Hätte man die Waffenmesse absagen müssen?

Nach dem Amoklauf von Winnenden diskutiert man in ganz Deutschland, wie man so etwas verhindern könnte. Verbote von so genannten Killerspielen werden ebenso gefordert, wie Einlasskontrollen an den Schultüren, mehr Schulpsychologen und eine Verschärfung des Waffenrechtes.

Dass ein Verbot von Computerspielen realistischer erscheint als anderes, dürfte auch damit zusammenhängen, dass es nichts kostet. Gleichzeitig werden damit auch kaum in Deutschland für Arbeitsplätze sorgende Firmen geschädigt. Letzteres wäre aber bei einer weiteren Verschärfung des Waffenrechtes der Fall. Ausgerechnet eine in Nürnberg jedes Jahr stattfindende Veranstaltung rückt nun genau diesen Aspekt in den Fokus: die Internationale Waffenmesse.

Zwei Tage nach der schrecklichen Bluttat in der Albertville-Realschule wird im Nürnberger Messezentrum diese weltweit größte Fachmesse für Jagd- und Sportwaffen eröffnet. Terminlich ist das für die Veranstalter ein unglücklicher Zufall, nicht unbedingt aber für die öffentliche Diskussioh.

Denn natürlich stellt sich jetzt auch die Frage, ob man diese Messe nicht hätte kurzfristig absagen sollen, schließlich wurden wegen des Amoklaufs noch andere Dinge abgesagt, die weitaus weniger mit der Bluttat zu tun haben.

5 Kommentare in “Hätte man die Waffenmesse absagen müssen?

  1. Alles absagen (Nockherberg, Karneval, Messen etc) ja, aber wozu? Ist der Irakkrieg, der Amoklauf, oder irgendwas verhindert worden? Ne also ist das Schwachsinn.

  2. „Dass ein Verbot von Computerspielen realistischer erscheint als anderes, dürfte auch damit zusammenhängen, dass es nichts kostet. Gleichzeitig werden damit auch kaum in Deutschland für Arbeitsplätze sorgende Firmen geschädigt.“

    „Kaum“ ist in dem Fall mal wieder relativ zu sehen…

    Hallo,

    vorweg, den hinterbliebenen Angehören und allen Betroffenen gilt mein Beileid. Ich bin in Gedanken bei diesen Menschen und sehe die Notwendigkeit für kritische Reflektion erneut bestätigt.

    Die Industrie um Video- und Computerspiele hat 2008 allein in Deutschland 1.566 Mio € umgesetzt. Die Marktkraft anderer Industriezweige wie Musik lag bei ca 1.400 Mio €. Im Gegensatz zu Branchen wie Automobil oder Finanzdienstleistungen zählt die Industrie um Video- und Computerspiele nach einem letztjährigen Wachstum von +14% zu einem entscheidenden Rädchen im Wirtschaftsmotor Deutschlands.

    Am Publishing, also der Veröffentlichung der Spiele, sind zahlreiche Stellen und Menschen beteiligt: Presswerke in denen produziert und konfektioniert wird, Speditionen welche die Auslieferung durchführen, der Laden im Einzelhandel wo stets gefüllte Regale die Kunden erwarten, Agenturen, Druckereien und Dienstleister sein es Programmierer, Künstler, Finanziers oder Brancheninsider. Dann sind da noch Prüfstellen, in denen die Spiele nach harten Auflagen aufwändig auf deren Eignung für den deutschen Markt kontrolliert werden.

    Tendentiell denke ich zwar nicht, dass sich eine Verschärfung der Prüfkriterien und härte Selektion der zugelassenen Spiele sich direkt auf die Arbeitsplatzsituation in der Branche auswirken würde, weil der Anteil entsprechender Spiele in Deutschland einen vergleichsweise geringen Anteil am Markt ausmacht, allerdings ist mir wichtig zu betonen, dass die Branche DURCHAUS (sichere, vielfältige) Arbeitsplätze (in einer etablierten und nach wie vor wachsenden Industrie) stellt.

    In Zeiten wo Unternehmen ganze Abteilungen einstampfen und Kurzarbeit zur Regel wird, gebe ich das am Rande zu bedenken.

    VG,
    M.

    PS: Die IWA & OutdoorClassics ist meines Wissens nach eine Fachmesse. Piitätslos oder moralisch fragwürdig finde ich die Veranstaltung der Messe nicht. Vielmehr ist auch hier Reflektion und Auseinandersetzung gefragt. Die Damen und Herren der Branche stellen sich jedenfalls der Verantwortung mit offenen Visier: http://www.iwa.info/de/press/ars12/ars25/?arspageid=25.pm.5202

  3. Dennis hat alles wesentliche gesagt.

    Moderne Medien wurden zu jeder Zeit verteufelt (Musik Anfang des 20. Jahrhunderts oder Literatur immer wieder mal, zum Beispiel bei der Erfindung des Buchdrucks). Die Gründe waren meistens bei der Machtsucht von Politikern, sei es demokratisch gewählten oder selbsternannten, und Unternehmern zu suchen.

    Schäuble & Co. verschaffen sich durch die Waffenlobby Vorteile, also wieso ihnen vor den Kopf stoßen? Computerspiele haben in Deutschland noch keine sehr starke Lobby und ein großer Teil der Zielgruppe hat kein Wahlrecht, aber wenn die Bevölkerungsstruktur so weit fortgeschritten ist, dass die vor 10, 20 Jahren jungen Menschen die alte Generation überstimmen können, dann werden sich unsere innere Sicherheit liebenden Politiker wundern wo ihre Wählerstimmen abgeblieben sind.

    Das Internet ist bunt, nicht schwarz.

  4. Mit einem Verbot von Computerspielen erreicht man gar nichts. Dass in den Amok-Fällen immer wieder solche Spiele gefunden werden, hat sozialstrukturelle Gründe (die Täter gehören aufgrund ihres Alters etc. zu sozialen Gruppen, in denen diese Spiele nun mal eine Verbreitung weit über 90% haben – woran auch ein verbot nichts ändern würde). Stärker eingeschränkter Zugang zu Waffen hingegen hat da wesentlich mehr Aussicht auf Erfolg. Aber auch dadurch lassen sich solche Taten niemals sicher verhindern.

    Die Messe abzusagen hätte bloßen Symbolcharakter und ich fände das blödsinnig.

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