Soll das Rauchverbot gelockert werden?

rauch.JPGVor kurzem erst hatten sich Bayerns Politiker gegenseitig auf die Schultern geklopft und sich des schärfsten Rauchverbots der Bundesrepublik gerühmt. Für das lasche Vorgehen in Berlin („Der Senat sieht es nicht gern, wenn sie hier rauchen“) gab es nur Hohn und Spott. Dann kam der 28. September.
Nach dem Wahldesaster versucht die CSU jetzt, beim verärgerten Wahlvolk Sympathiepunkte zu sammeln. Der designierte Ministerpräsident Horst Seehofer will das Verbot lockern – weil es „die bayerische Volksseele verletzt“ habe. Wie die Lockerungen aussehen sollen, weiß noch niemand. Die Wirte freilich freut‘s – sie hoffen darauf, dass die Raucher wieder in die Gaststätten kommen. Wenn sie diese nicht schon in Raucherclubs verwandelt haben. Für Nichtraucher würde es dagegen enger, weil dann wieder Qualmer am Nachbartisch auftauchen können. Und wenn das bayerische Vorzeige-Rauchverbot kippt, könnten auch andere Bundesländer mitziehen – die Rolle rückwärts im Nichtraucherschutz droht. Seehofers möglicher Koalitionspartner FDP jedenfalls hat schon im Wahlkampf Front gegen das Verbot gemacht, ist es in den Augen der Liberalen doch eine Gängelung der Bürger. Ist die angekündigte Lockerung also ein Stück mehr Freiheit oder doch nur ein Zuckerl für rauchende CSU-Wähler? Deshalb wollen wir von Ihnen wissen: Soll das Rauchverbot gelockert werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier  ab.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Schafft die CSU so den Neuanfang? Mit Ja antworteten 42,8 Prozent, mit Nein 57,2 Prozent.  oelf

5 Kommentare in “Soll das Rauchverbot gelockert werden?

  1. Lockerung des Rauchverbotes in Bayern !?
    Anfang des Jahres 2008 war es der Bayerischen Staatsregierung gelungen eines der wirkungsvollsten und für nahezu alle Teile der Bevölkerung positiven Gesetze zu verabschieden: Das Rauchverbot in Gaststätten Kneipen und Bierzelten. Dieses Gesetz bringt sowohl für Nichtraucher (Schutz vor Belästigung und Erkrankung) und Raucher (Erinnert werden an die Abnormität des Rauchens und an den Suchtcharakter; hoher Anteil an Patienten die sich das Rauchen abgewöhnen, somit geringere Anzahl an erkrankten Personen)nur Vorteile. Eigentliche Nachteile ergeben sich lediglich für die Tabakindustrie durch geringeren Umsatz. Dies ist allerdings auch nur Ausdruck geringerer Raucherzahlen und somit gut für das Gesundheitsprofil der Bevölkerung. Nach nicht einmal 1 Jahr soll das Gesetz nun wieder aufgeweicht werden. Zu Vermuten ist hier ein massiver Druck auf Politiker über Lobbyisten und die Fehlinterpretation von Wahlergebnissen in Bayern. Auch in früheren Jahren mussten Parteien aufgrund z.T. unpopulärer Entscheidungen, die aber zum Wohl der Allgemeinheit waren Stimmenverluste hinnehmen. Eine derart rasche Abkehr von sinnvollen Maßnahmen hat es allerdings in vergleichbarer Form nie gegeben (weder bei Einführung des G8 noch bei der Mehrwertssteuererhöhung etc.). Warum fragt man sich muss nun eine Partei ein höchst effektives Gesetz, welches allen Teilen der Bevölkerung nur Vorteile bringt, aufgrund eines Verlustes an Wählerstimmen bei der Landtagswahl wieder ändern? Ohne den bekannten, weit reichenden Einfluss der Tabakindustrie ist dies wohl nicht zu erklären. Gegner des 8-Jährigen Gymnasiums konnten aufgrund fehlender Lobby keine derartigen Veränderungen (z.B. Nachdenken über die Wiedereinführung des G9) durch das Ergebnis der Landtagswahl erzielen. Leider trägt auch die Presse mit nahezu ausschließlich negativ klingenden Meldungen seit Einführung des Rauchverbotes zur Stimmungsmache bei. Einzelne Kneipen mussten z.B. auch vor dem Nichtraucherschutzgesetz immer wieder einmal schließen. Über die bereits jetzt spürbaren und nur positiven Effekte des Nichtraucherschutzgesetzes wird so gut wie nichts berichtet. Durch die stattdessen weitgehend negative Berichterstattung wird sicher nicht der überwiegende Teil der Bevölkerung repräsentier sonder nur der Anteil der am „lautesten Klagt“ weil ihm angeblich ein Teil Freiheit entzogen wird. Jeder sollte sich fragen ob es wirklich als Freiheit bezeichnet werden kann, wenn man durch ein Suchtverhalten derart auf den Konsum des Genussmittels angewiesen ist, um nicht ein bis zwei Stunden ohne Rauchen aus zu kommen. Weiterhin sollte man sich fragen ob es die „so genannte Freiheit“ von zumeist abhängigen Gewohnheitsrauchern wert ist, ein hohes Ausmaß an gesundheitlicher Gefährdung für den größeren Teil der Bevölkerung in Kauf zu nehmen. Genauso wenig wird die Straßenverkehrsverordnung für Personen die gerne schnell fahren außer Kraft gesetzt. Eben um den größeren Teil der Bevölkerung nicht zu gefährden. Ich hoffe auf einen massiven Protest der Bevölkerungsmehrheit die ja Nichtraucher sind. Sei es über Beschwerden, aber im Extremfall auch über das Wahlverhalten indem man dieser Partei seine Stimme nicht mehr gibt. Ich betone hier noch einmal das das Gesetz auch für die Raucher nur positives mit sich bringt, insbesondere da sich hierdurch nicht wenige das Rauchen abgewöhnen bzw. mengenmäßig weniger geraucht wird. Selbst in Italien und Irland funktioniert das Rauchverbot problemlos und hat nachweislich zum Rückgang des Rauchverhaltens geführt, allerdings zu keinem Rückgang der Gaststättenbesuche bzw. Anzahl der Gaststätten. Hier sollte auch erwähnt werden dass sich der überwiegende Teil der Raucher seit der Gesetzeinführung nahezu vorbildlich an die Vorgaben hält und ohne große Beschwerden den Zigarettenkonsum vor die Gaststätten verlagert hat. Hierfür ein großes Lob an die Raucher. Zusammenfassen hier nochmals die vielen positiven Aspekte des Nichtraucherschutzgesetzes:
    1. Schutz der Nichtraucher und Mitarbeiter in Gaststätten vor den schädlichen Substanzen des Nebenstromrauches. Das Passivrauchen führt nachweislich zu Erkrankungen bei Nichtrauchern die wie z.B. bei Entwicklung eines Bronchialcarcinoms (Lungenkrebs) tödlich sein können. Im Bereich der verarbeitenden Industrie wäre bei gleich hoher Schadstoffbelastung durch Arbeitsstoffe das Tragen eines Atemschutzes vorgeschrieben.
    2. Höhere Lebensqualität und Genuss beim Gaststättenbesuch für alle Personen (auch die Raucher). Keine Reizung der Atemwege und Augen mehr. Verbesserung des Geschmacks- und Geruchsempfindens. Keine stinkenden Kleidungsstücke mehr. (Selbst bei extrem kurzen Aufenthalten an Orten mit nur geringem Rauchaufkommen ist die Aggressivität des Zigarettenrauches an den danach riechenden Kleidungsstücken erkennbar)
    3. Überdenken des Tabakkonsums bei Rauchern durch die immer wieder vor Augen geführte Tatsache dass das Rauchen ein Suchtverhalten darstellt. Ein nicht geringer Anteil der Raucher wird langfristig ganz auf das Rauchen verzichten.
    4. Langsames Umdenken der Bevölkerung, insbesondere auch der Kinder und Jugendlichen, dass das Rauchverhalten KEIN normales Verhalten darstellt. Somit Prävention und Gesundheitsförderung der Gesamtbevölkerung.
    5. Erschließen neuer Kundenkreise für Gaststätten. Der GRÖSSERE Anteil der Bevölkerung ist Nichtraucher.
    6.Glaubwürdigkeit und positiver Einfluss der Politik. Das Rauchverbot stellt die seit langem wirkungsvollste Maßnahme zur Verbesserung der Volksgesundheit dar. Alle Diskussionen über Feinstaubbelastung, Ozon, Gammelfleisch etc. sind im Vergleich zur Belastung der Bevölkerung durch das Rauchen eigentlich zu vernachlässigen. Die größte externe gesundheitliche Belastung der Bevölkerung entsteht durch das Rauchen. So ist z.B. das kardiovaskuläre Risiko (Risiko an einer Herz- Kreislaufkrankheit zu sterben) beim Raucher um den Faktor 10 erhöht. Im Vergleich hierzu bei Cholesterinerhöhung nur um den Faktor 1,8-2
    7. Vorreiterrolle für andere Bundesländer um auch dort langfristig eine Optimierung des Nichtraucherschutzes durch Rauchverbote zu erzielen
    8. Die Politik könnte endlich einmal demonstrieren, dass ihr das Wohl der Bevölkerung am Herzen liegt und Entscheidungen nicht aus wahltaktischen Überlegungen oder durch Einfluss von Lobbyisten getroffen werden.

    Ich appelliere an die Politiker das Nichtrauchergesetz nicht wieder zu lockern.

    Ich appelliere an die Bevölkerung sich vehement gegen die Lockerung des Nichtrauchergesetzes zu wehren.

    Ich appelliere an die Presse bei der Berichterstattung objektiv zu sein und die bereits jetzt spürbaren positiven Aspekte des Nichtrauchergesetzes hervorzuheben.

    Ich appelliere an die Raucher sich so zu verhalten wie der Grossteil der Tabakkonsumenten, nämlich in lobenswerter Weise vor den Gaststätten zu rauchen. Ich appelliere aber ebenso an die Raucher zu überdenken dass sie einem Suchtverhalten nachgehen welches ihre Freiheit EINSCHRÄNKT, nicht etwa vergrößert.

    Ich hoffe inständig auf eine Beibehaltung des Rauchverbotes da es wie dargelegt fast ausschließlich Vorteile für die Bevölkerung bringt. GEGEN das Rauchverbot spricht bei genauerer Betrachtung so gut wie gar nichts.

    Mit vielen Grüßen

    Dr. Jürgen Herold 42J
    Internist / Pneumologe
    Nürnberg

  2. Das totale Rauchverbot in Bayern ist überzogen und war alleine für gut 5% Stimmenverlust der CSU verantwortlich. Dass es so nicht akzeptiert wurde, zeigt die Gründung zahlloser „Raucherclubs“.

    Warum kann man es nicht den Wirten selbst überlassen, ob sie das Rauchen in ihren Lokalen gestatten wollen oder nicht? Insbesondere, wenn Nebenräume vorhanden sind, kann Rauchern und Nichtrauchern Genüge getan werden.

    Wenn wegen dieses Gesetzes z.B. Lokale wie Wasserpfeifencafes, Zigarren-Lounges etc. faktisch verboten werden, hat das nichts mehr mit Nichtaucherschutz zu tun, sondern ist eine Gängelei erwachsener Bürger, die schleunigst aufhören muß.
    Hoffentlich setzt sich nach der Wahlschlappe in der CSU jetzt Vernunft und Augenmaß in dieser Angelegenheit durch.

  3. Ich war zwar sehr gegen die Einführung des Rauchverbots, zumal ich als Gatswirt davon direkt betroffen bin, jedoch halte ich absolut garnichts davon das Gesetz nun wieder derart aufzuweichen.

    Schlimmer als ein Gesetzt selbst ist immer die damit verbundene Veränderung der Gewohnheit. Nach fast einem Jahr hat sich die Situation doch halbwegs eingependelt und die Probleme um die ganze Verordnung sind immer seltener geworden. Sowohl die Gäste, als auch die Gaststätten haben durch Raucherclubs und wirklich rauchfreie Lokale ihre Möglichkeiten gefunden damit umzugehen.
    Jetzt stehen wieder endlose Diskussionen im Raum, warum man jetzt genau doch wieder rauchen lässt, oder eben nicht.
    Und in 3 Jahren kommt die EU, erlässt ein Europaweites Gesetzt und der Spaß beginnt von vorne.

  4. Mit dieser geplanten Gesetzesänderung zur Lockerung des Raucherverbotes macht sich die CSU noch unglaubwürdiger. Dieses Bild entspricht auch genau der Wahlschlappe

  5. Na toll, da hat man nun ein gutes, weil konsequentes Nichtrauchergesetz mit breiter Mehrheit im Landtag verabschiedet, die Bevölkerung hat sich inzwischen schon weitgehend daran gewöhnt.
    Und nun mag man einige Wähler etwas verärgert haben und schon knickt der neu nominierte Seehofer ein. Das ist wirklich der Gipfel an Populismus.

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