Der Revoluzzer im Hausarzt

HausärzteprotestUnd, ist Ihr Hausarzt auch schon demonstrieren gegangen? Bayerns Allgemeinmediziner fühlen sich offensichtlich wie die Knechte der Nation. Zu Tausenden haben sie in der Nürnberger Arena ihrem Zorn Luft gemacht. Wer einen redseligen Hausarzt hat, wird das nachvollziehen können. Die Klagen über absurde Abrechnungsverfahren, unzureichende Vergütung für die Beratung mehrfach und chronisch Kranker, Schlechterstellung gegenüber den Fachärzten, sie entspringen der Realität eines kranken Gesundheitssystems.

Andererseits, bis ins Letzte begriffen haben nicht alle Bürger den flammenden Unmut. Das mag auch am Kommunikationsauftritt der Mediziner liegen. Der legt immer noch etwas ungeschickt nahe, dass es ihnen vor allem um höhere Honorare gehe und nicht nur um die Freiheit – dabei könnten sich ganz andere Berufsgruppen als Ärzte beschweren, wenig zu verdienen. Ist da nicht also doch viel standespolitisches Säbelrasseln dabei? Mit ihrem radikalen Vorhaben, möglichst zahlreich die Kassenzulassung zurückzugeben, betreten die Hausärzte außerdem rechtliches Niemandsland, erst einmal ohne viel Rücksicht auf ihre Patienten.

Haben Sie Verständnis für den Protest der Hausärzte? Auch in unserer Leserfrage können Sie, wie immer ab Montag auf der NZ-Homepage, abstimmen.

2 Kommentare in “Der Revoluzzer im Hausarzt

  1. Schade, dass der eigentliche Grund für den Hauärzte-Protest nicht verstanden wurde.
    1. wollen die Hausärzte ihre Patienten wie gewohnt weiterhin versorgen.
    2. Eine Praxis ist auch ein kleines Unternehmen, das seine betrieblichen Ausgaben hat, wie Gehälter, Fixkosten etc. Gehen die Einnahmen zurück kommt ein unweigliches AUS.
    3. politisch gewollt verdienen die Hausärzte immer weniger und somit bleibt der Nachwuchs aus. Sind die Praxen geschlossen, kann auch die Gesundheitsreform durchgeführt werden, dies bedeutet:
    – Call center, der Pat. muss dort erst seine Probleme einer ihm nicht bekannten Person schildern, daraufhin
    – Case manager, wieder eine unbekannte Person die dann sich um das spezielle Problem bemüht, daraufhin
    -ins MVZ, dass von einem; meist Börsen notierten, Gesundheitskonzern betrieben wird mit angestellten Medizinerin, wenn nötig
    – ins Krankenhaus, das ebenfalls vom gleichen Konzern betrieben wird!
    Wo bleibt da die fürsorgliche ganzheitliche Versorgung der Patienten? Ist dies die gesundheiliche Versorgung diewir uns wünschen?
    Hk

  2. Wenn jemand gegen die zunehmende Bürokratie protestiert, dann kann ich ihn nur unterstützen. Wenn das ausgerechnet die Ärzte sind, denen als erstes der Kragen platzt: auch gut. Andere Berufsgruppen oder Nichtberufsgruppen haben inzwischen andere, drängendere Probleme, die sie aber weniger einigen, weil sie zu unterschiedlich sind.

    Den Ärzten, die es gewohnt sind, dass ihre Mitmenschen Vertrauen zu ihnen haben, fällt das außerdem mehr auf, wenn ihnen nur Misstrauen entgegen schlägt.

    Doch dieser Staat stellt inzwischen jeden Bürger unter Generalverdacht, will jeden Schritt dokumentiert haben, und wo er das nicht mit Formularen schafft, schnüffelt er einem anderweitig hinterher. Wir Nichtärzte sind das nur schon viel länger gewohnt und daher leider zu abgebrüht zum demonstrieren.

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