Tommie Goerz’ neuer Frankenkrimi: „Schlachttag“

Kommissar Friedo Behütuns hat das Zeitliche nicht gesegnet, auch wenn es ihm am Ende des letzten Franken-Krimis aus der Feder von Tommie Goerz gar nicht gut ging – in „Einkehr“ kippte der Nürnberger Fahnder am Ende in einem Biergarten um. Doch jetzt schlaunzt er in seinem nunmehr sechsten Fall wieder durch die Gasthäuser und Bierkeller der Fränkischen Schweiz – als frisch ernannter Leiter des neuen Sonderbüros Metropolregion Nürnberg. Und da kommen er und sein Team ziemlich herum in Mittel- und Oberfranken.

Persönlich geht es Behütuns nicht übermäßig gut. Seine Fern-Freundin Julie LaFayette war in Frankreich Opfer eines Auto-Unfalls geworden – mit tödlichem Ausgang für sie. Da grübelt Behütuns nun über den Sinn von Leben und Tod – das hat natürlich Auswirkungen auf seinen Arbeitseifer und seine Arbeitsfähigkeit. Doch nach und nach kommen die Dinge wieder ins Lot und quälend langsam kehrt die Lebenslust von Behütuns zurück.

Die aktuellen Ermittlungen drehen sich zunächst um eine Leiche, die ein Wanderer zwischen den Felsbrocken des Druidenhains bei Wohlmannsgesees gefunden hat — und die kurze Zeit später, als die Polizei eintrifft, wieder verschwunden ist. Es handelt sich – das weiß aber zunächst nur der Leser – um Franziskus Aloisius Heiselbetz, einen katholischen Pfarrer im Ruhestand. Und der war in seinem aktiven Berufsleben auch mal Pfarrer in Markt Erlbach. Und dort ist zu seiner Pfarrerszeit eine Frau spurlos verschwunden, die Frau des ortsansässigen Bauunternehmers Scholl.

Das sind schon Rätsel genug. Obendrein aber wird in der Nähe einer einsam stehenden Kirche bei Kaubenheim ein Teil einer Frauenleiche von einem Hund ans Tageslicht gezerrt. Das Ermittlerteam wird jedoch das Gefühl nicht los, dass zwischen all diesen Fällen — ob alt, ob frisch — ein Zusammenhang besteht. Behütuns und seine Mitermittler winden sich zwischen den Verdachtsmomenten durch, geraten immer wieder auf falsche Spuren und schließlich auf eine schlüssige, wenn auch überraschende Lösung der vertackten Gemengelage.

Tommie Goerz taucht wieder einmal tief und treffsicher ein in die fränkische Gemütslage und schildert in meisterhaft geschriebenen Mundartpassagen die Befindlichkeiten der fränkischen Seele.
Nur die Schilderungen, in denen Behütuns wieder und wieder sein Seelenleid knetet, sind teilweise etwas langatmig geraten. Aber sonst kommt die komplizierte Story flott und schlüssig erzählt daher – mit dem für Goerz typischen überraschenden Schlussakkord.

Nebenbei grantelt der Autor noch etwas an der geistigen Befindlichkeit von islamischen Terroristen und katholischen Geistlichen herum – nicht zu tiefschürfend, aber doch bedenkenswert. Und faszinierend die eingeschobenen Kapitel über das Schlachten eines Schweins — ein Schlachttag ist nichts weniger als ein Festtag. Goerz ist erneut ein Franken-Krimi vom feinsten gelungen – auch weil er sich in fränkischen Landen und Köpfen bestens auskennt.

Friedrich G. Stern

Tommie Goerz: Schlachttag. ars vivendi, 425 Seiten, 14,90 Euro.