Chronisten im Dopingsumpf

tour.jpgDer Dopingsumpf musste ihnen zwar erst bis zum Hals stehen, doch jetzt zogen die Sponsoren Telekom und adidas immerhin doch die Konsequenzen. Sie ziehen sich aus dem Radsport zurück und unterstützen die Tour de France nicht mehr.

Das ficht die ARD jedoch überhaupt nicht an. Sie will die Tour weiter übertragen, als sei nichts gewesen. Welche Gründe im Hintergrund auch immer einer Rolle spielen, offiziell bezieht sich die Sendeanstalt vor allem auf ihre Chronistenpflicht. Nur: Gibt es nicht auch interessante Wrestling-Kämpfe oder Poker-Turniere, bei denen zwar auch nicht alles mit rechten Dingen zugeht, von denen man aber trotzdem als Chronist berichten könnte? Trotzdem überlassen die Öffentlich-Rechtlichen dies gerne den Privatsendern. Warum muss das beim Radsport anders gehandhabt werden?

Bei der ARD werden zudem nicht wie bei den Sponsoren oder den Privatsendern nur Werbegelder eingesetzt, um die Berichterstattung zu finanzieren. Es handelt sich auch um Geld, das den Zuschauern zwangsweise abgeknöpft wird, angeblich um einen öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen, der beispielsweise auch unabhängige, kritische Information vorsieht. Überspitzt könnte man sagen: Die Dopingmittel, mit denen die Radler schneller die Pyrenäen erklimmen, werden auch von arglosen Fernsehgebührenzahlern mitfinanziert.

Unsere Leserfrage lautet daher: Rundfunkgebühren für die Tour de France? Abstimmen können Sie wie immer über den Link rechts unten auf der NZ-Homepage.

10 Kommentare in “Chronisten im Dopingsumpf

  1. Pingback: Vip-Raum » Blog Archive » Boykottiert die ARD!

  2. ARD und ZDF haben es aber auch nicht leicht. Einerseits leben sie von Rundfunkgebühren, andererseits auch von Werbung. Einerseits müssen sie das bringen, was die Publikumsmehrheit will, andererseits fragen sie diesen Publikum nie, was es sehen möchte. Und dann sollen sie auch noch Dinge senden, die das Publikum gar nicht sehen will, aber sehen soll.
    Die ganze öffentlich-rechtliche Konstruktion ist m.E. überholt und nicht mehr zeitgemäß. Deswegen liegt der Fehler hier auch nicht bei der ARD, sondern bei der Politik und den Rundfunkräten, die sich solche Strukturen einfallen lassen.

  3. Selber sehe ich immer gerne die Tour an, und nicht nur, weil „wir Deutschen“ vorne sind. Trotzdem hätte ich von den Öffentlich-Rechtlichen erwartet, dass sie ein Zeichen setzen. Will man den Radsport wieder sauber bekommen, müssen alle mithelfen. Da kann man sich nicht nur auf andere verlassen und weiter seinen Stiefel durchziehen. Bei der nächsten Tour erwartet mich jetzt gleich ein doppelt bitterer Beigeschmack, einmal Fahrer, bei denen ich nie sicher bin, ob sie nicht am nächsten Tag disqualifiziert werden, und dann ein Sender, der sich nicht getraut hat, ein Zeichen zu setzen. Schade um die verpasste Chance!

  4. „Falsch“, „dumm“, „billige Polemik“: Da scheint aber jemand am Nerv getroffen worden zu sein.
    Im übrigen, Herr BR-Pressesprecher, kann ich sehr gut auf die Sportschau verzichten, vor allem dann, wenn Reinhold Beckmann sie moderiert.
    Mit freundlichen Grüßen Heinz Herzig

  5. Es gab Zeiten, da war die Tour de France ein absoluter Quotenrenner. Halb Deutschland verfolgte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Siege von Jan Ullrich oder Erik Zabel. Heute vergleicht die Nürnberger Zeitung Radprofis mit Catchern oder TV-Zockern und wirft der ARD vor, trotzdem weiter über die Tour berichten zu wollen.
    Fakt ist: Die ARD hat mit den Tour-Veranstaltern, damals ganz im Sinne der Zuschauer, einen langfristigen Vertrag bis einschließlich 2008 abgeschlossen. Pacta sunt servanda, Verträge sind einzuhalten, alles andere wäre Rechtsbruch und käme die ARD und die Gebührenzahler sehr teuer zu stehen.
    Die ARD berichtet unabhängig und kritisch über den Radsport und alle anderen Sportarten.
    Wenn die Nürnberger Zeitung jetzt behauptet, der Gebührenzahler werde quasi für die Finanzierung von Doping herangezogen, dann ist das ebenso falsch wie dumm.
    Leider scheint es der NZ aber nur um billige Polemik zu gehen, sonst hätte sie ihre Leser fragen müssen, ob sie auf Sportschau, die Fußball-EM und die Olympischen Spiele bei ARD und ZDF verzichten wollen? Ich glaube nicht.
    Rudi Küffner, Pressesprecher des BR

  6. Es würde sicher auch der NZ nicht schaden wenn man Umfragen in Zukunft nicht mehr mit solch einem einseitigen Beitrag wie dem obigen veröffentlichen würde. Besonders in der Printausgabe macht es doch einen sonderbaren Eindruck dem interessierten Leser vor der Fragestellung der Umfrage einen derart einseitigen Beitrag lesen zu lassen. Am Ende kommt dieser noch zum Schluss Doping fände nur im Radsport statt.
    Man müsste dann ja zu der Auffassung kommen nur Radsportler und deren Umfeld seien intelligent genug sich konkurrenzfähig zu machen indem sie Dopingmittel einsetzen. Oder muss der Radsport jetzt für viele andere Sportarten stellvertretend als „Dopingsünder“ den Kopf hinhalten?
    Bernd Schuster der Trainer von Real Madrid hat auf die Frage was er denn zu den Mutmaßungen sage, dass auch Real Madrid medizinischen Beistand bei Herrn Fuentes gesucht habe sinngemäß geantwortet, diese Sachen würden nur lanciert um von den Radsportlern abzulenken. Ich kann mich nicht des Verdachtes erwehren das es auch im umgedrehten Fall Sinn ergeben würde. Wer dann noch ein bißchen die Hintergründe der gesamten Fuentesgeschichte und der (Nicht-)Ermittlungen der Guardia Civil recherchiert, den wundert gar nichts mehr.
    Anstatt also munter auf den Radsport einzuschlagen, sollte mancher in ihrer Sportredaktion weiter hoffen das einige Sportarten auch in Zukunft gleicher sind als andere.
    Ich für meinen Teil finde es nicht abartig Gebühren zu verwenden um Radsport zu übertragen und nebenbei unser Nachbarland Frankreich in immer neuen Facetten kennenzulernen.
    Vor allem dann wenn die ARD Hunderte Millionen Euro ausgibt um oftmals mittelmäßige fußballerische Leistungen zu glorifizieren. Aus einer Liga übrigens die erst zu diese Saison ihre Doping-Trainingskontrollen halbwegs auf Vordermann gebracht hat. Hier würde mich auch noch interessieren ob und wo die Profifußballspieler ihre aktuellen Aufenthaltsorte angeben müssen um auch für Kontrollen antreffbar zu sein. Ihre Fußballredaktion wird wohl keine Mühe haben dies einmal zu recherchieren.

  7. Da haben Sie sicher nicht unrecht, Herr Hilpoltsteiner. Ich erinnere mich aber noch an die Zeiten, als Wrestling total angesagt war. Damals haben die Öffentlich-Rechtlichen damit argumentiert, hier sei schon vorher klar, wer gewinne, das sei kein richtiger Sport. Die Übertragungen hat man dann (Terrestrische waren sowieso außen vor) höchstens nachts auf irgendwelchen obskuren Privatsendern sehen dürfen.
    Mit Pokerturnieren ist es jetzt ähnlich.

    Die Frage ist daher nicht: Warum nicht Radsport? Sondern: Warum Radsport und anderes nicht?

    Von mir aus sollen sie die Tour de France übertragen. Aber sich dann woanders hochnäsig hinzustellen und zu sagen: „Das ist kein Sport, das bringen wir nicht“, das geht nicht.

    Deshalb wäre es auch einmal interessant zu wissen, wer in der ARD-Sportredaktion die Tour existenziell und finanziell braucht.

    Gruß vip

  8. Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit Ihrer Fragestellung lehnen Sie sich entschieden zu weit aus dem Fenster. Hier wird von Ihnen einseitig Panik gemacht, die ich nur verurteilen kann. Aber von der NZ ist man ja gewohnt: Fussball Fussball über alles!

    Wird beim Fussball nicht im großen Stil betrogen? Was ist mit Schwalben, versteckten Fouls, fitgespritzten Spielern? Ist letzteres kein Doping (Zuführung von körperfremden Mitteln, um leistungsfähig zu sein)?

    Ich will z.B. nicht, dass mit Hunderten von Millionen Euro an Rundfunkgebühren die Fusballmillionäre und deren Vereine saniert werden.

    Ich will nicht, dass ein Herr Netzer für zehn oder 15 übers Jahr verteilte Kommentare mehrere Hunderttausend Euro bekommt.

    Das Geld, das die ARD für die dreiwöchige Übertragung der Tour de France investiert, geht wahrscheinlich schon für ein einziges Fussballländerspiel drauf.

    Ich hoffe, Sie können den Beweis antreten, dass mit den Rundfunkgebühren tatsächlich Doping für Radsportler finanziert wurde.

    Dass im Radsport gedopt wurde und wird, ist unumstritten.

    Aber in welcher Welt leben Sie eigentlich? Gedopt, getrixt und betrogen wird doch überall im Profisport. Da wo es Geld zu verdienen gibt (und das ist nicht nur im Sport so), versucht der Mensch mit allen möglichen Mitteln den maximalen Erfolg heraus zu holen.

    Sie sollten deshalb den ganzen Profisport bezüglich der Verwendung von Rundfunkgebühren in Frage stellen und nicht nur die günstige Gelegenheit beim Schopf packen, auch noch auf den bereit gestellten Sack der Radfahrer einzudreschen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Herbert Hilpoltsteiner, Schwaig
    Tel. z.Zt. 0911/9195-301

  9. Warum trampeln immer alle auf der Volksmusik herum. Es gibt auch Menschen, wie mich und meine Frau zum Beispiel, die sehen diese Sendungen sehr gerne.
    Wir sind froh, dass unser deutsches Fernsehen dafür Sendeplätze bereit hält.

  10. Die haben halt eine Affinität zu Doping. Anders könnten doch Beckmann, Burow, Kerner und wie sie alle heißen gar nicht so viele Sendungen machen und sich soviel Verbalmüll ausdenken. Auch die Volksmusiksendungen sind doch nicht sauber.
    Wenn bei mir das nächste Mal der GEZ-Heini vor der Türe steht, mache ich bei dem eine Doping-Probe.

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