Faschingszug in Geldnot

Am Sonntagnachmittag ziehen die Narren durch Nürnberg. Schön – aber wer zahlt? Den fröhlichen Gesichtern ist nicht anzusehen, dass sie sich Sorgen ums Geld machen. Denn noch im Spätherbst sah es deshalb wieder einmal so aus, als müsste der Umzug – einer der ältesten in Deutschland – ausfallen.
Und das kommt so: 10 000 Euro kostet die Parade, so hoch ist der Preis für städtische Genehmigungsgebühren, Straßensperrungen, Sicherheitspersonal, Gema und die anschließende Straßenreinigung. Die Startgebühr ist heuer für jede Gruppe auf 100 Euro gestiegen – ein kleiner Verein hat deshalb erstmals abgesagt. Ein bisschen pervers finden die Faschingsanhänger daran nur, dass politische Demonstranten aller Art für die Straßenbenutzung gar nichts zahlen müssen. Obwohl die ja viel hässlicheren Krach mitbringen und oft auch noch Zerstörungswut. Doch der Staat gewährt ihnen nach dem Versammlungsrecht gratis den öffentlichen Auftritt.

Die Stadt Nürnberg ist also nicht der Schuldige: Sie muss den Faschingszug offiziell abrechnen, wie alle Vergnügungsveranstaltungen. Aber sie hätte beispielsweise  Spielräume, sich für ein besseres Sponsoring der Parade stark zu machen, statt die Organisatoren um Spendengelder betteln zu lassen. Die Ehrenamtlichen aus den Karnevalsgesellschaften tun sich damit nebenbei schwer. Wir bringen Gaudi und 100 000 Zuschauer in die Stadt, sagen sie – das könnte man uns schöner danken. Wirte und Bäcker entlang der Zugstrecke machen nämlich traditionell ein gutes Geschäft mit dem Publikum, sonst würden sie ja nicht extra an diesem Sonntag öffnen.

Irgendwo muss es ja sitzen, das Geld für den Faschingszug! Oder gefällt er den Franken am Ende doch nicht so gut?

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