Spannung garantiert: „Das Päckchen“ von Franz Hohler

Er ist einer der ganz Großen des Schweizer Kabaretts, und als „Mann mit dem Cello“ wurde er europaweit bekannt: Franz Hohler. Im Literaturhaus Nürnberg las aus seinem spannenden neuen Roman „Das Päckchen“.

Autor und Kabarettist: Franz Hohler (Foto: Luchterhand)

Zwei Mal begeisterte der vielfach ausgezeichnete Autor und gefeierte Satirekünstler bereits in Nürnberg: 2004 las er aus dem Erzählband „Die Torte“, 2014 aus seinem Roman „Gleis 4“. Nun stand „Das Päckchen“ auf dem Programm, eine herrlich-unterhaltende, krimiartige Erzählung rund um die älteste deutsche Handschrift.

Das Original des „Codex Abrogans“, ein lateinisch-althochdeutsches Wörterbuch, ist seit dem 8. Jahrhundert verschollen. Doch eines Tages bringt das in unverdächtiges Zeitungspapier eingewickelte Buch das überaus geregelte Leben eines Bibliothekars hübsch durcheinander. Warum Ernst am Berner Hauptbahnhof den Anruf einfach angenommen hat, weiß er selbst nicht mehr. Der öffentliche Telefonapparat klingelt, Ernst hebt ab und macht genau das, was sich die ältere Dame am anderen Ende des Drahts wünscht: das Päckchen bei ihr abzuholen. Und niemandem etwas davon sagen.

Daran hält sich Ernst. Und entdeckt, dass er nicht nur ein verdammt guter Spontan-Lügner ist, sondern auch ein begabter Detektiv. Zufällig kam er zu dem Buch, dessen Wert er nur vermuten kann – doch auch andere sind der verschollenen Handschrift hartnäckig auf der Spur. Doch warum nur?

Der einst unauffällige Ernst schreckt vor ungewöhnlichen Methoden nicht zurück, und je mehr er in lebensgefährliche Bedrängnis gerät, desto verblüffendere Talente findet er in sich selbst. Der Leser folgt ihm vergnügt mit von Seite zu Seite steigender Spannung, genießt die Intelligenz, den Witz und das Beschreibungstalent Hohlers, der als passionierter Bergsteiger seine Leser souverän zwischen der Gletscherwelt und den Skriptorien mittelalterlicher Klöster wie Weltenburg und St. Gallen hin und her führt.

Natürlich ist Ernst – wie sein 1943 in der Schweizer Uhren-Metropole Biel geborener Schöpfer Hohler –
Bücherenthusiast und überzeugt, dass Bibliotheken das Gedächtnis der Menschheit sind. Wer „Das Päckchen“ aufschlägt, wird den Roman jedenfalls so rasch nicht aus der Hand legen.

So kennt man Franz Hohler, der beim Vortrag seiner Werke ein Humormodul in der Stimme eingebaut zu haben scheint. Im Literaturhaus wird er zudem Kostproben aus dem im Frühjahr erschienenen Gedichtband „Alt“ lesen.

Anabel Schaffer

Franz Hohler: Das Päckchen. Luchterhand Verlag, 224 S., 20 Euro.

„Die Fassadendiebe“: ein New-York-Roman

„Die verdammte Stadt schafft es doch stets, wieder neu zu erstehen. Sie gleicht einer Schlange, die wächst, indem sie sich vom Schwanz her selbst verschlingt. Einem Möbiusband der Selbstvernichtung und Wiedererschaffung“, sagt Griffin Watts über New York. Er ist der Erzähler, den sich John Freeman Gill für seine Geschichte „Die Fassadendiebe“ ausgedacht hat.

Und er erinnert sich an den Sommer 1974, in dem er als 13-Jähriger mit seinem Vater die Stadt vor dem Zerbröckeln retten wollte. Oder zumindest die verspielten Verzierungen an den alten Wolkenkratzern in Manhattan, die von der Abrissbirne bedroht waren.

Was bleibt von der alten Substanz? Die Skyline von Manhattan. (Foto: dpa)

Es ist kein Wunder, dass die Topografie und Architektur in John Freeman Gills Romandebüt die Hauptrolle spielt. Der gebürtige New Yorker gilt als Spezialist für Architekturgeschichte und schreibt darüber seit Jahren unter anderem für die „New York Times“ und die „International Herald Tribune“.

Die Detailfreude, mit der Wasserspeier und Zierleisten, Stuckaturen und Kapitelle beschrieben werden, ist gleichzeitig das Besondere und das Problem von „Die Fassadendiebe“. Denn eigentlich ist es die Initiationsgeschichte, sind es die pubertären Sehnsüchte und Nöte Griffins, die im Mittelpunkt stehen sollten. Nach der Trennung seiner exzentrischen Eltern ist sein Familienleben ebenso zerbröckelt wie das architektonische Erbe seiner Stadt.

Und um seinem Vater nahe zu sein, lässt er sich von ihm zu waghalsigen, auch lebensgefährlichen Diebestouren und Rettungsaktionen an den Fassaden von Mietshäusern und Wolkenkratzern missbrauchen: Das manische Bewahren des Vergangenen wird für ihn und seinen Vater zur Bedrohung.

Diese teils sehr amüsante, teils berührende Geschichte um Erwachsenwerden und Desillusionierung, um Unschuld und Erfahrung wird allerdings immer wieder durch das wortreiche Beklagen von Bausünden der 70er Jahre und einen großen Beschreibungsdrang in den Schatten gestellt. Der Liebe zur Stadt und ihrer architektonischen Vergangenheit wird die Spannung und Stringenz der Handlung an zu vielen Stellen geopfert.

Für ein Debüt ist der New-York-Roman vielversprechend, für das nächste Mal wäre ein wenig mehr Konzentration ein Gewinn.

Andreas Frane

John Freeman Gill: Die Fassadendiebe. Berlin Verlag, 464 S., 24 Euro.

Zwischen Köln, Venedig und Paris: Hanns-Josef Ortheil

Vielleicht hätte Mia bei ihrer Abreise nach einem Studienaufenthalt in Venedig nicht so leichtfertig Einladungen aussprechen sollen. Denn eines Tages steht der junge Venezianer Matteo vor ihrer Kölner Haustür. Entgegen strenger Abmachungen ihrer Drei-Mädel-WG (Kein Mann in der Wohnung!) erhält er Einlass. Und mischt das Leben der drei, die ihm bald mehr als Sympathie entgegenbringen, gehörig auf. Ganz durchschauen sie ihn nicht. Wer ist dieser junge Mann?

Ein Geschichtenerzähler, ein Künstler, der stundenlang durch Köln streift und hochkonzentriert Sehenswürdigkeiten zeichnet, dabei merkwürdige Affinitäten zu Barlachs schwebendem Engel hat. Einer mit großem Harmoniebedürfnis, der aber auch ganz tatkräftig abwäscht und saubermacht sowie der Betreiberin eines kleinen Cafés mit Rat und Tat zur Seite steht.

Er liebt Paris… Autor Hanns-Josef Ortheil (Foto: Peter von Felbert)

Genaueres zur Handlung des Romans – nicht zuletzt auch eine Hommage an Ortheils Heimatstadt Köln (und an Venedig und an die durch die beiden Dome verkörperte Kultur) – sei hier nicht verraten. Beim ersten Lesen mag einem das Buch fast ein bisschen zahm und altmodisch erscheinen. Aber vielleicht will Ortheil, dass man aufmerksam auch zwischen den Zeilen liest: Da entdeckt man dann ein Plädoyer für Tugenden und Werte wie Achtsamkeit, Langsamkeit, für den intensiven Blick auf die Umgebung, die Bedeutung des Reisens und so weiter.

Und man findet einige aus früheren Werken bekannte Themen des Autors wieder: die Vaterbeziehung und die Bruder-Thematik. Ortheil selbst hat ja bekannt, dass er in Matteo fast ein „alter ego“, eine brüderliche Figur sieht. Wer noch mehr erfahren will: Hanns-Josef Ortheil liest in Erlangen auch aus diesem Roman.
Sehr anspruchsvoll geht es in „Paris, links der Seine“ zu, der zweiten Ortheil-Neuerscheinung des Herbstes. Hier machen sich die lebenslang geführten Kladden des Autors, mehrere Aufenthalte in Paris und sein sehr aufmerksames Betrachten bemerkbar.

Ortheil erkundet das Gebiet links der Seine abseits von Touristenströmen, findet stille Plätze und interessiert sich besonders für die Themen Literatur und Küche. Dabei folgt er nicht nur den Spuren von Ernest Hemingway und Roland Barthes – zwei Schriftsteller, die ihm viel bedeuten und auf seine schriftstellerische Arbeit Einfluss hatten – und anderer nicht nur berühmter Poeten, sondern berichtet auch von Lokalen der Jazz- und Chanson-Szene.

Manche Details sind verblüffend: So soll Sartre angeblich im „Le Tabou“, ein Treffpunkt für junge Nachtschwärmer, gesungen haben … Dazu kommen – ähnlich früheren Büchern wie dem über Rom – eine Menge Tipps für Lokale unterschiedlichster Couleur: Ob nur ein kleiner Imbiss oder ein großes Menu, ein spezieller Drink oder eine große Weinprobe – Ortheil, der Feinschmecker, hat immer lohnende Vorschläge.
Dass er an besonderen Buchläden nicht vorbeigehen kann, erstaunt nicht. Eher, dass er sogar bedeutende Herrenausstatter besucht.

Mit all diesen Spaziergängen entsteht nicht nur für Paris-Kenner, die die Stadt einmal ganz anders erleben wollen, sondern besonders für Freunde französischer Literatur ein konzentrierter Reiseführer, der auch zuhause viel Neues entdecken lässt. Die atmosphärisch dichten und vielsagenden Fotos stammen übrigens von Ortheils Sohn Lukas.

Anja Weigmann

Hanns-Josef Ortheil: Der Typ ist da. Roman. Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten, 20 Euro.
Paris, links der Seine. Insel Verlag, 320 Seiten, 22 Euro.

Donnerwetter! Frank Witzels Roman „Direkt danach …“

Frank Witzels neuer Roman „Direkt danach und kurz davor“ ist ein großes Buch für kluge Leser.

Nach 100 Seiten wollte ich aussteigen aus der Lektüre dieses Buches, obwohl bis zum Ende noch 444 weitere drohten. Ich las Frank Witzels neuen Roman mit dem Titel „Direkt danach und kurz davor“.
Vor zwei Jahren hatte mich der Vorgänger „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ begeistert – Witzel bekam dafür den Deutschen Buchpreis. Im neuen Buch hing ich in einer Situation fest, in der ein gewisser Siebert aus einem Fenster auf die Straße schaute, von der aus eine gewisse Marga in seinem Rücken erschossen wurde.

Oder war Marga aus dem Fenster gesprungen? Es gab keine Erzählung der Situation, sondern nur eine Annäherung an die Situation aus Fragen und Reflektionen. In den Fragen wurde manchmal Zukunft angedeutet und war manchmal von Vergangenheit die Rede. Aber alles blieb aufgelöst, erstarrt – wie in ganz langsamer Zeitlupe.

Er mag es komplex: Autor Frank Witzel (Foto: Arne Dedert/dpa)

Ich wollte aussteigen, aber ich konnte nicht. Denn ich war schon wieder vom Sog der Sprache Witzels eingefangen. Es ist keine komplizierte Sprache. Sie ist einfach, prägnant, in dieser Prägnanz oft aphoristisch und in den Höhepunkten poetisch. Nicht die Sprache macht die Lektüre schwierig, sondern Witzels Überzeugung, dass die Welt zu komplex ist, um sie in einer geradlinigen Geschichte zu erzählen. Und damit hat er Recht, wenn man bedenkt, dass jeder von uns ein Körper aus Quantenschaum ist und ein Geist aus konstruierten Erinnerungen und unbewusst gefälschten Geschichten von sich selbst.

„Das Entsetzliche“, schreibt Frank Witzel, „ist das, was von der Erinnerung und der Erzählung gleichermaßen ausgeschlossen ist. Wir versuchen, dieses Ausgeschlossene durch ein geschlossenes Narrativ zu ersetzen, erreichen es selbst aber nie.“

Witzel philosophiert – an dieser Stelle ganz ernsthaft. An anderen Stellen gelingen ihm ironische und dennoch bedenkenswerte Philosophie-Parodien wie ein auf Wittgenstein anspielender „Tractatus Logico-Bufonicus“, der mit dem Satz beginnt „Wir sagen: Die Welt ist alles, was im Fall ist.“

Ja, man muss seinen Wittgenstein schon kennen, um hier mitzukommen. Man muss Ahnung haben von der
Literatur, der Malerei und manchen absurden Naturtheorien der Nazis, um Listen von fiktiven Büchern, Tafelbildern, Mythen zu genießen. „Direkt danach und kurz davor“ ist ein Roman für kluge Leser. Für die aber wird er Seite für Seite besser – und witziger.

Worum es geht? Um die Zeit direkt nach dem Dritten Reich und kurz vor dem Anbruch des Wirtschaftswunders. Es ist eine beklemmende Epoche, die Witzel atmosphärisch brillant rekonstruiert, eine Epoche der Ratlosigkeit, in der alte Verbrechen verschwiegen wurden und die Menschen sich an die Momente klammerten.

Es geht um brutale Experimente an Menschen, die „der alte Siebert“ vorgenommen hat, um Attentate, Zugunglücke, den Absturz eines Flugzeugs – alles in Möglichkeitsform. Es geht um Kinder und wie sie erzogen wurden. Es geht um Erziehungsgrotesken und um Farcen von Schicksalen. Es geht um die Vergangenheit, die in die Gegenwart mit ihren Handys und Fernbedienungen hineinragt. Es geht um die „Weltmechanik“, die alles in Bewegung hält. Und es geht um die Vielfalt von Erzähl-Facetten wie in einem barocken Schelmenroman.

Das Buch kann kein Kritiker kritisieren, weil ihm der Autor dauernd seine Werkzeuge der Interpretation und des Zweifels aus der Hand nimmt. Vielleicht kann man eine Annäherung so versuchen wie im Deutschlandfunk, in dem sich drei Kritiker zwei Stunden lang mit dem Schriftsteller unterhalten haben.

Das war jene Suche nach dem „Unschlüssigen“, die Witzel fordert und für die er uns sogar ein Sinnversprechen macht: „Wahrscheinlich geht es allein darum, das Zufällige, in das man hineingeboren wird, und das ebenso Zufällige, das man daraus macht, anzunehmen.“ Romane wie „Direkt danach und kurz davor“ helfen dabei. Der Leser darf nur nicht aussteigen.

Herbert Heinzelmann

Frank Witzel: Direkt danach und kurz davor. Roman. Matthes & Seitz, 544 S., 25 Euro.

Daniel Kehlmanns großer neuer Roman „Tyll“

Auf den Spuren des Simplicissimus: Hat Daniel Kehlmann mit „Tyll“, soeben erschienen, sein bestes Buch geschrieben? Die ersten Lobeshymnen legen es nahe. Selbst einem bluttriefenden Thema wie dem Dreißigjährigen Krieg gewinnt der deutsche Erfolgsautor jedenfalls auch bewusst unterhaltsame Aspekte ab. Ein historischer Roman als zeitloses Schreckensbild – und große Gaukelei.

Daniel Kehlmann auf der Frankfurter Buchmesse (Foto: Dedert, dpa)

Selbst Shakespeare tritt hier auf: sehr charmant. Gerade hat er am englischen Königshof sein neuestes Stück „Hamlet“ aufführen dürfen, nun bedenkt er die kunstsinnige KönigstochterElizabeth – vom Theater ganz allgemein, von ihm ganz besonders angetan – mit einem untertänigsten Handkuss. Ach, wären alle Künstler doch so angenehm! Tyll, ihr Narr und Unterhalter, wird ihr die Wahrheit ganz anders servieren – knallhart ins Gesicht, auf Augenhöhe, ohne geringsten Respekt. Aber dafür, wie er selbst umgehend einwenden würde, wird er ja bezahlt!

Tyll, das ist der mehr oder weniger verbürgte Till Eulenspiegel oder eben Tyll Ulenspiegel, den sich Daniel Kehlmann als seinen jüngsten Romanhelden auserkoren hat. Wie man es von einem ironisch geprägten Erzähler wie Kehlmann erwarten konnte, aber nicht als blanke Biografie des mittelalterlichen Spaßvogels und Bürgerschrecks oder als süffiger Historienschmöker à la Sabine Weigand, Iny Lorentz oder Ken Follett, sondern als kühnes literarisches Spiel.

Nicht nur, dass dieser „Tyll“ seiner eigentlichen Epoche entrissen wird und, gewissermaßen als zeitlos brauchbarer Mythos, aus dem 14. flugs ins 17. Jahrhundert versetzt wird, er ist – genau genommen – nicht mal die Hauptfigur im hier aufgespannten Panorama. Kehlmann, dieser rebellierende Musterschüler, nutzt ihn als eine Art narrative Staffel, die er von Episode zu Episode reicht, um die Lebens- und Sterbewelt des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) in allen möglichen Facetten zu beleuchten.

Wie raffiniert und spannend er dies macht, zeigt bereits das erste der insgesamt acht Kapitel, aus denen „Tyll“ besteht. Da tritt der Artist auf seinem Hochseil in einem kleinen Bauerndorf auf, das bislang von den Verheerungen des Krieges verschont blieb. Das Chaos freilich, das Tyll Ulenspiegel auslöst, als er alle Zuschauer dazu auffordert, doch ihre rechten Schuhe nach ihm zu werfen (die sie dann natürlich wiederhaben wollen), ist wie ein Vorzeichen jener Vernichtung, der hier am Ende keiner entgehen wird. Das Kapitel wird erzählt als Rückblende – es sprechen die Toten selbst, ein Chor der namenlosen Opfer.

Tyll, dieser Schelm, ist dabei nicht nur ein Spiegel der jeweiligen gesellschaftlichen Situation, er ist auch eine dämonische Figur. Mager, hohlwangig, uniformiert mit Lederkappe und Wams: ein früher Horrorclown, der gnadenlos böse die Mächtigen wie die einfachen Massen reizt und herausfordert. Am Nächsten kommt man ihm wohl als Kind: Sohn eines einfachen Müllers, der dennoch von Wissen und Weisheit träumt und sowohl sich wie anderen mit seinen heilerischen Kenntnissen (und hier und da dem passenden Zauberspruch) weiterhilft.

Das wird ihn leider den Kopf kosten. Zwei Jesuiten bringen den alten Ulenspiegel als „Hexer“ an den Galgen, hemmungslos folternd und selbst den kleinen Tyll zu belastenden Aussagen gegen den Vater zwingend. Der spätere Gelehrte Athanasius Kircher ist einer von ihnen – und wird von Kehlmann als wahrlich teuflische Figur, die auch noch mehrfach auftaucht, gezeichnet.

Mehr noch freilich ist es der Moloch der scheinbar religiös motivierten, letztlich aber als reines Hauen und Stechen, Rauben und Morden endenden Kriegsmanöver, der – egal von welcher Seite – die deutschen Lande blutrünstig verschlingt. Abgeholzte Wälder, verbrannte Erde, ein Heer von Krüppeln und Berge von Leichen: Kehlmann führt den Leser aufs Kriegsfeld und in die Krankenlager. Hunger, Leid und Gestank überall.

Was bedrückend wäre, wenn er – wie in seinem umwerfenden Durchbruchsroman „Die Vermessung der Welt“ (2005) – nicht auch feinere, fröhlichere Saiten anschlagen würde. Eben mit jener Elizabeth, der Enkelin von Maria Stuart, die mit dem pfälzischen Kurfürsten Friedrich verheiratet wird. Als „Winterkönig“, den sich die Böhmen gegen den Kaiser wählen, ging er, glücklos und verspottet, in die Geschichte ein. Nach seinem frühen Tod wird sie, eine herzerwärmende, kluge Frau, mit allen Mitteln um die verlorene monarchische Würde kämpfen. Und Kehlmann scheint ganz bei ihr.

Natürlich ist er als Autor selbst ein Narr und Eulenspiegel: ein luftiger Artist, der elegant und leichthändig mit Geschichten, Zeiten, Menschentypen jongliert. Keck entzieht er sich der Festlegung, spielt mit der Wahrheit, streckt jedem, der es genau wissen will, die Zunge heraus – und ein bisschen Magie ist auch mit dabei. Einen historischen Roman mag man „Tyll“ also kaum nennen. Die Kapitel sind stilistisch wie bunte Bälle, jeder anders, gegen die Chronologie in die Höhe geworfen. Fange sie auf, wer kann.

Wolf Ebersberger

Daniel Kehlmann: Tyll. Roman. Rowohlt, 474 Seiten, 22,95 Euro.

Frankreich von unten: Virginie Despentes

Wie sexy ist der Absturz? Die Französin Virginie Despentes, als Romanautorin eine Art weibliche Ausgabe von Michel Houellebecq, folgt in „Das Leben des Vernon Subutex“ einem gescheiterten Plattenverkäufer beim Couchsurfing durch die französische Gesellschaft.

Virginie Despentes (Foto: Hidalgo,dpa)

Bist du über 40, heißt es im Buch, gleicht die Welt einer bombardierten Stadt. Paris duldet dich nur noch als Eigentümerkind. Wenige Orte, wo du im Warmen sein kannst, ohne zu zahlen.
Vernon Subutex steht vor den Trümmern seiner Existenz. „Er hatte seinen Platz, den des Plattenverkäufers. Weniger angesehen, als der des Gitarristen, aber in der Hierarchie immer noch über der des letzten Deppen. Er brach Mädchenherzen.“ Doch der Niedergang der Musikindustrie riss ihn mit.

Und jetzt? Ist der, der zuletzt seine Miete bezahlte, tot. Sein Gönner hieß Alex Bleach, Typ Gainsbourg für Junge. Bandkumpel von früher, der dann richtig Erfolg einfuhr – bevor er sich in einer lausigen Hotelzimmerbadewanne das Leben nahm.

Vernon Subutex – den Vornamen hat die Autorin beim Schriftsteller Boris Vian, den Nachnamen bei einem Schmerzmittel für Junkies entlehnt – hinterließ Bleach im Drogenrausch immerhin ein Vermächtnis: die Aufzeichnung seiner Lebensbeichte.

Manch einer in Paris, den das brennend interessiert. Aus welchen Motiven auch immer. Während Subutex’ Kraft dafür draufgeht, einen Platz zum Schlafen zu finden – wofür er via Facebook alte Szenegeschöpfe kontaktiert, die alle irgendwie gefallene Engel und Teufel aus der Musik-, Porno-, Drogen- oder Familienhölle sind –, starten Bleachs Erbschleicher bereits die Jagd auf die kostbaren Kassetten in seinem Besitz . . .

Die Schrifstellerin Virginie Despentes, Jahrgang 1969, ist selbst ein gebranntes Kind. Wie ihre Protagonisten geprägt von der Ära Kurt Cobain, Zeugin einer Zeit, in der „Musikhören noch etwas Sinnstiftendes war“, probierte sie es im richtigen Leben erst als Plattenverkäuferin. Brauchte dann Geld und verkaufte ihren Körper. Sie weiß, wovon sie schreibt, wenn im Roman Porneusen wie Pamela oder Votka Satana aufkreuzen.

Despentes entwirft sie mit anrührender Empathie. Überdies wäre es wohl leicht gewesen, auch die anderen Exzentriker, Täter und Opfer aus Subutex’ Kosmos zu karikieren. Den rechtslastigen Drehbuchautor. Die fett gewordene Ex-Gitarristin. Die verlassene Wohlstandsgattin. Oder Marcia, die transsexuelle Brasilianerin, die früher ein Junge war.

Despentes wählt einen respektablen Weg der Worte. Ihre Sprache ist energisch und klar. Der Roman kommt Tauchgängen in Gehirnströme von Menschen gleich, die sich irgendwie irgendwo wiedergefunden haben. Wütend. Sehnsuchtsvoll. Schicksalsergeben. Eine der soghaftesten Sequenzen dieses Buchs schildert die Euphorie einer Partynacht auf Drogen. Subutex hat als DJ einen letzten, ungeahnten Höhenflug.

Dass sie schreiben kann, hat die Autorin schon bewiesen, ihr Debüt „Baise moi – Fick mich“ hat sie selbst erfolgreich verfilmt. In „Apocalypse Baby“ brachte sie 2010 ihre Vergewaltigung als junge Frau zu Papier.

Subutex hat halbherzigen Sex mit Gefährtinnen, die ihm Obdach geben. Eine Frau, die sich Hyäne nennt, hat sich auf das Zerstören von Karrieren im Internet spezialisiert. Auch sie nimmt Witterung auf. Es gibt Berührungspunkte zwischen den Protagonisten. Schmerzhafte. Die Tochter trägt Kopftuch, seit sie die Pornovergangenheit der Mutter erfuhr. Ein H&M-Verkäufer, hasserfüllt bis in die rasierten Haarwurzeln, geht auf Obdachlose los. Solche wie Olga. Die – Körpergröße XXL – Subutex mit Bettlertricks aushilft, als dieser schon „besoffen“ ist vom „Vorbeimarsch der Ärsche“ auf seinem Stück Gehweg. Die Kälte ertragen: ein Vollzeitjob.

Noch eine Frage: Was wäre von Patrice, dem Gewalttätigen, dessen Familie weg ist, noch übrig in der sozialen Schicht „der Fußabtreter, der Pissbecken“ – ohne die Wut? Wenigstens seine Faust hat „die Wucht einer gottverdammten Vollzeitstelle“. Dass Patrice Rocker wie Subutex beneidet, „die es schaffen, direkt bei der Senilität zu landen, ohne über das Feld des Erwachsenseins zu gehen“, gesteht er sich ein.

Aber was weiß er? Was wissen wir? Despentes vermittelt eine packende Ahnung.

Christian Mückl

Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex. Kiepenheuer & Witsch, 400 Seiten, 22 Euro.

Ganz anders: Jami Attenbergs „Ehemänner“

Manche Sätze wirken wie das Schrillen eines Weckers am frühen Morgen. Dieser zum Beispiel: „Ich warte auf den Tod meines Mannes, sechs Jahre schon.“

Jami Attenberg (Foto: Zack Smith)

So beginnt der neue Roman „Ehemänner“ von Jami Attenberg. Doch keine Sorge, es handelt sich nicht um eine Abhandlung über einen Beziehungskrieg. Ganz im Gegenteil. Es geht vor allem um Liebe, Trauer, Verlust und Neubeginn.

Jarvis Miller ist ein sensibles Wesen. Seit ihr Mann Martin im Koma liegt, hat sie aus Kummer und Verzweiflung aufgehört, am Leben teilzunehmen. Am liebsten würde sie im Bett liegen bleiben und sich die Decke über den Kopf ziehen, bis ihr Mann wieder aufwacht und einfach der alte ist. Aber das wird er niemals wieder sein.

Martin und Jarvis sind in New York zu Hause, er ist ein viel beachteter Künstler, sie die Frau an seiner Seite, die ihn anhimmelt und deren Schutzbedürftigkeit seinem Ego gut tut. Die beiden sind jung, glücklich und auf Partys immer gerne gesehen.

Eines Tages stürzt Martin bei der Arbeit – er ist Künstler – von einer Leiter, verletzt sich schwer am Kopf und taucht ins Nirgendwo ab. Betreut wird er von nun an in einem Heim, seine Frau besucht ihn regelmäßig. Bis sie nicht mehr kann. Jarvis wird mehr und mehr bewusst, dass sie in einem Totenreich lebt, aus dem sie ausbrechen muss. Dabei helfen ihr Begegnungen in einem Waschsalon – mit anderen Ehemännern.

Die US-amerikanische Schriftstellerin Jami Attenberg, Jahrgang 1971, ist eine Spezialistin für Menschen, die unsanft aus ihrem Alltag gerissen werden. In ihrem neuen Roman lässt sie nicht nur Jarvis’ Welt aus den Fugen geraten. Alle, mit denen die junge Frau zu tun hat, werden am Ende der Geschichte nicht mehr die selben sein . . .

Jarvis selbst steht schließlich vor der wohl wichtigsten Entscheidung ihres Lebens – und sie trifft die richtige.

Gabi Eisenack

Jami Attenberg: Ehemänner. Roman. Aus dem Englischen von Barbara Christ. Schöffling & Co, 328 Seiten, 24 Euro.

Krimi ganz innen: „Offshore“ von Petros Markaris

Seine Fans wissen es längst: Wenn Petros Markaris liest (und mehr noch erzählt), geht es jedes Mal lustig zu. Im Nürnberger Literaturhaus stellte der beliebte Grieche seinen neuen Krimi „Offshore“ vor.

Autor Petros Markaris vor der Akropolis in Athen. (FOTO: Regine Mosimann/Diogenes Verlag)

Es könnte alles so schön sein! Die bis ins Existenzielle reichende Krise scheint – nach sechs mageren Jahren – endlich überwunden. Das Land atmet auf, hat wieder Geld, in Athen macht sich der Aufschwung allerorten bemerkbar: Die Griechen gehen wieder italienisch essen!

Sogar die ausgewanderten Reeder kehren einer nach dem andern zurück in die Heimat – eine Geste mit großem symbolischen Wert. Warum also kann sich Kommissar Kostas Charitos nicht so richtig freuen – und das trotz angekündigter Gehaltserhöhung?

Nun ja, selbst der unbedingt an das Gute im Menschen glaubende Held von Petros Markaris muss erkennen, dass irgendetwas faul ist an der neuen, patriotisch geradezu verordneten Harmonie. In seinem neuen Fall „Offshore“ wird er mit Opfern konfrontiert, die keine andere Deutung zulassen. Zuerst wird ein hoher Mitarbeiter der Tourismusbehörde erschossen, der für die lukrative Vergabe von Yachtplätzen zuständig war. Die Täter, zwei Flüchtlinge, sind schnell gefasst. Zu schnell, meint der Kommissar, der das Ganze für eine knallharte Hinrichtung hält.

Und warum drängt der neue Vizepolizeipräsident – ohnehin ein lästiger Amtsschimmel – ständig darauf, keine weiteren Ermittlungen zu führen? Was soll vertuscht werden, welcher Hintermann geschützt? Eine Mauer des Schweigens, gegen die Charitis – immerhin kulinarisch gestärkt von Ehefrau Adriani – gewohnt hartnäckig angeht.

Die nötige Spannung entsteht hier ganz innen: in seinem Gewissen.

Wolf Ebersberger

Petros Markaris: Offshore. Diogenes, 24 Euro.

Schon lustig: Sven Regeners Roman „Wiener Straße“

Kunst konnte schon mal passieren: Sven Regener zieht in seinem Roman „Wiener Straße“ erneut die Kreuzberger Szene der 80er Jahre durch den Kakao.

In der Hauptrolle erst mal: eine Kettensäge. Ihr neuer Besitzer ist Aktionskünstler, nennt sich H. R. Ledigt und wurde von den anderen dummerweise im Baumarkt vergessen. Weshalb er mit dem Waldarbeiterwerkzeug in der einen und einer dazu passend oder unpassend erstandenen Grabgabel in der anderen Hand nicht eben unauffällig durch Kreuzberg stapft.

Schriftsteller Sven Regener (Foto: Frank May, dpa)

Die anderen, die ihn im Baumarkt vergessen haben, das sind die von der „Idiotenwohnung“. Zumindest ihr Vermieter Erwin Kächele nennt sie so. Der auch Wirt vom „Cafe Einfall“ ist. Und Nachbar der „ArschArtgalerie“. Wo Vögel wie P. Immel und Künstlerkollektive wie Dr. Votz ihrer meist spontanen Bestimmung nachgehen. „Kunst ist, wenn einer sagt, dass es Kunst ist. Im Zweifel ich. Und dann muss ich noch mindestens einen finden, der mir das glaubt. Dann ist es Kunst.“

Sven Regeners neuer Roman „Wiener Straße“ knüpft findig dort an, wo seine erfolgreiche „Herr Lehmann“-Trilogie aufgehört hat. Es sind immer noch die 80er Jahre. „Die Zeit des Siegeszugs der zusätzlich hinter der Rückscheibe angebrachten Bremslichter, die die Berliner Nächte seit kurzem zu einer Orgie rot funkelnder Lichtspiele machten“, wie Regener ebenso geschichtsbeflissen wie großstadtidyllisch schreibt.

Vor allem aber sind die 80er Jahre die Zeit, in der viele, die sich im Westen missverstanden, im Elternhaus eingeengt oder sonst irgendwie wie Quallen durch den Tag treibend fühlten, alsbald in Berlin zu finden waren. Regener weiß sehr genau, wovon er schreibt. Bevor er mit seinem Herrn Lehmann Bestsellerautor wurde und Sänger der Band Element of Crime, hat er die Milieus ja mit Haut und Haar selbst durchlebt.

Deutsche Komödie kann er, dieser Autor, und Pointen setzen auch. Für „Wiener Straße“ als wieder filmreif geschriebenes Buch, das als leichte Lektüre rüberkommt, spricht die Nase des Autors für Allzumenschliches und ein ausgeprägtes Sprach- und Humorgefühl.

Was heute als Freakshow oder Satire für Lacher sorgt, war ja damals tatsächlich Wirklichkeit: Da sind Typen, die sich lieber „Gunnar“ nannten oder „Kacki“, um ihre Herkunft aus Österreich und den Vornamen Karl Maria zu übertünchen. Da sind die – wie auch immer – falschen Punks und die richtigen, Hauptsache im passenden Augenblick in Szene gesetzt, wenn die Fernsehkamera filmt. Und da tauchen die doch wieder sehr autoritären oder kleinbürgerlichen Strukturen selbst beim Kuchenverkauf im alternativen Café Einfall oder bei der Sitzung der „ArschArtgalerie“ auf.

Als Kerstin anreist, die Schwester von Einfall-Wirt Erwin aus dem Schwäbischen („Guts Nächtle“), um nach ihrer in der Kreuzberger Szene wahrscheinlich süß und doof dahintreibenden Tochter Chrissie zu sehen, stellt sie so zeitgeistgeprägt wie halbwegs lebenserfahren fest, die Kreuzberger Szene sei wie „Kinderladen“ – „nur einfacher“.

Regener streut Running Gags in die Handlung wie ein Hühnerzüchter Futter in den Stall. Wirt Erwin bekommt im „Heilehaus“ einen Mitfühlbauch umgeschnallt, weil seine Helga schwanger ist. Ein Kontaktbereichsbeamter (KOB) wachtmeistert durch den Roman, weil H. R. Ledigt einen Baum der Stadt Berlin unerlaubt umgesägt und ausgestellt hat. Und dann ist da noch die Sache mit dem „Chateau Strunzinger“, weil man auf Vernissagen doch zwangsläufig Wein serviert. Auch als Biertrinker . . .

Kein Kater jedenfalls nach der Lektüre. Aber leider auch kein irgendwie großartiger Nachgeschmack.

Christian Mückl

Sven Regener: Wiener Straße. Galiani, 304 Seiten, 22 Euro.
Der Autor liest am 24. November im Nürnberger Z-Bau.

Geschichten aus dem Westerwald: Mariana Leky

Ein Okapi im Westerwald? Nun ja, nicht wirklich. Wobei es aber geradezu eine Spezialität von Mariana Leky ist, die unterschiedlichsten Dinge zusammenzubringen.

Mariana Leky (Foto: Franziska Hauser)

In ihrem vergnüglichen neuen Roman „Was man von hier aus sehen kann“ reicht es auch schon, von einem Okapi zu träumen. Dann weiß die alte Selma: Innerhalb eines Tages wird einer im kleinen Dorf sterben müssen. So war es zumindest die letzten drei Male, als ihr im Traum das exotische Tier erschien. Wer da also nicht schon gespannt zu lesen beginnt. . .

Und selbst den eher unangenehmen Figuren wie der „traurigen Marlies“ (die eher trotzig als traurig ist) oder Problemfall Palm (in dem ja doch ein treuer Christ steckt) mag man den Tod nicht wünschen! Leky hat – wie John Irving als Vorbild – ein wunderbares Talent für Menschen mit Tics und Marotten, mit besonderen Gaben und bizarren Ritualen, die doch alle im Alltagsleben gründen. Man muss sie einfach gernhaben.

Allen voran Luise, ihre Hauptfigur und zunächst kindliche Erzählerin – die nur eine Lüge zu sagen braucht, schon fällt in ihrer Umgebung irgendwas herab. Mitte der 80er Jahre, wenn der märchenhafte Familienroman anhebt, ist sie zehn – und die beste Freundin des bereits alle Posen eines Gewichthebers beherrschenden Martin.

Der Vater (Arzt) und die Mutter (Blumenhändlerin) sind so gut wie abwesend, was gar nichts macht. Selma – die übrigens aussieht wie Rudi Carrell – in ihrem schiefen Häuschen und der Dorf-Optiker, der sie heimlich begehrt, haben längst die Erziehung der Kinder übernommen. Herz und Verstand, Empathie und Eigensinn werden gleichermaßen gebildet.

In Gestalt eines Jünglings, der sich in ein japanisches Kloster geflüchtet hat, kommt dann doch die weite Welt in die Provinz. Mit ihr die erste große Liebe für Luise: Hoffen, Bangen – und Warten. Denn sind die beiden wirklich für einander bestimmt?

So schlicht wie raffiniert, ironisch wie innig erzählt Leky vom Großen im Kleinen und vom Fernen im Nahen. Herzerwärmend.

Wolf Ebersberger

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann. Roman. Dumont, 315 Seiten, 20 Euro.