Nur Statisten: Jonas Jonassons „Mörder Anders“

Es war zu erwarten: Jonas Jonasson schrieb sich auch mit seinem neuen Roman nach ganz oben. Mit Recht?

Allmählich nutzt sich das Prinzip ab. Mit seinem „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und
verschwand“ wurde der schwedische Journalist Jonas Jonasson berühmt. Sein Erstlingswerk entwickelte sich ruckzuck zum Renner und besetzte auch in Deutschland über Monate hinweg den ersten Platz der Bestsellerlisten. Sein zweites Buch „Die Analphabetin, die rechnen konnte“, hatte ebenfalls noch einen hohen Unterhaltungswert. Enorm Abwegiges mit lässiger Selbstverständlichkeit zu erzählen, gehört zu Jonassons Spezialgebiet.

Jonasson_JMoerder_Anders__162221 Doch sein jüngster Roman „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem ein oder anderen Feind“, der auch schon ganz oben auf der Verkaufsschlager-Liste steht, liest sich eher wie ein fader Abklatsch seiner Vorgänger. Der Text wirkt, als hätte sich Jonasson nicht viel Zeit zum Schreiben genommen, als spule er ein lange eingeübtes Ritual ab.

Wieder finden sich hier Außenseiter zusammen, um schließlich ein abstruses Geschehen in Gang zu setzen: Da ist Per Persson, der Rezeptionist, der sich vom Leben betrogen fühlt, weil sein Großvater das gesamte Familienvermögen verschleudert hat und er selbst nun das Management in einem Bordell übernehmen musste. Zu ihm gesellt sich die verwahrloste Pfarrerin Johanna Kjellander, die nicht an Gott glaubt und ihre Anstellung verloren hat. Der Dritte im Bunde trägt den Spitznamen Mörder-Anders, hat drei Menschen aus dem Leben befördert und ist nach wie vor gefährlich.

Bis er schließlich mit unfreiwilliger Hilfe der Pastorin Tugend und Nächstenliebe für sich entdeckt. Was seine Geschäftspartner Per und Johanna nicht sonderlich erfreut. Immerhin lässt sich mit Anders’ Aggressivität gutes Geld verdienen: „Sie hatte aus Versehen Mörder-Anders mit Jesus bekannt gemacht, und Jesus wiederum hatte Mörder-Anders dazu bewegt, sowohl dem Alkohol als auch der Auftrags-Körperverletzung abzuschwören.“

Jonas Jonasson ist ein routinierter Schreiber mit einer blühenden Fantasie. Doch auch er ist nicht davor gefeit, Langeweile zu verbreiten. Irgendwann um Seite Hundert herum plätschert das Geschehen noch immer vor sich hin und es drängt sich die Frage auf, ob das denn nun noch bis zur letzten Seite so weiter geht.

Leider ist das der Fall. Das Hauptpersonal hat nicht den Charme des „Hundertjährigen“ oder der „Analphabetin“. Es bleibt blass und eindimensional – als fülle es nur Statistenrollen in einer allzu kauzig konstruierten Handlung aus.

Gabi Eisenack

Jonas Jonasson: Mörder Anders und seine Freunde nebst dem ein oder anderen Feind. Carl’s Books, 352 S., 19,99 Euro.