Schafft die CSU einen Neuanfang?

Mit Sicherheit waren es viele Gründe, die zum Wahldebakel der CSU geführt haben. Dennoch sind manche schnell bei der Hand, wenn es um die Suche nach Schuldigen geht. So haben vor allem oberbayerische CSU-Parlamentarier, nachdem sie Ministerpräsident Günther Beckstein erfolgreich zum Rücktritt gedrängt hatten, die Parole ausgegeben: Bloß keinen Franken mehr. Der in Erlangen kandidierende Joachim Herrmann hat diese Stimmungslage schon früher erkannt. Vor der Wahl ließ er bereits allerorten Bayernfahnen hissen und überall publizieren, dass er in München geboren sei. Dabei trat er bevorzugt im Trachtenlook auf, um nicht mit dem Frankenmakel belegt zu werden.
Für die Franken wird die Luft in der CSU jedenfalls dünn. Doch das, was da an altbayerischem Personal zu Debatte steht, scheint dafür eher in Richtung rückwärts zu gehen. Thomas Goppel hat längst seinen politischen Zenith überschritten. Georg Schmid schüttelt zwar gerne viele Hände, wird aber von vielen eher als Stoiber-Double angesehen. Horst Seehofer war eigentlich vor einem Jahr schon zweite Wahl. Über allem schwebt dann der eigentlich bereits auf dem Altenteil sitzende Edmund Stoiber als Racheengel.
Auf den ersten Blick sind das also keine guten Voraussetzungen, um zu alter Stärke zurückzufinden. Aber vielleicht auf den zweiten. In unserer Leserfrage wollen wir daher von Ihnen wissen: Schafft die CSU so den Neuanfang? Geben Sie Ihr Votum bitte ab Montag  hier ab.

Hier noch ein Video für Nostalgiker (so ändern sich die Zeiten; bemerkenswert auch Stoibers Grünen-Einschätzung):

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Die Frage der vergangenen Woche lautete: Trauen Sie den Banken noch? Mit Ja antworteten 19,9 Prozent, mit Nein 80,1 Prozent.

4 Kommentare in “Schafft die CSU einen Neuanfang?

  1. @Tobi Sperber
    Tatsache ist, dass die Wahl nicht in Franken, sondern bei den altbayerischen Hinterwäldlern verloren gegangen ist.
    Dann hat man Beckstein nur ein Jahr Zeit gegeben und hat ihn dann hinaus gedrängt. In dieser kurzen Periode hatte Beckstein keine Chance, sich wirklich zu profilieren, vor allem, nachdem er erst mal noch Stoibers Altlasten aufarbeiten musste.
    Offenbar wurde der Wahlkampf vor allem in Oberbayern sehr lahm geführt. Seehofer hat sich z.B. kaum eingebracht.
    Man hat also Beckstein schlicht und einfach auflaufen lassen.
    Und jetzt kommt ein von Oberbayern völlig dominiertes Kabinett heraus. Das heißt, der Bezirk, der die Wahl verbockt hat, hat nun das Sagen.
    Das ist schon mehr als seltsam.

    Ich habe für mich die Antwort gefunden. Die CSU ist für mich gestorben. Es gibt ja Alternativen. Eine ist ja sogar in der Regierung.

  2. @ Harald Hertel: Grundsätzlich haben Sie Recht. Allerdings möchte ich trotzdem nicht in der Haut von Horst Seehofer stecken und glaube, dass Günther Beckstein noch froh sein dürfte, auf diese Art aus der Verantwortung heraus gekommen zu sein.
    Seehofer wird seinen Populismus noch gut brauchen können, um den Bayern alle Einschnitte und Gemeinheiten zu erklären, die noch auf sie warten.
    Die Frage, die sich mir stellt, und die bereits im Nachbarblog diskutiert wird, ist doch, was machen die Becksteinanhänger bzw. die abservierten CSU-Franken jetzt? Nur schmollen, nur über die Ober-/Niederbayern jammern, das kann es doch nicht sein!

  3. So, jetzt kommt er nun wirklich der Seehofer. Mal abgesehen davon, dass nun einer ein Amt bekommt, der gar nicht zur Wahl gestanden hat, steht Seehofer einerseits für Altbayern und andererseits für eine populistische Linie. Seehofer sieht sich als letzter Blümianer. Na denn! Von diesem populistischen Sunnyboy kann man sich absolut nichts erhoffen!

  4. Es ist eine Stoiber sche überhebliche Unverschämtheit gegen Franken und den ausnehmend ehrlichen Politiker Beckstein. Unter den Voraussetzungen kann ein Franke in Zukunft nicht mehr CSU wählen! – „Franken makel“ ! Ich empfinde als Wähler mich nach dieser Wahl betrogen! Auf keinen Wahlzettel gab es einen Kandidaten Seehofer der nun Als Stoiber vasal Ministerpräsident werden soll. Hier hat Stoiber den Bock zum Gärtner gemacht, aber Seehofer entspricht ihm offensichtlich mit seiner selbstherrlichen überheblichen Art und seiner gewissen Verachtung der Bürger als sein all einherrschender Nachfolger.
    Ein aufrichtiges Dankeschön an Günter Beckstein für seine hervorragende Arbeit. Nicht er hat den Stimmenverlust zu Verantworten, sondern der sich gottähnlich fühlende arrogante Stoiber – der nunmehr seine Achtung im mitdenkenden bayrischen Volk total verspielt hat!

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