Bürgerhaushalt weiter umstritten

~7205043Ob aus Frust, Resignation oder Unwissenheit: Die Beteiligung der Bevölkerung an Wahlen ist erschreckend niedrig. Der Politik kann das nicht egal sein. Bürgerbeteiligung heißt das Stichwort, wenn es um Wege aus der Motivationskrise geht. Sollen die Bürger darüber mitentscheiden, ob Geld in Fahrradwege oder doch lieber in Schulen investiert wird? Einige Städte haben einen Bürgerhaushalt eingeführt. Auch in Nürnberg ist darüber diskutiert worden, ob das sinnvoll ist oder nicht. Der Stadtkämmerer sagt nein.

Die letzte intensive Debatte um das Thema Bürgerhaushalt hat der Stadtrat im Jahr 2011 geführt. Und das Thema wieder zu den Akten gelegt. Andere Kommunen haben das Experiment schon hinter sich, Frankfurt zum Beispiel. Dort war man Willens, die Bevölkerung in finanzielle Entscheidungen mit einzubinden und musste feststellen, dass die Resonanz winzig war. 700000 Menschen leben in der Bankenmetropole, 3000 haben mitgemacht. Nach zwei Jahren wurde das Projekt eingestellt. Das Resümee des Frankfurter Stadtkämmerers ergab, dass der Bürgerhaushalt als „abstraktes Instrument“ vor allem vermutlich in kleinen Städten mit sehr konkreten Themen funktioniert.

Erledigt ist das Thema für den Nürnberger Stadtrat noch nicht. Die FDP-Politikerin Christiane Alberternst hat es in die Sitzung des Finanzausschusses eingebracht und dort Rückendeckung aus der CSU bekommen. Sie findet, dass es sehr wohl wichtig ist, die Bürger in die Finanzplanung einer Stadt mit einzubinden – eben mit Blick auf die regelmäßig unbefriedigende Wahlbeteiligung. Es müsse mehr Transparenz und Kommunikation geben.

Kämmerer Harald Riedel verweist auf die Ergebnisse seiner Recherchen. Nicht nur in Frankfurt sei man damit gescheitert. Auch Leipzig, Köln oder Solingen hätten keine guten Erfahrungen damit gemacht. Ein großes Problem sei die mangelnde Repräsentativität. Siehe Frankfurt. Wenn sich nur 1,2 bis 1,3 Prozent der Bürger beteiligen, könne nicht auf den Willen der Mehrheit geschlossen werden. „Ein demokratisches Instrument ist das nicht.“ Abgesehen davon sei es teuer: Die Berechnungen aus dem Jahr 2011 hatten 100000 Euro für die technische Entwicklung ergeben und 150000 Euro laufende Kosten. Wer sich wirklich für Haushalt, „das Riesenwerk“, interessiere, könne ihn im Internet einsehen. Dass die Bürger das Thema nicht rasend umtreibt, bekommt der Kämmerer einmal im Jahr am eigenen Leib zu spüren. Vor den Haushaltsberatungen bietet er regelmäßig einen Haushalts-Chat an. „Auch da ist die Nachfrage überschaubar.“

Sebastian Brehm, der Chef der CSU-Fraktion, plädiert wie Christiane Alberternst dafür, das Thema Bürgerhaushalt nicht aus dem Blick zu verlieren. Als Mittel gegen das Desinteresse an der Politik und auch zur Aufklärung. Seiner Ansicht nach herrscht in Sachen der städtischen Finanzen ein Informationsdefizit. „Es ist häufig die Meinung zu hören, es werde wild Geld ausgegeben. Um das in den Griff zu bekommen, ist mehr Diskussion nötig.“ Es gehe, fügt Christiane Alberternst hinzu, um ein Angebot zum Dialog. Sie verweist auf Münster, wo man gute Erfahrungen gemacht habe.
Das Angebot zum Dialog, sagt Anja Prölß-Kammerer, die Vorsitzende der SPD-Fraktion, sei in Nürnberg auch ohne Bürgerhaushalt groß. „Es gibt ein großes Spektrum an Beteiligungsarten.

Bürgerversammlungen, Fahrradtouren durch die Stadtteile, die Möglichkeit der elektronischen Partizipation (siehe Kasten rechts unten), also ein Thema im Internet auf breiter Basis zu diskutieren und kommentieren. Aufgabe der Stadträte sei es, auch die Interessen all jener zu vertreten, die sich nicht immer laut zu Wort meldeten. Zweifel meldet auch der Fraktionschef der Grünen, Achim Mletzko, an. „Die Frage ist, ob wir mit einem Bürgerhaushalt viel mehr als eine Wunschliste bekommen.“
Dem Oberbürgermeister, der der Diskussion lange zugehört hat, ist schließlich eine Klarstellung wichtig. „Wir reden von verschiedenen Sachen: über mehr Dialog über den Haushalt und über einen Bürgerhaushalt – und bei letzterem geht es um das partizipative Element. Um die Delegieren eines Teils Stadtratsrechte auf einen Teil der Bürger. Die Frage ist, ob der dann wirklich Volkes Stimme repräsentiert.“ Es entstünde dann eine demokratische Verzerrung, die er für bedenklich halte, so Ulrich Maly.

Soll für Masern eine Impfpflicht gelten?

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Impfen oder nicht? Eine Streitfrage an der sich von je her die Gemüter erhitzen. Foto: dpa

In Berlin herrscht Ausnahmezu­stand: Wegen des Masernausbruchs rät der Berufsverband der Kinder- ­und Jugendärzte Eltern nun sogar, mit ihren Säuglingen daheim zu bleiben. Zu hoch sei die Gefahr einer Ansteckung.

Eine solche Verbreitung der Krank­heit ist nur möglich, wenn zu wenig Menschen geimpft sind. Gegner der Impfung argumentieren, dass auch die Masernimpfung Nebenwirkun­gen haben kann. Insgesamt kommt das Robert-Koch-Institut aber zu dem Schluss, dass die Vorteile der Impfung die Nachteile bei weitem überwiegen. Doch es gibt Kritiker, die vermuten, dass die Pharmain­dustrie Studien fälschen lässt, um ihre Präparate verkaufen zu kön­nen. Andere glauben, dass Masern eine harmlose Kinderkrankheit sind, die durchzustehen sich gut auf das kindliche Immunsystem auswir­ke. Mit dieser Einstellung schaden sie nicht nur sich, sondern auch ungeimpften Säuglingen.

Bei der Frage nach einer Impf­pflicht geht es letztlich darum, was schwerer wiegt: die Freiheit des Ein­zelnen oder die Sicherheit der Mas­se. Kann man Eltern dazu zwingen, ihre Kinder der vergleichsweise geringen Gefahr einer Masernimp­fung auszusetzen, um dadurch die Gesellschaft zu schützen? Oder ist das ein zu tiefer Eingriff in die per­sönliche Freiheit? Wir wollen von Ihnen daher dies­mal wissen: „Impfpflicht für Masern?“

Geben Sie Ihr Votum bit­te hier ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Carsharing: Würden Sie es nutzen?“ Teilgenom­men haben 354 Leser. Mit Ja antwor­teten 38,1 Prozent, mit Nein 61,9 Prozent. sieb

Wenn man im Winter mal radeln möchte…

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Dieser Fahrrad-Verleihstation an der Messe fehlt ein wichtiges Detail, nämlich das Bedienungsterminal. Foto: Clemens Helldörfer


Ein Fahrradverleihsystem wie in Nürnberg ist grundsätzlich schon mal eine schöne Sache. Da man sich im Winter sowieso nicht so häufig auf den Drahtesel setzt, muss in der kalten Jahreszeit auch nicht unbedingt die ganze Zweirad-Flotte zur Verfügung stehen. Es wäre aber gut, wenn die Exemplare, die noch im Angebot sind, dann auch problemlos ausgeliehen werden können.

Nicht besonders einfach  ist das bei den NorisBike (bzw. NextBike)-Rädern, die gerade (Ende Februar 2015) zwischen der U-Bahnstation Messezentrum und den Messehallen stehen. Jedenfalls nicht für diejenigen, die an das Verleih-Terminal an den Ausleihstationen gewöhnt sind und die Räder nicht direkt per App buchen können bzw. wollen. Das dürfte wohl auch  für die Mehrzahl der Messegäste zutreffen, die hier zum Teil auch aus größerer Entfernung anreisen. Dort, wo normalerweise die Bedien-Säule mit Eingabefeldern und Terminal stehen sollte, schaut hier nur ein Kabel aus der Erde (siehe Bild). Dabei ist gerade der Standort Messe attraktiv, denn von hier aus kommt man schnell mit Pedalkraft nach Langwasser oder zum Dutzendteich. Zumindest wäre ein Schild wie “In Reparatur” nicht schlecht, denn sonst fragen sich die Messe- und Kongressbesucher, was die rätselhaften Räder hier sollen. Zur Aufklärung trägt dabei sicher auch nicht der Umstand bei, dass die Internetadresse www.norisbike.de mittlerweile offenbar Vergangeheit ist, von etlichen städtischen Einrichtungen aber immer noch verlinkt wird.

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Link zu Nextbike

Würden Sie Car-Sharing nutzen?

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Unter dem Motto “Eins für Zehn” machen sich die Grünen in Nürnberg stark für die Idee, Carsharing in der Stadt zu fördern. Foto: Roland Fengler

Das Problem kennen die meisten nur zu gut: Am Ziel ist man mit dem Auto in 15 Minuten, die Suche nach einem Parkplatz dauert aber eine halbe Stunde. Der öffentliche Raum ist knapp in Nürnberg, Autofahrer und Fahrradfahrer fordern ihr Recht und ausreichend Platz, um das Gefährt abzustellen.
Diese beengte Situation wollen die Grünen entschärfen. Ein neu angeschafftes Carsharing-Auto könne zehn private Pkw ersetzen, erklärte in der vergangenen Woche Markus Ganserer, Landtagsabgeordneter der Grünen. „Fahrzeuge sind meistens Stehzeuge“, sagte er im Hinblick darauf, dass ein Großteil der Autos viel parkt und selten fährt. Da man, so Ganserer, normalerweise mit den „Öffentlichen“ die Alltagsgeschäfte gut erledigen könne, seien gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge eine praktikable Lösung.
Das funktioniert so: Im Internet meldet der Carsharing-Kunde seinen Bedarf an, mit Datum und Uhrzeit. Mit einer Zugangskarte öffnet und schließt er das Auto, das an einem festen Standort parkt. Und dort wird das Fahrzeug nach Benutzung auch wieder abgestellt. 35 Autos hat Scouter, der größte Anbieter für Carsharing in Nürnberg, zurzeit im Stadtgebiet. 50 sollen es noch werden. Dazu aber muss das Angebot bekannter werden, mehr Menschen sollten Carsharing nutzen. Dann, davon sind die Grünen überzeugt, hätte Nürnberg ein großes Parkplatz-Problem weniger.

Wir wollen von Ihnen diesmal deshalb wissen: Car-Sharing, würden Sie es nutzen?  Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen:  Trifft die Kirche noch das Lebensgefühl? Mit „Ja“ antworteten 51,5 Prozent der Teilnehmer, mit „Nein“ 48,5 Prozent.

 

Trifft die Kirche noch das Lebensgefühl?

Leere Kirchenbänke.

Immer öfter predigen Priester und Pastoren vor leeren Kirchenbänken. Foto: dpa

Papst Franziskus kann vieles – aber er kann nicht verhindern, dass sich Mitteleuropa von seinem Bekennt­nis zum Christentum weiter zurück­zieht. Und das liegt nicht etwa am Islam. Katholiken und genauso ihre protestantischen Brüder und Schwestern treten in Scharen aus der Kirche aus. Mal mehr (nach der Wiedervereinigung), mal weniger; aktuell mal wieder mehr (nach der neuen Steuerabrechnung bei Kapi­talerträgen). 350.000 Christen, hat die „Frankfurter Allgemeine Zei­tung“ überschlagen, haben sich 2014 aus den beiden großen Kirchen abgemeldet. In Nürnberg waren es 4200 Menschen, fast 1000 mehr als noch im Vorjahr. Der biologische Mitgliedersaldo tut sein Übriges, immer weniger Eltern lassen ihre Kinder taufen.
Deutschland ist ein winziges Land auf der Weltkirchenlandkar­te. Juckt das wen? Und vor allem: Wer hat denn Schuld an dem Desin­teresse? Es nur mit den Fehltritten der Geistlichen zu begründen, ist zu kurz gedacht. Es gibt miserable, aber genauso hervorragende Seel­sorge und Gemeindearbeit – wer da sucht, der findet. Auch der Kirchen­steuerbescheid taugt höchstens als oberflächliche Erklärung.
Eine Skepsis vor althergebrach­ten Autoritäten macht sich viel­mehr breit. Die Gewissheit eines fes­ten Glaubens kommt mehr Men­schen abhanden. Es hat den Anschein, als würden sie sich Fra­gen, die die Religion kollektiv zu beantworten hilft, in einer verwelt­lichten Welt nicht mehr stellen. Viel­leicht suchen sie dazu aber schlicht nicht die ritualisierte Gruppe, in
einer Gesellschaft, die die Vereinze­lung liebt. Oder sie wollen keinen Gottesdiensttermin am Sonntagmor­gen haben, wenn endlich mal Zeit zum Nichtstun wäre.
Wir wollen von Ihnen daher dies­mal wissen: „Trifft die Kirche noch das Lebensgefühl?“ Geben Sie Ihr Votum bitte entweder unter den in der Grafik abgedruckten Rufnum­mern oder via Internet unter www.nordbayern.de/nuernberg ab. Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Braucht die Stadt noch ein Frauenbüro?“ Teilge­nommen haben 258 Leser. Mit Ja antworteten 38,8 Prozent, mit Nein 61,2 Prozent.
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Braucht die Stadt noch ein Frauenbüro?

1988044349Die Frauen haben viel erreicht. Aber um eine wirklich gelebte Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft ist es noch immer nicht zum Besten bestellt. Frauen werden für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer. Sie sind diejenigen, die mehrheitlich im Job kürzer treten, wenn ein Baby da ist – auch wenn sie genauso gut ausgebildet sind wie ihre Partner. Und wenn sie es denn wagen, auch mit Kindern weiter Vollzeit zu arbeiten, sind Frauen in der öffentlichen Meinung vor allem eins: Rabenmütter. Ist eigentlich ein Vater schon mal gefragt worden, wie er denn bitteschön zu 100 Prozent berufstätig sein kann, wo er doch Nachwuchs daheim hat? Es gibt durchaus Männer, die gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen würden, aber denen steht dann auch wieder die vorwiegend männlich besetzte Chef-Etage im Weg.

In Nürnberg haben Vertreter fünf kleiner Rathausparteien kürzlich gefordert, das Frauenbüro der Stadt abzuschaffen. Die Politiker – auch eine Frau ist darunter – räumen durchaus ein, dass auf dem Weg zur Gleichberechtigung noch viele Baustellen zu beackern sind. Aber sie finden, dass eine reine Anlaufstelle für Frauenthemen nicht mehr zeitgemäß ist. Sie fordern ein Gleichstellungsbüro, in dem auch ein Mann als Ansprechpartner vertreten ist.

Wir wollen von Ihnen wissen: „Braucht die Stadt noch ein Frauenbüro?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier auf der rechten Seite ab.

Vergangene Woche wollten wir wissen: „Das selbstfahrende Auto, wollen Sie das überhaupt?“ Teilgenommen haben 379 Leser. Mit Ja antworteten 15,3 Prozent, mit Nein 84,7 Prozent.

Das selbst fahrende Auto, wollen Sie das überhaupt?

“Aus Freude am Fahren.” Ein Werbespruch, den Sie möglicherweise bald vergessen können. Der neue könnte lauten: “Aus Freude am nicht selber Fahren.” Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat bereits angekündigt, einen Teil der A 9 zur Teststrecke für computergesteuerte Autos machen zu wollen.

Mit seiner Euphorie überholt er sogar fast die Autohersteller. Vorreiter für das selbst fahrende Auto ist Google. Kein Lenker nötig, kein Gasgeber, kein Bremser, das kann das technisch so ausgestattete Auto alles selbst – und noch viel mehr.

Der Fahrer wird komplett überflüssig. Da kann der Macho am Steuer dann mal spüren, wie es ist, machtlos auf dem Beifahrersitz zu lümmeln. Das Steuer aus der Hand geben, das ist doch eigentlich etwas für Versager, neudeutsch für Loser. Zu lange hieß es, er hat das Steuer fest in der Hand. Das stand für
Leistungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Machtanspruch. Das Auto, des Deutschen liebstes Kind, dann plötzlich in „fremder Hand“? Geht es nach der Autoindustrie, wird es genau so kommen.

Der Verkehr wird in Deutschland weiter zunehmen. Reisende können dann künftig während der Fahrt arbeiten, schlafen, mit dem Handy straflos telefonieren (!) oder andere Dinge straflos machen.

Eine ganz andere Frage wird derzeit noch gar nicht bespiegelt: die Kosten. Bremsassistenten, Spurwechselwarner und Abstandshalter treiben sie bereits heute in die Höhe. Für das voll automatisierte Fahren sind aber noch (winterfeste!) Sensoren aller Art, Kleinkameras und Minicomputer vonnöten. Und für die dann eintretende Langeweile bei der Fahrt von Nürnberg nach Hamburg dürften noch zahlreiche Unterhaltungsmedien an Bord unabdingbar werden. Das wird sehr teuer. Letztlich ist es deshalb aus Kostengründen absehbar, dass in 10 oder 15 Jahren gar keine Wahlmöglichkeit mehr besteht. Zweifelsohne eine Zäsur für alle Autofahrer.

Wir wollen von Ihnen daher diesmal wissen: „Das selbst fahrende Auto, wollen Sie das überhaupt?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Soll sich Nürnberg als Kulturhauptstadt bewerben?“ Teilgenommen haben 247 Leser. Mit Ja antworteten 41,7 Prozent, mit Nein 58,3 Prozent.

Kulturhauptstadt: Soll sich Nürnberg bewerben?

30887515102019/2020 wird entschieden, welche deutsche Stadt 2025 den Titel Kulturhauptstadt Europas erhält. Wenn Nürnberg zusammen mit der Metropolregion antritt, dann müsste möglichst schnell Klarheit geschaffen werden, mit welchem Konzept die Bewerbung Erfolg haben soll.

Eine Einigung müsste auch über die Inhalte erzielt werden, für was die Region steht. Die Zeit drängt etwas, denn die Struktur der Metropolregion Nürnberg ist komplex und die Abstimmungsprozesse sind daher schwierig.

Bevor es losgeht, muss natürlich gut abgewogen werden, ob sich der Aufwand rentiert, denn diese Bewerbung kostet Geld. Nürnberg und seine Mitstreiter in der Region haben viel zu bieten, doch es geht nicht nur darum, einen bunten Strauß an Veranstaltungen 2025 zu bieten, sondern darum, Kultur als Kraft darzustellen, die integriert, die Städte und Gesellschaften voranbringt und die ein Hebel ist, Zukunft zu gestalten. In der Vergangenheit haben Städte wie das schottische Glasgow oder Graz in der Steiermark den Titel Kulturhauptstadt dazu genutzt, ihr verstaubtes Image zu verbessern und nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Die jeweilige Stadtentwicklung wurde positiv beeinflusst. Anderen Städten hat der Titel nur Geld gekostet und wenig gebracht.

Wir wollen von Ihnen daher diesmal wissen: „Soll sich Nürnberg als Kulturhauptstadt bewerben?“ Geben Sie Ihr Votum hier ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „VAG-Tarifreform: Blicken Sie jetzt durch?“ Teilgenommen haben 292 Leser. Mit Ja antworteten 13,4 Prozent, mit Nein 86,6 Prozent.

VAG-Tarifreform: Blicken Sie jetzt durch?

Mit der jüngsten Tariferhöhung bei der VAG sollte auch der unübersichtliche Tarifdschungel etwas gelichtet werden, damit der Ticketkauf am Automaten leichter wird. Der Wechsel von der Fünfer-Streifenkarte zum Vierer-Ticket bietet im Alltag tatsächlich eine Erleichterung.

Die neuen Karten lassen sich gut falten und in kleinen Geldbeuteln besser verstauen. Auch kann man die Vierer-Karte teilen, was vorher nicht möglich war. Durch das größere Format ist der Aufdruck außerdem leichter lesbar.

Während die neuen Kartenformate tatsächlich etwas praktischer bei der Handhabung sind, war der Selbstversuch am Automaten nicht von Erfolg gekrönt. Nach wie vor ist das Verfahren unübersichtlich und es bleibt dem Zufall überlassen, ob der Automat das Geld nimmt oder nicht. Münzen oder Papiergeld sind davon gleichermaßen betroffen.

Und der Tarifdschungel? Für Menschen, die nur ab und zu mit der VAG fahren und keine Lust oder Zeit haben, sich erst einmal länger durch die Tarifbestimmungen zu quälen, ist es noch immer zeitraubend, zu bestimmen, welche Karte man benötigt. Dabei will man den Verantwortlichen gar nicht das Bestreben absprechen, es einfacher zu machen. In der Realität ist es aber nicht einfach, wenn man das System mit Paris oder München vergleicht. Nur ein Beispiel: Der Touch-Screene-Bildschirm ist zwar ausreichend groß, doch die einzelnen Wahlmöglichkeiten liegen zu eng beieinander, so dass man leicht die falsche Karte herauslässt. Das Ziel der VAG ist leider noch immer nicht, das System für die Nutzer einfacher zu machen, sondern einen möglichst differenzierten und damit gerechten Preis zu verlangen. Differenzierung bedeutet aber stets Unübersichtlichkeit. Gut, alles geht nicht.

Wir wollen von Ihnen daher diesmal wissen: „VAG-Tarifreform: Blicken Sie jetzt durch?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Haben Sie Angst vor Terroranschlägen?“ Teilgenommen haben 227 Leser. Mit Ja antworteten 66,5 Prozent, mit Nein 33,5 Prozent.

Haben Sie Angst vor Terroranschlägen?

Im bequemen Sessel von entsetzlichen Anschlägen viele Tausend Kilometer entfernt zu lesen – das ist das eine. Hier macht sich auch sogleich Goethes Aphorismus björnzum Thema Krieg breit: „Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, wenn hinten, weit, in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen.“ Nun rückt uns das jüngste Massaker auf die Pelle: Von Nürnberg nach Paris sind es nur 758 Straßenkilometer; darüber zu lesen – das ist das andere.

Erneut beschleicht einen das mulmige Gefühl, dass es mit der bequemen „aus-der-Sessel-Betrachtungsweise“ womöglich früher oder später vorbei sein könnte. Dabei wird allerdings gerne verdrängt, dass es in Deutschland bereits zahlreiche Anschlagsversuche gegeben hat. Die konnten teilweise in letzter Minute verhindert werden.

Die Angst einflößende Frage, ob sich ein grausamer Terrorakt wie der in Paris auch in Berlin, Bochum, München oder Nürnberg ereignen könnte, ist mit einem klaren Ja zu beantworten. Ebenso klar ist aber auch das „könnte“ zu betonen.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat vor einem geplanten Terroranschlag in Deutschland gewarnt. Es bestehe „Grund zur Sorge, aber nicht zur Hysterie“.

Natürlich ist Deutschland Mitglied einer Kerngruppe von zehn Ländern, die sich derzeit unter Federführung der USA zum gemeinsamen Kampf gegen den IS engagieren. Und natürlich steigt die Gefahr derartiger Anschläge mit der steigenden Zahl rückkehrender deutscher IS-Kämpfer. Sie kommen zurück als ausgebildete Terrorkämpfer mit heimischen Pässen.

Nun ist Angst aber ein schlechter Lebensbegleiter. Und dass das Leben „lebensgefährlich ist“, dokumentiert sich in allen möglichen Meldungen über Unglücke. Letztlich wäre es beispielsweise für die Menschen in hoch gefährdeten Erdbebengebieten ein Lebensunglück, stets Angst vor dieser latenten Gefahr zu haben. Was für ein verschwendetes Leben, wenn sie kurz vor ihrem natürlichen Tod feststellen müssten, jahrzehntelang Angst vor etwas gehabt zu haben, was dann gar nicht eingetreten ist.

Wir wollen von Ihnen diesmal wissen: „Haben Sie Angst vor Terroranschlägen?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de auf der rechten Seite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Zerstörung Nürnbergs: Braucht die Stadt eine Gedenkstätte?“ Teilgenommen haben 358 Leser. Mit Ja antworteten 56,7 Prozent, mit Nein 43,3 Prozent.