Die Retter der Orangen

„Florida Boy“ und „Capri Sonne“, „Sunkist“ und „Dittmayer’s“, „Hohes C“ und „Valensina“. Orangensäfte sind schon was besonderes. Meistens zumindest, auch wenn bei einigen dieser Marken nur eine Orange vorbeigeschwommen ist. Oft hat das, was in der Packung oder Flasche ist nicht viel mit Orangensaft zu tun. Aber darum soll es hier nicht gehen. Der Orangensaft ist „under attack“. Besser gesagt, Orangen werden von dem Erreger „Huanglongbing“ angegriffen. Die Folge ist eine Zitruskrankheit, die auch als „Citrus Greening Disease“ bekannt ist.

Die Auswirkungen sind dramatisch. In den letzten zehn bis zwölf Jahren zerstörte das Bakterium HLB nahezu 70 Prozent der Zitrusindustrie im US amerikanischen Bundesstaat Florida. Der Schaden geht in die Milliarden. Bislang konnte noch nichts zur Rettung der befallenen Bäume gefunden werden. Mit einem positiven PCR (polymerase chain reaction) Test kann lediglich der Befall der Bäume festgestellt werden, doch bis die Folgen an den Orangen sichtbar sind, können Monate, wenn nicht sogar Jahre vergehen. Und dann hat HLB bereits den gesamten Orangen Hain infiziert.

Mit Hundenasen soll die kalifornische Zitrusindustrie gerettet werden.

Nun sucht man neue Wege, um HLB frühzeitig zu entdecken. Gerade auch, um die Zitrusindustrie an der anderen US Küste in Kalifornien zu retten. Bislang ist der Erreger noch in keinem kommerziellen Orangenhain im Golden State entdeckt worden, nur in privaten Gärten in Orange, Riverside und Los Angeles. Aber Experten gehen davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann die erste Ranch davon betroffen ist. Um das zu verhindern greift man nun nach neuen Mitteln. Und die kommen in Form von Hundenasen. Das Landwirtschaftsministerium in Washington (USDA) hat ein Programm finanziert, bei dem Hunde auf das Auffinden des HLB Erregers trainiert wurden. Mit Erfolg, wie Tests in Florida zeigten. Die Hunde schnüffelten sich an den Bäumen vorbei und blieben direkt vor einem infizierten Baum sitzen und bellten. Spuren des Befalls waren an den Bäumen nicht zu sehen, die Orangen waren orange und voll, alles sah normal aus. Doch nachfolgende Tests ergaben, die Bäume waren von „Huanglongbing“ befallen. Um eine Ausbreitung zu verhindern, mussten die betroffenen Bäume gefällt und vernichtet werden.

Viele Farmer in Kalifornien hoffen nun darauf, dass mit den Hundenasen das Schlimmste verhindert werden kann. Auch wenn das Programm noch in den Anfangsstadien ist, die Ergebnisse sind vielversprechend, HLB im Frühstadium zu entdecken und zu stoppen. Per Landweg sollen demnächst einige der Hunde aus Florida in den Golden State gebracht werden, um schnüffelnd durch die ersten Orangenhaine zu laufen. Einsatzorte sollen Fillmore und Santa Paula sein.