Die Braut, die sich traut: Ronit Matalons letzter Roman

Die israelische Autorin Ronit Matalon (Foto: Luchterhand)


Dieses Buch macht traurig, bevor man auch nur die erste Zeile gelesen hat. Die israelische Schriftstellerin Ronit Matalon ist am Tag vor ihrem Tod im Dezember 2017 noch mit einem Preis für ihr Werk „Und die Braut schloss die Tür“ ausgezeichnet worden.
Sie konnte bei der Verleihung nicht mehr dabei sein. Ihre Tochter vertrat sie und trug die Dankesrede vor. Darin ließ Ronit Matalon dem Publikum folgendes ausrichten: „Abwesenheit ist manchmal genauso bedeutsam wie Anwesenheit.“
Mit diesen Worten hat sie im Grunde auch die Kernaussage ihres letzten kleinen Romans auf den Punkt gebracht. Es geht um die Abwesenheit einer Braut. Kurz vor der Hochzeit sperrt sich Margi im Schlafzimmer ihrer Eltern ein. Sie will nicht heiraten und weigert sich, den Raum zu verlassen. Keiner versteht warum, denn Margi schweigt eisern. Vor der Tür versammeln sich derweil der Bräutigam und eine Schar Familienangehöriger in Aufregung.
Ronit Matalons Geschichte hat etwas Klaustrophobisches. Die Szenerie vermittelt Enge und Bedrängnis. Die Braut will ihre Ruhe, die Menschen vor der Tür wollen, dass sie ihre Rolle wie geplant spielt. Sie schwanken emotional zwischen Ungeduld, Gereiztheit und Sorge.
Dieses Klein-Drama ist wirkungsvoll inszeniert. Es bringt Verdrängtes und Vergessenes zutage, und führt bisweilen zu skurrilen Reaktionen: Da wird zum Beispiel eine Psychiaterin bestellt, Expertin für „bereuende Bräute“. Aber auch sie, immerhin teuer für ihren Einsatz bezahlt, kann nichts ausrichten.
Ronit Matalon ist 1959 als Kind ägyptisch-jüdischer Einwanderer in Israel geboren. Bevor sie Schriftstellerin wurde, arbeitete sie für die Tageszeitung „Haaretz“. Im Jahr 2000 hat sie ihren Debütroman „Sara, Sara“ veröffentlicht. Eine Geschichte, die für einiges Aufsehen sorgte. Sie handelt von Liebe und Freundschaft vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts: auch ein Vermächtnis Matalons, das es Wert ist, gelesen zu werden.


Gabi Eisenack


Ronit Matalon: Und die Braut schloss die Tür. Roman. Luchterhand, 160 Seiten, 18 Euro.