An der Etsch gibt es was zu erleben

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Verona? Der Opernfreund denkt sofort an Freiluft-Aufführungen in der Arena di Verona, dem Literatur­liebhaber kommt das Drama um Romeo und Julia in den Sinn. Und die Bezüge der oberitalienischen Stadt zu Bayern und Deutschland sind viel­fältig.

Von all dem erzählt die Nürnberger Malerin und Schriftstellerin Ulrike Rauh in ihrem neuen Bändchen „Spa­ziergänge in Verona“. Es ist ein wei­terer, gelungener Baustein in ihrer Reiseliteratur-Reihe zu Städten im Land, wo die Zitronen blühen. Und wie stets hat sich die Künstlerin akri­bisch vorbereitet für ihre Tour durch die Stadt an der Etsch, was dem Leser ihres Buches zugute kommt.

So bewegt sich die Auto­rin zielgerichtet durch das Gewirr der Plätze und Häuser, wird bekannt mit einem Abkömmling des Dichters Dante Alighieri und trifft auf Spuren von Wolfgang Amadeus Mo­zart.

Sie bewundert die Pracht der vielen Gottes­häuser und streift durch sehenswerte Museen. Und sie unterhält sich mit Ein­heimischen, knüpft Kon­takte nicht nur literari­scher Art. Aber nicht nur die Stadt selbst durchstreift sie, sondern auch deren Um­gebung. „Terra Cimbra“ heißt das Ziel des Ausflugs in die Umgebung, und hier wird es sehr geschichts­trächtig: Die Nachfahren der Cimbern sprechen noch heute ein eigentümliches Bairisch, doch die jun­ge Generation pflegt diese Tradition nicht mehr. So wird Ulrike Rauh zur Zeugin der Vergänglichkeit von Kul­tur – in einer Umgebung, die nur so strotzt von kulturellen Attraktionen.

Ganz nebenbei erfährt der Leser die Herkunft des Begriffs „Skala“ – die Leiter der Skaliger stand hier Pate. Und fasziniert ist die Nürnbergerin von der Atmosphäre bei einer Auffüh­rung in der berühmten Arena. Wie sie das Geschehen auf den Rängen schil­dert, erweckt Lust, es einmal selbst mitzuerleben.

So ist eben der Stil von Ulrike Rauh: Sie verfasst keinen Stadtfüh­rer, der den Touristen von A nach B lotst, sondern stößt zu eigenen Beob­achtungen an, sofern man die Stadt einmal selbst besuchen sollte. Der Daheimgebliebene aber lässt die Ein­drücke in Schrift- und auch in Bild­form auf sich wirken und erlebt die Stadtspaziergänge im Kopf mit.

Friedrich G. Stern

Ulrike Rauh: Spaziergänge in Verona. Wiesenburg Verlag, 130 Sei­ten mit 6 Farbbildern der Autorin, 15,20 Euro.