Lesetipps zu Jane Austen

Jane Austen auf Deutsch – gar nicht so leicht! Hier unsere Lese-Tipps zum Jubiläum.

Einer, der im deutschen Sprachraum sehr viel für Jane Austen getan hat, ist der Germanist Christian Grawe, Jahrgang 1935. Seit den 80er Jahren hat er mit seiner Frau Ursula das komplette Werk Austens übersetzt, das nun – in einheitlich floraler Aufmachung – von Reclam neu aufgelegt wird: die sechs Romane, das Frühwerk und die Briefe.

Empfehlenswert ist auch Grawes Biografie „Darling Jane“ (9,95 Euro), dazu gibt es von ihm einen Führer durch „Jane Austens Romane“ (12,95 Euro), die überaus kompakte Einführung „Jane Austen – 100 Seiten“ (10 Euro) und – für alle Zeiten – einen „Jane Austen Kalender“ mit täglichen Zitaten (15 Euro).

Umwerfend bunt sind die neuen Cover, mit denen der Insel Verlag seine Jane-Austen-Taschenbücher geschmückt hat: romantische Frauenporträts, gestaltet von der tollen Grafikerin Kat Menschik (Bild). Auch hier gibt es ein kleines Zitate-Bändchen als erste Lockung: „Witziges und Weises, Geniales und Gemeines von Jane Austen“ (Insel, 8 Euro).

Frisch übersetzt – und in beiden Fällen mit dem nötigen Gespür für die feine Ironie der Autorin – liegen zwei der großen Romane vor: Einmal „Vernunft und Gefühl“, im Original „Sense and Sensibility“, nun von Andrea Ott dezent aufpoliert (Manesse Verlag, 26,95 Euro), dann der oft etwas vernachlässigte „Mansfield Park“ (S. Fischer Verlag, 22 Euro). Manfred Allié und seine Frau Gabriele haben ihn sich im Rahmen ihrer Austen-Übertragungen vorgenommen.

Vergnüglich und doch durchaus hilfreich in seinen vielen kurzen Erklärungen ist Holly Ivins’ Lese-Ratgeber „Jane Austen – Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt“ (DVA, 14,99 Euro). Eines der schönsten Bücher über die Autorin und ihre Lebensstätten bleibt Kim Wilsons „Auf den Spuren von Jane Austen“, ein Band, der – reich bebildert – bereits vor zwei Jahren erschien (Knesebeck, 29,95 Euro).

Wolf Ebersberger

Jane Austen zum 200. Todestag

Populär wie nie zuvor wirkt das Werk der englischen Schriftstellerin Jane Austen (1775–1817). Am 18. Juli vor 200 Jahren ist sie, erst 41 und so gut wie unbekannt, gestorben. Noch immer gibt ihr kurzes Leben Rätsel auf – und reizen ihre Romane zu neuen Interpretationen.

Der Schauspieler – und Mädchenschwarm – Colin Firth kommt zu einer ebenso
einfachen wie durchaus nachvollziehbaren Bilanz: „Es gibt drei Frauen in meinem Leben: meine Mutter, meine Frau und Jane Austen.“

Der neue Schein mit Jane Austen. Foto: dpa

Das kann man nun literarisch deuten – oder vielleicht auch ganz allgemein. War es doch eine BBC-Verfilmung von Austens „Pride and Prejudice“, die Firth als Schauspieler Mitte der 90er Jahre in England berühmt machte: nicht zuletzt durch eine Szene, in der er als von allen begehrter Mr. Darcy mit klatschnassem, folglich am Leib klebendem Hemd aus einem Teich stieg.

Klatschnass?! Selbst texttreue Austen-Leserinnen dürften jedoch wohl kaum gegen die etwas freie Auslegung der Vorlage protestiert haben . . .

So wie das Hemd vom Leib lässt sich inzwischen kaum mehr trennen, wodurch Jane Austen in den letzten Jahrzehnten so überaus beliebt geworden ist: ihre immer wieder neu herausgegebenen, mal mehr, mal weniger romantisch aufgemachten Romane um junge Frauen auf Gattensuche oder die – an die gleiche Zielgruppe gerichteten – höchst erfolgreichen TV- und Kinoversionen, meist aus guter englischer Produktion.

Colin Firth als feuchter Traummann, Emma Thompson als eine der liebesbedürftigen Schwestern in „Sinn und Sinnlichkeit“ oder Gwyneth Paltrow als selbstbewusste Dorfschönheit „Emma“ – sie alle befeuerten das Austen-Fieber mit ihrem Starappeal. Auch filmisch ein großes Erlebnis: Keira Knightley in Joe Wrights stürmischer „Stolz und Vorurteil“-Fassung von 2005.

Drei Jahre später wurde sogar die Autorin selbst zur Kinoheldin: in „Geliebte Jane“ mit Anne Hathaway in der Hauptrolle. Da ließ sich dann – gar nicht mal schlecht gemacht – miterleben, wie Austen eine kleine, erquickliche Romanze mit dem irischen Neffen einer Nachbarin, Tom Lefroy, gestattet wurde. Die Schwärmerei ist historisch verbürgt, aber eben: Schwärmerei.

Als Jane Austen – an immer noch ungeklärter Krankheit – mit nur 41 Jahren in dem Örtchen Winchester starb, lag sie in den Armen ihrer Schwester Cassandra: Tante Jane, die liebe alte Jungfer der Familie. Einen Heiratsantrag hatte sie abgelehnt, war lieber bei Mutter und Schwester geblieben, mit der sie sich zeitlebens das Schlafzimmer teilte.

Cassandra hat auch die einzigen authentischen Zeichnungen von Jane Austen angefertigt: zwei aquarellierte Skizzen, eine von vorn, mit Pausbacken, Taubenaugen und Stirnlocken, eine nur von hinten – ein Mädchen mit Haube. Schon rein äußerlich kann man also nur vage erahnen, wie die bescheidene Pastorentochter in Wirklichkeit war.

Ganz zu schweigen von der Art ihres Wesens. Der Stil ihrer Werke, auch der erhaltenen Briefe (Cassandra hat die meisten vernichtet) legt ein heiteres, sanft ironisches Gemüt nahe – das sie, trotz Ehelosigkeit, bis zuletzt behielt.

Die Familie war immer ihr harmonischer Halt, nie hat sie sie verlassen, sich auch nur selten (von Londonbesuchen abgesehen) aus der ländlichen Heimat in Englands Südwesten entfernt. In ihrem Geburtsort Steventon in Hampshire lebte sie bis 1801, dann zog der Tross, über kürzere Stationen in Bath und Southampton, nach Chawton, von den Brüdern (es waren insgesamt sieben) finanziell und auch häuslich unterstützt. Einer wurde reich adoptiert und stellte ihnen sein Cottage zur Verfügung.

Von dem Erlös ihrer sechs Romane (zwei erschienen erst nach ihrem Tod) hätte Jane Austen nicht leben können. Wie beim Erstling „Sense and Sensibility“ (Vernunft und Gefühl) von 1811 stand auf den Titeln nie ihr Name, sondern nur „By a lady“. Romane galten zu ihrer Zeit als nicht statthaft, eher als billige Unterhaltung: Schmuse- wie Schauerstoff.

Austen schließlich war es, die als eine der ersten Autorinnen die Gattung zur Kunstform erhob, in der sich realistisch von Leben und Liebe, von Welt und Gesellschaft erzählen ließ. Der achtbare Erfolg, den sie hatte (sogar das Königshaus las ihre Werke), hat sie darin sicher ermutigt.

Realistisch, nun ja, freilich in Maßen: Austens Welt, das beschauliche Landleben von gutmütigen Bürgerfamilien, Kleinadel und Offizieren, in dem es vor allem gilt, den idealen Ehemann für ihre Heldinnen auszumachen, ist eine zarte Idylle, fern aller Politik. Ohne Revolution, Krieg oder Europas Schreckgespenst Napoleon. Dennoch: Gewissenhafter und psychologisch genauer hat vor Austen niemand von Frauen und ihrer Seelenlage berichtet; ihr Werk ist, selbst wo die Konvention bedient wird, ein Akt der Emanzipation.

Neben den Gefühlen spielt erstaunlich offen auch das Geld eine Rolle bei der obligatorischen Ehebildung am Ende: Austen, die Buchhalterin. Dazu passt die Ehre, die man ihr nun in England erweist. Es gibt eine neue 10-Pfund-Note mit ihrem Gesicht und eine 2-Pfund-Münze mit der Silhouette.

Wolf Ebersberger