Soll der "Deutsche Hof" abgerissen werden?

Was prägt das Nürnberger Stadtbild heute eigentlich? Ist es die Verbindung zwischen Neu und Alt, Historie und Moderne, Fachwerk und Bürokomplexen? Sollen alte Fassaden erhalten und genutzt oder abgerissen werden? Wie ging und geht die Bauordnungsbehörde, wie Baureferent Wolfgang Baumann mit an sich schützenswerten Gebäuden um?
Das alte Bahnpostamt aus den 30er Jahren neben dem Hauptbahnhof wird nur noch partiell genutzt. Das „Bavarian American Hotel“ neben dem Grand Hotel: Leerstand auf wertvollem Grundstück. Das frühere Paketpostgebäude wurde abgerissen – seit Jahren prangt dort eine hässliche Baulücke. Der Milchhof – ein Thema für sich. Aktuell ist nun die Diskussion um das ehemalige „Hotel Deutscher Hof“ in der Lessingstraße/Ecke Frauentorgraben.
1912/1913 erbaut, zieren das mächtige Gebäude historische Treppenhäuser, Sandsteinfassade, Chörlein und Neurenaissance-Reliefschmuck. Auch mit seinem hohen Dach bietet es architektonisch ein Gegengewicht zur nebenstehenden Oper. Vertreter des Denkmalschutzes sollen bereits zu erkennen gegeben haben, dass grundsätzlich über einen Abbruch des Areals geredet werden könne. Kochinvest, mit der künftigen Gestaltung des Quartiers um den „Deutschen Hof“ betraut, verkündet in einer Pressemeldung, dass über einen möglichen Abriss „frühestens im Frühjahr 2009“ entschieden wird, wirbt aber per Faltblatt bereits für „Businessflächen in bester Lage am Altstadtring“. Ein Zweckbau stünde somit neben der Oper, das historische Gebäude müsste fallen.
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Die Frage der vergangenen Woche lautete: Weniger Fleisch essen für den Klimaschutz? Mit Ja antworteten 32,8 Prozent, mit Nein 67,2 Prozent.

ambi

3 Kommentare in “Soll der "Deutsche Hof" abgerissen werden?

  1. Ich fände es schade, wenn wieder einmal ein charakteristisches Gebäude nur für ein spekulatives Immobiliengeschäft der Spitzhacke zum Opfer fällt. Leider sehen die Verantwortlichen in der Stadt nicht die richtigen Prioritäten. Sie sollten in erster Linie die Interessen der Nürnberger im Auge haben. Sollen wir historische Gebäude opfern und unser Stadtbild verarmen lassen, nur damit irgendeine „Real Estate“ (das ist doch der Begriff, der überall auf den Fernsehschirmen zu lesen war, wenn über die US-Immobilienkrise berichtet wurde) die gewünschte Rendite erzielt. Die haben doch schließlich gewusst, dass sie ein Baudenkmal kaufen. Von der Finanzwirtschaft braucht man sicher kein Verständnis für kuturelle Werte erwarten. Aber wenn die Baubehörden in Nürnberg selbst auf den Denkmalschutz pfeiffen und alles mitmachen ist das eigentlich ein Skandal.
    Den Lessingsaal könnte nämlich bestens einer kulturellen Nutzung (Probebühne, Kindertheater, Festsaal, Kabaretttheater, Ballet- und Tanztheater) zugeführt werden (was natürlich weniger abwirft als Büros). Er hat Stil und liegt auch noch mitten in der Kulturmeile. In anderen Städten wäre man über so einen Spielort froh; in Nürnberg diskutiert man über den Abbruch. Schändlich.

  2. Einen Abriss halte ich nicht für sinnvoll. Die bestehende Fassade ist integriert in die Ringbebauung. Das beste wäre ein kostengünstiger Ausbau für neue Nutzungen. Ein neues Bürogebäude ist nur lukrativ, wenn es möglichst billig und einfallslos hingesetzt wird. Wer sagt denn, daß überhaupt Bedarf besteht. Viele Bauten, wie Victoria Versicherung, Stadtsparkasse, Nürnberger Versicherung werden nicht mehr, wie ursprünglich geplant genutzt. Eine moderne Verwaltung drängt sich nicht in Baulücken sondern nutzt Gebiete wie Nordostpark und Südwestpark mit ausreichend Parkplätzen.
    Wenn nach übereiltem Abriss der Investor abspringt,bleibt jahrelang ein hässliches Loch.

  3. Hallo zusammen,

    was muss eigentlich noch alles passieren in unserer Stadt, damit unsere Stadträte endlich begreifen, dass sie so nicht mit unserem kulturellem Erbe umgehen dürfen. Sind denn in Nürnberg in den letzten Jahren nicht genügend Bausünden innerhalb der Altstadt entstanden??? Ich möchte nur einmal an das Projekt Breuninger erinnern. Wann wird verstanden, dass die Touristen nicht in unsere Stadt kommen um Neubauten zu sehen, sondern eine der intakte Altstadt. Der Deutsche Hof gehört daher auf jeden Fall saniert. In direkter Nähe zum Hauptbahnhof (der für 105 Millionen DM saniert wurde) und dem Opernhaus prägt auch der Deutsche Hof seit 100 Jahren die Gesamtansicht einer der wichtigsten und meistbefahrensten Straßen in Nürnberg.

    Übrigens; Seit Jahren wird bemängelt, dass es in Nürnberg zu wenig Hotelbetten gibt. Aber anstatt alteingesessene Werte zu erhalten baut man lieber hässliche Neubauten á la MotelOne am Plärrer.

    Wacht auf und erkennt endlich die Schönheit und Einzigartigkeit unserer Stadt. Bevor es zu spät ist und der letzte Rest erhaltener Bausubstanz verloren ist.

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