Sind Autorennen noch zeitgemäß?

Das Norisring-Rennen (Foto: Ralf Rödel) gehört zu den Höhenpunkten des Sportjah­res in Nürnberg. Auch diesmal verfolgten wieder Zehntausende Besucher das Geschehen. Sie kommen, weil sie fasziniert sind von der Technik, von der (be­grenzten) Macht des Menschen über die Maschine, von der Geschwindigkeit. Wer einmal auf der Tribüne sitzt, kann sich dem Flair der Veranstaltung schwer­lich entziehen. Doch: Ist diese Art von Sport heute wirklich noch zeitgemäß? Die Menschen leiden unter dem Lärm in den Städten, sie leiden unter schlechter Luft. Warum also einer Faszination anhängen, die dazu beiträgt und dann auch noch gefährlich ist? Andererseits: Treibhausgase verursacht schließ­lich jeder, der mit dem Auto unter­wegs ist. Und lebensgefährlich kann auch Skifahren sein.

Gabi Eisenack

Sind Autorennen noch zeitgemäß?

Hilfspolizisten gegen Einbrecher?

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich angesichts der steigenden Zahl von Wohnungseinbrüchen für den vermehrten Einsatz von Hilfspolizisten ausgesprochen. Diese könnten „als Wache in besonders belasteten Vierteln eingesetzt werden“, sagte de Maizière in einem Interview der „Rheinischen Post“.
In Sachsen unterstützen bereits 47 Absolventen einer solchen Ausbildung die regulären Polizeikräfte. Der Innenminister bezeichnete das „zukunftsweisende Modell“ im Freistaat als vorbildlich für andere Bundesländer. Die bewaffneten Wachpolizisten, die auch Uniform tragen, sollen in Sachsen vorrangig Aufgaben des Objektschutzes sowie der Personenbewachung übernehmen.
Die Politiker des Freistaats Bayern halten indes nichts von diesem Vorschlag. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sagte in einem Gespräche mit der NZ, man setze hier auf ein anderes Konzept. Die bayerische „Sicherheitswacht“ hat sich nach seinen Worten außerordentlich bewährt.
Im Gegensatz zur „Wachpolizei“ verfügen die nur gegen eine Aufwandsentschädigung tätigen Angehörigen der bayerischen „Sicherheitswacht“ weder über Uniform noch Waffen. Man habe sich bewusst gegen Uniformen und Waffen entschieden, da die Angehörigen der Sicherheitswacht weder Hilfspolizei noch Bürgerwehr seien. De Maizière hat mit seinem jüngsten Vorschlag breiten Widerstand ausgelöst. Die SPD lehnt solche „Hilfssheriffs“ ebenfalls ab.
Andererseits steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche dramatisch. Waren es im Jahr 2014 noch 152.123 Fälle, wurden 2015 insgesamt 167.136 Fälle einschließlich der Einbruchsversuche erfasst. Das ist ein Anstieg um 9,9 Prozent. Die Aufklärungsquote lag bei gerade mal 15,2 Prozent.
Thomas de Maizière hat mit seinem umstrittenen Vorschlag ganz besondere Brennpunktviertel im Visier. Und offensichtlich hat sich das Modell in Sachsen bewährt. Die Forderung, anstatt solcher „Hilfssheriffs“ lieber die Kopfstärke der Polizei zu erhöhen, ist angesichts des offensichtlichen Sicherheitsdefizits bei Wohnungseinbrüchen nicht auf die Schnelle umzusetzen.
Es gibt also bei dieser Frage sehr wohl das Für und Wider. Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal Ihre Meinung zu der Frage wissen: „Hilfspolizisten gegen Einbrecher?“

Dieter Wegener

Hilfspolizisten gegen Einbrecher?

Gefallen Ihnen die Pläne zum Bahnhofsvorplatz?

Das Chaos vor dem Hauptbahn­hof soll ein Ende haben, das Tor zur Altstadt ein ordentliches Er­scheinungsbild bekommen. Wer künftig das Gebäude verlässt und ins Zentrum möchte, muss auch nicht mehr in die Unterwelt abtauchen, sondern kann gerade­wegs über den Platz gehen.
Lange hat es gedauert, bis die Stadtverwaltung nun ihre Pläne vorstellen konnte. Unter anderem werden die Taxis umziehen, wer seinen Pri­vatwagen abstellen will, soll nach Möglichkeit ins Parkhaus fahren und für alle, die mal eben jeman­den aus dem Auto aussteigen las­sen, gibt es auch einen speziellen Platz. Verändert wird, das war auch der Wunsch der Politik, das Beleuchtungskonzept. Der Bahn­hofsvorplatz (Foto: Claus Hirche, architektur & design) wird heller ange­strahlt, was der Sicherheit zuträg­lich sein soll.
Der ganz große Wurf hätte nach Meinung von Baureferent Daniel Ulrich anders ausgesehen. Unter anderem hätte man, wäre Nürn­berg eine wohlhabende Stadt, den Verkehr unter die Erde verlegen können. So aber ist eine kleine Lösung für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes zustande ge­kommen.

Gabi Eisenack

Gefallen Ihnen die Pläne zum Bahnhofsvorplatz?

Setzt die VAG falsche Schwerpunkte?

Zum Jahreswechsel 2017 werden die Ticketpreise von der VAG und den Verbundpartnern im VGN durchschnittlich um 2,62 Prozent angehoben. Es ist die jährliche Preissteigerung, mit der, wie in den vergangenen Jahrzehnten üblich, die steigenden Personal-, Pensions- und Betriebskosten aufgefangen werden sollen. nach der Tarifreform und der außergewöhnlichen Anhebung 2012 haben die Kunden aber langsam das Gefühl, dass der ÖPNV zu teuer wird. Auch wenn das Netz der VAG sehr dicht geknüpft ist.
Dabei langt das eingenommene Geld bei der VAG nicht aus, um die in die Jahre gekommene Infrastruktur zu erneuern. Die U-Bahntechnik ist zum großen Teil 40 Jahre alt und muss an die neuen Erfordernisse angepasst werden. Es müssen neue Züge und Busse gekauft werden: Das Defizit bei der VAG, das von der Stadt oder den Städtischen Werken ausgeglichen wird, steigt deshalb in den nächsten Jahren weiter. Und wahrscheinlich auch die Ticketpreise. Die VAG war noch vor wenigen Jahren eines der Unternehmen mit den günstigsten Fahrpreisen in Deutschland. Das ist vorbei.
Die VAG, die mit der fahrerlosen U-Bahn ein teures Prestigeprojekt realisiert hat, will eigentlich in den nächsten Jahren den U-Bahnausbau abschließen. Doch zuletzt wurde schon der Ausbau der U-Bahn nach Eibach oder Stein gefordert. Auch sollen etliche Straßenbahnlinien neu gebaut werden. Allen voran die Verbindung von Am Wegfeld nach Erlangen. Gefordert wird auch die Ost-West-Linie für die Straßenbahn durch die Altstadt.
Wenn nicht plötzlich ein Geldsegen von Bund und Land verteilt wird, dann hat es die VAG immer schwerer, den erreichten Standard zu halten und zugleich noch teure Ausbauvorhaben durchzuführen. Da der Öffentliche Personennahverkehrs immer ein Zuschussgeschäft bleiben wird und am Ende stets die Politik entscheidet, muss überlegt werden, ob nicht doch günstige Fahrpreise wichtiger sind als Neubauvorhaben, die zwar gut bezuschusst werden, aber den Betrieb, für den es keine Fördergelder gibt, auf Dauer verteuern.

André Fischer

Setzt die VAG falsche Schwerpunkte?

Sind wir zu kritisch mit unserem Tatort?

Essen, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Münster, Dortmund – der Westdeut­sche Rundfunk (WDR) hat schon verschiedensten Städten zu „Tat­ort“- Ehren verholfen. Der Bayeri­sche Rundfunk (BR) dagegen hielt eisern an der Monopolstellung Mün­chens fest, 45 Jahre lang.
Erst 2015 bekamen endlich auch die Franken ihren schon lange gefor­derten „Tatort“. Doch die Freude darüber scheint abgeebbt: In Nürn­berg wurden die ersten beiden Fälle des neuen Ermittlerteams um die Kommissare Ringelhahn und Voss eher kritisch gesehen. Überregional dagegen kamen sie durchaus an, „Spiegel online“ zum Beispiel lobt den „unaufgeregten Tonfall“ der beiden Streifen – genau damit setzt der Franken-Tatort übrigens in der Tat einen Kontrapunkt in Zeiten, in denen die Krimireihe – wohl als Konsequenz aus dem Erfolg der Münsteraner Fälle – oft sehr zum Klamauk neigt.
Manche Stimmen bemängeln Unstimmigkeiten – etwa, dass man zum Beispiel im ersten Franken-Tat­ort vor dem Rathaus Wolff’scher Bau parken konnte. Aber darf sich denn ein Filmteam, das sich mit sei­nem Krimi ja ohnehin im Reich der Fiktion bewegt, hier nicht gewisse poetische Freiheiten nehmen? Auch solche Kleinigkeiten interessierten ortsunkundige überregionale Zu­schauer
freilich weniger.

Marco Puschner

Sind wir zu kritisch mit unserem Tatort?

Braucht Nürnberg einen Drogenkonsumraum?

 

Bisher scheiterte die Einführung von Drogenkonsumräumen, in denen Schwerstabhängige ihren Stoff (Foto: Boris Roessler) unter medizinischer Aufsicht nehmen können, am Veto der CSU. Experten der Drogenhilfe fordern solche Einrichtungen schon lange, weil sie die Überlebenschancen und auch die Behandlungsbereitschaft der Betroffenen verbessern könnten. So mancher einsame Tod auf einer Bahnhofstoilette wäre zu verhindern, wenn es Drogenkonsumräume auch in Bayern gäbe, meinen die Befürworter.
Bereits im Jahr 2010 hat der Sozial- und Gesundheitsausschuss des Stadtrats sich mehrheitlich für eine solche Einrichtung auch in Nürnberg ausgesprochen – doch hierfür müsste der Freistaat grünes Licht geben. Lange war von der CSU nur ein striktes Nein zu hören. Inzwischen scheinen die Reihen bei den Konservativen aber in dieser Frage nicht mehr so geschlossen zu sein. Während CSU-Stadtrat Max Höffkes kürzlich noch im Stadtrat vor „Rauschgifthäusern“ warnte, hat sein Parteifreund Josef Mederer eine ganz andere Haltung.
Der Präsident des Bayerischen Bezirketages sieht angesichts der großen Zahl von 314 Drogentoten im Jahr 2015 im Freistaat Handlungsbedarf und fordert Drogenkonsumräume für die Ballunsgzentren (München, Nürnberg, Augsburg).  Angesichts der guten Erfahrungen mit diesen Einrichtungen in anderen Bundesländern ist Mederers Vorstoß, zumindest einen Modellversuch zu wagen, verständlich. CSU-Gesundheitsministerin Melanie Huml hält es aber für hochproblematisch, wenn der Staat den Konsum harter Drogen erleichtert und schützt, andererseits aber Erwerb und Besitz strafrechtlich verfolgt. Neben polizeilichen Sicherheitsbedenken war stets das Hauptargument der CSU gegen diese Konsumräume, dass man keine rechtsfreien Räume schaffen wollte. Andererseits würde aber ein Drogenkonsuraum nur einer kleinen Gruppe von Schwerstabhängigen offenstehen – Erst- oder Gelegenheitskonsumenten wären ausgeschlossen.

Wir wollen deshalb in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Braucht Nürnberg einen Drogenkonsumraum?“ – In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren. Vergangene Woche haben wir Sie gefragt: „Soll sich Nürnberg als Kulturhauptstadt bewerben?“ Teilgenommen haben 171 Leser. Mit Ja antworteten 31,6 Prozent, mit Nein 68,4 Prozent.

m.p.

 

Braucht Nürnberg einen Drogenkonsumraum?

  • Nein (58%, 11 Stimmen)
  • Ja (42%, 8 Stimmen)

Wähler insgesamt: 19

Soll sich Nürnberg als Kulturhauptstadt bewerben?

Die Stadtspitze trägt sich mit dem Gedanken, dass Nürnberg sich um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben soll. Bis zum Herbst soll das Konzept für die Bewerbung stehen und endgültig entschieden werden, ob Nürnberg seinen Hut in den Ring wirft. 2019 treffen dann die europäischen Gremien die endgültige Auswahl.
Pragmatiker fragen: Was bringt der Titel? Spötter sagen: Ein Titel ohne Wert. Sparfüchse: Ist zu teuer. Es sind Summen von immerhin 40 bis 200 Millionen Euro genannt worden, die angeblich eine Bewerbung kosten würde. Das wäre natürlich für Nürnberg viel zu teuer. Auch wenn die großen Summen Erfahrungswerte von anderen Bewerbungen sind: In diesen Beträgen sind natürlich nicht nur die reinen Bewerbungskosten enthalten, sondern auch die Projekte, die mit angeschoben wurden. Wenn man in Nürnberg allein die Kosten für den neuen Konzertsaal und die Sanierung der Meistersingerhalle samt Opernhaus zusammenzählen würde, käme man schon auf über 200 Millionen Euro.
Dass die Bewerbung Geld kostet, ist unbestritten. Bei rund 10.000 städtischen Mitarbeitern müsste es allerdings möglich sein, fünf Stellen für die nächsten zweieinhalb Jahre bereitzustellen, um Ideen zu sammeln, Bürger zu aktivieren und auf die Suche nach neu ansetzenden Entwicklungen zu gehen, die 2025 die Gesellschaft prägen werden, und diese dann herauszuarbeiten. Bei den Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt geht es nicht nur um Konzerte und Ausstellungen, sondern auch darum zu fragen, was die Gesellschaft in allen Bereichen noch zusammenhält und wohin Europa sich entwickeln soll. Einmal innezuhalten und Selbstvergewisserung zu betreiben, ist die eigentliche Aufgabe einer Kulturhauptstadt Europas.
Der Charme für Nürnberg besteht darin, dass es schon längst nötig wäre, einmal zu überlegen, welche übergeordneten Ziele die Stadt verfolgen soll. Die Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt wäre dann eher ein Stadtentwicklungsprojekt für Nürnberg: Wohin die Entwicklung gehen soll, was sich bündeln und damit stärken lässt, wo Defizite sind und wie dieses behoben werden können.

André Fischer

Soll sich Nürnberg als Kulturhauptstadt bewerben?

Sind Sie mit den Flugangeboten zufrieden?

Auch in Nürnberg fragen sich angesichts der verheerenden politischen Entwicklung in vielen Ländern viele: Wohin soll und kann denn nun unsere Urlaubsreise noch gehen? Die Fluggastzahlen nach Ägypten, Türkei und Tunesien sind aufgrund der politischen Entwicklung in den vergangenen Monaten eingebrochen, wie jüngst auch von der Nürnberger Flughafen-Geschäftsleitung zu hören war.
So wurden nach Ägypten 64,7 Prozent weniger Passagiere gezählt, Richtung Türkei ging die Zahl der Reisenden um 14,9 Prozent zurück. Eine der wichtigsten Verbindungen für den Nürnberger Flughafen ist die Linie nach Antalya. Im vergangenen Jahr flogen 365.000 Personen in die Partnerstadt Nürnbergs. In den letzten Monaten sank die Zahl der Reisenden nach Antalya um 38,3 Prozent.
Der Nürnberger Flughafen hat reagiert: Ziele wie Faro, Ibiza oder Sibiu sind neu im Sommerflugplan, Rom, Mailand, Budapest und Malta im Winterflugplan. Ryanair kündigt an, ab November, zum Teil täglich, nach London-Stanstead, Budapest, Malta, Manchester, Mailand-Bergamo und Rom-Ciampino zu fliegen.
Rund 1,18 Millionen Passagiere hoben ab Nürnberg mit Direktflügen zu ihren Urlaubszielen ab. Das entspricht einem Wachstum von 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wachstumstreiber war hier allen voran SunExpress. Die türkische Fluggesellschaft mit deutschem Ableger weitete das Angebot ab Nürnberg deutlich aus und beförderte rund 100.000 Passagiere mehr als im Vorjahreszeitraum.
Trotzdem stellt sich die Frage, ob diese Angebote tatsächlich den Ansprüchen und Vorstellungen der Urlaubsreisenden entsprechen oder ob noch weitere Ziele angeboten werden sollten.

Dieter Wegener

Sind Sie mit den Flugangeboten zufrieden?

Zuschuss für E-Autos: Ist das der richtige Weg?

Eine Million Elektroautos soll im Jahr 2020 auf deutschen Straßen unterwegs sein. Dieses Ziel von Bun­deskanzlerin Angela Merkel (CDU) schien in immer weitere Ferne zu rücken, je näher dieser Zeitpunkt kam. Bisher sind erst 25500 E-Autos und 130000 (in die Rech­nung ebenfalls eingehende) Hybrid­wagen zugelassen. Nun will die Bundesregierung mit einer Kaufprämie von 4000 Euro, die zur Hälfte die Hersteller bezah­len, nachhelfen. Parallel dazu wird die nötige Infrastruktur für diese Fahrzeuge durch den Aufbau zusätz­licher Ladestellen gestärkt. Viel­leicht ist dies der richtige Weg, um den im Vergleich zu konventionel­len Pkw (trotz diverser Probleme auch dieser Technologie) umwelt­freundlicheren Autos endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Der Kauf­anreiz könnte dabei helfen, E-Autos „massenmarktfähig“ zu machen, wie es Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) formulierte.
Kritiker wenden ein, dass der Steuerzahler diesen Eingriff ins Marktgeschehen mitfinanzieren muss. Obendrein werde die Auto­industrie ausgerechnet in Zeiten der Abgas-Affäre subventioniert. Außerdem könnte man einwenden, dass das Geld besser investiert sei, wenn es in die Forschung gesteckt würde.

Marco Puschner

Zuschuss für E-Autos: Ist das der richtige Weg?

Öffentlicher Dienst: Sind sechs Prozent angemes­sen?

Selten bekam der öffentliche Dienst so viel Lob wie in den zurückliegen­den Monaten: Schließlich waren es die verschiedenen Dienststellen der Kommunen, die einen Großteil der Flüchtlingshilfe leisteten. Das Kli­schee von der drögen öffentlichen Verwaltung, die mit der flexiblen privaten Wirtschaft nicht mithalten können, widerlegten zum Beispiel die städtischen Mitarbeiter in Nürn­berg eindrucksvoll.

Vor diesem Hintergrund ist es ver­ständlich, dass die Beschäftigten sich ein kräftiges Lohnplus wün­schen. Gewerkschafter verweisen zudem darauf, dass die Bezüge im öffentlichen Dienst hinter dem zurückstehen, was in der privaten Wirtschaft zu verdienen ist. Zudem müssten die öffentlichen Kassen prall gefüllt sein: Das Statistische Bundesamt spricht von einem Haus­haltsüberschuss von fast 30 Milliar­den Euro bei Bund, Ländern, Kom­munen und Sozialversicherung. Insofern könnte es sich die Arbeitge­berseite auch leisten, einen Teil des Kuchens abzugeben, argumentiert etwa die Vereinte Dienstleistungsge­werkschaft (ver.di). Zumal Kommu­nen und Bund sich nur bedingt einen Gefallen tun, wenn sie am Per­sonal sparen: Immerhin will man gute Leute gewinnen.

Doch es gibt auch Gegenargumen­te. So warnen der Deutsche Städte­tag und der Städte- und Gemeinde­bund davor, die Kommunen zu stark zu belasten. Zu hohe Gehälter würden die Schaffung neuer Stellen gefährden. Außerdem herrscht Irri­tation darüber, dass die Gewerk­schaften angesichts der niedrigen Inflation gleich für eine Erhöhung von sechs Prozent plädieren.

Marco Puschner

Öffentlicher Dienst: Sind sechs Prozent angemes­sen?