Soll der Staat Opel retten?

Opel_Kri.JPGWenn eine Firma in Schwierigkeiten geraten ist, dann hat sie bisher entweder Geld von der Bank erhalten oder ist pleite gegangen. Pleite gehen gehört zu den Risiken eines Unternehmers, und der strengt sich an, weil er es nicht so weit kommen lassen will.
Inzwischen scheint sich da aber einiges gewandelt zu haben. Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, schreit es plötzlich nach dem Staat. Der Staat soll dann, mit unserem Geld aushelfen. Jetzt hat das Opel-Management um eine Milliarden-Bürgschaft gebeten, um nicht durch die Krise bei der Konzernmutter General Motors in den Abgrund gezogen zu werden. Als ob es nur General Motors war, das die falschen Autos gebaut und sich nicht ums Verrecken auf neue Anforderungen einstellen wollte? Gibt es denn bei Opel ein Modell, dem irgendwer eine Träne nachweinen würde, wenn es nicht mehr gebaut würde? Eigentlich war das letztmals beim Manta der Fall.
Insofern könnte man Opel durchaus über den Jordan gehen lassen, das Staatsgeld anderweitig einsetzen und einen Präzedenzfall verhindern, der dazu führt, dass andere Unternehmen genauso behandelt werden wollen. Allerdings: Allein bei Opel sind rund 25.000 Arbeitsplätze  betroffen, dazu kommen fast doppelt so viele Arbeitsplätze bei den Zulieferern. Eine ganze Menge und — vor allem wenn man die mit betroffenen Familien dazu rechnet — ein enormes Wählerpotential, das niemand angesichts der anstehenden Landtagswahlen in Hessen und Thürigen vor den Kopf stoßen will.
In unserer Leserfrage der Woche wollen wir diesmal von Ihnen wissen: Soll der Staat Opel retten? Abstimmen können Sie (ab Montag) hier.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Braucht der Club einen neuen Präsidenten? Mit Ja antworteten 48,5 Prozent, mit Nein 51,5 Prozent.

5 Kommentare in “Soll der Staat Opel retten?

  1. Ich halte es nicht für sinnvoll hier einzugreifen. Letztendlich ist es ein marktwirtschaftliches Prinzip, dass es bei Firmen auch das Risiko der Pleite gibt. Das passiert in Deutschland jeden Tag. Nur interessiert es da anscheinend niemanden.

    Warum sollte der Arbeitsplatz eines Opel-MItarbeiters gerettet werden, der Arbeitsplatz von hunderten von kleinen 5 Mann Betrieben aber nicht? Sollte man hier unterschiedlich wichten? Die einen rettet man, die anderen lässt man „über die Klinge springen“. Ab wann ist ein Betrieb groß genug, dass er gerettet wird: 10 Mitarbeiter, 100?, 1000? oder 10.000? Oder rettet der Staat dann als Konsequenz jetzt alle von Insolvenz bedrohten Betriebe?

    Ich möchte nicht falsch verstanden werden; die MItarbeiter von Opel sind mir nicht egal. Ich bin natürlich dafür, dass eine Lösung gefunden wird, damit alle ihren Arbeitsplatz behalten. Aber wenn der Staat anfängt sich in solcher Art und Weise einzumischen, dann wird das eine unendliche Kette nach sich ziehen! Und wäre es dann nicht unmoralisch Mitarbeiter, die in einer kleinen Firma arbeiten hopps gehen zu lassen, während sich Mitarbeiter großer Firmen darauf verlassen können gerettet zu werden?

  2. Was die Marke Opel für Deutschland einmal WAR – wiederhole ich von meinem Vorredner, die Betonung liegt auf WAR!
    Die Firma gehört General Motors und ich frage mich, warum wir eine Bürgschaft für einen amerikanischen Großkonzern übernehmen sollen?!
    Wäre es ein mittelständisches deutsches ECHTES Familienunternehmen, wäre das etwas anderes, aber die werden meist nicht so großzügig bedacht!
    Zudem: Warum mit aller Gewalt – und mit unserem Geld! – Teile eines Wirtschaftszweiges retten, der sowieso überfällig ist?!
    Warum steckt die Politik das Geld nicht lieber in den Ausbau umweltfreundlichen Nahverkehrs??? Das würde ebenfalls die Wirtschaft ankurbeln, außerdem die Umwelt schonen, die Zahl der Verkehrstoten reduzieren und überhaupt ein besseres Lebensgefühl herstellen!
    Es gibt viele Punkte, wo die Politik ansetzen sollte, ein künstliches am Leben erhalten maroder Autobauer gehört bestimmt nicht dazu!!
    PS: Warum kommen jetzt plötzlich alle daher und wollen Geld? Mir scheint, die weltweise Krise ist für manche nur ein willkommener Anlass, alte Sünden zu beichten!

  3. Ich gehe davon aus, dass die Personen, die keinen direkten Bezug zu der Automobilindustrie haben, ähnliche Kommentare abgeben. Leider ist das Spiel heute nicht so einfach. Denn die Arbeitsplätze der Adam Opel GmbH und der Zulieferer sind das eine Thema. Der Handel, der die Fahrzeuge vermarktet, wird hierbei anscheinend vergessen. Der Rückgang des Opel Absatzes ist nicht alleinig auf die Modellpolitik zurückzuführen, sondern mehr auf den Image-Schaden, den die Marke um die 90er erleiden musste. Dieser Schaden ist einzig und alleine auf den Mutterkonzern GM zurückzuführen, da dieser aus Kostengründen die mangelhafte Qualität der Produkte in Kauf nahm. Wenn man sich aber heute die Produktqualität der deutschen Automobilindustrie und die damit direkt verbundene Zuverlässigkeit der Fahrzeuge ansieht, fällt auf, dass Opel die Nr. 1 ist!!! Wussten die Damen und Herren dies auch schon? Die Produktpalette des einzelnen Herstellers/Importeurs ist doch heute nicht das einzige, das ausschlaggebend für den Absatz der Fahrzeuge ist. Vielmehr ist es das Image und die Marketingstrategie der Konzerne. Würde heute VW einen mehr als doppelt so hohen Absatz als Opel in Deutschland haben, wenn das Marketing nicht wäre? Wahrscheinlich nicht, denn die Fahrzeuge dieser Marke sind deutlich emotionsloser als die Opel-Produkte (…und das ist nicht meine eigene, sondern die Meinung der Kunden!). Wenn wir schon beim Marktanteil der wichtigsten deutschen Automobilbauer sind, hier einige zahlen, die Sie einfach mal auf sich wirken lassen sollten (Stand: Januar bis Oktober 2008): Opel 8,4%, BMW/Mini 9,2%, Mercedes 10,8%, VW 19,8%, Sonstige 0,6%. Umgerechnet hat Opel somit innerhalb des Absatzes an deutschen Automobilprodukten in der Bundesrepublik beinahe 20% Marktanteil. Und das soll man einfach mal beiseite schieben? Sicherlich wird keiner der anderen deutschen Autobauer dieses Volumen komplett auffangen. Wohl eher die Marken aus dem Ausland.
    Zuletzt sollte man auch nie vergessen, was die Marke Opel für Deutschland einmal war: DAS Premiumprodukt der Automobilindustrie!
    Opel ist heute auf einem guten Weg und wird auch mit der zukünftigen Marketing- und Produktphilospohie deutlich mehr Marktanteil generieren als in den vergangenen Jahren. Zu einer staatlichen Bürgschaft für Opel gibt es nur ein JA!!!!…. und übrigens: mal schnell eine neue Autofirma gründen, wird wohl kaum möglich sein. Das Image, das hierzu aufgebaut werden muss, benötigt eine sehr lange Reifezeit und ohne das nötige Kapital kann heute sowieso niemand Fahrzeuge entwickeln.

  4. In meiner Jugend habe ich der Borgward Isabella schon nachgetrauert. Doch Borgward wurde damals nicht gerettet. Solche schönen Autos werden inzwischen aber gar nicht mehr gebaut. Von Opel sowieso nicht. Das ist grauer Blecheinheitsbrei. In jeder Beziehung verzichtbar. Sollen sie doch in Rüsselsheim oder Bochum eine neue Autofirma gründen, die schöne und sparsame Fahrzeuge herstellt. Dann wäre allen geholfen, den Arbeitern und uns Kunden.

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