Ist das Trinkgeldverbot für Müllmänner übertrieben?

muellll.jpgDas Anliegen, das der ASN (Abfall- und Stadtreinigungsbetrieb Nürnberg) hat, wenn er seinen Müllmännern verbietet, zu Weihnachten auf „Trinkgeldtour“ zu gehen, scheint auf den ersten Blick einleuchtend: Städtische Angestellte sollten von vorneherein jedem Verdacht auf unlautere Vorteilnahme aus dem Weg gehen. Auch eine Flasche Piccolo auf der Mülltonne ist keine nette Geste mehr, sondern Bestechung, wenn daneben ein Müllsack steht, den der Müllmann eigentlich nicht entsorgen dürfte – und es in diesem Fall doch tut. Und dann sind da noch die sogenannten „organisierten Gratulationstouren“, die der ASN beobachtet hat, und über die sich – gewiss – schon viele Kunden beschwert haben.

Als Dienstleister, der mit seinen Kunden das ganze Jahr über nie in Kontakt kommt, zu Weihnachten einen schönen Gruß zu übermitteln und – für 24 Monate Tonne-leeren morgens um fünf – ein Trinkgeld einzuheimsen, hat dagegen schon lange Tradition.  Auch in den oberen Etagen der ASN und der übrigen Stadtverwaltung gehören kleine Weihnachtsgeschenke zum guten Ton. Der Unterschied ist nur, dass man sich hier kennt. Niemand muss hier an fremden Türen klingeln, wenn er seine kleine Anerkennung für die über das Jahr geleisteten Dienste abholen möchte. Für gewöhnlich bekommt er sie sogar gebracht.  Verwerflich ist das nicht. Solange man keine unbotmäßige Gegenleistung erbringt oder erbracht hat, bleibt es eine nette Geste zum frohen Fest, die jedem Dienstleister gegönnt sei. Den Müllmännern aber nicht?

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Die Frage der vergangenen Woche lautete: Soll Deutsch im Grundgesetz verankert werden? Mit Ja antworteten 84,4 Prozent, mit Nein 15,6 Prozent.

7 Kommentare in “Ist das Trinkgeldverbot für Müllmänner übertrieben?

  1. Auch meine Eltern haben den Postbosten und Müllmännern schon eine kleines Weihnachtsgeschenk zukommen lassen, was ich bis vor ein paar Jahren gerne übernommen hatte weil es einfach eine nette Geste ist. Seit ich jedoch in einem Stadtteil lebe in dem es wohl üblich ist mit offener Hand an der Tür zu klingeln und sich so ein Weihnachtsgeld zu erbetteln habe ich dies eingestellt. Ich finde es unverschämt. Früher habe ich aufgepasst das ich die Herren nicht verpasse, jetzt ignoriere ich das Klingeln. Wenn jemand etwas geben will und kann wird er dies auch ohne Aufforderung tun.

  2. Der Zeitungsfrau, dem Postboten haben schon unsere Eltern kleine Geschenke zum Neuen Jahr gegeben. Neu hinzugekommen sind die Müllmänner. Ich erwarte keine Gegeleistung, so dass eine Begündigung ausscheidet. Damit dürfte das Thema beendet sein. Es ist ein gewisses Brauchtum, das sonst verloren gehen würde.

  3. Meiner Meinung nach verdienen Müllmänner durchaus eine Anerkennung für ihre schwere und unangenehme Tätigkeit. Deshalb gibt es für mein Müll-Team auch dieses Weihnachten wieder eine kleine Aufmerksamkeit.

  4. Die Müllmänner räumen jede Woche jede Menge Dreck weg. Wer diese Arbeit tagaus, tagein macht dem stehen wohl ein paar Euro Trinkgeld zu Weihnachten zu. Ich werde auch dieses Jahr wieder etwas geben!

  5. Jeder von uns verursacht täglich jede Menge Müll und unsere Müllmänner räumen dies weg. Nicht jeder würde diesen Job machen, vor allem nicht wenn es draußen kalt und nass ist. Warum sollte man den Müllmännern nicht auch ein kleines Danke für die geleistete Arbeit im ganzen Jahr geben. Auch ich werde dieses Jahr wieder etwas geben! Wer solche blöden Ideen hat, dies zu verbieten, sitzt vermutlich den ganzen Tag im Büro und wärmt sich sein Hinterteil! Unsere Müllmänner sind freundlich, nett und hilfsbereit und außerdem wird ja niemand gezwungen, etwas zu geben.

  6. Wenn unfähigen Bankern und Automobilbauern Milliardenbeträge nachgeschmissen werden, dann muss man doch ein paar fähigen Müllmännern ein paar Cent geben dürfen. Wobei ich mich, wie bei so vielen Gesetzesneuerungen, frage, wer soll denn das kontrollieren? Kann er doch im Mülleimer gefunden haben…

  7. Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, dem Reinigungspersonal meiner Abfallbeseitigung, Trinkgeld zu geben.

    Finde es aber durchaus sinnvoll. Denn dieser Job ist wirklich nicht jedermanns Sache und verdient Anerkennung!

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