Was ein Plakat alles sein kann

Jetzt ist es soweit: Die Burka regt nicht nur zum Diskutieren, sondern auch zum Singen an. Gestern trat der Gewerkschaftschor Auftakt in der Straße der Menschenrechte auf, um in der Diskussion, die in der Stadt um ein Plakat entbrannt ist, das eine Frau mit Burka zeigt, seine Stimme zu erheben.
Zur Vorgeschichte: Die Stadtreklame hat ihr buntes Weltbild in Comicform auf ein Plakat gebannt und an zentralen Plätzen wie dem Hauptbahnhof aufgehängt. Eine der gezeichneten Figuren, eben die Frau mit Burka, erregte viele Gemüter – darunter besonders viele christsoziale. Ein Symbol der Unterdrückung sei das Gewand, es dürfe nicht dadurch legitimiert werden, indem man es aushängt. Andere beschwerten sich zudem, dass der ebenfalls auf dem Plakat befindliche Slogan „Welcome to Nuremberg“ englisch und nicht deutsch sei.
Die Burka muss jedoch weiter auf dem Plakat bleiben, findet der Gewerkschaftschor – schließlich heiße man alle Menschen willkommen. „Auch wenn die Frauen in ihrem Herkunftsland unterdrückt werden, darf man sie hier nicht ausgrenzen“, sagte Günter Göttinger, einer der Sänger.
Nun scheint das Plakat an sich unendlich viele Deutungsmöglichkeiten zu eröffnen. Denn wieder andere sagen: Die Figuren auf dem Plakat sind nicht die Gäste, die kommen. Vielmehr symbolisieren sie die Bevölkerung Nürnbergs. Das stärkste Indiz: Flocke. Der kleine Eisbär winkt frech vom unteren Bildrand.
Doch, Spaß beiseite: „Die CSU versucht, damit Politik zu machen. Sie buhlt um Aufmerksamkeit und sucht ein Thema, das sie besetzen kann“, sagt Göttinger. „Wir wollen das Problem nicht vertiefen“, sagte der ehemalige Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer. Er hatte die musikalische Kundgebung maßgeblich mit angeschoben. Er und die Seinen sängen für die Burka, weil nunmal alle Menschen in Nürnberg willkommen seien.
Aber Moment mal? – Wenn die Menschen auf dem Plakat laut Frommer aber die Gäste sind, wer in aller Welt ist der Eisbär? Die NZ deckt es auf. Wer ganz genau hinsieht, für den steht zweifellos fest: Das ist Rasputin, der Spielgefährte von Flocke, kurz vor seiner Ausreise aus Moskau.

cur

12 Kommentare in “Was ein Plakat alles sein kann

  1. Can someone explain to me why the little old lady is wearing a pin with the face of Hitler on it?

  2. Die Diskussion über das Plakat mit multikulturellem touch finde ich interessant und aufklärend. Es wird nach meiner Erfahrung nicht möglich sein, von betroffenen Frauen zu erfahren, ob sie einer religiös verbrämten Verordnung oder individuellem Bedürfnis folgen, wenn sie sich unerkenntlich machen. In der Mehrheitsdemokratie hat jeder verwaltungstechnisch Eingegliederte das Recht, seine Anschauungen im Lebensvollzug zu praktizieren, davon profitieren ja auch Scientology, andere Sekten und politische Randgruppen.
    Was mir bei der Burka-Diskussion noch fehlt ist ein letztlich rechtlicher Aspekt:
    Jeder Bürger unseres Landes kann durch sein Verhalten einmal Anlass geben, sein Tun juristisch zu bewerten. Bei solcherlei Taten ist es zielführend, wenn vom Täter Zeugen ein Bild vermitteln können. Sturmmasken und andere Verhüllungen waren Anlass, per Gesetz eine Vermummung zu verbieten. Da durchaus auch Frauen unter den Tätern zu finden sind, wäre dieser wichtige Aspekt der Erkennbarkeit zu erwägen.
    Ein weiterer Punkt, den ich zu bedenken anregen will ist die Kommunikation. Wenn ich mit einem Menschen kommuniziere, dann vermittelt er mir Nachrichten in Wort, Mimik und Gestik. Die sog. Körpersprache ist sogar eine Kommunkationsschiene, von der behauptet wird, dass sich auf dieser mehr Wahrhaftigkeit manifestiert als in Worten.
    Tritt mir nun eine Gesprächspartnerin entgegen, von der ich gerade einmal ( oder auch das nicht) die Augen sehen kann, so habe ich ein handicap.
    Stellt sich also die Freiheitsfrage. Freiheit hört dort auf, wo ich die Interessen eines Mitmenschen einschränke. Es wird also immer Verantwortungsbereitschaft assoziiert sein müssen, um die bei uns errungene Freiheit ohne Konflikte leben zu können.
    Die Burka-Trägerin ist entweder selbst nicht frei in der Wahl der Kleidung oder macht den Kommunikationspartner unfrei mit ihrer Vermummung.

  3. Alle willkommen in Nürnberg? Zahlende Gäste, die sich anständig benehmen -wahrscheinlich. Aber Taschendiebe aus dem Osten oder extremistische Moslems, aber auch orthodoxe Juden, die einen Vernichtungsfeldzug nach Nazimaimanier führen – eher nicht. Den einen sind die CSU-ler nicht willkommen, andere möchten mit SPD-Mitgliedern nichts zu tun haben. Ich habe die Burkaträgerin zuerst gar nicht wahrgenommen, aber gut finde ich die Idee nicht. Im Bus oder in der U-Bahn fühle ich micht nicht wohl, wenn verschleierte mitfahren. Nicht die Burkas werden ausgegrenzt, sondern ich in meiner Heimatstadt.

  4. Die Bayern als Besatzungsmacht haben es sich wahrscheinlich verbeten hier abgebildet zu werden. Das ist bei fremden Truppen manchmal so. Die Burka ist allerdings eine Tatsache, da kann man dazu stehen wie man will, und sie verschwindet nicht dadurch, dass man sie nicht zur Kenntnis nimmt. Eine echte Diskriminierung wäre es allerdings eine Frau mit Burka nicht auch willkommen zu heißen.
    Was mich allerdings wundert, ist dass die Gäste offenbar alle im Hilton Hotel untergebracht sind, denn das ist das einzige mir bekannte Gebäude in Nuremberg.
    Übrigens habe ich in Arabien selbst schon erlebt, wie in Jordanien Frauen aus dem, amerikanisch dominierten, Burka-Musterland Saudi Arabien für ein Photo (!) ihre Burka soweit hoben, dass sie auf dem Bild zu erkennen waren. Ich persönlich finde das Plakat gut, zeigt es doch dass in Nürnberg tatsächlich jeder willkommen ist und auch eine Burkaträgerin eben gerade nicht ausgegrenzt wird.

  5. Was noch niemandem aufgefallen ist: da fehlt eine Lederhose auf dem Plakat. Wenn sich Nürnberg schon mit allen Völkern versönlich zeigt, sollten ja auch die Bayern dabei sein, oder? Oder geht die Toleranz dann doch nicht so weit?
    Letzte Zweifel bleiben einfach…

  6. Ich hoffe, dass bald auch noch für Steinigungen, Genitalverstümmelungen, Kehlendurchschneidungen und Kopfabhacken so wie es in islamischen Ländern nicht selten der Brauch ist, die Nürnberger Medien und ihre politischen Unterstützer freudig singen und Rosen ablegen.
    Aber mal ehrlich, durch ihre Berichterstattung verbieten sie einen grossen Teil der Bevölkerung den Mund um ihre eigenen verschrobenen Ansichten über Burkas & Co. durchzusetzen. Es grenzt schon an Fanatismus der lokalen Machthaber, wie sie mit aller Gewalt ihr Bild von einer multikulturellen Gesellschaft durchsetzen wollen. Ach übrigens, wohnen sie in der Südstadt oder Langwasser. Nach ein paar Jahren denken sie anders. Jetzt ist es an der Zeit, gegen die Zerstörung der Nürnberger Politkaste Widerstand zu organisieren. WIR SIND DAS VOLK !

  7. Der Gedanke die ausländischen Besucher unserer schönen Stadt auf einem Plakat zu begrüßen ist nicht schlecht. Die Wahrscheinlichkeit, daß eine Burkaträgerin bei uns, wie hier gezeigt, solo bei uns eintrifft, dürfte angesichts der Rechte dieser Frauen in ihrer Heimat im sechzehnstelligen Nullkommabereich liegen. Beim Betrachten des Fotos mit den, dieses Plakat besingenden, träumerischen Gutmenschen, kann man nur ausrufen: Herr gib Hirn und Realitätssinn.

  8. Natürlich stört mich die Burka, nicht nur auf dem Plakat. Sogar sehr. Die Frau selbst, die gezwungen wird mit der Burka durch Nürnberg zu gehen, tut mir leid.

    Sie wird doch von ihrem Mann regelrecht als sein Eigentum vorgeführt. Gerade wenn die Frauen in ihren Herkunftländern durch solche Symbole unterdrückt werden, darf man das hier auf keinen Fall noch unterstützen indem man es auch noch auf einem Plakat goutiert.

    Es wundert mich, dass die SPD, die sonst so auf Frauenrechte hält,
    hier so unsensibel vorgeht. Ich glaube es ist nur noch Trotz vor allem von Herrn Frommer ,der sich wirklich langsam für nichts zu schade ist.
    Oder ist das schon Alterssstarrsinn. Sich hinzustellen und Lieder f ü r die Burka zu singen. Absurd. Dass auf diesem Bild auch Frauen zu sehen sind, die für die Burka singen, ist beschämend.

  9. Haben wir nicht Fasching? Haben die CSU-Leute keine anderen Sorgen? Ich meine, hallo, Finanzkrise, Überschuldung, Nazipapst, Club hinter Fürth, Schwachsinnsfernsehen…? Da müsste sich doch etwas finden lassen, was näher an uns einfachen Leuten ist und wodurch man uns das Leben ein bisschen erleichtern könnte. Aber nein, ein harmloses Plakat, das ohne diese Unionswichtigtuer wohl niemand genau angesehen hätte, darüber regen die sich auf.
    Ich bin inzwischen so was von wahlmüde, dass ich mich gleich in die Urne legen möchte

  10. Wenn’s um Unterdrückung geht sollten wir den Christsozialen folgen – Christen sind schließlich Spezialisten zu dem Thema . Schon in den Kreuzzügen haben sie die Muslimische Welt unterdrückt, während der Inquisition das eigene Klientel. Und gerade aktuell holt Benedikt die Piusbrüder wieder ins Boot – ein Schelm der böses dabei denkt. 😉

    Ne im Ernst – die Sache mit der Burka ist genauso’n Unsinn wie mit dem Kopftuch. Es gibt viele verschiedene Gründe warum Frauen sich so kleiden – nur weil es möglicherweise, vielleicht aus Gründen geschieht die unserer Auffassung zuwider laufen haben wir nicht das Recht so gekleidete Frauen auszugrenzen. Diese Pseudochristen von der CSU sollten endlich mal lernen was Toleranz ist und wie ein friedliches Zusammenleben ohne Unterstellungen und Vorverurteilungen funktioniert.

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