Soll Deutsch im Grundgesetz verankert werden?

Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.“ Nicht nur Wortverliebte wie die Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache würden jubeln, stünde dieser Passus eines Tages im Artikel 22 des Grundgesetzes. Dass die CDU diese Idee jüngst auf ihrem Parteitag durch einen Beschluss untermauerte, begrüßen auch alle, die sich nach einem politischen Bekenntnis zur viel beschworenen „kulturellen Identität“ sehnen. Sie halten dies für ein gesundes Maß an Patriotismus und sehen die dümmsten Anglizismen schon ausgerottet.

Andererseits ist Deutschland kein afrikanischer Staat, der an höchster Stelle Klarheit im Nebeneinander verschiedenster Verkehrs- und Amtssprachen schaffen müsste. Warum also sich um diese Nebensächlichkeit kümmern? Und welches Deutsch wäre eigentlich gemeint? Das alemannische, das fränkische, das Hannoveraner oder auch das Straßendeutsch der türkischen Jugend? Bis heute haben sich alle diese Sprecher immer verständigen können, wenn sie einander begegnen. Ausländer lernen dann gut Deutsch, wenn ihre Lehrer gut und die Wohnviertel intakt sind, nicht weil das Gesetz es als Landessprache erwähnt.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll Deutsch im Grundgesetz verankert werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Soll der Solidarzuschlag abgeschafft werden? Mit Ja antworteten 70,5 Prozent, mit Nein 29,5 Prozent.

6 Kommentare in “Soll Deutsch im Grundgesetz verankert werden?

  1. Zu digestreader: „Und an Manfred Riebe gerichtet: Was bitte ist denn “Neuschrieb” für ein Wort?!“

    1996 wurde den Schülern, und später auch Beamten, ganz ähnlich wie der „Newspeak“ in George Orwells Roman „1984“, die neue Schulschreibung aufgezwungen. In vielen Medien wurde wahrheitswidrig behauptet, daß die neue Rechtschreibung amtlich oder sogar gesetzlich vorgeschrieben sei. Sprachwissenschaftler stellten fest, daß die „Reform“ a) ihre Wurzeln in der Rechtschreibreform des Dritten Reiches hat und b) ein Rückfall ins 18./19. Jahrhundert ist.

    Zugleich wurde aber die traditionelle Orthographie als „alte Rechtschreibung“ diskreditiert, obwohl sie von den Schriftstellern weiterhin benützt wird. Als Reaktion darauf entstand, den Begriff „Newspeak“ etwas abgewandelt, der Begriff „Neuschrieb“. Daß dieser „Neuschrieb“ vorgeschrieben sei, ist ein Irrglaube. Jedermann kann weiterhin so schreiben, wie er es gelernt hat.

  2. @Wastl III: Nana, Hauch des Todes, geht´s nicht ein bisschen prosaischer? Mag ja sein, dass es ökonomisch falsche Leser und ökonomisch richtige Leser gibt. Aber die „Falschen“ lesen wenigstens noch Gedrucktes.

  3. @Astor & Riebe: Habt ihr denn keine anderen Sorgen als euerem Denglischkram? Schon mal was von Finanzkrise gehört oder vom Zeitungssterben? Für letzteres seid ihr auf jeden Fall mitverantwortlich. Ihr seid es doch, im Verein mit irgendwelchen selbsternannten Bildungsbürgern, die die Journalisten jedesmal mit Leserbriefen nerven, wenn die irgendwo versuchen, „the winds of change“ reinzulassen. Natürlich sind diese Journalisten auch selbst schuld, dass sie auf ein solches Luxusproblem überhaupt eingehen. Wenn sie nur ein bisschen aufmerken würden, dann könnten sie nämlich bei den Neusprechgegnern unschwer den Hauch des Todes riechen.

  4. Das Durcheinander in der Schreibweise der deutschen Sprache ist erst dann entstanden, als ältere Leute, die sich nicht bereit sind, sich umzuorientieren und neu zu lernen, den Aufstand gegen die Rechtschreibreform geprobt haben. Es wurden Überarbeitungen erzwungen, Unsicherheiten geschaffen. Natürlich gibt es manche Dinge in der Reform, die überflüssig waren, dennoch war eine Vielzahl davon begründet und logisch.
    Mit der Brechstange englische Begriffe einzudeutschen ist lächerlich.
    Und an Manfred Riebe – hier vor mir – gerichtet: Was bitte ist denn „Neuschrieb“ für ein Wort?!
    Zur Frage: Man muss nicht alles ins Grundgesetzt aufnehmen!

  5. Ich glaube nicht, daß es „Wortverliebte“ gibt und daß die Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache jubeln würden, wenn der Satz «Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch« im Artikel 22 des Grundgesetzes stünde. Die deutsche Sprache ist ein Grundrecht und müßte daher bei den Grundrechten in Art. 3 GG stehen, wo es heißt, daß niemand wegen seiner Sprache benachteiligt werden dürfe. Das bezieht sich stillschweigend auf den Schutz der Minderheitensprachen. Wäre es möglich, daß auch ein Deutscher wegen seiner Sprache benachteiligt werden könnte? Das könnte dann sein, wenn sein Arbeitgeber Englisch zur Unternehmenssprache erklärt. Zu Ehren von Magda Schleip, die gegen Denglisch kämpfte, verfaßte ich ihre Biographie
    * Magda Schleip
    http://franken-wiki.de/index.php/Magda_Schleip
    Was „die dümmsten Anglizismen“ angeht, so kann man sie nicht einfach ausrotten. Daher versuche ich, z.B. im Franken-Wiki, den Ersatz unnötiger Anglizismen wie „Weblinks“ und „Homepage“ zu begründen.

    Seit der Rechtschreibreform entstehen nicht nur Schülern und Lehrern Nachteile, wenn sie dieses Zwangskorsett nicht anziehen, sondern auch kleinen Schriftstellern gegenüber Verlegern, wenn sie den Neuschrieb ablehnen. Mit der neuen Beliebigkeitsschreibung ist Deutschland zurück auf dem Weg in das 18/19. Jahrhundert bzw. in eine Bananenrepublik. Seit es die sog. Rechtschreibreform gibt, lernen Ausländer nicht mehr so gut Deutsch, weil Deutsch nicht mehr so intakt ist wie vor der Reform.

  6. die Forderung nach einer sauberen deutschen Sprache gilt auch für diese Zeitung. Wozu der einfallslose Begriff VOTÌNG? Da vergeht mir schon die Lust an der Abstimmung. Vor kurzem konnte ich in einem Artikel ca. 15 denglische Begriffe durch deutsche Begriffe austauschen. Arme NZ.

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