Feuerlöscher-Werfer: Ist das Urteil zu hart?

FeuerloescherneuDieses Urteil hat viele überrascht: Mit sieben Jahren und einem Monat Haft hat das Nürnberger Schwurgericht am vergangenen Mittwoch den Feuerlöscher-Wurf eines 24-Jährigen auf eine fahrende U-Bahn geahndet. Das Gericht (Foto: Roland Fengler) ging vom Mordmerkmal Heimtücke aus, weil die betroffene U-Bahn-Fahrerin nicht mit einem solchen Angriff rechnen musste. Die einen finden das Strafmaß wegen versuchten Mordes gerecht. Die anderen glauben, die Justiz habe hier ein Exempel statuieren wollen, um die immer gewaltbereiteren Fußball-Hooligans in die Schranken zu weisen.

In der Tat erscheint das Urteil auf den ersten Blick hart. Der Raser auf der Großen Straße etwa, der im Juni 2014 eine 18 Jahre junge Skaterin totfuhr, kam mit knapp unter vier Jahren davon. Auch er musste wissen, welche existenziellen Folgen seine Raserei mitten in einem Freizeitareal haben konnte – ebenso wie es das Schwurgericht jetzt bei dem Feuerlöscherwerfer angenommen hat.

Andererseits: Wer von den beiden handelte fahrlässig, wer mit Vorsatz? Fahrlässig bedeutet, dass ein Täter davon ausgeht, dass schon alles gut gehen wird. Die Einstellung „na wenn schon“ charakterisiert den Vorsatz, dass der Täter selbst schlimmste Folgen billigend in Kauf nimmt. Man muss die Gegebenheiten des Einzelfalls betrachten, sagen erfahrene Juristen – und sehen genau hier den elementaren Unterschied: Der Raser ging sehr wahrscheinlich von einem guten Ende aus, dem Feuerlöscher-Werfer unterstellte das Gericht, dass ihm die Folgen egal waren.

Tilman Grewe

Feuerlöscher-Werfer: Ist das Urteil zu hart?

Gefällt Ihnen das neue Seecafé?

Lange hat es gedauert, bis die Stadt einen Wirt für den Sandstrand am Wöhrder See gefunden hat. Es waren viele Voraussetzungen zu erfüllen, die Pacht ist hoch. Zudem musste jeder Interessent einen Gebäude-Entwurf einreichen, der allen gefällt. Dies gelang einem Architekten aus Neumarkt mit einer kompakten Konstruktion aus Holz, Glas und Stahl. Ihm schwebte, erklärte Karl-Heinz Werner, ein Schiff vor – passend zum Standort am See (Illustration: Karl-Heinz Werner). Die Seiten sollten den Betrachter an eine helle Jacht erinnern. Das Liegenschaftsamt zeigte sich begeistert, das Gebäude strahle Wertigkeit und Schönheit aus. Immerhin läuft der Mietvertrag bis zu 25 Jahre lang. In dieser Zeit sollten die Nürnberger den Anblick des großen „Seecafés“ mögen, alles andere wäre schade um den prominenten Standort.

Doch das Gebäude kommt nicht bei allen so gut an wie bei der Stadt. Manch einer fühlte sich beim Anblick der Illustration an eine überdimensionierte Toilette aus billigen Plastikbauteilen erinnert. Andere finden es wenig gelungen, einige sogar schlicht und einfach hässlich.

Allerdings müssen Kritiker bedenken, dass die Stadt viele Vorgaben gemacht hat, die die Gestaltungsfreiheit einschränkten. So hätte Architekt Werner gerne ein doppelstöckiges Gebäude entworfen, dies war aber nicht möglich. Außerdem mussten die Toiletten für alle Besucher des Strandes unkompliziert zugänglich sein, so dass diese Eingänge auch nicht versteckt integriert werden konnten.

Architektur im öffentlichen Raum hat es immer schwer, muss sie doch vielen Interessen gerecht werden. Missfällt sie aber den meisten Betrachtern, die dort womöglich tagtäglich vorbeigehen, ist sie ein Ärgernis, das schon in der Planungsphase hätte verhindert – oder verändert – werden müssen.

Ngoc Nguyen

 

 

 

Gefällt Ihnen das neue Seecafé?

Sollen Sportveranstaltungen auf dem Hauptmarkt bleiben?

Für viele ist der Nürnberger Hauptmarkt die „gute Stube“ der Stadt. Ob es darin eher lebhaft zugehen soll oder doch lieber stiller, darüber gehen die Ansichten weit auseinander. Neuen Gesprächsstoff lieferte eine Entscheidung von Oberbürgermeister Ulrich Maly. Er hatte der Neuauflage des Smart-Beach-Volleyball-Cups (Foto: Horst Linke) für das kommende Jahr eine Absage erteilt. Man könne für die Veranstaltung einen anderen Ort suchen, auf dem Hauptmarkt werden die Bälle jedoch nicht mehr fliegen. Die Begründung für die Entscheidung lautete, dass bei dem Volleyballturnier die Werbung – unter anderem für ein Auto – im Vordergrund stehe und nicht der Sport.

Der Beachvolleyball-Wettbewerb war nicht das einzige Sport-Event im Herzen der Stadt. Wenige Wochen zuvor hatten die Weitsprung-Wettkämpfe im Rahmen der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften auf dem Hauptmarkt stattgefunden, ein Jahr zuvor zeigten Mountainbiker beim „Red Bull District Ride“ ihr Können. Der Aufwand für eine solche sportive Veranstaltung ist meist enorm, riesige Anlagen und Tribünen müssen aufgebaut werden, beim Beachvolleyball Berge von Sand herangefahren werden. Hinzu kommen – oft zum Missfallen der Touristen und vieler Bürger – Werbebanner, -fahnen, -plakate, -aufbauten. Insgesamt war der Hauptmarkt im Jahr 2015 an 17 Tagen, inklusive Auf- und Abbau, wegen Sportveranstaltungen für die Markthändler nicht nutzbar. Weitere Veranstaltungen – ohne Sport – belegten den Hauptmarkt an 132 Tagen, darunter das Bardentreffen, Trempel- und Spezialmärkte.
Manch einer hat kein Verständnis dafür, dass es den Beach-Volleyball-Cup dort nicht mehr geben soll, andere begrüßen die Entscheidung Malys und argumentieren, Sportveranstaltungen, bei denen eher der Eventcharakter im Vordergrund steht, gehörten in Stadien, vielleicht noch in Parks oder auf das Flughafengelände. Wie sehen Sie das?

Claudia Urbasek

Sollen Sportveranstaltungen auf dem Hauptmarkt bleiben?

Hat Nürnberg zu viele Gratisparkplätze?

Schlechte Luft, Lärm, Stau: Der Straßenverkehr setzt den großen Städten zu und bedeutet für die Bewohner den puren Stress. Es sind immer noch zu wenige Menschen, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel setzen oder das Fahrrad dem Auto vorziehen. Wissenschaftlern zufolge liegt das Problem auch darin, dass es zu viele kostenlose Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum gibt (Foto: Oliver Acker). Dieser Fakt trage dazu bei, dass das Auto nach wie vor das beliebteste Fortbewegungsmittel ist. In Nürnberg stehe bei Diskussionen über Parkgebühren immer die Altstadt zu sehr im Vordergrund, so Professor Harald Kipke von der Technischen Hochschule. Man müsse jedoch auch die angrenzenden Stadtteile mit einbeziehen. Dort stünden Parkplätze am Straßenrand größtenteils gratis zur Verfügung.
Die Stadt Wien ist schon aktiv geworden und hat in allen dicht bebauten Vierteln flächendeckend Parkgebühren eingeführt. Gleichzeitig bietet sie Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr zu attraktiven Preisen an. Damit tut sie letztlich auch den Autofahrern einen Gefallen, denn die finden einen Parkplatz, wenn sie ihn brauchen, und müssen nicht endlose Schleifen ziehen, bis sie ihren Wagen endlich irgendwo abstellen können – und damit auch wieder zum Verkehrschaos beitragen.

Gabi Eisenack

Hat Nürnberg zu viele Gratisparkplätze?

Wo passen in der Stadt mehr Bäume hin?

StrassenbaeumePapiere sind genug geschrieben, nun muss zur Tat geschritten werden: Dieser Ansicht ist jedenfalls der Bund Naturschutz (BN), der endlich mehr Bäume in der Innenstadt haben will. Bei der derzeitigen Sommerhitze sei es eine „Tortur“, sagt Mathias Schmidt vom BN-Arbeitskreis „Bäume in der Stadt“, durch die Altstadt zu laufen.

„Nürnberg glüht vor sich hin“, war kürzlich eine Sonderseite in der NZ überschrieben, die sich dem fehlenden Grün in der Stadt widmete. BN-Kreischef Otto Heimbucher weist denn auch darauf hin, dass bei Hitzewellen die Temperatur im Zentrum fünf Grad über der in Laufamholz oder Mögeldorf liege – und zwar, weil es an Bäumen fehle.

Der BN fordert eine „Aufforstung“ der Plätze in der Innenstadt, die er für „Steinwüsten“ hält. Mit dem Andreij-Sacharow-Platz könnte begonnen werden, unter anderem stehen aber auch der Platz vor der Katharinenruine, der Gewerbemuseumsplatz, der Egidienplatz, der Hallplatz, der Bauhof und der Klarissenplatz im Fokus. „Wir wollen Klimaschutzinseln schaffen“, sagt Schmidt. Unterstützt wird der BN vom Bürgerverein Nürnberg-Altstadt, vom SPD-Ortsverein Altstadt und von der CSU-Nürnberg-Altstadt. Das Bündnis fordert die Stadt Nürnberg in einer Resolution auf, „zeitnah ein Programm zur Begrünung geeigneter Plätze in der Altstadt zu planen und mittelfristig umzusetzen“. Das nötige Geld könnte aus den „staatlich geförderten Stadterneuerungsprozessen in der Altstadt bereitgestellt werden“.

Den Hauptmarkt erwähnt die Initiative in der Resolution bewusst nicht, weil sie bei der Stadtspitze hier stets auf Granit biss. „Es hieß immer, Bäume passten nicht in die historische Kulisse.“ Der BN könnte sich durchaus an den Seiten des Platzes Baumreihen vorstellen, die auch die „Bespielung“ des Hauptmarkts (Christkindlesmarkt, Bardentreffen etc.) nicht behindern würden. Aber das Bündnis „Mehr Bäume auf die Plätze der Altstadt“ will sich nun erstmal auf jene Plätze konzentrieren, auf denen eine Begrünung leichter durchsetzbar ist. Beim Andreij-Sacharow-Platz, glauben Schmidt und Heimbucher, dürfte es kaum Widerstand gegen ein paar Bäume geben (die grünen Kreise auf dem Foto machen deutlich, wo sich der BN die Bäume vorstellen könnte).

Haben Sie auch Vorschläge für ein grüneres Nürnberg? Dann diskutieren Sie gerne mit!

Marco Puschner

Sollen Straßenmusiker zum amtlichen Vorspielen?

Ohne Frage: Straßenmusiker (Foto: Michael Matejka) bereichern eine Großstadt. Doch in Nürnberg werden sie für die Bewohner der Innenstadt zum Ärgernis. Manche der Musiker spielen immer das Gleiche, einige sogar immer nur ein und das selbe Lied in Dauerschleife. Entnervte Innenstadtbewohner sprechen schon von „musikalischem Psychoterror“ und haben sich an Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly gewandt. Doch der zeigt sich hilflos, verweist auf die Auflagen – nur fünf Mann oder Kleingruppen (mit maximal fünf Personen) dürfen spielen, alle halbe Stunde müssen sie die Spielstätte wechseln und dürfen keine Verstärker oder zu laute Instrumente verwenden. Auf das Repertoire des Straßenmusikanten hätte er keinen Einfluss, so Maly.
Doch ist das wirklich so? München litt vor 15 Jahren unter der gleichen Problematik: Mehr oder minder begabte Musiker beschallten Anwohner und Geschäftsleute mit der immer gleichen Musik. Doch die Stadt zeigte sich kreativ und entschied, dass nur noch Straßenmusiker- und -künstler in der Innenstadt auftreten dürfen, die zuvor in der Stadt-Information eine Kostprobe ihres Könnens abgegeben hatten.
Drei Stücke müssen die Musiker flüssig und einigermaßen fehlerfrei vortragen, dann bekommen sie eine Spielerlaubnis. Diese wird nur tagesaktuell vergeben, es dürfen keine Verstärker benutzt werden und – ganz entscheidend: Die Musiker dürfen einen Standplatz nur einmal täglich für eine Stunde aufsuchen, Spielzeiten sind festgelegt (11 bis 14 Uhr und 15 bis 22 Uhr). Die Auftritte sind auf maximal zwei Werktage pro Woche limitiert, die Stadt vergibt zweimal fünf Genehmigungen pro Tageshälfte. Die Qualität der Darbietung wird nicht nur morgens im Amt überprüft, die städtischen Mitarbeiter sehen sich später die Auftritte auch live in der Innenstadt an.
Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert Sperren von drei bis zwölf Monaten. Das ist oft schmerzhafter für die Musiker als Geldstrafen, zeigt die Erfahrung. Und wesentlich teurer ist die Vorgehensweise nicht, weil sich die Stadt aufwändige Ordnungswidrigkeitsverfahren spart.
Die Lage habe sich durch das Vorspielen entspannt, sagt Albert Dietrich von der Stadt-Information München. Er ist zuständig für das Casting. Der Erfolg ist so groß, dass Berlin, Frankfurt/Main und Innsbruck das Modell übernehmen wollen.

Mehr zum Thema

Claudia Urbasek

Sollen Straßenmusiker zum amtlichen Vorspielen?

 

Klassik-Open-Air: Würden Sie Eintritt zahlen?

Seit 15 Jahren erfreut sich das Nürnberger Klassik-Open-Air (Foto: Stefan Hippel) riesiger Beliebtheit. Spielt das Wetter mit, bringt das Publikum dieser Sommer-Picknickkonzerte den Luitpoldhain an die Grenzen seiner Kapazität. Noch im hinterletzten Busch verstecken sich Zuhörer. Bereits am Morgen belegen die Ersten den Rasen. Klassikfans sind sie längst nicht alle.
Jetzt nur mal so ein Gedankenspiel: Was wäre eigentlich, wenn das Ganze Eintritt kosten würde? Dann kämen natürlich weniger Leute. Die Stadt Nürnberg als Veranstalter nähme vermutlich trotzdem erst mal mehr Geld ein. Heute sieht es so aus: Die zwei Klassik-Open-Airs – diesmal gibt es sogar drei – kosten sechsstellig. Zwei Fünftel des Budgets werden von Sponsoren getragen, weitere rund 20 Prozent durch den Verkauf von Ansteckern. Statistisch kaufte sich zu den besten Zeiten nur jeder neunte Besucher freiwillig so einen „Vogel-Pin“, der aktuell fünf Euro kostet. So bleiben also immer noch 40 Prozent der Ausgaben am Stadthaushalt hängen.
Ins Nürnberger Image freilich ist dieses Geschenk an die Bürger bestens investiert. Dennoch ließe sich auch eine moderate Eintrittsgebühr vertreten. Es treten schließlich Spitzenmusiker bei einzigartigem Flair auf – wo gibt’s die geschenkt? Auf dem Berliner Gendarmenmarkt und am Münchner Odeonsplatz muss man für ähnliche Open-Airs Karten kaufen, keine Frage. Ein Grund, warum Nürnberg davon absah, war immer auch, dass die Kosten für Absperrung, Kartenvertrieb und -kontrolle die Einnahmen wieder stark dezimieren oder sogar aufheben.
Eine schwierige Abwägung, die zuletzt auch noch vom Wetter abhängt. Das Rechenergebnis also erst mal ausgeblendet, wollen wir hier nur ein Gefühl abfragen.

Isabel Lauer

Klassik-Open-Air: Würden Sie Eintritt zahlen?

Hauptpost: Welcher Entwurf gefällt Ihnen am besten?

Der Wettbewerb für die Neubebauung der Hauptpost ist abgeschlossen. 20 Architekturbüros waren eingeladen, 16 haben ihre Vorstellungen eingereicht. Vier Vorschläge wurden jetzt in die engere Wahl genommen. Es handelt sich um die Entwürfe von Max Dudler (Berlin, Platz 1), von Weber, Auer (München, Platz 2), von Knerer, Lang (Dresden, Platz 3) und von Bär, Stöcker, Stadelmann (Nürnberg, Platz 4).

1. Platz:
LOKALES                                 Foto: Eduard Weigert     Datum:  22.7.15 Entwürfe Hauptpost 1. Preis  Prof Max Dudler

2. Platz:
hauptpost1

3. Platz:
Hauptpost4

4. Platz:
LOKALES                                 Foto: Eduard Weigert     Datum:  22.7.15 Entwürfe Hauptpost 4. Preis   Bär Stöcker Stadelmann Architekten

Welchen Vorschlag möchten Sie an diesem prominenten Platz realisiert sehen? Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung. Sie können aber auch einfach nur beim Voting mitmachen.

Hauptpost: Welcher Entwurf gefällt Ihnen am besten?

Ergebnisse anzeigen

Straßenausbaubei­trag: Müssen Anwohner zu viel zah­len?

Keine Frage: Wenn man eine Rech­nung von der Kommune bekommt, ist das nie ein Grund zum Jubeln. Verlangt diese Rechnung aber einen vier- oder gar fünfstelligen Betrag, ohne dass einem der Gegenwert zweifelsfrei einleuchtet, schafft das Ärger. Gegen Straßenausbaubeiträge, mit denen Gemeinden die Anlieger einer frisch sanierten Straße rück­wirkend zur Kasse bitten können, formiert sich regelmäßig Protest. Auch in Nürnberg, wo das Verfah­ren gängige Praxis ist, bringen auf­gebrachte Bürger dieselben Grund­satzfragen vor. Warum werden nur Hauseigentü­mer herangezogen, wenn doch die Allgemeinheit eine Straße abnutzt, vor allem Autofahrer? Warum genießen die Anlieger dann nicht wenigstens mehr Mitsprache bei den Baumaßnahmen? Und warum wird das Prinzip innerhalb Deutschlands völlig uneinheitlich angewendet? Ein Drittel der bayeri­schen Kommunen besitzt keine Straßenausbaubeitragssatzung. Rei­che Gemeinden schaffen sie ab, mutlose Verwaltungen wenden sie einfach nicht an. Viele Stadt- und Gemeinderäte verteidigen die Methode: Die Rat­häuser setzen demnach nur ihren Auftrag um, haushaltsschonend die Infrastruktur zu pflegen. Ohnehin müssen Steuerzahler für den Stra­ßenunterhalt aufkommen – wer auch sonst. Warum dann nicht gezielt vor Ort abrechnen? Dann muss der Ziegelsteiner wenigstens nur für seine eigene Straßenlaterne zahlen und schon mal nicht für den neuen Parkstreifen in Laufamholz. Würde man die Kosten stattdessen beispielsweise auf die Grundsteuer umlegen oder in Raten stückeln, so wüchse die Gerechtigkeit auch nur gefühlt.

Straßenausbaubei­trag: Müssen Anwohner zu viel zah­len?

Soll der Konzertsaal neben die Meistersingerhalle?

Das technisch marode Opernhaus war vor einigen Jahren der Anlass, über einen Konzertsaal auf akustisch hohem Niveau nachzudenken. Da das Musiktheater für die Sanierung mindestens zwei Jahre auf die Spielstätte Opernhaus verzichten muss, soll kein Geld in eine mobile Interimsspielstätte gesteckt werden, sondern in einem neuen Konzertsaal auf Dauer angelegt werden. Nicht alle Musikenthusiasten stellt die Akustik der Meistersingerhalle zufrieden.
Nachdem aber die Stadt auch Bedarf für ein Kongresszentrum für Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Teilnehmern hat, gab es eine lange Diskussion darüber, ob ein neuer Konzertsaal auch als Tagungszentrum genutzt werden kann. Außerdem musste die Frage beantwortet werden, wo der Standort des neuen Konzertsaals sein soll. Diese Standortanalyse zog sich lange hin, denn mit einem solchen Kulturprojekt lassen sich auch ganze Stadtteile entwickeln. Aus den unterschiedlichsten Gründen schieden aber viele Kandidaten aus: Beim Kohlenhof und beim ehemaligen Quelle-Versandzentrum würde es Probleme mit den Lärmemissionen geben. Beim AOK-Gelände am Ring konnten sich die Grundstückseigentümer nicht auf ein Angebot einigen. Der zusätzliche Verkehr im Umfeld des Augustinerhof-Areals hätte nicht bewältigt werden können, so dass der Bau einer Konzertsaals in der Altstadt nicht möglich war.
Der Gordische Knoten wurde in der vergangenen Woche durchschlagen: Es wird ein Konzertsaal, der auch für Tagungen zur Verfügung steht, auf dem Parkplatz der Meistersingerhalle gebaut. Die Meistersingerhalle (Foto: Oliver Acker) wiederum wird modernisiert und als Kongresszentrum ausgebaut. Ihr großer Saal kann aber auch künftig weiter für Konzerte genutzt werden.
Ein Konzertsaal, der nicht im Zentrum der Stadt angesiedelt ist, wird wenig Flair entfalten. Auch wird es im Umfeld des Luitpoldhains zu noch mehr Verkehr kommen.

André Fischer

Soll der Konzertsaal neben die Meistersingerhalle?