Soll die Stadt das “Casablanca” retten?
16. März 2009 von cur
Es ist klein, ein bisschen dunkel – und sehr charmant: das „Casablanca“. Dem kleinen Südstadtkino droht das Aus. Zum 1. April will der Betreiber Wolfram Weber, der auch das Cinecittà, die Meisengeige und das Metropolis sein Eigen nennt, das Kino schließen. Diese Pläne stießen bei vielen „Casa“-Fans auf Entsetzen; es gründete sich die „Interessengemeinschaft (IG) Casa“. Sie will das Kino von Weber übernehmen. Weber wollte dafür eine Ablösesumme von 50.000 Euro, reduzierte seine Forderung indes auf 33.000 Euro. Das ist immer noch zuviel, findet die „IG Casa“ – maximal 15.000 Euro soll Weber von ihr bekommen. Das sei immer noch mehr als das marode Inventar eigentlich wert sei.
Um Geld zusammen zu tragen, hat die IG ein Spendenkonto eingerichtet, ein Verein soll gegründet werden. Die Hausgemeinschaft will investieren, ein Filmkunsttheater soll das „Casa“ werden. Auch zwei mögliche Betreiber sind schon gefunden, darunter die Theaterregisseurin Tina Geißinger. Alle Beteiligten sind enthusiastisch, wissen aber auch, dass die Übernahmen mit hohen wirtschaftlichen Risiken verbunden ist.
Die Interessengemeinschaft ist derzeit aber vor allem von der Stadt enttäuscht. Die Stadt solle sich für die Rettung des „Casablanca“ stark machen; schließlich trage das Kino zur kulturellen Vielfalt Nürnbergs bei.
Die Stadt hat sich bisher nicht zu der Problematik geäußert. Sie hält sich auffallend zurück, bedenkt man, dass sie Wolfram Weber einst äußerst günstige Konditionen verschaffte, damit er seine großen Kinos bauen konnte. Aber vielleicht will sich die Stadt nur den guten Gewerbesteuerzahler nicht verprellen?
Wie ist Ihre Meinung: Soll die Stadt das „Casablanca“ retten?
Nachtrag vom 24.3.:
Das Tauziehen um das Kino Casablanca ist zu Ende. Da es zwischen der Interessengemeinschaft “IG Casa” und Betreiber Wolfram Weber zu keiner Einigung gekommen ist, wird das kleine Kino am Mittwoch seinen letzten Film zeigen.
Weber hatte das Kino 33 Jahre lang betrieben und wollte es nun zum 1. April schließen. (Ein ausführliches Interview dazu finden Sie hier.) Dagegen hatten sich zahlreiche Nürnberger gewehrt. Sie gründeten eine Interessengemeinschaft. Sie wollte das Kino weiter betreiben.
Weber verlangte von der IG für das Inventar, darunter Stühle, eine Bar und Projektoren, 33 000 Euro. Das sei zuviel, befand die IG, zumal zahlreiche Investitionen in das marode Kino nötig gewesen wären. 15 000 Euro sei die größtmögliche Summe gewesen, die die IG für das Inventar hätte zahlen wollen. Dafür hatte sie sogar ein Spendenkonto eingerichtet. Bis gestern waren darauf rund 7800 Euro eingegangen. Das Geld werde nun an die Spender zurück überwiesen.
Auf Weber kommen indes hohe Kosten zu: Er muss den Rückbau des Südstadt-Kinos finanzieren. Den ausführlichen Bericht dazu finden Sie hier und hier.
cur
Nachtrag vom 3. 4.:
Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder: Durch die umfassende NZ-Berichterstattung war ein Paar aufmerksam geworden auf die drohende Schließung. Es ist dem Casa offenbar romantisch verbunden. Eine fünfstellige Summe werden sie der “IG Casa” zur Verfügung stellen. Damit ist der Kinobetrieb auch in Zukunft gesichtert. Den ausführlichen Bericht lesen Sie hier und hier.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Brauchen wir einen Frauentag? Mit Ja antworteten 22,3 Prozent, mit Nein 77,7 Prozent.
17 Kommentare zu “Soll die Stadt das “Casablanca” retten?”

Das Casablanca in der Südstadt muss erhalten bleiben! Das wäre wie: Südstadt ohne “Schoggen”.
Ja, warum denn nicht?? Die Frage ist nur, hat das die Stadt überhaupt schon mitbekommen, dass demnächst die ganze Südstadt Kino-los sein wird? In der Südstadt wohnen halt zu wenig Stadträte etc.
Traurig aber wahr, die Südstadt ist und bleibt das Schmuddelkind Nürnbergs, da hilft auch kein neuer Aufseßplatz!
1000 Milliarden für die Banken, 100 Milliarden für Opel, 10 Milliarden für Schäffler, 1 Milliarde für den DFB. Ok, gebt nur 0,00001% davon dem IG Casa eV. Dann bleiben für die Armen anderen noch 1110.999.900.000€.
Den drei Kommentaren hab ich eigentlich nix hinzuzufügen – außer: Wo ist denn die Abstimmung, wenn man auf “hier” klickt?
Ich finde, man muss hier gar nicht mehr mit Grundsatzdiskussionen über die Südstadt an sich anfangen, letztlich sollte es einer Stadtführung egal sein, ob und wie viele Stadträte in diesem Stadtteil wohnen.
Die Frage, ob das Casablanca notwendig und ein Teil der kulturellen Vielfalt Nürnbergs ist, muss man nicht mehr stellen.
Vielmehr drängt sich die Frage auf, warum es denn überhaupt so weit kommen musste?
Als ich die letzten drei Male im Casablanca als Besucher war, wurde ich nicht unbedingt von Besuchermassen überrannt. Bei der Vorführung lag der Bildstrich schräg und der Ton war sehr knarzig.
Hat also Herr Weber das Casablanca ausbluten lassen, weil keine Leute mehr kamen oder kamen keine Leute mehr, weil die Ausstattung so vergleichsweise schlecht ist?
(dazu muss man sagen, dass der Ton im Cinecitta oftmals auch mehr als unterirdisch ist und ich oft genug Probleme mit Schärfe und Bildstrich erleben musste).
Wenn das Casablanca also gerettet werden sollte, was ich selbst deutlich befürworten würde, sollte man auch gleich einen guten Plan für ein besseres Betreiber-Konzept mitliefern.
Denn diese Doppelmoral a la “wir brauchen das Kino für unsere kulturelle Vielfalt”, aber keiner geht hin, brauchen wir nicht mehr, auch nicht in der Südstadt.
MfG Philipp Bornschlegl
Ich hätte nichts gegen ne ordentliche Independent-DVDothek oder sonstwie medial aufrüsten die Lokation. Mann muss ja auch ein bisschen mit der Zeit gehen. Immer nur zu dritt im schummrigen Kino hocken is ja auch nix.
Natürlich muss das Casablanca als Ort für Film, Kunst und Theater überleben. Da die Stadt in der Vergangenheit genügend für Wolfram Weber und sein Cincecitta getan hat, könnte die Stadt eigentlich auch etwas gegen das von Herrn Weber zielstrebig anvisierte Ableben des Casablancas tun. Lieber wäre es mir aber, es würde eine breite Basis von Menschen geben, die mit ihrer ideellen und materiellen Unterstützung dem Casablanca ein dauerhaftes Überleben sichern würden. Vielliecht geht ja da ‘was.
Was hilft es dem Casablanca, wenn man über Rettungsaktionen für das wirtschaftliche Versagen einiger Weniger polemisiert? Nichts!!!
Wenn man das „Casa“ retten will, was mir sehr gelegen käme, muß man dort hingehen, Eintritt bezahlen, in der Kneipe etwas verzehren und somit den wirtschaftlichen Grundstein für die Existenz der Einrichtung sorgen. Es hilft Nichts, wenn man einmal im Jahr ins „Casa“ geht um auf furchtbar „intellektuell“ zu machen, und dabei einen „kleinen“ Rioja verzehrt!!!
Davon kann so eine Kulteinrichtung nicht überleben!!!
Gerade die Kneipe ist es, die es möglich macht dieses Kulturgut zu erhalten, oder warum gibt’s die „Geige“ noch? Dort werden wenigstens noch Getränke konsumiert um den defizitären Kinobereich zu erhalten.
Ich kann ja verstehen, dass die Casa-Kneipe nicht sonderlich attraktiv ist, aber mit kleinen Änderungen ist sie sicherlich in „Gewinnbereitschaft“. Bisschen an der Einrichtung geändert, das Getränkeangebot überdacht (Zzisch geht ja gar nicht!!!), als Personal mal keine verspulten Kunststudenten, sondern Leute, die wissen was sie tun!! Dann kann ich mir vorstellen, dass sich das auf das Kino auswirkt. Im Idealfall schreibt das „Casa“ schwarze Zahlen und wird überleben!! Ich würde das sehr begrüßen!!!
Also Leute: geht hin, konsumiert und das „Casa“ wird weiter bestehen!!
@Elmar Tannert: Sorry, für die späte Antwort. Die Leserfrage ist auf der NZ-Homepage immer rechts unten zu finden. Ich habe mir erlaubt, eine Stimme für den Erhalt hinzuzufügen. Trotz des knappen Ergebnisses war das aber bei rund 500 Stimmen via Internet und Telefon letztlich nicht entscheidend.
Die Finanzierung, die die Stadt und ihr damaliger Oberbürgermeister Schönlein mit Wolfram Weber vereinbart hatte, war ein Skandal. Höchstens geschenkt wäre noch billiger gewesen.
Genauso ein Skandal ist es, wenn jetzt enorme, noch gar nicht vorhandene, Steuermittel in marode Unternehmen, in kaputte Banken und in Straßenbauprojekte, die bald keiner mehr brauchen wird, gesteckt werden.
Insofern hat jeder Recht, der nun fordert, lieber vergelichsweise kleine Beträge in liebenswerte, überschaubare Objekte zu stecken. Ich würde auch zustimmen, dass jeder ins Casablanca investierte Euro mehr bringt, als jede Million bei Opel.
Trotzdem: Auch vor diesem tiefschwarzen Hintergrund wird Grau nicht zu Weiß. Ein Kino dürfte kaum eine glänzende Option für die Zukunft sein. Eines wie das Casablanca schon gleich gar nicht. Tut mir leid. Dem Weber würde ich daher nicht einen Cent dafür zahlen. Lieber noch ein Jahr warten, dann kommt er angerobbt und winselt; und die Stadt, die dröge, braucht man dann überhaupt nicht.
Ich würde auch Geld spenden zur Rettung des Casa, aber nicht für W. Weber und seine Ablöseforderung!
Für den Haufen Schrott will der noch Geld?? Der sollte sich
schämen, 30 Jahre lang nix an der Bude gemacht!!
Der eröffnet Kinos, verdient über Jahre sehr gut daran und dann lässt er sie vergammeln, unglaublich!!!
An alle,
die so groß “wir wollen das Casa retten” schreien!
Na, wie of sind Sie denn im letzten Jahr in diesem Kino gewesen?
Wieviel Geld haben Sie beigesteuert um dieses Kino zu erhalten?
Ein Kino kostet nicht nur die Einrichtung! Sondern Monat für Monat, egal wie das Geschäft läuft …….Gehälter, massig Strom,
Knappschaft und vieles, vieles mehr!
Es ist Herrn Weber sein gutes Recht, damit zuverfahren, wie er es für richtig hält! Es ist seine allleinige Entscheidung!
Sehr geehrter H. P. 1 Kinostuhl kostet ca. 200,oo – 300,oo €
von der ganzen anderen technischen Ausstattung nicht zu reden!
Na, wieviel würden Sie den nun spenden? 20,oo € für den Abfalleimer?
Da merkt man, daß hier Leute diskutieren, die keine Ahnung haben. (Branchenfremd sind !)
Mir wirds ganz schlecht !!!!
200€ für einen Kinosessel??? Wahrscheinlich von Armani in der Lederausführung, oder??
Im Internet gibt es genug gebrauchte Kinosessel und die kosten längst nicht so viel….
Lächerlich ihr Einwand, dass das viel an Gehalt kostet, Herr
Weber hat vorgemacht wie man Leute schlecht bezahlt, in all seinen Kinos. Sie können oder wollen sich nicht erinnern, es gibt bei Webers nicht mal einen Betriebsrat!
Übrigens hat meine “bessere Hälfte” 350€ gespendet, da können Sie sich bestimmt mehrere Scheiben von abschneiden, oder?
Ausserdem hat keiner groß rumgeschrieen, er will das “Casa” retten, ist doch klar das das in der Presse kommt; weil es ja auch viele Leute interessiert. Wenn Sie damit ein Problem haben, ist das nicht zu ändern.
Es gibt auch jetzt noch viele Leute die mitarbeiten wollen, darauf sollte man sich jezt konzentrieren und nicht rummeckern, liebe “Realistin”……
Zweifellos hat Weber das Recht so zu verfahren, und ich habe zweifellos das Recht das mies zu finden.
Nun gibt es offensichtlich keine Zukunft mehr für das Casablanca: Am Mittwoch, 25.3. 2009 läuft dort der letzte Film. Näheres dazu hier: http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=990105&kat=11
Ja, der letzte Film läuft morgen, leider!
In den Filmtips habe ich eben gelesen, W. Weber will am Samstag die Kinosessel versteigern, Mindestangebot 30€, Mindestabnahme 4 Sessel!
Ich denke, die Sessel sind längst abgeschrieben, der Wert (buchhalterisch) dürfte 1€ pro Stück betragen.
Da kann sich jeder sein Teil denken (siehe oben) oder auch nicht!
Herr Weber rückt sich natürlich in gutes Licht im NZ-Interview, aber ich kann nicht verstehen, wie jemand einen Betrieb so gegen die Wand fährt! Die Filmqualität unter aller Sau, die Sessel alt, älter, am ältesten. In der Kneipe kein Bier vom Fass, was denkt sich Herr Weber? Wollte er die Leute mit Absicht vergraulen? Damit ja alle ins “Cine” gehen? Wie haben sich seine Angestellten eigentlich gefühlt? Herr
Weber hat nicht mal den Mumm gehabt, sie von seinen Plänen zu unterrichten!
Herr Weber ist Unternehmer, jeder Unternehmer muss auch gelegentlich was refinanzieren, das ist im “Casa” eigentlich nie geschehen! Da muss sich niemand wundern, dass die Besucherzahlen rückläufig waren, ja es grenzt schon an ein Wunder, dass es erst seit letztem Jahr “rote” Zahlen schreibt!
Und nun also “verbrannte Erde”, damit ja keiner den Weber-Kinos das Programmkino-Segment in Nürnberg streitig machen kann! Vielen Dank Herr Weber, Sie haben Ihrer Heimatstadt einen grossen Dienst erwiesen! Endlich haben Sie die Südstadt “Kinofrei” bekommen!
Hi,
bin vor Jahren das letzte Mal im Casa gewesen – und fand es grauenhaft! Ton, Bild, Ausstattung – das war Mittelalter. Ja, ich wäre auch fürs Retten gewesen, aber das hätte eines Komplettumbaus bedurft. Und dass den Weber derzeit nicht zahlen will, kann ich verstehen. Nostalgie hin oder her – so taugte das Casa gar nichts mehr, das hatte nichtmal mehr Charme. Leider.
Und am Ende will’s wieder keiner gewesen sein: nicht die, die auf Grund des sagen wir mal unterdurchschnittlichen Tons und der mäßigen Bildqualität nicht mehr kamen; nicht die, die nie dort gewesen waren aber sich in kultureller Vielfalt zu befinden glaubten; und natürlich nicht die, die es betrieben haben und sich jeden Euro Neu-Investition sparen wollten.
Da dann noch so viel Geld zu verlangen ist tatsächlich dreist und erstickt jede Möglichkeit der Komplett-Erneuerung im Keim.
Schade.
Und dass da dann nicht die Stadt einspringt, kann ich ehrlich gesagt verstehen. Das wäre im Kontext mit der Finanzkrise nur ein erneutes den Bankern ihre Fehler bezahlen…