Ist der Wahlkampf langweilig?

kommunal1.JPGSechs Jahre lang haben CSU, SPD, Grüne, aber meistens auch FDP und Freie Wähler praktisch einvernehmlich Stadtpolitik gemacht. Das war zwar gut, um die beiden rechten Stadträten außen vor zu lassen und ihnen nicht als Zünglein an der Waage unverdiente Wichtigkeit zukommen zu lassen. Beim jetzigen Wahlkampf rächt sich das jedoch. Die Plakate, bei denen die Aussage „für Nürnberg“ oft den Gipfel der Konkretisierung darstellt, sind von teilweise fast schon rührender Bemühtheit. Sie erinnern eher an das, was Personalchefs in Geldinstituten oder Verwaltungseinrichtungen an Bewerbungsunterlagen bekommen. „Wählt mich, ich schaue harmlos aus!“, scheinen alle diese Portraitfotos den Nürnbergern entgegenzuschreien…ach was, da schreit natürlich nichts, da wird höchstens gesäuselt.

Kommunal2.JPGAuch die beiden Spitzenkandidaten weisen da eher bescheidene Unterschiede auf. Keine Spur etwa von der Auseinandersetzung Scholz gegen Schönlein vor zwölf Jahren, wo der Wähler nicht bloß konträre Konzepte bei Schul- und Verkehrspolitik bewerten konnte, sondern auch die Auswahl zwischen barocken Gemütsmensch und trockenem Lateinlehrer hatte.

In das aktuelle Wahl“kampf“geschehen bringen lediglich die kleinen Parteien mitunter noch ein bisschen Farbe. Ihnen fehlen allerdings meist die Mittel, um aufwändigere Kampagnen umzusetzen.

Andererseits verdecken Aufregerthemen oft den Blick auf die Details. Der einzelnen Stadtratskandidat hat diesmal mit Sicherheit mehr Möglichkeiten, seine Persönlichkeit und Individualität einzubringen, um sich mit einem „Dreier“ nach oben häufeln zu lassen. Ob von dieser Individualität noch viel bleibt, wenn erst einmal der Fraktionszwang zugeschlägt, steht da allerdings auf einem anderen Papier.

In unserer Wochenfrage wollen wir diesmal von Ihnen wissen: Finden Sie den Kommunalwahlkampf langweilig? Abstimmen können Sie – wie immer ab Montag – auf unserer NZ-Homepage.

7 Kommentare in “Ist der Wahlkampf langweilig?

  1. Von den NN weiß ich es: Da ist ein Lokalchef, der als Sprachrohr der SPD fungiert, da ist andererseits ein Redakteur für Kommunalpolitik, der sich mehr der CSU zuwendet. Mehr Redaktionspersonal, das sich regelmäßig mit Kommunalpolitik beschäftigt, gibt es nicht. Wo soll da ein Herz für die kleineren Parteien, die Außenseiter, schlagen?
    Personalarmut bedingt Gedankenarmut und politische Einfarbigkeit!

  2. Das mit der Entscheidungsgewalt ist natürlich klar – NUR wird es halt irgendwie zu durchsichtig für wen man sich entschieden hat.
    Jemand hat mir erzählt, das sogar die NN online Redaktion angeblich Seminare über den richtigen Internetwahlkampf in der Hans-Seidel Stiftung gegeben haben soll …

  3. Langweilig ist der Wahlkampf allemal nicht, aber er ist halt auch der Presse ausgeliefert. Es steht allein in der Entscheidungsgewalt des Pressehauses, worüber man berichtet und worüber nicht. Dazu spielen dann noch persönliche Befindlichkeiten bis hin zur eigenen politischen Überzeugung eine Rolle. So wie sich das in dem Wahlergebnis widerspiegelt ist dann halt auch eine zuständige Redaktion besetzt. Und da sind damit dann auch die kleineren Parteien völlig unterrepräsentiert. Und nach der Wahl kommt dann der große Katzenjammer, dass die „Großen“ das wieder unter sich ausmachen. Würde tastsächlich eine gewisse Neutralität innerhlab der Redaktionen Raum greifen, dann hätten wir wohl defacto eine Situation im Stadtrat, wo kleinere Parteien größer und größere Parteien kleiner abgebildet werden. Und das würde auch im Sinne eines Vorankommens der Nürnberger Bevölkerung die entsprechenden Diskussionen und Spannung bringen. Somit haben die RedakteurInnen der jeweiligen Presseorgane ein hohes Maß an Verantwortung. Umgekehrt heißt das aber auch, dass das Wahlvolk sich nicht ins Bockshorn jagen sollte und den Mut hat, auch mal neben den großen Parteien ein Kreuzchen zu setzen. Lieber ein Stadtrat mit wechselnden Mehrheiten als ein ständiger Einheitsbrei ber 6 Jahre hinweg.

  4. Wenn nur mal die Informationen benützt würden, die die Lokaljournalisten vielleicht so haben – aber auch dies ist leider nicht der Fall. Und tief gegraben bzw. recherchiert wird auch nicht mehr.
    Aber wieso auch? Mit NZ und NN ist man der vermeintliche Platzhirsch. Warum aktiv werden?
    Es geht doch auch ehrlicherweise um Anzeigenkunden, anstelle von Informationen … und das auch nicht nur in Nürnberg 🙂
    Aber ein Journalist ist schon lange nicht mehr der Entscheider über die Nachrichtenweitergabe. Vielmehr sollte er sich auf seine Wahrheitspflicht und gute Recherche konzentrieren und so manchen PR Brei enthüllen – ABER das hat sich in Nürnberg so noch nicht herumgesprochen.
    Frau Dorn .. übrigens 🙂

  5. Lokalzeitungen, bzw. die jeweils verantwortlichen Redakteure, versuchen vor allem, es mit niemandem zu verderben, der ihnen zukünftig noch nützlich sein kann. Daher setzen sie auf mögliche Gewinner. Ein Guter, ein ÖDP-Kandidat, ein Freier Wähler hilft ihnen nichts. Er hat keine Informationen, die Lokalredakteuren nützen.
    Wenn sie hingegen Gsell oder Maly um den Bart gehen, dann werden sie von denen auch mit Infos beliefert. Wenn sie sie hingegen schlecht behandlen, schneiden sie die unartigen Redakteure und die erfahren zur Strafe nichts mehr aus dem „Machtzentrum am Hauptmarkt“ und aus dem „Machtzentrum in München“. Denn der Gsell wird zwar nichts im Rathaus, aber vielleicht etwas im Maximilianeum. Schließlich hat Beckstein auch schon OB-Wahlen in Nürnberg verloren und hat trotzdem noch Karriere gemacht.
    So bleiben eben die Kleinen immer klein und die Großen immer groß…
    Wobei, Herr/Frau Dorn, das – glaube ich – nicht nur in Nürnberg so ist!

  6. Langweilig auch deshalb – weil die eindeutige Berichterstattung vom Verlag Nürnberger Presse zu Gunsten von Gsell (mehr Bild- und Textanteil als ein anderer Kanditat überhaupt) nervt.
    Kommunalwahlen sind nur alle sechs Jahre, da kann und sollte man sich als Redaktion anders darauf vorbereiten. Vielleicht würde es mehr „Reizthemen“ geben, wenn die Lokalzeitung mal genauer hinsehen würde und Recherche betreiben würde …? Nicht nur Pressemitteilungen abdrucken!

  7. Langweilig ist gar kein Ausdruck. Der Wahlkampf geht nicht nur mir, sondern jedem, den ich kenne, total am A. vorbei.
    Der Maly ist nur weniger peinlich als der Gsell. Von den „Kleinen“, die nur deshalb klein sind, weil sie jeder als „Kleine“ tituliert, die Großen sind nämlich, was das personelle Angebot angeht, nicht wirklich größer, sind eigentlich nur die Guten originell. Wobei ich bei der ÖDP gestehen muss, dass da der Mitleidsfaktor mitspielt. Die benutzen nämlich das selbe Poster bei jeder Wahl, ganz gleich ob für den Stadtrat oder für den Landtag oder sonstwas. Das ist schon fast rührend.
    Dass der Wähler aber keinerlei Votum zu Sachfragen abgeben kann, das ist schon eine Entmündigung. Letztlich sind das alles Katzen im Sack, die einen da freundlich anlächeln.
    Am widerlichsten finde ich jedoch, dass die CSU nun versucht, mit der Angst vor den Linken so etwas wie Pfeffer in die lasche Suppe zu kippen. Dabei sind diese Linken doch alles gesetzte, ältere Herren, die den anderen Kandidaten in punkto Langeweile in nichts nachstehen. Als Bürgerschreck eignen die sich jedenfalls nicht die Bohne.

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