Soll die Stadtbibliothek gebaut werden?

Der Neubau der Stadtbibliothek treibt derzeit nicht nur die Altstadtfreunde um, siehe nebenstehenden Bericht, sondern auch die Parteien im Stadtrat. Während SPD, Grüne und FDP an den Beschlüssen festhalten wollen und die Stadtbibliothek wie geplant bauen wollen, möchten CSU, ÖDP und Freie Wähler das Verfahren noch einmal aufrollen. Ziel der Kritiker ist, den Hauptbau entlang der Nonnengartenstraße ein Stockwerk niedriger zu bauen, damit der Riegel ohne Satteldach nicht so massiv ausfällt. Außerdem soll die Westfassade völlig neu gestaltet werden.
Die Befürworter der Pläne sehen die Fassade als gelungen an und befürchten durch eine Verzögerung des Bauwerks den Verlust von Fördergeldern. Außerdem hätten die Kritiker über ein Jahr Zeit verstreichen lassen, bis sie sich ablehnend geäußert haben. Jede Verzögerung kostet aber Geld. Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll die Stadtbibliothek wie geplant gebaut werden?

Sagen Sie uns doch Ihre Meinung.

4 Kommentare in “Soll die Stadtbibliothek gebaut werden?

  1. Ich kann weder mit Doktor-Titel noch mit Gleichartigem aufwarten, bin jedoch der Meinung, daß auch der „normale“ Bürger Nürnbergs ein Recht auf Äußerungen hat.
    Moderner Architektur extensiv aufgeschlossen, finde ich den Entwurf für unsere „Zentralbibliothek“ (in bester Nachbarschaft zu LGA und sehr schön renovierten alten Fachwerkhäusern) jedoch äußerst mißlungen. Da müßte doch mehr Kreativität und Loyalität zum Vorschein kommen, ich plädiere für: Einiges an Sandsteinfassade mit großen Glasflächen… BITTE werdet unserer Altstadt gerecht!

  2. Ich weine ja auch um die alte Stadtbücherei, die in der behelfsmäßigen Verbindung aus Luitpoldhaus- und Klosterruine eine wunderbar adäquate Behausung gefunden hatte, charmant schludrig, ruhig dahindösend, efeubewachsen, die großen runden Fenster von Topfpflanzen zugestellt – eine perfekte Hülle für den introvertierten Leser.
    Der Umbruch musste einfach kommen, und während die Bücher schon viel weiter sind und bald nur noch gebeamt oder gestreamt werden, möchte die Bibliothek jetzt weltoffener und technikaffiner wirken. Das sei ihr zugestanden, nicht jedoch diese wirklich häßliche Wabenfassade, ganz offensichtlich eine verzweifelte Anbiederung an die gothischen Fensterstrukturen der benachbarten Ruine – da kann Herr Baumann von beeindruckender Technik reden soviel er will. Eine einfache glatte Glasfassade, das wär’s eben doch gewesen, vielleicht aufgelockert mit verschieden farbig getönten Gläsern. Ein leicht spiegelnder Glaskörper, der seine Umgebung aufnimmt und leicht verändert zurückwirft, das passt sich noch am besten ein, ohne sich anzubiedern und hat sich in Nürnberg schon oft genug als Lösung durchgesetzt.

  3. Sie haben Recht, Herr Bittner. Funktion und Qualität der Stadtbibilothek, einem kulturellen Herzstück einer Stadt mit Anspruch, sind sehr wichtig. Aber das ist nicht alleine der Punkt an dieser Stelle. Auch Sie wollen Kritik sicher nicht unterdrücken, und die Leute sind zu Recht wütend.

    Der Entwurf bekommt von mir eine 4 minus, die Verwaltung eine 5. In der Sigmundstraße hätte der Entwurf eine 2-3 erhalten, aber in der Altstadt, sogar im gesetzlichen Geltungsbereich des Denkmalensembles Altstadt, haben die Beteiligten hier mangelhaft gearbeitet.

    Die 4 bekommt der Entwurf deswegen noch, weil der hauptsächlich diskutierte und die Bildhaftigkeit des Denkmals Altstadt gedanken- und zweifellos störende Riegel noch der gestalterisch am wenigsten mißlungene Teil des Gebäudes ist. Er entspricht aber nicht mehr als der durchschnittlichen Mode der letzten 10 Jahre und zeugt von der ach so originellen, zurzeit amtlichen 20er-Jahre-Bauhaus-Nostalgie, und dem offenbar immer noch unwiderstehlichen Drang, immer und überall eine Unité d’Habitation nachempfinden zu müssen, da die lokale Architekturgeschichte ja keine Inspiration bietet. Dabei wird Le Corbusier schon so schön am Saturnweg geehrt. Die Unis lehren aber anscheinend nichts anderes, vor allem nicht wie man in historischem Kontext baut. Nur das Cinecitta als Bezugspunkt zu nennen, liebe Grünen, tut sogar diesem weh und ist ein transparentes Feigenblatt. Ich kann nicht beurteilen, ob die ebenso wichtigen inneren Qualitäten des Baus so gut sind, wie behauptet wird, aber ich unterstelle das jetzt mal. Aber es will nicht in den Kopf, daß nach einer so langen Planung ein solches Mäuslein aus dem kreißenden Berg geschlüpft ist. Jedenfalls hat der Entwurf nichts Individuelles. Daß man so lange in einem weltfremden Delirium schwebt und nicht erkennt, daß im Ensemble Altstadt eben die äußere Erscheinung ein wesentlich bedeutenderer Faktor bei der Planung ist als an anderen Standorten, geht in Richtung einer Bankrotterklärung für die Stadtplanung.

    Besonders peinlich ist es, jetzt noch zu versuchen, die Bevölkerung mit einer fragwürdigen Fotomontage, bei der die Katharinenruine wegretuschiert ist, auf den Arm zu nehmen. Aber historische Aspekte sind lästig. Es ist sicher nicht immer einfach, beim städtischen Denkmalschutz zu arbeiten. Fachlich dem Landesamt für Denkmalpflege nahestehend, muß man Entscheidungen des eigenen Chefs vertreten, der sich über die Stellungnahme der Fachbehörde hinwegsetzt. Es fragt sich, ob mit der noch nicht all zu lange bestehenden Freiheit der Kommunen, die Positionen des Landesamtes zu ignorieren, auch verantwortungsvoll umgegangen wird.

    Der im Entwurf zu sehende Bauteil an der Nonnengartenstraße ist an gehemmter Mittelmäßigkeit jedenfalls kaum zu überbieten. Nicht einmal in der Materialwahl hat man sich bemüßigt gefühlt, mit der Gesamtsituation zu korrespondieren. Dabei hätte man das Äußere des ursprünglich von Berolzheimer gestifteten Hauses sicher teils rekonstruieren und in einen Neubau interessant und qualitätvoll integrieren können. Doch in den „Fachkreisen“ herrscht anscheinend eine Art Nürnberg-Allergie, und der, der an Anpassung oder Rücksichtnahme denkt, hat garantiert mit einem entsetzlichen Ausschlag sowie der Ächtung durch die Kollegen zu rechnen. Dabei haben die Kollegen von damals sicher nicht schlechter gearbeitet als deren Nachfolger heute.

    Liebe Architekten, lieber Herr OB – sehen Sie sich mal an, wie die Vorreiter der Moderne in den 20er Jahren in der Altstadt gebaut haben. Schweizer und Luppes „gemeinsames“ Arbeitsamt an der heutigen Karl-Grillenberger-Straße war hochmodern und zeugt gleichzeitig von Demut vor der Altstadt, nicht von Hochmut und Egoismus. Heute genießen Luppe und Schweizer höchstes Ansehen – doch den Milchhof hat man jahrzehntelang vernachlässigt und dann aufgegeben. Bei Volker Staabs Entwürfen spürt man wenigstens ein Bemühen, auf die Altstadt einzugehen. Es ist also möglich, nur wenn Wille und Gestaltungskraft fehlen, kann nichts Gutes passieren.

    Es ehrt Herrn Maly, wenn er seinen Mitarbeitern den Rücken stärkt. Aber ungünstiger als mit der Aufzählung sämtlicher Bausünden der Nachkriegszeit hätte er seinen Baureferenten nicht rechtfertigen können. Im Unrecht gibt es keine Gleichheit, genauso machen die Fehler anderer das eigene Versagen nicht wett.

    Die Altstadtfreunde in die Entscheidungsfindung einzubeziehen, hielte ich indessen für problematisch. Sie hätten ohnehin keine Macht, wie sich an der weltklugen Berücksichtigung im Augustinerhofgremium zeigt, sondern würden immer überstimmt werden mit dem Ergebnis, danach nichts mehr tun zu können. So würden sie als Mitmacher ihr Protestpotenzial verlieren. Freilich ist bei der Stadtbibilothek die verspätete Reaktion der Altstadtfreunde kein Ruhmesblatt, war doch schon letztes Jahr ein Bild vom Entwurf in der Zeitung. Gleiches gilt übrigens für die CSU, deren spätes Erwachen als Insider hier durchaus Fragezeichen aufwirft. Aber selbst wenn das Vorhaben nicht mehr verhindert werden könnte, ist es gut, die Diskussion lieber spät, als nie zu führen, in der Hoffnung, daß daraus gelernt wird.

    Zuletzt fordere ich Verwaltung, Politik und Fachleute auf: Die Nürnberger sehnen sich nach Architektur, die auf die Altstadt Rücksicht nimmt. Haben Sie Mut, entgegenzukommen. Man wird es Ihnen danken. Vielleicht verstehen Sie das nicht, aber die Bürger fühlen die Stadt wie eine zweite Haut, und wenn sie verletzt wird, schreien sie auf.

    Dr. Michael Metzner
    Autor von http://www.baukunst-nuernberg.de

  4. Es ist traurig, dass offensichtl. durch Arroganz und Wahlkampf das Bibl.Projekt zu Fall gebracht werden soll, welches seit 17.7.2008 in der jetzigen Form allg. bekannt ist. Bereits seit 8.11.2007 (1. BauKunst-Sitzung) ist durch die Presse ausführlich informiert worden und ich habe gehört, dass auch jemand von den Altstadtfreunden bei einer Sitzung dabei war! Warum erst jetzt die negative Stimmung? Und somit wird es wieder einmal – durch die Bibl. unverschuldet – für die Stadt und die Bibl. durch erst später mögl. Einsparungen teurer. Seit 1989 liegen die m² für die Bibl. fest (genehmigt durch das Org.Amt), die bis heute vom Grundsatz weitgehend eingehalten wurden. Gem. KGst-Gutachten würde einer Bibl. dieser Größenordnung sogar weit mehr zustehen. Seit Mitte 2002 sind die 1000 m² Magazine über den IMAX- Kinos fertig und ungenutzt! Zum Lesesaal in der Kath.Ruine: Die Idee widerspricht dem neuen Konzept eines Speziallesesaals mit direkter Anbindung an die Handschr.Magazine und dann wäre dort „Sommer in Nbg“ passe. Ich bedaure die Mitarb. der Bibl., die sich seit 1978 mit der Bibl.Planung in vielen Varianten beschäftigt haben und jetzt weiter unter teilweise schwierigen Bedingungen arbeiten müssen- aber auch die Nutzer der Bibl., die den für 2 1/2 Jahr gedachten provisorischen engen Zustand in Kons- und Kath.Gebäude jetzt noch lange werden ertragen müssen.

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