Stehen Sie nachts für Olympia auf?

Nur wer auch „live“ dabei war, konnte wirklich mitreden. Als Mike Tyson seinem ewigen Kontrahenten Evander Holyfield beim Schwergewichts-WM-Kampf aller Klassen am 28. Juni 1997 ein Stückchen vom Ohr abbiss, da hatte es sich mal wieder gelohnt gehabt. Natürlich, ein Flugticket nach Las Vegas und geschätzte 500 Dollar für das Eintrittsbillett in die MGM Garden Arena, wäre wohl auch der „Bite-Fight“, der es auf so unrühmliche Art in die Liste der zehn legendärsten Boxkämpfe schaffte, nur den am härtest gesottenen Boxfans wert gewesen. Aber für eine schlaflose Nacht vor dem heimischen TV-Gerät entschädigte das Ereignis allemal. Wer erst am nächsten Morgen aus den Nachrichten davon erfuhr, war da lediglich Gesprächspartner zweiter Klasse.
Ob Boxkampf in Vegas, Triathlon auf Hawaii oder Formel 1 in Singapur: Das globalisierte Sportgeschäft und die Zeitverschiebung verlangen dem gemeinen Fan mitunter so manche durchgemachte Nacht ab.
Auch die Olympischen Spiele waren von jeher prädestiniert dafür, sportinteressierten TV-Gebührenzahlern zu ein paar olympischen Augenringen zu verhelfen. Wem der eigene Schlaf wichtiger war, als sportgeschichtlicher Augenzeuge zu sein, der verpasste unter anderem Ole Einar Björndalens Triumph-Winterspiele von Salt Lake City 2002 oder Heike Drechslers fulminantes Gold-Comeback in Sydney vor acht Jahren.
Nach den familienfreundlichen „Anstoßzeiten“ von Turin und Athen bei den letzten Winter- und Sommerspielen kommt es ab Freitag in Peking wieder ganz dick: Für uns, die wir in der Mitteleuropäischen Zeitzone zu Hause sind, beginnen die Spiele ab 0.30 Uhr morgens. Wer zum Beispiel die Basketballvorrundenpartie der Deutschen gegen Angola sehen möchte, muss am Sonntag um 5.15 den Fernseher einschalten. Wer den Nürnberger Max Müller beim Spiel seiner deutschen Hockey-Auswahl gegen China die Daumen drücken will, muss dies am Montagfrüh um 2.30 Uhr tun.
Wir wollen daher von Ihnen wissen: Stehen Sie nachts auf, um die Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen zu gucken? Geben Sie Ihr Votum bitte ab Montag hier ab. 

Die Leserfrage der vergangenen Woche lautete: Sparen Sie am Urlaub? Mit Ja votierten 68,8 Prozent, mit Nein 32,2 Prozent.