Ist die Baum-Gebühr bloße Abzocke?

Wer auf seinem Grundstück mehrere Bäume – oder ein besonders schönes Exemplar – hat, sollte das Zentimeterband herausholen: Hat der Stamm einen Umfang von 80 Zentimetern, so darf man nicht einfach mit ihm machen, was man möchte. Soll er nämlich gefällt werden, rückt das Umweltamt an. Das begutachtet ihn im Rahmen der Baumschutzverordnung, die seit 1977 im Stadtgebiet Nürnberg gilt. Es berät die Eigentümer, denn manchmal genügt ein Rückschnitt, um den Baum zu retten. Wenn das nicht gelingt, regt das Amt Neupflanzungen an.
Früher waren diese sogenannten Ortstermine kostenlos. Seit 2009 stellt das Umweltamt dafür pauschal 25 Euro dafür in Rechung. Über diese neue Gebühr ist ein heftiger Streit entbrannt. „Es ist nicht selbstverständlich, dass viele Grundstückseigentümer Bäume bis in ein Alter stehen lassen, in dem sie unter die Baumschutzverordnung fallen“, sagt CSU-Stadtrat Michael Brückner. Nun komme noch die neue Gebühr als Ärgernis hinzu – „das ist der Dank für die ökologische Leistung, die Grundeigentümer erbringen“, klagt Brückner. Die Union befürchtet, dass nun einige Baumbesitzer zur Säge greifen werden, wenn der Stamm 79 Zentimeter überschreitet.
Dieses Szenario finden SPD und Grüne dagegen lächerlich. Sie werfen der CSU die Anzettelung einer „populistischen Debatte“ vor, weil neue Gebühren beim Bürger selten gut ankommen. Das Umweltamt betont, dass die 25 Euro, die pauschal erhobeben werden, „der letzte Ausweg“ seien. In den letzten Jahren habe man nämlich immer mehr Fälle bearbeiten müssen, personell sei das Amt am Ende und auf diese Gebühr angewiesen.

Wir fragen die NZ-Leser diese Woche: ist die Baum-Gebühr nur eine Abzocke? Ihr Votum können Sie hier abgeben.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Soll der Deutsche Hof abgerissen werden? Mit Ja antworteten 11,6 Prozent, mit Nein 88,4 Prozent.

3 Kommentare in “Ist die Baum-Gebühr bloße Abzocke?

  1. Es ist dieselbe Abzocke, die zunehmend im öffentlichen Raum bemerbar wird. Es beginnt mit den WC und den bekannten Folgen, siee heutige NZ, und endet u. a. mit der Baumfällgebühr.
    Auch hier werden sich Bürger notfalls etwas einfallen lassen. Genannt sei nur der Kupfernagel.
    Zahlt der Bürger seine Steuern eigentlich nur noch um damit Managementfehler der Banken und der Autoindustrie zu alimentieren oder kann er für das von ihm bezahlte Geld noch eine Gegenleistung erwarten? Und wenn die Stadt richtigerweise vor dem Fällen oder Zurückschneiden von Bäumen ein Mitspracherecht haben will, soll sie dem kostenlos nachkommen und nicht gesetzestreue Bürger für ihre Einhaltung von Gesetzen mit einer „Geldbuse“ in Höhe mindestens eines Falschparkens bestrafen.

  2. NZ Leserfrage der Woche
    11.2.09 hr
    Ja ich denke es ist Abzocke – schließlich will man durch die Baumverordnung das „Private Grün“ engagierter Kleingärtner und Baumbesitzer für die Allgemeinheit nutzen und erhalten. Anstatt froh zu sein über diese grünen Oasen, kommt über den Eigentümer ein Strafgericht, wenn er sich im zugewachsenen Vorgarten Luft und Licht verschaffen möchte. Er soll an die Stadt zahlen, zusätzlich zu Arbeitskosten, die bei notwendigen Aktionen anfallen.

    Ich möchte betonen, die Stadt nutzt ihr eigenes Potential nicht, um für ausreichende und gepflegte Grünzonen zu sorgen – der letzte in Erinnerung gebliebene Stadtgartendirektor Friedrich hatte noch den Ehrgeiz mitten in der Fußgängerzone Pflanzkästen zu erstellen, die mangels Pflege wieder verschwunden sind. Unsere Stadt hat nie ein ausreichendes Budget für Gartenbau eingerichtet, da ihr scheinbar Begegnungen in angenehmen Grün- und Ruhezonen weniger wichtig erscheinen. .Von einer überregionalen Gartenausstellung gar nicht zu sprechen, das konnten sich nur kleinere Gemeinden wie Ingolstadt oder Amberg leisten.
    Helga Radloff

  3. Mein „Senf“ zum heutigen Thema :“Ist die Baum-Gebühr bloss Abzocke“.

    Dieses Tehma brennt mir seit langer Zeit auf der Seele. Ich habe auf meinem Grundstück zwei 90 Jahre alte Rotbuchen stehen, die mit einem Stammumfang von über 2m natürlich unter die Baumschutzverordnung fallen. Im letzten Jahr habe ich mich, auf die Bitte meines Nachbars hin, entschlossen einen fachgerechten Rückschnit der Bäume vonehmen zu lassen. Da ich ein gesetzestreuer Mensch, habe ich bei der unteren Naturschutzbehörde einen Besichtigungstermin beantragt.
    Ein „Beamter in Grün“ hat mir dann genau vorgegeben, welcher Ast entfernt werden dürfe. Für Diese „Beratung“ habe ich dann die 25.-
    zahlen müssen.
    Dazu möchte ich sagen:
    Es handelt sich hier um m e i ne Bäume (sie wurden von meinem Großvater vor 90 Jahren gepflanzt), die auf m e i n e m Grundstück stehen. Dass solche Schmuckstücke unter Naturschutz stehen, kann ich vielleicht noch nachvollziehen. Aber was gibt der Stadt Nürnberg das Recht, mir vorzuschreiben, welchen Ast ich entfernen darf, um dafür auch noch abzukassieren.
    Von den ganzen Schikanen, die mir während meines Hausbaus diesbezüglich entstanden sind, will ich gar nicht erst reden.
    Man braucht sich wirklich nicht wundern, das heutzutage kaum mehr jemand bereit ist, einen Baum auf seinem Grundstück zu pflanzen. Vielleicht sollten sich die „Grünen“ das mal durch den Kopf gehen lassen.

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