Klüpfel und Kobr an der Adria

Volker Klüpfel und Michael Kobr, das Erfolgsduo der bayerischen „Kluftinger“-Krimis, haben mit ihrem  neuen Roman „In der ersten Reihe sieht man Meer“  eine Komödie geschrieben, die an die Adria führt… und in die Kindheit vieler Deutscher (Droemer, 19,99 Euro).

NZ-Kluepfel_Kobr„Africavitamineproteinecoccobeeeeellooooooo!“ Wer jemals einen Urlaub an den Stränden der Adria – sagen wir zwischen Bibione und Rimini – verbracht hat, weiß, was gemeint ist: Ein Mann mit einem Eimer in der einen und einem Korb voller Kokosnuss-Stücke in der an deren Hand läuft am Strand entlang, während er in einem seltsamen Singsang seine Ware anpreist – und erfolgreich verkauft. Denn er hat nicht nur die saftigen Nüsse dekorativ auf exotisch wirkenden grünen Blättern drapiert. Nein, er macht auch noch den – vor allem weiblichen – Kunden jede Menge charmante Komplimente.

Diese Stimme, diese Rufe vergisst man nie mehr im Leben. Man spürt regelrecht den heißen Sand unter den Füßen, riecht das Sonnenöl und spürt den köstlichen Kokosgeschmack auf der Zunge. Auf genau diesen Effekt setzen Kobr und Klüpfel in ihrem neuen Buch, das wie ein Fotoalbum von früher aufgemacht ist: blauer, abwaschbarer Kunststoff-Einband, auf dem in Foto-Ecken ein verblichenes Bild mit Liegestuhl und sanften Mittelmeerwellen prangt. Nostalgie pur. Kindheits-, Jugend- und Urlaubserinnerungen in einem, wer würde sich da nicht emotional angesprochen fühlen! Die Adria, das einstige Traum-Urlaubsziel der Deutschen, ist das Thema dieser Geschichte.

Die führt den Ich-Erzähler, einen erfolgreichen Werbefuzzi Mitte vierzig, auf die, wie es im Klappentext heißt, „sonderbarste Reise“ seines Lebens. Eigentlich hat er selbst schon Familie und will am nächsten Tag frühmorgens in den Urlaub aufbrechen. Doch über einer Flasche Wein schlummert er ein. Und beginnt zu träumen. . .

Als er aufwacht, hat er zwar noch nicht die Fahrt in den Urlaub hinter sich, wohl aber eine Zeitreise, die ihn in die schlimmste Phase seiner Pubertät zurückführt. Und in den allerersten Italien-Urlaub mit seinen Eltern und der schon ein wenig erwachseneren Schwester in den achtziger Jahren. Als solche Reisen noch ohne Klimaanlage und Navi in der Familienkutsche unternommen wurden, als Papa fuhr und Mama mit der Landkarte die Richtung vorgab.

Das in der Zusammenarbeit bestens erprobte Autorenduo zieht alle Register und garniert das Ganze mit authentischen Urlaubsfotos von damals. Die Überschriften der Kapitel sind Liedtitel aus den 80ern, viele italienische natürlich. „Santa Maria“, „Ti sento“, „Gente di mare“ oder „Insieme“: Sie wurden in jener Zeit rauf- und runtergenudelt, bis man die Texte im Schlaf mitsingen konnte.

Klüpfel und Kobr lassen kein Klischee aus, das deutschen Italienurlaubern anhaftet. Von der ständigen Angst, von den „Itakern“ übers Ohr gehauen zu werden, bis zur Putzwut der deutschen Hausfrau, die erst die Ferienwohnung desinfiziert, bevor man seine sieben Sachen einräumt. Aber die Autoren machen das so liebevoll und originell, dass man den Roman gar nicht mehr zur Seite legen möchte. Bei der Lektüre stellt sich tatsächlich „Felicità“ ein.

Ute Wolf