer Care Mitarbeiterin gefragt worden wäre. Der Tschad ist kein Reiseland, der Trip hierher war und ist beschwerlich. Doch als ich da auf dem Boden der Hütte saß und zuhörte, wie die Frau den Mut und die Kraft fand sich Fremden zu öffnen, da war mir wieder klar, warum ich hierher kam.

Im Endloslager

Bohnen zum Mittag. Im Kreis sitzen sie um den großen Teller.

Bohnen zum Mittag. Im Kreis sitzen sie um den großen Teller.

Heute ging es in das Flüchtlingslager Dosseye. Zuvor meldeten wir uns noch bei der Präfektur an, muß man, wenn man hier ist. Die Nacht über hatte es heftigst geregnet, ich dachte schon das Dach fliegt vom Gästehaus. 30 Kilometer über eine rotfarbene Matschstraße lagen vor uns. Am Flüchtlingslager angekommen ging es zuerst in eine Einrichtung für Kleinkinder, eine Art Vorschule. Die Kinder lernen hier das ABC, singen, spielen und erhalten eine Mahlzeit. Und gerade die überzeugt die Eltern, ihre Kinder auch wirklich hierher zu bringen.

Anschließend sprachen wir mit einer 17jährigen, die in Bangui ihre gesamte Familie verlor. Sie war zum Brot kaufen gegangen, als sie zurück kam, hatten die Anti-Balaka ihre Geschwister und Eltern umgebracht, das Haus zerstört. Sie flüchtete sich in die Moschee und wurde von dort in den Tschad gebracht.

Einen 70jährigen Mann besuchten wir in seinem kleinen Haus. Mit einem kleinen Betrag hat er ein Geschäft aufgebaut und konnte so einfache Verbesserungen an seinem Haus fertigstellen. Er lebt schon seit Jahren im Lager, doch möchte unbedingt zurück in die Zentralafrikanische Republik. Wann, das sei ihm egal, auch wenn er 20 Jahre warten müßte. Hier sind viele heimisch geworden, die die Flucht in den südlichen Tschad nur als vorübergehend ansahen. Doch aus Tagen und Wochen wurden Monate und Jahre.

Nur einen Steinwurf von seinem Haus entfernt ist das Gebäude einer Frauengruppe. Hier wird genäht und gestrickt. Gerne würde man das kleine Projekt zu einem Business ausbauen, meinten die Frauen, doch es fehlt an Geld für ein paar Nähmaschinen mit Fußpedal und Stoff. Kleinstbeträge, die hier die Welt bedeuten.

Ein Chor und eine Art tschadischer "Chicken Dance" am Brunnen.

Ein Chor und eine Art tschadischer „Chicken Dance“ am Brunnen.

Care ist im Lager sehr im Bereich der Wasserversorgung aktiv. 42 Brunnen wurden angelegt, bis zu 60 Meter tief gebohrt, Abflußrinnen gelegt und die Pumpen mit Zement umfaßt, damit die Sauberkeit garantiert werden kann. Als wir zu einer dieser Pumpen kamen, wurden wir schon von einem Chor und den Betreuern des Brunnens erwartet. Es wird versucht, lokale Mitarbeiter zu schulen und so die Instandhaltung vor Ort zu garantieren. Ein scheinbar einfaches Projekt, ein Brunnen, hier im Tschad ist der Zugang zu sauberem Wasser allerdings nicht selbstverständlich. Die Bevölkerung weiß das zu schätzen.

Morgen geht es weiter mit Besuchen, Interviews und Unmengen an Eindrücken, die ganz langsam sacken und die ich jetzt noch gar nicht in Worte fassen kann.

Eine Stadt in Afrika

Straßenbild in N'Djamena, Tschad.

Straßenbild in N’Djamena, Tschad.

Schön ist sie nicht, die Hauptstadt der Republik Tschad. Zumindest habe ich die schönen Seiten noch nicht gesehen, auch wenn es auf Wikipedia heißt, man sollte sich die „Altstadt“ ansehen. Also, die hier ist nicht zu vergleichen mit der in Nürnberg.

N’Djamena hieß bis 1973 Fort-Lamy, dann wurde die Stadt umbenannt. Die Spuren der Kolonialzeit sollten ausgemerzt werden. Viel ist von der französischen Herrschaft nicht übrig geblieben, man muss schon danach suchen. Heute morgen war ich zur Sicherheitsbesprechung im Büro von CARE. Der Compound der Hilfsorganisation liegt nicht weit vom Hotel entfernt. Ein paar Straßen weiter, zwei Kreisverkehre, dann ist man auch schon da.

Der Tschad ist Krisengebiet. Man muß nur auf die Landkarte blicken und weiß, hier könnte es schon bald drunter und drüber gehen. Im Norden Libyen, im Osten der Sudan, im Süden die Zentralafrikanische Republik, im Osten Kamerun, Nigeria und Niger. Eine Krise neben der anderen wickelt sich um das Land herum. Weite Teile der Grenze wurden von der tschadischen Regierung abgeriegelt, aus Angst vor Übergriffen. Libyen im Norden, Boko Haram im Westen, radikale Milizen im Süden. Dazu noch der Alptraum Ebola, der bereits hinter der Grenze zu Nigeria lauert. Zur Sicherung verwendet und verschwendet die tschadische Regierung riesige Beträge fürs Militär, Geld das woanders fehlt. Im Süden, Osten und Westen gibt es riesige Flüchtlingslager, Hilfen, Unterstützung und Programme aus N’Djamena gibt es nicht. Denn dafür sind ja die internationalen Hilfsorganisationen vor Ort.

Noch zwei Tage sind wir hier, dann geht es in den Süden des Landes, an die Grenze zur Zentralafrikanischen Republik. Flüchtlingslager, Elend, Not, eine vergessene Krise bei all den Krisen weltweit. War da was in Afrika?

Das amerikanische Jahr

Eigentlich ist jedes Jahr ein amerikanisches Jahr. Zumindest, wenn man sich die Nachrichtenlage ansieht. Als Korrespondent in Amerika kann man über alles berichten, alles ist berichtenswert, alles ist wichtig und interessant für Leser und Hörer. In diesem Jahr stand der Wahlkampf im Vordergrund. Erst die Vorwahlen der Republikaner, dann das Aufeinandertreffen von Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney.

Daneben berichtete ich über Gangs in Los Angeles, den Drogenkrieg gleich an der Grenze zu Nordmexiko, über Fahrraddemonstrationen und Nackte in San Francisco, über die Todesstrafe in Kalifornien und natürlich den Monstersturm Sandy. Und, und, und…..Das Interesse an dem, was in den USA passiert ist riesig. Und auch, wenn ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene, frage ich mich oft, woher dieses Interesse an all dem kommt, was in Amerika vor sich geht, passiert, wichtig und unwichtig ist. Gerade wenn man einmal auf andere Regionen in der Welt blickt.

Nehmen wir doch mal den Ostkongo. Seit 1998 sind dort geschätzte 5,4 Millionen Menschen umgebracht worden, der tödlichste Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg. Hunderttausende sind auf der Flucht, von einem Lager in das nächste. Es gibt Massenvergewaltigungen, Kinder werden als Soldaten rekrutiert, die Menschen hungern in einem Land, das eigentlich eines der reichsten Länder der Welt sein könnte. Und was passiert? Nichts. Selbst Korrespondenten, die vor Ort sind, ihr eigenes Leben riskieren, erklären, es gibt kein Interesse an diesem Krieg gegen die kongolesische Bevölkerung. Die Vereinten Nationen sind seit Jahrzehnten mit Truppen vor Ort, doch viel geschieht nicht, ausser, dass pro Monat rund eine Milliarde Dollar an Geldern verbraten werden.

Heute lese ich vom Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik. Auch dort sind Rebellengruppen aktiv. Die Hauptstadt Bangui wird wohl demnächst in einem blutigen Kampf in die Hände der Aufständischen fallen. Die Zivilbevölkerung leidet, die UN ruft dazu auf, die Zivilisten zu verschonen. Das ist alles. Die USA und Frankreich haben sich bereits zurück gezogen. Was in diesem Teil Afrikas passiert, soll, wie mir jüngst eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen erklärte, noch schlimmer sein, als das was im Osten der Demokratischen Republik Kongo abgeht. Sie meinte, nach Goma und in die Kivu-Region der DRC würden immer mal wieder Journalisten mitreisen. Doch was in der Zentralafrikanischen Republik passiert, wird völlig vergessen, übersehen, ignoriert.

Am Jahresende frage ich mich, was macht eine Nachricht aus, was macht sie lesenwert, wann hört man hin? Wie kann es sein, dass die westliche Welt – durchaus zurecht – trauert, wenn in einem Amoklauf in Newtown 20 Schulkinder ermordet werden, doch gleichzeitig das Leid, das Elend, das Morden im Herzen Afrikas und in anderen Teilen der Welt vergessen wird? Was interessiert die Deutschen daran, ob Barack Obama in der ersten Fernsehdebatte unkonzentriert wirkt? Warum blicken sie weg, wenn Zehntausende auf der Flucht sind, ohne Ziel, ohne Hoffnung, ohne ein Ende in Sicht?

Nachrichten sind mein Geschäft, doch ich verstehe die Zusammenhänge nicht.

Amerika kämpft an mehreren Fronten

Gleich in vier afrikanischen Ländern sind Spezialeinheiten der amerikanischen Streitkräfte eingesetzt. In Uganda, dem Kongo, dem Süd-Sudan und der Zentralafrikanischen Republik versuchen die US „Special Forces“ die Machenschaften der „Lord’s Resistance Army“ von Joseph Kony zu stoppen. Bislang erfolglos.

Den Einsatz gab nun der Flottillenadmiral, Brian L. Losey, bekannt, der die US Einsätze auf dem afrikanischen Kontinent leitet. Zwar sei der Einfluß der LRA zurückgegangen, erklärte Losey, doch nach wie vor sei die Rebellenarmee eine Gefahr für die Region. Immer wieder würden Dörfer überfallen, geplündert und abgebrannt, Männer getötet, Frauen und Kinder verschleppt. Die LRA ist bekannt dafür, dass sie Kinder gegen deren Willen zu Soldaten ausbildet.