Mit dem Postpaket in den Supermarkt

Postfiliale.JPGErst zur Fleischtheke, dann schnell zum Gemüsestand und im Vorbeigehen wird das Päckchen an Tante Erna aufgegeben. So könnte die Postwelt in Zukunft aussehen. Bis zum Ende 2011 will die Deutsche Post alle 750 von ihr selbst betriebenen Filialen in private Partner-Filialen umwandeln. Diese werden in vielen Fällen in Supermärkten oder Einzelhandelsgeschäften integriert sein.

Die Nachricht sorgt für Unruhe, Ängste vor Filial-Schließungen, Entlassungen und Qualitätsverlusten werden geschürt. Doch Erwin Nier, Pressesprecher der Post für Mittelfranken, versucht, Kunden und Mitarbeiter zu beruhigen: „Nach einer Umwandlung wird ja nicht automatisch alles schlechter. Es werden alle Leistungen erhalten bleiben.“ Die Umwandlung von Post-Filialen in private Partneragenturen sei nichts Neues – 7200 sind es schon jetzt. „Wir tun das seit 15 Jahren.“ Es gebe keinen Grund, das Thema aufzubauschen, so Nier.

In Nürnberg gibt es derzeit 46 Post-Filialen, 28 sind in der Hand privater Partner, acht sind Postbank-Finanzcenter, diese bleiben von der Veränderung unberührt. Zehn Filialen betreibt die Post selbst – noch. Der Grund für die Übergabe an private Partner ist vor allem das Geld. Es sei „eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit“, so Nier. Die Post spart durch die Auslagerung Fixkosten für Gebäude und Personal. „Und wenn der Kunde sein Paket im Supermarkt gleich mitabgeben kann, spart er sich ja auch einen Weg.“ Zudem hätten Kundenbefragungen gezeigt, dass die Zufriedenheit mit Service und Freundlichkeit der privaten Anbieter sehr hoch sei.

Den Nürnberger Post-Angestellten – wie viele das sind, behält die Post für sich – in den verbliebenen zehn Post-Filialen dürfte diese Information ziemlich egal sein, für sie geht es um die berufliche Zukunft. „Einige Dutzend sind betroffen“, sagt Nier lediglich. Eine dreistellige Zahl sei es nicht. Bekannt ist bis jetzt lediglich, dass die Zweigstellen in der Feldgasse und in der Schornbaumstraße in Altenfurt vor einer Umwandlung stehen. Die Mitarbeiter, die von einer Umstellung betroffen seien, würden „adäquat und sozial verträglich“ in anderen Post-Unternehmensteilen untergebracht, so Nier.

 Stephan Doll, Regionsvorsitzender des Gewerkschaftsbundes (DGB), sieht in der Umwandlung dennoch einen Arbeitsplatzabbau. „Wir befürchten zudem, dass das Lohnniveau gedrückt wird.“ Doll erwartet eine Aushebelung des Mindestlohns – den die Post einst forciert hat – und ein Absinken der Serviceleistung.

Claudia Urbasek