Hermann Glasers „Buchfranken“: Geburtstag im Gefängnis

Die Reihe „Buchfranken“ bringt die letzten drei Bände heraus, die Hermann Glaser betreut hat. Eines der Themen: die erste deutsche Eisenbahn.

Hermann Glaser im Garten seines Hauses im mittelfränkischen Roßtal (Foto: Johnston, dpa)

Sein Tod im vergangenen Jahr bedeutet einen herben Verlust für die hiesige Intellektuellen-Welt. Zum Glück erscheinen selbst posthum noch Texte von Hermann Glaser, dem einstigen Kulturreferenten der Stadt Nürnberg und weit über deren Grenzen hinaus bekannten Publizisten und Vordenker. Er konnte, ungeachtet seines hohen Alters, bis zuletzt nicht vom Schreiben lassen.

In der Reihe „Buchfranken“, die Glaser zusammen mit dem Schrenk-Verlag ins Leben gerufen hat, kam vor kurzem Band 18 heraus: „Geburtstag bei Mörderinnen“, eine Sammlung von Erfahrungen, die Glaser bei seinen Reisen rund um den Globus gemacht hat. Der Titel bezieht sich auf einen sehr speziellen Geburtstag des Autors, den er im Gefängnis verbracht hat – eben bei Mörderinnen.

Und auch die nächsten zwei Bände von „Buchfranken“ sind nun auf dem Markt. „1000 Tageszeichnungen“ heißt Nummer 19 mit einer Auswahl aus 2900 zeichnerischen Notizen von Fridhelm Klein aus den Jahren 2009 bis 2017. Der 1938 in Berlin geborene Künstler und Pädagoge, der an der Akademie der Bildenden Künste München sowohl studierte als auch lehrte und in Nürnberg ebenfalls aktiv war, zückte immer und überall sein Zeichenwerkzeug – und das jahrzehntelang, wie ein Besessener.

Den Titel des Buches erklärt er selbst folgendermaßen: „Tageszeichnungen heißt, im Alltag zu jeder freien Minute und ohne Rücksicht auf Verluste anderer Zeitzirkel den Zeichenstift, hier Kugelschreiber, zur Hand zu nehmen, um unablässig Zeichenspuren aus der Hand fließen zu lassen.“

Einem ganz anderen Sujet widmet sich „Buchfranken“-Band 20, „Marx Meets Wilson. Der Philosoph und der Lokomotivführer der ersten deutschen Eisenbahn“. Das Buch enthält Beiträge von Regine und Jürgen Franzke, Hermann Glaser, Hendrik Bebber und Johann Schrenk, ergänzt durch Betrachtungen von Karl Marx und Friedrich Engels, dazu sogar Johann Wolfgang von Goethe.

Die Texte changieren zwischen Wirklichkeit und Fantasie. Um die Tatsachen kümmert sich hauptsächlich Jürgen Franzke, der frühere Leiter des Nürnberger Verkehrsmuseums. Als versierter Kenner arbeitet er die Historie der Ludwigs-Bahn zwischen Nürnberg und Fürth sowie der berühmten „Adler“-Lokomotive auf, inklusive der Geschichte von William Wilson, dem ersten deutschen Lokführer, der eigentlich Engländer war.

Hendrik Bebber, London-Korrespondent verschiedener Tageszeitungen, befasst sich mit der seltsamen (Brief-)Freundschaft zwischen Karl Marx und William Wilson, um die sich einige Gerüchte ranken. Ein Spiel mit „Facts und Fakes“, formuliert Glaser dazu im Vorwort. Und der große deutsche Dichterfürst wird in dem Band auch kurz zitiert, mit seinem berühmten Werk „Dichtung und Wahrheit“. Jede Zeit hat eben ihre eigene Sprache . . .

Ute Wolf